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Veröffentlicht am 14.07.2019

Ein richtiges Wohlfühlbuch!

Show me the Stars
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Show Me The Stars von Kira Mohn ist der Auftaktband der Leuchtturm-Trilogie und hat mich zuerst aufgrund dieses unglaublich schönen Covers gecatcht. Kyss kann es einfach. Als ich dann den Klappentext gelesen ...

Show Me The Stars von Kira Mohn ist der Auftaktband der Leuchtturm-Trilogie und hat mich zuerst aufgrund dieses unglaublich schönen Covers gecatcht. Kyss kann es einfach. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, war es um mich geschehen. Irland, Leuchtturm, ein gutaussehender Ire? Her damit! Das Setting ist für mich neu und reizvoll und verspricht Romantik pur.

Liv ist eine Protagonistin, die man einfach mögen muss. Aus der Ich-Perspektive erzählt erfährt der Leser all ihre Gedanken, zu ihrem Beruf, ihrem Chef, ihrer Mutter. Sie ist erfrischend zupackend, Vegetarierin (wie unspektakulär!) und geht ihr Leben mit viel Witz, Humor, Gin und Tonic an, selbst (oder gerade deshalb?) wenn sie über Hypochonder und Promis schreiben muss. Wobei sie nicht weiß, was sie weniger mag: Hypochonder oder Promis. Ihre Mutter mag weder die einen noch die anderen, ist überhaupt nicht zufrieden mit der Berufswahl ihrer Tochter und lässt sie das auch spüren. Liv ist sich durchaus der Macht bewusst, die ihre Mutter über sie hat und möchte sie eigentlich nur zufriedenstellen, auch wenn sie sich dafür verbiegen müsste. Doch als sie den Verlust ihres ersten Jobs nutzt, um sich eine Auszeit zu nehmen, ist dies auch nicht das, was ihre Mutter gutheißt, ganz im Gegenteil: Irland, ein einsamer Leuchtturm, Zeit sich neu zu orientieren. Klingt doch super, oder? Laut ihrer Mutter: Zeitverschwendung. Doch es ist zumindest besser, als unter einer von Hamburgs zahlreichen Brücken zu landen, falls Liv die Miete für ihre Wohnung nicht mehr aufbringen kann.
Also findet sie sich kurze Zeit später auf einem Leuchtturm vor der Küste Irlands wieder, stellt sich ihren Ängsten, und lernt nebenbei noch Kjer kennen, einen attraktiven Einheimischen. Zwischen Stromausfall, Aussperrung und weiteren Tollpatschichkeiten Livs, kommen sich die beiden näher..

Die Geschichte schreitet gemächlich voran und nimmt sich die Zeit, die sie braucht – ohne dabei ein einziges Mal langatmig oder gar langweilig zu sein. Diese Entschleunigung passt finde ich auch gut zu Livs neuer Lebenssituation auf der abgeschiedenen Insel. Kira Mohn gibt allen Personen die Chance, den benötigten Raum einzunehmen und man schließt nicht nur Liv ins Herz. Abgesehen von Kjer (Mr. Breathtaking!), den man als LeserIn erst (!) nur oberflächlich kennenlernt und der somit faszinierend geheimnisvoll bleibt, wurden auch die anderen Nebencharaktere liebevoll gezeichnet. Sei es Airin (deren Geschichte in Band 3 Find Me In The Storm erzählt werden wird), Livs Opa oder gar Herr Wedekind, der Eigentümer des Leuchtturms, sie sind alle auf ihre Art bezaubernd, selbst, wenn sie nur kurze Auftritte haben. Herr Wedekind z.B. sorgt für einen Moment, in dem ich nicht anders konnte, als vor Rührung zu weinen.
Die Liebesgeschichte ist anders als so viele andere. Sie kommt ohne den großen Eklat, den großen Streit, das große Missverständnis aus. Sie entwickelt sich langsam und tiefgehend, einzig das Leben selbst, mit seinen Höhe und Tiefen, steht dem Happy End im Wege.

