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Veröffentlicht am 14.06.2021

Großartiger Humor gepaart mit individuellen Einblicken und vielen Infos

Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?
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Das erste Sachbuch von John Green hat mich durch den ungewöhnlichen Titel angesprochen, mit dem ich zwar viel anfangen konnte, aber dann doch nicht wusste, wie genau ich mir ein Buch über das Anthropozän ...

Das erste Sachbuch von John Green hat mich durch den ungewöhnlichen Titel angesprochen, mit dem ich zwar viel anfangen konnte, aber dann doch nicht wusste, wie genau ich mir ein Buch über das Anthropozän vorstellen soll. Spätestens mit der Einleitung hatte sich dann geklärt, dass der Autor sich die Ironie der Fünf-Sterne-Bewertung zum Vorbild nimmt und allerlei Phänomene aus dem Anthropozän, also dem aktuellen geologischen Zeitalter, das überaus stark durch den Menschen geprägt ist, in diese 5-Sterne Skala einordnen will. Und das ganze anhand von recht kurzen Essays, deren Themen unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch eine stringente Handlung aufweisen. Die Grundidee zum Buch hat mir schonmal total gut gefallen, und von Anfang an kam die Persönlichkeit des Autors und sein unverwechselbarer Humor total stark durch, so dass das Buch trotz der eher sachlichen Themen schnell unglaublich persönlich wurde. Neben dieser lockeren Art brachte das Buch aber auch alle möglichen Infos mit sich, die ob unnötig oder nicht, mich immer wieder zum Staunen und Nachdenken gebracht haben. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die während des Lesens immer wieder ganze Passagen den anwesenden Leuten vorgelesen hat, weil mir Schreibstil, Humor und Informationsgehalt in dieser Mischung einfach wahnsinnig gut gefallen haben und ich diese einfach teilen musste!
Und wäre das nicht schon genug, regt John Green durch die unterschiedlichsten Themen in seinen Essays jeden irgendwann mal zum Nachdenken und Sinnieren über den Menschen und seine Leistungen und das Glück, am Leben zu sein, an. Auch dieser Aspekt hat mir total gut gefallen und vor allem zu Anfang habe ich die Kapitel nur so verschlungen und das alles in mich aufgesogen!
Ein paar Kritikpunkte habe ich bei allem Lob allerdings auch noch, denn mit der Zeit wurden mir die kurzen und ständig wechselnden Kapitel dann doch zu viel und ich habe gemerkt, dass ich nicht immer ganz so aufmerksam lesen konnte , die Infos nicht mehr alle verarbeiten konnte. Noch dazu kommt der wirre Schreibstil des Autors, der von Thema zu Thema schweift, so dass ich oft gar nicht mehr wusste, worum es in dem Kapitel laut Überschrift geht und gleichzeitig auch nicht, was das unterschwellige Thema sein sollte. Es ging schon immer ziemlich hin und her! Gegen Ende wurde es mir dann irgendwie auch zu persönlich und individuell und ich hätte mir für ein Sachbuch dann doch auch mehr sachlichen Inhalt gewünscht, mehr, mit dem auch ich selbst mich identifizieren kann...
Letztendlich muss ich sagen, dass mich John Greens neues Buch zwar sehr gut unterhalten hat, ich aber trotzdem nicht genau sagen kann, was für ein Buch ich da gerade gelesen habe und auch keine Quintessenz für mich mitnehmen kann. Außerdem hätten ein paar Kapitel weniger meiner Meinung nach auch nicht geschadet. Ich gebe "Wie hat Ihnen das Anthropozän bisher gefallen" vier Sterne

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Veröffentlicht am 01.06.2021

Viel ungenutztes Potenzial

Die Stadt der Seher
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"Die Stadt der Seher" handelt von dem jungen Marco, der auf den Straßen der mächtigen Stadt Vastona lebt, bis er das Große Glück hat, vom mächtigen Orden der Seher als Fedele aufgenommen zu werden. Hier ...

