Profilbild von easymarkt3

easymarkt3

Lesejury Star
offline

easymarkt3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit easymarkt3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2025

Suche nach Raritäten in der Ukraine und nach neuer beruflicher Chance

Von Stufe zu Stufe
0

Auf dem Cover schlängelt sich das Negativfilm einer Filmrolle älteren Datums wie ein langer Regenwurm – zielgerecht zum Thema des Romans über die Entwicklung der österreichischen Filmindustrie ab 1906 ...

Auf dem Cover schlängelt sich das Negativfilm einer Filmrolle älteren Datums wie ein langer Regenwurm – zielgerecht zum Thema des Romans über die Entwicklung der österreichischen Filmindustrie ab 1906 hinführend. Auf zwei Erzählebenen geht es zunächst um den bald arbeitslosen Erzähler Marc, der unzufrieden mit seinem Archivjob und als Kartenabreißer im Kino nach seinem Studium der Filmwissenschaft im Dezember 2021 als Roofer illegal auf Wiens Hochhausdächern herumgeistert. Über Omas Betreuerin Katalina aus der Ukraine entwickelt sich dann eine abenteuerliche Rettung von Filmdosen für Zelluloidfilme aus der Stummfilmzeit. Der Buchtitel bezieht sich auf den Film Von Stufe zu Stufe, der 1908 von dem Team Louise Kolm und Jakob Fleck, den österreichischen Filmpionieren, gedreht wurde als ersten abendfüllenden österreichischen Spielfilm. Die Recherchearbeit des Erzählers, seine Suche nach raren Quellen, ist gut nachvollziehbar.
Die zweite Erzählebene handelt sehr detailliert von der Entwicklung der ausleihbaren Pathé-Kinematographen, der Kinematographen-Theater und den Bemühungen des Ehepaars Anton und Louise Kolm, neben der Arbeit in ihren Fotoateliers einen niveauvollen Spielfilm zu erstellen, weg vom billigen Klamauk in Kurzfilmen.
Der Schreibstil lässt sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit lebendig, realistisch, menschlich greifbar werden. Der Leser geht mit auf diese sehr spezielle Reise in die Vergangenheit der österreichischen Filmindustrie, verknüpft mit universitärer Jobsuche in Wien und den harten Realitäten in der Ukraine – sicher interessant für Filmfans der Stummfilmzeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2025

Verlogene Welt rund um Emissionshandel und CO2-Zertifikaten – interessant.

Halbinsel
0

Die Szenerie spielt auf der Halbinsel Nordstrand, nahe beim Watt, mit Blick auf Felder, Wald und Vögel. Die Ich-Erzählerin Annett, Mutter der 25-jährigen Linn, lässt in vielen Rückblicken ihre tiefgehenden ...

Die Szenerie spielt auf der Halbinsel Nordstrand, nahe beim Watt, mit Blick auf Felder, Wald und Vögel. Die Ich-Erzählerin Annett, Mutter der 25-jährigen Linn, lässt in vielen Rückblicken ihre tiefgehenden Gedanken zu Linns Kindheit und über das kurze Familienleben mit dem früh verstorbenen Ehemann Johan Revue passieren. Während des beschriebenen Zeitraums zwischen Mai und September wandelt sich das Verhältnis von Mutter und Tochter zu Gefährtinnen in einem langsamen Prozess des neu Kennenlernens und des vertrauensvollen Gewährens. Ist Linn mit gekündigtem Job und aufgelöster Wohnung in Berlin unerwartet wieder im Elternhaus eingezogen, verhält sie sich zunächst depressiv, antriebslos, abweisend und ist voller Enttäuschung über ihren bisherigen verlogenen Jobinhalt. Nach anfänglicher Verunsicherung, belastet auch durch einen vermeintlichen Versicherungsfall mit Bildrestaurierung und Neuanstrich in einem Hotel, füllt sich das Miteinander mit tiefgehenden Gesprächen z.B. über ihre Zukunft in 5 Jahren oder über den verlogenen Emissionshandel und CO2-Zertifikaten. Eigentlich leben Eltern wie Annett oft im Konflikt zu ihren Kindern, indem sie aus Fürsorge, getragen mit Hoffnungen und Erwartungen gleichzeitig deren Freiheit einschränken für eine Welt, die so anders sein mag als jene, in der man als Eltern selbst aufgewachsen ist – ein Generationenkonflikt. Künstler wie Gustav Mahler, Vilhelm Hammershøi, Detlev von Liliencron, Henrik Ibsen oder Theodor Storm sind bereichernd eingeflochten in Überlegungen der Ich-Erzählerin. Historisch interessant ist auch die Erwähnung der 2. Marcellusflut im Januar 1362, verbunden mit Verhaltensregeln im Watt für den Notfall.
Ein tiefgründiger Versuch einer Konfliktauflösung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2025

Ein spannungsgeladener Schüler-Lehrer-Plot

Haus Waldesruh
0

Das Cover mit dem Forsthaus „Haus Waldesruh“ passt ideal zu dem Roman von David Krems. Die Szenerie spielt in einer kalten Jahreszeit in diesem einstöckigen Jagdhaus in der Umgebung von Wien. Den vier ...

