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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2026

Kreative Aufklärungen und lehrreich in Sachen DLB

Die Rätsel meines Großvaters
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Neben der detaillierten, nachvollziehbaren Auflösung von 4 komplizierten Kriminalfällen geht es zwischen den Hauptcharakteren um die Lewy-Body-Demenz (DLB) des Großvaters mit seinen Symptomen und Merkmalen. ...

Neben der detaillierten, nachvollziehbaren Auflösung von 4 komplizierten Kriminalfällen geht es zwischen den Hauptcharakteren um die Lewy-Body-Demenz (DLB) des Großvaters mit seinen Symptomen und Merkmalen. Die Verkettung des kranken Meisterdetektivs und seiner Kenntnis an gestriger, westlicher Kriminalliteratur mit seiner überzeugenden Deduktionsfähigkeit bei ihm im häuslichen Rahmen vorgestellten, aktuellen Kriminalfällen ist originell, die Auflösungen sind kreativ und nachvollziehbar. Der Schreibstil betont gekonnt die innige Vertrautheit zwischen dem Großvater und seiner Enkelin Kaede, beide belesene Liebhaber von europäischer Kriminalliteratur und deren Verfilmungen. Man denke nur an die Thriller von Hitchcock, denen hier doch auch gehuldigt wird. Manche Charaktere wirken im Sozialverhalten bisweilen etwas sehr extrem. Ein Besuch am Shintu-Schrein, ein Hausaltar mit Totenregister im Haus und das christliche Weihnachtsfest feiern - verschiedene religiöse Symbole sind hier verarbeitet und verursachen Grübeleien.
Insgesamt eine angenehme, japanische Mischung der Genres Krimi und Literatur in ruhigem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Honigperlen zur Unterstützung des ramponierten Selbstwertgefühls

Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello
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Das Cover entfaltet einladende Camping-Urlaubsgefühle in sommerlichen, südländischen Gefilden. Wie der Buchtitel schon verspricht, sorgen Prosecco und Limoncello für angenehme Urlaubs-Momente im Leben ...

Das Cover entfaltet einladende Camping-Urlaubsgefühle in sommerlichen, südländischen Gefilden. Wie der Buchtitel schon verspricht, sorgen Prosecco und Limoncello für angenehme Urlaubs-Momente im Leben der Hauptfigur Lena, 35, Redakteurin bei Femina im Dauerstress und alleinerziehend. Sie ist unterwegs mit dem ausgeliehenen VW-Bus älteren Jahrgangs namens Berta, dessen Vermenschlichung zu konstruiert wirkt. Die warmherzige Urlaubsreise mit touristisch bekannten bis unbekannten Zielen stellt Lena vor unerwartete Problemstellungen, die je Kapitel mit ganzseitigem Bild angezeigt und mit praktischer Affirmation positiv abgeschlossen werden. Ein aufmunternder Weg zu mehr Selbstliebe in warmherzigem Ambiente.
Ein bereichernde, angenehme Sommerlektüre!

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Kreativ konstruierter Krimi

Giftiger Grund
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Die hauptsächliche Szenerie spielt an einer stillgelegten, am nahen Wald abseits gelegenen Tankstelle. Dieser detailliert beschriebene Ort wird von drei, einander fremden Hauptfiguren nachts aus verschiedenen ...

Die hauptsächliche Szenerie spielt an einer stillgelegten, am nahen Wald abseits gelegenen Tankstelle. Dieser detailliert beschriebene Ort wird von drei, einander fremden Hauptfiguren nachts aus verschiedenen Gründen aufgesucht. Während Charu als junge, finanzschwache Lost Places Influencerin mit ihrer Glitzerkatze als Markenzeichen diese ramponierte Location im Zeitraffer aufnimmt, entwendet ein 10-jähriges, seltsam gekleidetes Mädchen in frühen Morgenstunden ihr kostbares Logosymbol. Nach einfühlsamer Kontaktaufnahme zwischen ihnen über eine Nachricht auf leerer Getränkeverpackung und ihren Apps auf Internetplattformen betritt Joran, frisch entlassen aus der JVA, diesen nächtlichen Schauplatz auf der Suche nach seiner damals dort versteckten Beute, findet jedoch nur seinen toten Freund im Kanalschacht. Deren verschiedene, schwierige Lebensverhältnisse werden realistisch nachvollziehbar beschrieben, auch ihren Wandel von anfänglichem gegenseitigem Misstrauen und Ablehnung zu schicksalhaftem, überlebenswichtigem Miteinander auf Vertrauensbasis. Der kreative Einsatz von technischen Medien wie z.B. Airtags oder abhörsicheres Kryptohandy beflügeln hier noch das Ambiente um soziale Medien. Die Arbeit von Jugendämtern wird angerissen. Die sympathischen Hauptfiguren erfahren ein Happy End mit einem überraschenden Schluckauf mit drei Toten.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Vielschichtiger Familienroman

Alma
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Das sommerliche Cover gibt eine malerische Kulisse mit zwei jungen Personen wieder, doch der Romaninhalt erzählt umfangreich vom politischen Zerfall Jugoslawiens mit der italienischen Stadt Triest im nahen ...