"Die Stadt der Seher" handelt von dem jungen Marco, der auf den Straßen der mächtigen Stadt Vastona lebt, bis er das Große Glück hat, vom mächtigen Orden der Seher als Fedele aufgenommen zu werden. Hier hat er endlich ein Bett, zu Essen und ein Dach über dem Kopf und ist gewillt, seine Sache gut zu machen, auch die geheimnisvollen Rituale, zu denen die Seher ihn nach einiger Zeit rufen. Doch bald wird ihm klar, dass die Seher nicht so gut sind, wie es scheint.

Nachdem ich zunächst ein paar Schwierigkeiten mit dem Schreibstil des Buches hatte, kam ich dann doch sehr schnell in die Geschichte hinein und war bald gefesselt von der Handlung. Gleichzeitig fielen mir aber schon von Beginn an immer wieder Dinge auf, die mich am Buch gestört haben, allen voran die wenigen Hintergrundinformationen, die man als Leser bekam. So waren Marcos Herkunft und sein früheres Leben, wie auch die Hintergründe der anderen Figuren bis zum Ende des Buches weitestgehend unklar, was es mir sehr schwer machte, mir ein Bild der Charaktere auszumalen oder mich diesen sonderlich nahe zu fühlen. Neue Figuren wurden so plötzlich und unbedeutend in die Handlung eingeführt, dass mir erst später bewusst wurde, dass es sich dabei um wichtige Personen für die weitere Handlung handelte. Schicksale wie die Tode von Nebenfiguren, wurden derart knapp und emotionslos geschildert, dass man sie fast hätte überlesen können und dann dementsprechend verwundert war. Aber da die Charaktere eben so blass und wenig tiefgründig waren, fiel es mir als Leser auch leicht, diese schweren Schläge zu verkraften. Aber auch Fragen zu der Welt, in der das Buch spielte, blieben weitestgehend offen.

Die Rahmenhandlung und die Idee der Geschichte zu dem zwielichtigen Orden der Seher fand ich richtig gut, allerdings ist für mich damit auch viel ungenutztes Potenzial verbunden. Vieles wurde nur halb ausgeführt, wodurch ich die meiste Zeit verwirrt war und Fragen im Kopf hatte, die bis zum Ende nicht wirklich geklärt wurden. Teilweise erschienen mir Gegebenheiten auch nicht logisch und durchdacht. Und vor allem gegen Ende des Buches nahm die Handlung derart an Fahrt auf, dass ich überhaupt nicht mitkam, alles wurde nur angerissen und nicht ausführlich geschildert. Erst auf den aller letzten Seiten löste sich alles auf und direkt danach kam schon der Epilog und fertig. Da ist mir der Autor einfach so davongerast und hat es sich auch teils viel zu einfach gemacht, die Handlung aufzulösen.

Ich bin mir sicher, dass mit mehr Seiten und mehr Emotionen aus der Grundidee des Buches eine richtig tollt Geschichte hätt werden können. Durch die vielen offenen Fragen und das enorme Tempo konnte mich die Geschichte allerdings leider nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Informativ und lecker!

Heilsam kochen mit Ayurveda
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Da ich schon ein anderes Ayurveda-Kochbuch besitze, von dem ich echt begeistert bin, war ich total neugierig auf "Heilsam kochen mit Ayurveda" und wurde auch nicht enttäuscht! Die einführenden Kapitel ...

Da ich schon ein anderes Ayurveda-Kochbuch besitze, von dem ich echt begeistert bin, war ich total neugierig auf "Heilsam kochen mit Ayurveda" und wurde auch nicht enttäuscht! Die einführenden Kapitel in die Lehre des Ayurveda sind umfassend, sehr informativ und ganzheitlich, so wie auch der Ansatz des Ayurveda selbst. Ich hatte nicht das Gefühl, dass etwas ausgelassen wurde, sondern dass ich über alle Facetten informiert wurde, inklusive Warenkunde über wohltuende Lebensmittel für jeden Konstitutionstyp. Ich gebe ehrlich zu, dass manches für mich schon ein bisschen wie Zauberei klingt, aber trotzdem bin ich fasziniert von dem ganzheitlichen Ansatz des Ayurveda, der den gesamten Menschen betrachtet und nicht nur eine Krankheit oder ein Körperteil mit Beschwerden, wie es in der Schulmedizin heute gehandhabt wird.