Ja, es macht einfach nur Spaß, ihr und den anderen in dem kleinen irischen Städtchen zu folgen. Aber nicht nur die Personen machen einem Freude, auch so Kleinigkeiten, wie dass Liv allen Möbeln Namen gibt, ja, selbst Kjers Auto oder auch der Leuchtturm Namen haben oder dass Brady’s Pub allein durch die Beschreibungen so urgemütlich klingt, dass sogar ich dort am liebsten ein Guinness trinken will, das mir dann leider doch nicht schmecken würde.
Irlands Küste, der Himmel, das Meer und der Leuchtturm werden so bildreich und mit viel Liebe zum Detail dargestellt, dass man nur noch vor sich dahin träumt, vom grünblauen Meer, vom stahlgrauen Meer, vom moosgrünen Meer. Diese unglaubliche Atmosphäre macht Show Me The Stars zu einem richtigen Wohlfühlbuch.

Und während mir gerade noch der Sprühregen vom Wind ins Gesicht gepeitscht worden ist, die Wellen gegen die Klippen geschlagen sind, die Möwen am trist-grauen Himmel vorübergezogen sind und mir das Herz aufgegangen ist ob dieser schönen Geschichte, finde ich mich unversehens auf meiner Couch wieder und kann es kaum erwarten, bis der 17. September ist. Denn dann darf ich wieder nach Irland reisen, zu diesen tollen Menschen, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe. Denn dann erscheint Save Me From The Night , der zweite Band der Leuchtturm-Trilogie und es heißt wieder fàilte in Castledunns. Ich freue mich schon darauf. Und bis dahin: viel Spaß mit Show Me The Stars . 5 Punkte.

Veröffentlicht am 07.07.2019

Dieses Buch ist alles ganz viel. Unbedingt lesenswert!

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.
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Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ist alles ganz viel: es ist traurig, hoffnungsvoll, beängstigend, ermutigend, nachdenklich und besonders. Als ich es an einem heißen Sommernachmittag gelesen habe, ...

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ist alles ganz viel: es ist traurig, hoffnungsvoll, beängstigend, ermutigend, nachdenklich und besonders. Als ich es an einem heißen Sommernachmittag gelesen habe, habe ich alles um mich herum vergessen. So gefesselt hat mich die Geschichte um Leni und Matti, die sich trotz ihrer Krankheiten nicht verkriechen sondern gegen sie kämpfen wollen und versuchen, mit ihnen zu leben.


Ava Reeds Schreibstil ist so, wie man ihn kennt. Jugendlich-einfach, ungekünstelt und flüssig, man merkt kaum, wie man über die Seiten fliegt. Ich finde es sehr mutig, dass sie ihre eigenen Erfahrungen, ihre eigenen Ängste in dieses Buch gepackt hat und dadurch wird es laut dem Nachwort auch zu ihrem persönlichsten.

Leni ist ein toller Charakter, den ich von Anfang an mochte. Sympathisch, lebensfroh, kurz vor ihrem Abitur. Es gelingt der Autorin sehr gut, mir als Leser den schleichenden Prozess der Depression und Angstzustände begreiflich zu machen, vermittelt ehrlich die Gefühle und Gedanken und macht somit alles sehr greifbar: die Angst, die Niedergeschlagenheit, die Müdigkeit, das Nicht-Aufstehen-Können. Interessant fand ich dann später auch Lenis Beschreibungen durch Matti, ist er ja quasi stellvertretend für alle Außenstehenden, die nicht in Lenis Innerstes schauen können. Seine Schilderungen zeigen, wie hilflos er sich oft gefühlt hat und wieviel eine schlichte Umarmung manchmal bringen kann – wenn sie denn zugelassen kann und wird.

Neben der emotionalen und wunderschönen Geschichte macht vor allem die Gestaltung des Buches das Einzigartige und Besondere aus:
Die Tagebucheinträge Lenis, die die Autorin selbst geschrieben und gezeichnet hat, machen die ganze Geschichte so realistisch und fühlbar, wie sie nur sein kann. Denn auch wenn es eine Geschichte ist, sind es die Krankheiten, die hoffnungslosen Situationen und die Kämpfe, die die Betroffenen mit sich selbst ausfechten müssen, nicht. Gerade in der heutigen Gesellschaft, in der ein derart hoher Erwartungsdruck herrscht, in der jeder nur noch funktionieren soll, in der so viele Menschen so hohe Ansprüche an sich selbst haben, sind Depressionen und Angstzustände fast schon allgegenwärtig. Umso wichtiger finde ich es, darüber zu reden, darüber zu schreiben, darüber zu lesen. Denn wie soll man als Nichtbetroffen(r) verstehen, mit was die Leidtragenden tagtäglich zu kämpfen haben?
Dass die Autorin Betroffene interviewt hat und diese zum Schluss des Buches zu Wort kommen, finde ich auch super schön und verdeutlicht einmal mehr, dass es so viele Menschen gibt, die von dieser Krankheit betroffen sind, die sich Respekt, Toleranz und Akzeptanz wünschen (so wie Jennie auf Seite 315).
Und um einen Schritt in Richtung dieses Respekts, dieser Toleranz und Akzeptanz zu gehen, kann ich nur sagen: Lest dieses Buch! Denn es ist so wertvoll und wunderbar wie du und ich es sind. 5 Sterne.

„Weißt du, was ein Semikolon anzeigt oder bedeutet? Es bedeutet, dass an dieser Stelle der Satz zu Ende sein könnte, wenn der Autor das gewollt hätte, aber er endet nicht. Du bist dieser Autor! Der deines Lebens und du entscheidest, wie es weitergeht. Manchmal denkt man, die Depression und die Angst würden einem alles nehmen, was man hat und liebt. Aber die Wahrheit ist, dass nicht die Krankheit das entscheidet, sondern du.“ (Seite 168)

Veröffentlicht am 06.07.2019

Milieustudie im Jahre 1899

Die Prinzessinnen von New York - Scandal
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Anna Godbersens Die Prinzessinnen von New York – Scandal, im Original schon 2007 erschienen und bereits im Ullstein Verlag auf Deutsch verlegt worden, ist der Auftakt einer vier Bände umfassenden Reihe, ...

Anna Godbersens Die Prinzessinnen von New York – Scandal, im Original schon 2007 erschienen und bereits im Ullstein Verlag auf Deutsch verlegt worden, ist der Auftakt einer vier Bände umfassenden Reihe, in der sich alles um die High Society Manhattans im Jahre 1899 (!) dreht. Obwohl ich mich aufgrund des Schreibstils schnell durch das Buch gelesen habe, konnte mich die Story leider nicht so überzeugen, dass ich die Reihe weiterverfolgen wollen möchte.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Das Buch spielt zur Jahrhundertwende, im Jahr 1899. Dies ist weder anhand des Klappentexts noch anderweitig ersichtlich. Ich wusste aufgrund der Leseprobe was mich erwartet, der/die KäuferIn im Buchladen könnte zu Beginn des Buches erst mal schlucken.
Der Vergleich mit Gossip Girl mag ob der Empfehlung Cecily von Ziegesars naheliegen und ist mit Sicherheit auch gewünscht. Doch eine Ähnlichkeit ist schlichtweg nicht vorhanden. Außer dem identischen Schauplatz Manhattan und der gleichen Gesellschaftsschicht war es das auch schon. Meine MitleserInnen im Rahmen der Leserunde der Lesejury haben oft Personen des Buches mit denen aus Gossip Girl verglichen, haben fast schon „zwanghaft“ Parallelen gesucht, aber die Charaktere sind völlig unterschiedlich und haben nichts mit Serena, Blair und Co. gemein. Anne Godbersens Figuren sind klassische Stereotypen, die hier und da aus ihrem Schema ausbrechen. Das war aber okay, ich hatte nichts anderes erwartet. Leider verliert sich die Autorin in gesellschaftlichen Details, in Beschreibungen der Örtlichkeiten und vergisst darüber, die Personen dem Leser näher zu bringen. Zu wirklich keiner Person konnte ich eine Verbindung aufbauen, sie bleiben für mich zu emotionslos und zu distanziert, zu naiv und zu weltfremd. Die Story ist zudem ohne große Höhepunkte, aber wenigstens wird der Prolog aufgelöst.

Ich hatte nach jeder längeren Lesepause nicht wirklich Lust, das Buch wieder anzugreifen. Erst als ich dann wieder ein paar Seiten gelesen hatte, lief es komischerweise und ich war von der so vor sich hin plätschernden Geschichte tatsächlich gefesselt. Obwohl nicht wirklich viel passiert. Ich kann es mir immer noch nicht erklären. Muss am Schreibstil liegen, der zwar sehr gewöhnungsbedürftig ist, mir aber wirklich gut gefiel. Dem Jahr 1899 angepasst, ist die Wortwahl nicht alltäglich und verliert sich wie schon erwähnt in vielen Beschreibungen. Der Prolog stellt bspw. zahlreiche Personen vor, aber nur ein Bruchteil davon ist für die Handlung relevant. Es geht dann auch weiter mit vielen Details, die manch einem zu viel sein werden, zu langatmig, zu fad. Godbersen liefert fast schon eine Milieustudie vom Feinsten. Wenn nur nicht die Personen auf der Strecke geblieben wären. Und die Story. Leider nicht mein Buch, da hilft auch das wunderschöne Cover nicht mehr. 3 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Handlung
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.05.2019

Nüchtern, schonunglos, eiskalt. Zara & Zoë überzeugen in jeder Hinsicht!

Zara und Zoë - Rache in Marseille
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Kalt, hart und nüchtern. Das ist der neue Krimi von Alexander Oetker. Wer seine Aquitaine-Krimis kennt und ähnliches erwartet, wird dieses Mal enttäuscht werden. Hier wird nicht gekocht und gegessen, getrunken ...

Kalt, hart und nüchtern. Das ist der neue Krimi von Alexander Oetker. Wer seine Aquitaine-Krimis kennt und ähnliches erwartet, wird dieses Mal enttäuscht werden. Hier wird nicht gekocht und gegessen, getrunken und ein bißchen gemordet. Hier findet man sich vor einem bestialischem Mord, der Mafia und religiösen Fanatikern wieder. Hat es mir trotzdem gefallen? Oh ja, und wie!


Zara & Zoë – Rache in Marseilles ist der Auftakt einer neuen Thrillerreihe, mit zwei Protagonistinnen die interessanter nicht sein könnten. Mit zwei Zwillingsschwestern, die ungleicher nicht sein könnten. Zara, Profilerin bei Europol, sieht und spürt Dinge, die anderen verborgen bleiben. Doch sie kann sich nicht abseits des Gesetzes bewegen.
Zoë, Schmugglerin, Mörderin, Mitglied der korsischen Mafia. Unglaublich klug und unglaublich skurpellos. Eine tödliche Mischung. Und sie hasst ihre Schwester.

Alexander Oetkers Schreibstil hat sich der Härte und Schonungslosigkeit des Schauplatzes angepasst. Kalt und nüchtern beschreibt er Marseille und seine Bewohner, die Kriminalität der Cités, das Drogenmilieu. Kurze Kapitel und Sätze tragen enorm zum Tempo bei und schaffen eine rasante Erzählweise. Mithilfe von Zeitungsartikeln und Telefonaten, die immer mal wieder zwischen den Kapiteln eingestreut werden, lässt er den Leser kurz innehalten und erklärt so nebenbei Begriffe, Zustände oder spinnt neue Handlungsstränge.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Als Leser bekommt man somit Einblicke in viele Situationen, die aber noch nicht dem großen Ganzen zugeordnet werden können. In den ersten Kapiteln lernt man die handelnden Personen noch nicht wirklich kennen, vor allem Zara wird hauptsächlich aus der Sicht ihres Kollegen beschrieben. Eine interessante Art, dem Leser einen Charakter näherzubringen.
Doch Zara bleibt unnahbar, auch wenn man sie und ihre Vergangenheit näher kennenlernt. Sie ist sympathisch, auf jeden Fall, doch durch ihre leicht autistischen Züge ist sie distanziert und sehr zurückhaltend. Das präsentiert sich so auch dem Leser und macht den Charakter authentisch und stimmig.
Zoë hingegen trägt ihr Herz auf der Zunge, ist vorlaut, derb und extrovertiert. Sie macht Spaß, auch wenn die vulgäre Sprache, die sie verwendet, etwas gewöhnungsbedürftig ist. Ja, sie ist eiskalt und unberechenbar, aber ich mochte sie doch irgendwie. Als komplettes Gegenstück zu Zara, zusammen mit dem Hass und den Spannungen, die zwischen den Schwestern herrschen, ergibt sich eine explosive Mischung, die den Leser einem Aufeinandertreffen entgegenfiebern lassen.