Das Cover mit dem Forsthaus „Haus Waldesruh“ passt ideal zu dem Roman von David Krems. Die Szenerie spielt in einer kalten Jahreszeit in diesem einstöckigen Jagdhaus in der Umgebung von Wien. Den vier ehemaligen Klassenkameraden geht es nach 15 Jahren seit der Matura nicht nur um ein Wiedersehen samt Austausch von Erinnerungen. Auch schmerzhafte Geheimnisse und mehr tauschen sie in drei Romanteilen aus.
Geht es im ersten Teil um Regelabsprachen, um diverse Themen wie Klimawandel, Umweltschutz, vegane Ernährung, Diskriminierungserfahrungen, zwei Geheimnisenthüllungen und um eine Gedenkminute an ihren Mitschüler Max in Verbindung mit dem Angst einflößenden Klassenvorstand Treichl, folgt im zweiten Teil der unerwartete Auftritt von Josef Treichl samt Marcos Geständnis, dem es um Rache, Gerechtigkeit für Max und um Verschiebung der Machtverhältnisse geht. Mit zunehmendem kriminellem Verhalten dieser Gruppe steigert sich die Spannung auch untereinander, realistisch beschrieben. Mit Leas Geheimnis offenbart sich auch die bisherige, scheinbar gut durchdachte Planung und der eigentliche Sinn dieses Treffens mit ungeplanter Flucht – alles rational und emotional sprachlich gut gesteigert. Schließlich gibt es im dritten Teil in einem alten Stammcafé aus Schülerzeiten nach Wochen voller Kommunikation in Chats und Telefonaten ein abschließendes, sehr aufschlussreiches Treffen der zwei Freundinnen mit überraschenden Wahrheiten.
Die verschiedenen Charaktere sind in ihrer Eigenart während der zunehmenden Stresssituation detailliert karikiert und psychologisch einfühlsam beleuchtet. Die immer noch unterschwellige Angst und Ohnmacht gegenüber mancher Ex-Lehrperson prägt diesen Roman.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

Amerikanische Jahre von Thomas Mann

Heimweh im Paradies
0

Das Cover zeigt einen Küstenstrich in gleißender Sonne, wahrscheinlich die Westküste bei Los Angeles, wo viele Exilanten aus Europa strandeten aus Angst vor dem Naziregime. Das Buch um Thomas Mann als ...

Das Cover zeigt einen Küstenstrich in gleißender Sonne, wahrscheinlich die Westküste bei Los Angeles, wo viele Exilanten aus Europa strandeten aus Angst vor dem Naziregime. Das Buch um Thomas Mann als Hauptfigur streift kurz den Wohnort in der Schweiz seit 1933, um lebensnah und im Detail über den Neuanfang in den USA zu berichten. Während seiner Schaffensperiode bis 1952 in Pacific Palisades erfährt man viel über dortige Begegnungen mit alten Freunden wie z.B. Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Max Horkheimer, Franz und Alma Werfel etc. Auch werden weitere Bücher wie ›Doktor Faustus‹ in ihrem Entstehungsprozess beschrieben. Sein politisches Engagement gegen Hitlers Regime über viele Jahre wird beleuchtet neben seinen zahlreichen Vortragsreisen nicht nur über seine schriftstellerischen Werke. Wie auch aus seinen Tagebucheinträgen ersichtlich geht es auch um Anfeindungen und Hoffnungen ihm gegenüber. Viel wird auf seine Bücher »Buddenbrooks« und »Zauberberg« eingegangen, ebenso auf Arnold Schönbergs Zwölftonmusik. Historische Fakten wie z.B. Ausgrenzungsmechanismen bei Enemy Aliens, Manns Reden an das deutsche Volk über BBC, Besuch bei Präsident Roosevelt und die amerikanische Einbürgerung sind chronologisch eingefügt. Mit der Veränderung des gesellschaftlichen und politischen Klimas der McCarthy-Ära erfolgt die Rückkehr in die Schweiz mit dem Tod von Thomas Mann 1955. Als Ehemann, Vater oder Bruder von Heinrich tritt er weniger in Erscheinung, was ihn menschlich unnahbar wirken lässt, auch wenn er den Kontakt zur Jugend sucht.
Was für ein unruhiges, bewegtes Berufsleben mit großer Verantwortung nicht nur für die eigene große Familie!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2025

Anita Berber und ihr Weg zum göttlichen Tanz bis 1928

Der ewige Tanz
0

Das Cover zeigt die Hauptfigur Anita Berber in ihrer Farbe ROT, sowohl als Hintergrundfarbe als auch in ihrem locker gewundenen Kleid, so hat Otto Dix diese im Free-Style expressiv agierende Tänzerin ...

Das Cover zeigt die Hauptfigur Anita Berber in ihrer Farbe ROT, sowohl als Hintergrundfarbe als auch in ihrem locker gewundenen Kleid, so hat Otto Dix diese im Free-Style expressiv agierende Tänzerin charakterisiert. Mit 29 Jahren ist sie an Tuberkulose im Berliner Bethanien-Krankenhaus bei den Diakonissen im Sommer 1928 gestorben. In Rückblicken sieht sie sich erneut als Star auf der Bühne und in Stummfilmen, bereits auf den Tod wartend. Neben ihrer Kindheit mit Großmutter Lu und ihrer Tanzausbildung geht es um ihren exzessiven Lebensstil, ihren Einfluss auf Mode à la Berber, um ihr Privatleben in kinderlosen Ehen und ihre künstlerischen, ausdrucksstarken Tanzdarbietungen in vielen Ländern. Ihre vielen Begegnungen in Cafés, Clubs etc. mit vielen Künstlern wie z.B. mit der Fotografin Madame d’Ora, dem Regisseur Richard Oswald, Conrad Veidt, dem Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, mit der Malerin Charlotte Berend (Frau von Lovis Corinth) vermitteln einen lebhaften Eindruck einer hemmungslosen Lebensweise, fern von gesellschaftlichen Normen. Der Schreibstil mit Anita als Erzählerin ist persönlich gehalten aus Frauensicht. Der neuen, bewegten Zeit der Weimarer Republik wird historisch gebührend Rechnung getragen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere