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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2021

Ein unglaublich aufwendiger und großartiger historischer Roman!

Winter der Welt
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Die äußere Gestaltung dieser Reihe lässt auch beim zweiten Teil keine Wünsche offen. Die gebundene Ausgabe wird von einem Schutzumschlag geschützt, dessen Cover ich total ansprechend und schön finde, besonders ...

Die äußere Gestaltung dieser Reihe lässt auch beim zweiten Teil keine Wünsche offen. Die gebundene Ausgabe wird von einem Schutzumschlag geschützt, dessen Cover ich total ansprechend und schön finde, besonders der blaue Koffer, der sich haptisch abhebt und in der blauen Gesamtfarbe gut wiederfindet. Auch die schemenhaften Illustrationen an den Rändern von Briefen und Dokumenten sorgen dafür, dass das Werk äußerlich förmlich zur Historik einlädt. Unter dem Umschlag findet sich eine sehr schlichte, simple Gestaltung in einem tiefblauen Einband, der vor Robustheit und eigenem historischen Flair förmlich strotzt.
Auch innen lässt eine Karte des Europas vor dem 2. Weltkrieg das Leserherz höher schlagen, genauso wie die aufwendig illustrierten Deckblätter vor jedem der drei Kapitelblöcke, in die sich das Werk aufteilt. Dazu ein ausführliches Personenverzeichnis, das auch sehr nötig und hilfreich ist!
Doch nun zur eigentlichen Schönheit, das Innere.
Ich habe an diesem Buch ungefähr 2 Jahre gelesen, immer mal mehr, mal weniger. Solche dicken Bücher lese ich häufig nebenher, da es mir sonst einfach zu fest gefahren wäre und zu lange dauern würde, bis ich ein nächstes Buch beginnen kann. Doch diese Trilogie braucht auch seine Zeit. Diese Bücher bewegen, berühren und erzählen vor allem unsere Geschichte, echte Schicksale und Umstände, die nicht allzu leicht zu verdauen sind. Und Ken Follett versteht es, diese in Worte zu fassen, auf den Punkt zu bringen, und dabei eine Bandbreite von Sichten und Vielschichtigkeit zu porträtieren. Ich bin wahrhaft beeindruckt und absolut begeistert!
Im 2. Teil dreht sich alles um die nächste Generation der Charaktere, die wir im ersten Buch begleitet haben, was ich so interessant finde! Ich bin immer noch hin und weg von der ausgeklügelten Personenkonstellation, den zahlreichen Verbindungen über die ganze Welt und so authentischen Beziehungen! Follett schafft es, Realität und Fiktion übergangslos ineinander zu verflechten, sodass man sich die Frage stellend wiederfindet, was davon wirklich passiert ist und was hinzugedichtet wurde. Es ist einfach atemberaubend, wie nah er seine Charaktere an weltbewegende historische Ereignisse lässt, teilweise für wellenschlagende Entscheidungen verantwortlich macht und den Leser so alles hautnah miterleben lässt! Ich kann mir kaum vorstellen, was für intensive Recherche und wochenlanges Plotten dahinterstecken muss. Und auch wie er seine Charaktere zum Leben erweckt! Folletts Charakterzeichnung ist durch und durch authentisch, vielschichtig und so menschlich nah, dass man einen tiefen Blick in jeden von den unzähligen Figuren erhält. Dabei lässt er keinen Blickwinkel aus, greift eine Bandbreite von Schicksalen und Themen ab, die es schaffen, der schwierigen Aufarbeitung des komplexen und sensiblen 20. Jahrhunderts gebührend gerecht zu werden. Dabei verliert er auch keinerlei Tiefe!
Und das alles mit einem Schreibstil geschrieben, der Gänsehaut verursachen kann, der durch Schlichtheit und Detailreichtum gleichzeitig glänzt. Der alles ausführlich genug, aber nicht zu ausschweifend beschreibt, um dann bei großen Ereignissen die simple Wahrheit in einem Satz auf den Punkt zu bringen. Der einen emotional mitreißt, mitfiebern lässt und für Herzklopfen sorgt. Der epische Situationen unglaublich spannend und bedeutsam macht. Das hat mich so beeindruckt, das Geschichte so überwältigend spannend sein kann. Für einige kann es Längen geben, für Historikbegeisterte wie mich kann es gar nicht lang genug sein!
Insgesamt konnte mich jede einzelne dieser 1023 Seiten vollends überzeugen und mich verstehen lassen, warum man Follett den König der Historik nennt. Ich kann euch versichern, nicht umsonst.
Jedem, der sich für Geschichte interessiert oder sich darin prüfen lassen wird, kann ich diese Trilogie nur ans Herz legen. Es sind dicke Werke, natürlich, doch sie geben einem ein ganz neues Erlernen und Erleben der jüngeren Vergangenheit, das Historie von einer ganz anderen, nicht so nüchternen wissenschaftlichen Seite verstehen lässt. Der zweite Band dieser Trilogie steht dem ersten in Nichts nach und ich liebe den dritten Teil jetzt schon!
10/10⭐
✒ Lieblingszitat: "Patienten aus der Psychatrie, die von der SS abtransportiert wurde. Die Irren brachten die Verrückten weg."