Die Story an sich ist komplex, die Zusammenhänge noch komplexer. Das Buch ist kein Krimi zum Abschalten oder gar Berieseln lassen, hier muss man dran bleiben, aufpassen und mitdenken. Das finde ich unglaublich gut. Die Thematik ist brandaktuell, wie es aufgrund des Klappentextes schon zu erwarten war. Ich bin auch schon in einigen anderen Frankreichkrimis über die mit dem fiches S markierten, potentiellen Terroristen gestolpert, auch über Marseille als sog. nördlichste Stadt Afrikas und deren „Einwanderproblematik“. Aber ich wurde aber noch nie mit dieser dort herrschenden Angst konfrontiert, mit dieser eingeschworenen Gemeinschaft und deren Abgebrühtheit und Härte, so wie es Oetker dem Leser vor den Latz knallt. Ein unglaublich interessanter Einblick in ein Milieu, das einem sonst womöglich verborgen bleiben würde.

Fazit: Interessante Protagonistinnen, ein nüchterner, schonungsloser Schreibstil und eine komplexe Story machen dieses Buch zu einem Thriller, der heraussticht, fesselt und schockiert. 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Emotionales Buch, das mich aber nicht komplett überzeugen konnte

Wenn Donner und Licht sich berühren
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Wenn Donner und Licht sich berühren war mein erstes Buch von Brittainy C. Cherry und wird als Auftakt einer Reihe namens Music Street geführt. Das Cover hat mich verzaubert und ich hoffte, dass es die ...

Wenn Donner und Licht sich berühren war mein erstes Buch von Brittainy C. Cherry und wird als Auftakt einer Reihe namens Music Street geführt. Das Cover hat mich verzaubert und ich hoffte, dass es die Geschichte auch tut. Was sie tat – aber nicht uneingeschränkt.

Cherrys Schreibstil ist sehr einnehmend und flüssig zu lesen. Sie schildert detailliert und liebevoll und vermittelt dadurch eine ganz besondere Stimmung. Kleine und große Gesten der Charaktere werden so emotional dargestellt, dass man sie einfach nur toll finden kann und „Hach, wie schön“ denkt. Was für mich am meisten herausgestochen ist, waren die Gespräche der Charaktere über Musik. Die Ehrfurcht und Freude, die sie dabei empfinden, die tiefgehenden Gefühle und die Poesie sind von der Autorin so unglaublich gut beschrieben, dass es mir mein Herz zerreißt. Auch ich liebe Musik und die Emotionen, die sie hervorrufen kann, fände aber nie die Worte, um sie auszudrücken.

Jasmine und Elliott sind beide 16 Jahre alt. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Bei Jasmine haben sich die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens in einem Schulgebäude zugetragen, bei Elliott die schrecklichsten. Dadurch wird schon zu Beginn der Geschichte sehr gut betont, wie unterschiedlich die Leben der beiden Protagonisten sind. Die eine möchte so gern auf die Schule gehen und tut alles dafür, dort zu bleiben. Elliott hingegen zählt die Tage bis zu seinem Abschluss. Jasmine ist beliebt, Elliott stottert und wird gemobbt. Jasmine hat kein besonders glückliches Familienleben, Elliott hingegen harmoniert sehr mit seiner Mutter und seiner Schwester. Doch beide sind auf ihre Weise einsam.