Die vielen tollen Rezepte im Buch zeigen außerdem, dass Ayurveda nicht nur gut tut, sondern auch richtig gut schmeckt! Oft blättere ich durch Kochbücher und tue mich schwer, mehr als ein oder zwei Rezepte zu finden, die mir nicht zu ausgefallen und aufwendig sind und auf die ich dann auch noch Lust habe. Und die eine vollwertige Mahlzeit darstellen, denn oft sind Rezepte in Kochbüchern meiner Meinung nach eher Beilagen und kein Hauptgericht. Hier ist dem nicht so und trotz vielseitiger und auch mal ausgefallener Rezepte waren die Gerichte einfach umsetzbar, ich musste nach dem Kochen nicht sämtliches Geschirr spülen, dass wir besitzen und sie stellten auch vollwertige Gerichte dar. Die Rezepte lassen sich also gut in den Alltag integrieren, alles, was ich ausprobiert habe, war echt lecker und es gibt im Buch noch einiges mehr, dass ich noch ausprobieren will! Besonders das Wirsing-Linsen-Curry und die Veganen Schokokekse haben es mir echt angetan. Das Buch bietet also durchaus auch neue Lieblingsrezepte! Toll finde ich auch, dass zwar viele Rezepte nicht vegan sind, aber meist nur eine leicht ersetzbare Zutat wie Ghee ausgetauscht werden muss, um die meisten Rezepte auch als vegane Variante kochen zu können.

Das einzige, womit ich mich dann aber doch noch etwas schwer tue, ist die Anwendbarkeit des Ayurveda in unserem heutigen Alltag. Während Corona und dem vielen zu Hause sein mag es fast noch möglich machen, aber wer kann in normalen Zeiten denn schon dreimal pro Tag kochen? Denn durch die Rohkost, auf die man weitestgehend verzichten soll, bleibt einem ja kaum etwas anderes übrig... Und auch wenn ich beim Frühstück schon etwas experimentierfreudiger geworden bin, so komme ich beim Abendessen noch nicht wirklich vom klassischen Brot weg. Weiterhin haben mich einige Pastarezepte im Buch irritiert, die im Kapitel "Frühstück" einsortiert waren. Auch das kann ich mir nur sehr schlecht vorstellen, aber ich gebe mein Bestes und werde weiter an meiner Ernährung achten und die Lehre des Ayurveda so gut es geht in meinen Alltag einbeziehen! Für mich ist das Buch eine große Empfehlung und ich werde gerne weiter daraus kochen!

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Veröffentlicht am 05.05.2021

Großartig!

Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte
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"Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" ging mir schon seitdem ich zum ersten Mal das Cover und die Inhaltsangabe gesehen hatte, nicht mehr aus dem Kopf. Vermutlich lag das hauptsächlich an diesem wahnsinnig ...

"Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" ging mir schon seitdem ich zum ersten Mal das Cover und die Inhaltsangabe gesehen hatte, nicht mehr aus dem Kopf. Vermutlich lag das hauptsächlich an diesem wahnsinnig schönen Cover, aber auch die vielen begeisterten Rezensionen der englischen Ausgabe machten das Buch für mich zu einem must read. Die Inhaltsangabe klang zwar interessant und vielversprechend, lies aber dennoch vieles offen und ich fragte mich die ganze Zeit, was in diesem Buch nur alles passieren wird. Und was soll ich sagen, meine Hoffnungen wurden alles andere als enttäuscht, ich liebe dieses Buch! Ein absolutes Lesehighlight! Daher will ich zum Inhalt auch gar nicht viel mehr sagen, lassen Sie sich selbst überraschen und von dem Buch gefangen nehmen!