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2021

Eine super schöne Weihnachtsgeschichte

Dash & Lily - Ein Winterwunder
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Dieses Jahr war ich total in Weihnachtsstimmung, wirklich seit Ende November schon! Da kam der Release der neuen Netflix-Serie "Dash & Lily" natürlich gelegen. Ich kannte die Bücher dazu bereits vom Sehen ...

Dieses Jahr war ich total in Weihnachtsstimmung, wirklich seit Ende November schon! Da kam der Release der neuen Netflix-Serie "Dash & Lily" natürlich gelegen. Ich kannte die Bücher dazu bereits vom Sehen und wollte sie auch irgendwann lesen, nur hat die Serie seinen Reiz bewiesen und ich habe sie zuerst geschaut.
Ein Fehler, den ich normalerweise nicht mache, und hier zeigte sich wieder, wieso.
Die Serie war gute Unterhaltung und hat mir gut gefallen, dementsprechend war ich gespannt auf die Buchvorlage. Doch das ist eben das Ding, dass man dann mit Erwartungen und Vorstellungen herangeht, alles schon abgefertigt im Kopf. Ich versuche diese Tatsache bei meiner Bewertung außer Acht zu lassen, im Hinterkopf hatte ich das aber die ganze Zeit und kann im Vergleich sagen, dass das literarische Erlebnis gänzlich anders ist als das filmische, wie immer. Dabei gibt es kein "besser" oder "schlechter", denn zwei so unterschiedliche Medien haben verschiedene Stärken und Schwächen, die so grob nicht zu vergleichen sind.

Das Cover dieser neuen Ausgabe zum Anlass der Serie ist ansprechend und thematisch passend gestaltet, und eben in Anlehnung an die Adaption. Ich persönlich fand die Ausgabe mit dem weißen Cover schöner, doch diese hier ist auch ansprechend, jedoch ist der zweite Band noch im alten Format. Von der haptischen Verarbeitung bin ich restlos begeistert! Für ein Taschenbuch ist es sehr robust und alle, die ihre Bücher vor Schäden wie Leserillen behüten wollen, können beruhigt aufatmen, denn man muss sich schon ordentlich anstrengen, um diesen starken Buchrücken zu brechen. Dabei hat man genug Freiheit, um das Buch weit zu öffnen, ohne jegliche Schramme. Wohl eines der qualitativ hochwertigsten Taschenbücher, die ich besitze.

Die Handlung wurde bloß im Wesentlichen adaptiert und an den komplizierten Stellen für den Zuschauer verändert. Die Grundidee finde ich wunderbar und sorgt die ganze Zeit für eine Spannung, die sich immer weiter aufbaut, sowohl in der Serie als auch im Buch! Besonders gefallen hat mir natürlich der buchige Aspekt und die Thematik der Literatur, die ständig mit eingearbeitet und wirklich gut aufgegriffen wurde, total schön! Der Plot ist erfrischend und irgendwie echt authentisch. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, in die Handlung reinzukommen und mitgerissen zu werden, doch dann war es umso schneller ausgelesen! Bei diesem Werk ist es definitiv ratsam, dranzubleiben, denn wenn man mitten im Kapitel unterbrochen wird ist es etwas schwer, zur Handlung zurückzufinden. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, in welcher Sicht ich nochmal gerade bin und was der letzte Stand der Notizbuch-Konversation war.

Die Charaktere sind liebenswert und sympathisch, doch sie haben mich ziemlich überrascht, weil sie gar nicht einem bestimmten Typen zuzuordnen waren. Plötzliche Ausbrüche in der Öffentlichkeit verwarf den stereotypischen Aspekt der Verschlossenheit, überraschten dabei ziemlich, doch machten sich somit vielschichtiger und spannender. Die Geschehnisse sind lebensecht und auch spannend, doch nicht ungenannt darf der Humor bleiben! Ich musste tatsächlich einmal laut lachen, weil die Situation so urkomisch war. Sehr erfrischend! Nicht unbeteiligt war daran der grandiose Schreibstil, oder besser gesagt die beiden Schreibstile. Das Werk wird aus zwei Sichten erzählt, geschrieben von einem Autorenduo. Ich schätze, dass jeder sich einem Protagonisten angenommen hat, da man deutliche Unterschiede bemerken konnte, was alles noch viel authentischer wirken ließ. David Levithans Genialität im Umgang mit Worten war mir bereits bekannt und erneut ein einziger Genuss, Rachel Cohns literarisches Talent war mir neu aber eine ebenso große Freude! Beide Schreibstile sind zum Niederknien!! Ich habe glaube ich noch nie SO viele Zitate herausgeschrieben, doch unglaublich oft haben es mir ihre Worte total angetan! Und dann immerzu mit einem so philosophischen Ansatz an allen Ecken und Enden jeder Seite! Ich war ganz überrascht, denn solche Tiefe habe ich gar nicht erwartet, doch in diesem als leichte Weihnachtsromanze getarnten Werk verbergen sich unzählige zitierwürdige Zeilen! Das war für mich das Allerschönste an diesem Buch, diese Autoren machen mit ihrem Schreibtalent diese wirklich schöne Geschichte lesenswert!
Die Liebesgeschichte war so anders, doch die Chemie stimmt total! Ich habe die beiden wirklich liebgewonnen.

Insgesamt findet man in der Geschichte von Dash & Lily eine wunderschöne Liebe, voller angehauchter Philosophie und Witz. Eine Empfehlung für die Festtage, denn eine Garantie gibt es hierbei: Weihnachtsstimmung kommt fast zwangweise auf! :)
8/10⭐

✒ Lieblingszitate: "Dieses Notizbuch kommt mir wie ein Musikinstrument vor, mit dem es eine ganz besondere Bewandtnis hat - der Musiker kennt nämlich die Melodie so lange nicht, bis er sie spielt."
&
"Aber ich hätte mit dir gern ein Tänzchen aufs Parkett gelegt, wenn ich mir diese Bemerkung gestatten darf.
Ich dachte: Aber ist das nicht ein Tanz? Ist das nicht alles ein Tanz? Was wir da mit den Wörtern machen, ist das auch ein Tanz? Ist es nicht Tanz, wenn wir miteinander reden, wenn wir uns streiten, wenn wir gemeinsam Pläne schmieden oder alles dem Zufall überlassen? Manches davon folgt einer Choreografie. Manche Schrittfolgen gibt es schon seit Jahrhunderten. Und der Rest - der Rest ist improvisiert. Der Rest muss spontan entschieden werden, aus dem Augenblick heraus, bevor die Musik aufhört."
&
"Man erfährt viel über Menschen, wenn man beobachtet, wie sie sich gegenüber Tieren verhalten."
&
"Die wichtigen Menschen in unserem Leben hinterlassen Spuren. Rein körperlich mögen sie kommen und gehen, aber sie sind für immer in unserem Herzen, denn sie haben dazu beigetragen, dieses Herz zu formen. Daran ist nicht zu rütteln."

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.11.2020

Ein unvergleichliches Lebenshighlight!

Das Mädchen aus Glas
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Stellt euch vor, ihr stoßt durch Zufall auf ein Buch, das euch neugierig macht, und beim lesen bemerkt ihr immer mehr, dass euch der Protagonist unfassbar ähnelt. Stellt euch vor, ihr findet ein Buch, ...