Jasmine ist ein außergewöhnlicher Charakter, im Sinne von „nicht alltäglich“. Denn es ist ihre zugedachte Aufgabe, den Traum ihrer Mutter Heather zu verwirklichen: Den vom Erfolg. Dieser blieb nämlich aus, als Heather sich, noch sehr jung, um ihre Tochter kümmern musste. Ja, diese Thematik finde ich ungemein reizvoll. Immer mal wieder stolpert man über die Schicksale solcher Kinder, welche von ihren Eltern immer nur gepusht werden, die es ihnen aber nie recht machen können, die sie zu Stars machen und zu den Karrieren verhelfen wollen, die den Eltern selbst womöglich verwehrt geblieben sind. Dabei vergessen die Eltern zu oft, dass die Kinder das meist keineswegs möchten, aber sie zu ehrgeizig und engstirnig sind, um das zu erkennen. Ein für mich durchwegs amerikanisches Phänomen, das es aufgrund der Befremdlichkeit umso interessanter macht.
Es hätte also durchaus Entwicklungspotential für Jasmine gegeben, vor allem nach der im Klappentext beschrieben Trennungszeit. Doch als Leser bekommt man nicht nur nicht mit, was Jasmine alles wiederfahren ist, nein, sie kommt auch zurück, ohne großartig charakterlich gewachsen zu sein. Das finde ich sehr schade, mich hätte schon allein wegen der Nähe zur Figur interessiert, wie es ihr ergangen ist. So blieb Jasmine mir ab da fremd und ich musste einfach hinnehmen, dass sie harte Zeiten hinter sich hatte.

Elliott (oder Elliot? Der Klappentext verwendet eine andere Schreibweise als das Buch selbst..) ist so erfrischend anders als die Jungen, von denen man sonst so gerne in diesem Genre liest. Er ist dünn, liebt Musik, stottert, und wird deshalb zur Zielscheibe von wirklich üblen Mobbingattacken, die mir beim Lesen teilweise eine Gänsehaut bereitet haben vor lauter Grausamkeit. Ein einschneidendes Erlebnis jedoch verändert seinen Charakter. Und das sind auch gleichzeitig eine meiner größten Kritikpunkte an diesem Buch: das Erlebnis, welches Elliott so prägt, hat mich nicht berührt. So emotional der Schreibstil Cherrys in anderen Situationen ist, so distanziert und wenig intensiv wirkt er auf mich in dieser Schlüsselsituation. Elliotts Verarbeitung des Vorfalls wandelt seinen Charakter dermaßen, dass er nichts mehr mit dem liebenswerten Jungen von Beginn der Geschichte zu tun hat. Und das finde ich so schade. Denn gerade dieser Junge war es, der mich denken ließ: endlich mal kein gutaussehender Typ mit tollem Body und goldgesprenkelten Augen. Ab da war mein Lesevergnügen ziemlich getrübt und ich hatte eigentlich keine große Lust mehr weiterzulesen.

Und dann.. Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass mich die Autorin gegen Ende nochmal so packen könnte. Wenn ich mich einmal daran „festgebissen“ habe, dass mir ein Buch nicht gefällt, bin ich tatsächlich auch ein bißchen engstirnig und wenig empfänglich dafür, dass es vielleicht nur ein Abschnitt war, der mir so missfällt. Doch Cherry hat es geschafft und mich von meiner - ja, schon fast Ignoranz – abbringen können. Und das hat mir unglaublich gut gefallen!

Fazit: Wenn Donner und Licht sich berühren ist ein sehr emotionales Buch mit großartigem Schreibstil, das mich aber nicht komplett überzeugen konnte. Vor allem die Figurenentwicklung hat mir einmal gefehlt und einmal nicht gefallen, das wurde aber durch gefühlvolle Szenen und tollen Worten fast wieder wettgemacht. Ich denke, dass ich es nochmal mit einem Buch der Autorin versuchen werde. 3,5 Sterne.

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