Das sommerliche Cover gibt eine malerische Kulisse mit zwei jungen Personen wieder, doch der Romaninhalt erzählt umfangreich vom politischen Zerfall Jugoslawiens mit der italienischen Stadt Triest im nahen Grenzbereich gelegen. Europäische Geschichte zur Zeit Titos und der nachfolgende Bürgerkrieg um Sarajewo, Vukovar und Srebrenica mit all den Brutalitäten an der Zivilbevölkerung bilden den Hintergrund für die Lebensgeschichte von Alma, der Journalistin und Vili, dem Fotografen, beide auf der lebenslanger Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Sicherheit. Aus Almas Rückschau wird über das großbürgerliche Leben ihrer gut situierten Großeltern mit Habsburger Ambiente erzählt, wenig über ihre in der offenen Psychiatrie Franco Basaglias arbeitende Mutter. Almas Vater, ein zwischen Ost und West wandernder, unruhiger Slawe, Titos Reden-Schreiber, prägt ihre Kindheit zwischen der dortigen Sprachenvielfalt sehr. Mit ihm zieht auch der 11-jährige Vili, Sohn seines Freundes aus Belgrad, einem Dissidenten, für immer nach Triest in ihr Elternhaus. Beider Erwachsen-Werden pendelt zwischen Ablehnung, Verliebtheit und unfreiwilligem Wiedersehen nach dem Versterben ihres Vaters. Sein Erbe enthält z.B. auch ihre Zeitungsartikel, ihre Akte, Fotos, sein von kritischen Seiten bereinigtes Notizbuch. Seine Wurzeln, überhaupt seine Vergangenheit bleiben weiterhin vor ihr verschlüsselt wie auch vieles von Vilis Taktieren besonders während der Prozesstage am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mithilfe seiner Fotografien.
In Triest, in der Stadt der Irren, zwischen verschiedenen Kulturen und Sprachen verortet, zu nahe an kommunistischen Systemen angrenzend, in dieser ehemaligen Grenzstadt am Eisernen Vorhang, in ihrer Heimatstadt fühlt sich Alma nicht verwurzelt, sondern wie ihr Vater als Außenseiterin haltlos herumwandernd, selbst mit 53 Jahren noch.
Die Schilderungen zu den Kriegsereignissen in Belgrad, an der Drina etc. sind sehr drastisch und beängstigend. Der geschichtliche Hintergrund jedoch hätte gerne umfassender sein können. Zu den Schwarz-Weiß-Fotos im Buch selbst wären Informationen dazu hilfreich gewesen.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein eindrucksvoller Debütroman.

Kala
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Das sommerliche Cover mit Gras bewachsener Hügellandschaft gibt einen friedlichen Eindruck wider, mit unscharf festgehaltenen Personen im Zentrum – wie eine verträumte Erinnerung. Die Gegenwart im Sommer ...

Das sommerliche Cover mit Gras bewachsener Hügellandschaft gibt einen friedlichen Eindruck wider, mit unscharf festgehaltenen Personen im Zentrum – wie eine verträumte Erinnerung. Die Gegenwart im Sommer 2018 in der Kleinstadt Kinlough an der Westküste Irlands lässt drei Jugendfreunde aus 2003 wieder zufällig zusammenkommen anlässlich einer anstehenden Hochzeit bzw. wegen eines musikalischen Revival-Pubauftritts. Schockierende Ereignisse rund um die immer noch unzertrennliche Clique entfalten sich sprachlich spannend verpackt. Die verschiedenen Charaktere der Protagonisten kommen brillant beschrieben zur Geltung. Die rasanten Twists und fesselnden Turns lassen in der Gegenwart Schuldgefühle, Albträume, aber auch erneute Zärtlichkeit aufkommen. An vier Tagen im Sommer 2018 werden kriminelle und ethisch verwerfliche Geschehnisse aus 2003 aufgeklärt, nostalgisch verbrämt mit erster Liebe zwischen Joe und Kala, mit ersten Bandauftritten mit 15 Jahren, gemeinsamen Mutproben mit dem Fahrrad etc. Immer noch geben sie sich untereinander Sicherheit, machen sich gegenseitig Mut, kämpfen gemeinsam für mehr Aufklärung. Unter Offenlegung ihrer emotionalen, auch gescheiterten Wahrheiten erhält der Roman viel Tiefe. Aus ihren Perspektiven berichten Helen, Joe und Mush, teilweise in der Ich-Form. Auch die Jugendsprache wirkt authentisch in teils tiefsinnigen Dialogen. Die Figurenzeichnung mit vielfältigem Innenleben macht nicht nur die Hauptpersonen sehr lebendig. Der Kontrast zwischen Gut und Böse verleiht dem Roman eine unglaubliche Intensität.

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