Stellt euch vor, ihr stoßt durch Zufall auf ein Buch, das euch neugierig macht, und beim lesen bemerkt ihr immer mehr, dass euch der Protagonist unfassbar ähnelt. Stellt euch vor, ihr findet ein Buch, was quasi über euch geschrieben wurde.
Genau das ist mir nämlich hiermit passiert!
Und damit steigen wir gleich mit dem größten Pluspunkt überhaupt ein. @zeilenverliebt (auf Instagram) hatte dieses Buch vorgestellt und ich war sofort angefixt! Der Fakt, dass die Protagonistin meinen Namen trägt und die Geschichte mein persönliches Rezept für ein gutes Buch sein könnte, machte mich sofort Feuer und Flamme auf dieses Werk. Und ich hatte Glück, denn beim Bloggerportal konnte ich noch ein Rezensionsexemplar ergattern! Also stürzte ich mich hellauf begeistert in die Geschichte und wurde keineswegs enttäuscht! Mit jeder Seite merkte ich immer mehr, dass mir Elisa unglaublich ähnlich ist. Also nicht dieses "ich kann mich ganz gut mit ihr identifizieren und teile ihre Gedanken"-ähnlich, sondern dieses "wtf die Autorin kennt mich doch gar nicht wie kann das sein omg das bin einfach ich"-ähnlich! Ehrlich, es war fast gruselig! Abgesehen von der Krankheit (Gott sei Dank) stimmt fast alles: Das Aussehen (lange braune Haare, blaue Augen, die Figur, selbst das Muttermal im Gesicht), die Art (sanftmütig, naiv, vorsichtig, detailverliebt, stets freundlich) und ihre Gedanken über die Welt, welche sie genau beobachtet. Wirklich faszinierend, quasi von sich selbst zu lesen.

Auch verzaubern konnte mich die ganze Konzeption dieser Geschichte. Es deckt alle meine liebsten Handlungen ab: es ist historisch, beinhaltet eine tolle Liebesgeschichte und behandelt dabei noch so viele wichtige Themen wie der Umgang mit einer solchen Krankheit, Belästigung, die Verhältnisse damals, die Schrecken des Krieges, die engstirnige Gesellschaft, und noch viel mehr! Ich habe das Gefühl, dass dieses Buch so viel abdeckt im Vergleich zu der Seitenanzahl.
Der Klappentext verrät wirklich nur einen Bruchteil dessen, was passiert. Elisas Entwicklung war toll, genauso wie der langsame Aufbau der Liebesbeziehung. Doch leider ging dieses Sanfte, Entschleunigte und Behutsame mit wachsender Seitenanzahl verloren. Nicht ganz verloren, aber ich hatte gegen Ende, besonders als es um die Kriegserlebnisse ging, das Gefühl, dass die Seitenzahl nicht mehr ausreichte, um die vielen Geschehnisse in dem gleichen Tempo zu erzählen. Es wirkte ein wenig gehetzt, gequetscht, was dem Ganzen die Nahbarkeit nahm. Das fand ich schade, da ich auch doppelt so viele Seiten in dieser Geschichte verbracht hätte, um dafür durchgehend so ein intensives, detailreiches Leseerlebnis zu haben. Aber man weiß ja nicht, welche Hintergründe dahinter stecken, vielleicht Vorgaben, die eingehalten werden mussten!
Für diesen Schreibstil finde ich eine ordentliche Länge aber wirklich wundervoll, denn er zeichnet sich aus durch Liebe zum Detail, tolle Beschreibungen (die Kleider!) und der Fähigkeit, Szenerie und Emotionen kunstvoll und mit einer ganz besonderen Ästhetik zu erschaffen. Teilweise habe ich mich selber auch darin erkannt und davon inspirieren lassen, da ich meinen Schreibstil auch dadurch auszeichnen möchte.