Zu Beginn hatte ich zwar noch so meine Startschwierigkeiten, denn Linus' Tagesablauf war alles andere als spannend und die miesepetrigen Nachbarn und Kollegen taten ihr übriges dazu, dass ich anfangs nicht so ganz wusste, was das hier wird. Auch mit Linus Auftrag auf der geheimnisvollen Insel Marsyas, seiner Reise dorthin und der Begegnung mit den Bewohnern des Heimes auf der Insel ließen meine Schwierigkeiten noch nicht vollständig nach. Ich wollte mehr über diese andere Welt wissen, in der ich gelandet war und deren Beschreibungen zu wünschen übrig ließen. Linus Art fand ich anfangs echt anstrengend, wie er vor allem Angst hatte, so stark auf die Regeln und Gesetze fokussiert war und gefühlt ständig schweißgebadet war. Und zu guter Letzt konnte ich mir die Kinder in Mr. Parnassus' Heim, die äußerlich teilweise schon interessant und sehr anders beschrieben wurden, nur schlecht vorstellen. Den Schreibstil fand ich zwar gut, aber manchmal doch etwas zu iterativ. Aber nach und nach habe ich vor allem in diesem Punkt gemerkt, dass es darum in dem Buch überhaupt nicht geht: Im Gegenteil! Die Botschaft ist doch, jemanden nicht als anders wahrzunehmen, sondern trotzdem als Menschen, der gleich und vor allem gleichwertig wie alle anderen ist! Im Laufe des Buches habe ich immer mehr bemerkt, wie meine anfänglichen Problemchen sich in Luft aufgelöst haben und plötzlich sogar Sinn ergaben.

Spätestens ab der Hälfte des Buches war für mich alles völlig stimmig, ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen und habe die Sätze geradezu aufgesaugt. Es war, als würde ich mich gemeinsam mit Linus in die neue Welt hineinfinden und die Bewohner des Heimes einfach als Menschen zu akzeptieren, nicht mehr die Regeln und Standarts (in meinem Fall von anderen Fantasyromanen) zu ersehnen, sondern mich einfach auf diese Reise einzulassen. Und genauso erging es Linus, de hinter den magisch begabten Kindern plötzlich charakterstarke und faszinierende kleine Persönlichkeiten entdeckte und langsam begann, diese in sein Herz zu schließen und sich gleichzeitig aus seiner strukturierten und langweiligen Welt zu entfernen. Die charakterliche Entwicklung von Linus fand ich einfach großartig gezeichnet, so feinfühlig und ergreifend! Allgemein bot der Roman die ganze Bandbreite an Gefühlen, die einen beim Lesen überkommen können! Ich hatte mehrfach Tränen in den Augen, hatte manchmal das Gefühl, das Herz schäumt mir über vor Emotionen und Zuneigung für die Figuren, ich musste aber auch immer wieder auflachen durch den großartigen Humor, der sich im Buch versteckte!

Das Buch beinhaltet neben einem geheimnisvollen Setting in einer magischen Welt eine tiefgehende Liebesgeschichte mit zwei äußerlich und anfangs innerlich so ungleichen Menschen, die nicht perfekt sind und den Standards entsprechen! Das war so unglaublich erfrischend zu lesen und die Gefühle, die ich beim Lesen hatte waren genauso aufrichtig und schön! aber das Buch vermittelt auch viele wichtige Botschaften und spricht für die, die als "anders" angesehen werden, als nicht "normal" und zeigt auf, was die Gesellschaft mit solchen Menschen machen kann, wenn sie sie nicht als gleichwertigen Teil von sich aufnimmt. Ein Aufschrei und ein Hoffnungsschimmer zugleich! Ein großartiges Stück Literatur, eine große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 22.04.2021

Spannung, Gänsehaut und Fassungslosigkeit

Girl A
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Zuerst muss ich sagen, dass ich echt nicht gerne gruselige Bücher und Filme lese/sehe und für mich ist die Grenze für gruselig schon sehr niedrig gesetzt. Auf "Girl A" war ich durch Cover, Titel und Inhaltsangabe ...