Insgesamt lässt sich meine Begeisterung für dieses Buch keineswegs trüben! Dafür ist mir dieses Werk zu wichtig und persönlich. Wenn mich das nächste Mal jemand nach einem meiner liebsten Bücher fragt, um mich näher kennenzulernen, drücke ich demjenigen diese Geschichte in die Hand. Demnach ist es ein absolutes Jahreshighlight und, mehr noch, ein persönliches Lebenshighlight von mir❤
Ich wünsche das jedem, so ein Buch zu finden, was für einen selbst perfekt ist!

Also verdiente 10/10 Sterne

✒Lieblingszitat: "Mit meiner Geschichte will ich dir sagen, dass das Leben nun mal so ist. In einem Moment ist es wunderschön, im nächsten ist es grausam. Man hat Träume, man macht Pläne - und auf einmal schlägt das Schicksal zu, und alles ist anders. Aber es geht immer irgendwie weiter. Immer."

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.11.2020

Eine wunderbar leichte, urkomische Sommerlektüre!

Schweinskopf al dente
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Es ist ehrlich gesagt ziemlich schwer, Teile dieser Reihe einzeln zu bewerten, weil alle bisher einfach gleich gut sind!

Das Cover finde ich wieder etwas gewöhnungsbedürftig, wobei gerade sie diese Reihe ...

Es ist ehrlich gesagt ziemlich schwer, Teile dieser Reihe einzeln zu bewerten, weil alle bisher einfach gleich gut sind!

Das Cover finde ich wieder etwas gewöhnungsbedürftig, wobei gerade sie diese Reihe auch ausmachen. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Sonst kann ich mich in allen Punkten auch nur wiederholen! Erzählender bzw. berichtender Schreibstil eigen aber treffend und bereichernd, ausnahmslos alle Charaktere wunderbar dargestellt und einfach liebenswürdig mit all ihren Eigenarten, Handlungsverlauf nicht unglaublich spannend aber mitreißend, sehr unterhaltsame Nebenhandlungen, alles getoppt von diesem herrlichen Humor und der schwach durchschimmernde Ernst macht das alles nahezu perfekt. Besonders gefallen hat mir der Urlaubs-Aspekt, weil er so überraschend kam und dabei so gepasst hat! Es war also wieder ein einziger Genuss kann ich nur sagen!

✒Lieblingszitat: "Die folgenden Stunden sind wunderbar entspannt, die Frühlingssonne heizt großartig, und so lieg ich am Ufer und tank erste Farbe. Die Oma hockt sonnembeschirmt in einem Liegestuhl daneben, was eindeutig bequemer ist, weil sich der Kies dann nicht durch drei Hautschichten bohren kann. [..] Das ist herrlich.
Weniger herrlich ist es, wie ich aufwach. Weil ich zwar jetzt Farbe hab, aber es ist nicht die, die ich eigentlich wollte. Mehr so rot." (Beim Lesen dieser Zeilen lag ich wahrhaftig am Strand und nahm ebenfalls ein Sonnenbad während sich der Kies erbarmungslos auch in meinen Rücken bohrte )

9/10 Sterne

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.11.2020

Spannender Roman mit Thriller-Charakter, voller Gesellschaftskritik in ausgeklügelter Umsetzung!

The Passengers
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John Marrs Debüt "The One" hat mich seit Erscheinung gereizt, bisher kam ich jedoch noch nicht dazu, es mir zu holen und zu lesen. Als dann schon die Erscheinung von "The Passengers" bevorstand und ich ...

John Marrs Debüt "The One" hat mich seit Erscheinung gereizt, bisher kam ich jedoch noch nicht dazu, es mir zu holen und zu lesen. Als dann schon die Erscheinung von "The Passengers" bevorstand und ich es beim Bloggerportal entdeckte, wusste ich sofort, dass ich es unbedingt lesen möchte! Es passte nämlich ungemein gut zu meiner aktuellen Situation, da ich mitten in meiner Führerscheinausbildung steckte und dadurch eh viel über Autos lernte, und dann von selbstfahrenden Kraftfahrzeugen der Zukunft zu lesen, machte das Leseerlebnis doppelt so spannend und interessant!