Zuerst muss ich sagen, dass ich echt nicht gerne gruselige Bücher und Filme lese/sehe und für mich ist die Grenze für gruselig schon sehr niedrig gesetzt. Auf "Girl A" war ich durch Cover, Titel und Inhaltsangabe aber schon so gespannt, dass mich das Buch nicht mehr losgelassen hat und ich nach der Leseprobe einfach wagen musste, es zu lesen. Nach dem Ende des Buches bin ich sehr froh darum, diese unglaubliche, erschütternde, spannende und einfach krasse Geschichte gelesen zu haben. Trotz vieler heftiger Beschreibungen, bei denen ich echt schlucken musste und auch mal eine Gänsehaut bekam, war es für mich im Rahmen und ich denke ich kann auch weiterhin gut schlafen. Der Fokus der Geschichte lag auch tatsächlich nicht so sehr auf den erschütternden Erlebnissen während Lex' Kindheit, sondern auch stark auf der Verarbeitung dieser und dem weiteren Leben der Opfer dieses scheußlichen Verbrechens im Haus des Grauens.

Zuerst mal zum Schreibstil: Wow. Ich war von der ersten Seite an total gefangen und konnte das Buch nie so richtig weglegen oder die Geschichte ganz vergessen. Es hat mich in den letzten Tagen immer verfolgt, wissen zu wollen, wie es weiter geht. Trotzdem war Girl A für mich kein Buch, das ich in einem Rutsch hätte durchlesen können, dazu gab es einfach zu viel zu verdauen. Ich fand die Charaktere, deren Entwicklungen und vor allem psychische Tiefen, aber auch die Beziehungen zwischen ihnen unglaublich gut beschrieben und spannend. Manchmal musste ich mir selbst Einhalt gebieten und nochmal eine Seite zurückblättern, weil ich vor lauter Spannung ein paar Sätze ausgelassen hatte und dann plötzlich total verwirrt war. Mein eigener Fehler. Lex fand ich schnell sympathisch, aber ich fand gleichzeitig auch, dass man ihr ihre Probleme mit der Vergangenheit angemerkt hat und sie teilweise auch "seltsam" wirkte, ihre Gedanken und Taten nicht immer ganz begreifbar für mich waren und man einfach merkte, dass ihre Vergangenheit Spuren hinterlassen hatte. Das macht sie sehr authentisch. Auch die anderen Überlebenden, ihre Geschwister, waren interessant und eigenwillig skizziert, vor allem die Dynamiken zwischen den Geschwistern, damals wie heute, waren sehr eindrücklich geschildert. Durch die tiefen Einblicke in die Vergangenheit und die komplette Familiengeschichte konnte man die Entwicklung der Eltern zu völlig anderen Menschen miterleben, als sie es anfangs zumindest in Teilen noch waren. Vor allem die Abgründe, in die sich der Vater immer weiter begab, waren wahninnig realistisch und schockierend beschrieben. Und auch wenn man eigentlich dachte, die wesentlichen Fakten der Geschichte sein bereits von Beginn an auf dem Tisch, so hielt das Buch immer wieder Wendungen bereit, die ich so nicht hatte kommen sehen. Also auch der Spannungsbogen war für mich total gut gelungen!

Spannend fand ich auch den Blick auf die vielen Nebencharaktere der Geschichte, wie die Adoptiveltern der einzelnen Geschwister, Lex' Psychologin Dr. K, ihre Chefin Devlin oder ihre Unifreunde Christopher und Olivia. Auch manche dieser Personen gaben mir Rätsel auf und blieben für die gesamte Geschichte in einem seltsamen Licht, so dass ich auch nach dem Ende des Buches immer weiter darüber sinniere, welche Bedeutung manche Charaktere und andere Kleinigkeiten hatten. Aber auch dieser Aspekt gefällt mir gut, da er die Tiefgründigkeit des Buches weiter betont und die Geschichte in Erinnerung bleiben lässt. Alles in allem ist das Buch ein großartiges Werk über eine grauenhafte Geschichte, über deren Verarbeitung, über die eigene Psyche und ich werde es so schnell sicher nicht vergessen! Große Empfehlung!

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