Die äußerliche Gestaltung mit dem wundervoll tiefblauen Buchschnitt und dem dann schlichten Cover mit dem simplen Startknopf als Symbol hat mich sofort angesprochen und erscheint mir sehr passend für die ganze Geschichte. Im gleichen "Look" wie sein Debüt sind seine Werke gut wiederzuerkennen, jedoch handelt es sich nicht zwingend um einen zweiten Band, sie spielen bloß in derselben zukünftigen Welt und Zeit und existieren quasi nebeneinander. Die Agentur aus "The One" kommt zwar auch hier vor und hat auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Story, jedoch braucht man keinerlei Vorwissen aus seinem Debüt, wobei es bestimmt lesenswert ist!
Die ansprechende Gestaltung wird jedoch von der großen Empfindlichkeit dieses Buches getrübt, denn selbst bei höchst aufmerksamer und achtsamer Benutzung kommen unweigerlich Knicke, leichte Leserillen und andere Macken zustande, total schade!
Das ist leider auch anderen Buchbesitzern aufgefallen.

Marrs Schreibstil hatte mich schon ab der ersten Seite fest in seinem Bann! So simpel er den Rahmen und die Basis seines Schreibstils gestaltet, so aussagekräftig und fast schon massiv sind die wuchtigen Metaphern und geistreichen Aussagen über die Gesellschaft! Ich würde es als Spazieren durch ein Minenfeld betrachten, aber im positiven Sinne: man sieht vor sich einfaches, unscheinbares Land, eine Oberfläche, die zum Spazieren einlädt - und zack, da geht plötzlich eine metaphorische oder symbolische Bombe hoch und du sieht dich umgeben von der ganzen Tragweite dieser einfachen Worte, blickst dahinter und verstehst. Das zieht sich durch das gesamte Werk.

Die Grundstory ist ein super cleveres Konstrukt aus mehreren Strängen, die alle zusammenfinden in dieser Extremsituation. Es ist nicht zimperlich, eher hemmungslos. Die Ereignisse überschlagen sich, wobei ich zugeben muss, dass ich nicht immer ganz folgen konnte. Was mich aber wirklich faszinierte, war das ganze Worldbuilding: Man war einfach voll dabei in dieser zukünftigen Welt und der Autor schafft es problemlos, alles so selbstverständlich und alltäglich erscheinen zu lassen, sodass es sehr nah wirkte und man sich wirklich gut hineinversetzen konnte. Ganz großes Lob dafür an dieser Stelle!

Sonst hielt er die Spannung konstant aufrecht und für mich ließ sich kaum Langatmigkeit feststellen. Als kleines Extra haben mir die Auszüge aus den Reaktionen der sozialen Medien vor jedem Kapitel gut gefallen!
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und machen einen sehr authentischen Eindruck, und durch diese vielen Personen und ihre eigene Geschichte schafft es Marrs, so eine Bandbreite an kontroversen Themen aufzugreifen und klar zu kritisieren. Es wurde unglaublich gut mit "Schein" und "Sein" gearbeitet, wie man erst die halbe Geschichte einer Person vom Hacker erzählt bekommt und dann die ganze Wahrheit aus der Sicht des Betroffenen offenbart wird. Das ließ einen so an seinem Urteilsvermögen zweifeln und lehrte dabei gleichzeitig, nicht vorschnell über Personen zu urteilen, vor allem nicht im Internet.

Am meisten beeindruckt hat mich diese unglaubliche Gesellschaftskritik, die trotz des dystopischen Aspektes aktueller nicht sein könnte. Dafür kann ich eine große Leseempfehlung aussprechen!
Das Ende hat für mich ein wenig überstürzt gewirkt und die vielen Plottwists waren zwar schlüssig, jedoch vielleicht ein wenig zu viel? Den Epilog mochte ich dann wieder sehr!

Insgesamt hat mir das Werk wirklich gut gefallen, es war wunderbar geplottet, schlüssig, spannend, und gut recherchiert. Für eine 10-Sterne-Bewertung hat es leider nicht gereicht, weil mir dafür der "Kick" gefehlt hab, sonst ist es aber wirklich, wirklich gut!

✒Lieblingszitat: (habs gerade nicht hier) "When people are part of a mob, they stop being individuals, their inhibitions disappear, they don't follow their normal moral compass (...) when they're surrounded by like-minded people, they don't see themselves as violent individuals, it's the group that's responsible for the violence, not them personally."

9/10 Sterne

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere