Platzhalter für Profilbild

hanka81

Lesejury Star
offline

hanka81 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hanka81 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

am Puls der Zeit – komplex, aktuell, packend

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
0

Mit über 600 Seiten ist Wellengrab ein ordentlicher Wälzer, aber einer, der sich erstaunlich leicht lesen lässt. Der Prolog setzt mit einer schrecklichen Rückschau direkt einen düsteren Ton. Zum Glück ...

Mit über 600 Seiten ist Wellengrab ein ordentlicher Wälzer, aber einer, der sich erstaunlich leicht lesen lässt. Der Prolog setzt mit einer schrecklichen Rückschau direkt einen düsteren Ton. Zum Glück sind die folgenden Kapitel wieder besser zu ertragen. Denn zunächst wird ein komplexes Bild mit einer Fülle an Handlungssträngen entwickelt. Da ist ein großflächiger Stromausfall, der Einbruch in ein Gelddepot, eine vermisste Person und eine private Anfrage an Fabian Risk. Bei der Fülle an parallel verlaufenden Ermittlungen habe ich mitunter vergessen, welcher Ermittler sich jetzt eigentlich um welchen Fall kümmert, doch das schmälerte meinen Lesefluss nicht, war es doch lediglich eine fehlende namentliche Zuordnung meinerseits. Die Vielzahl an Handlungssträngen und die angenehme Kapitellänge sorgen hingegen für Kurzweiligkeit und Abwechslung.

Dass die unterschiedlichen Geschehnisse zusammenhängen müssen, ist dem Leser direkt klar. Aber die Frage bleibt, wie diese zusammengeführt werden können. Durch die hartnäckigen Ermittlungen zieht sich das Netz enger zusammen und erste Gemeinsamkeiten werden sichtbar. Es ist nicht nur die reine Suche nach den Attentätern und Strippenziehern, die im Mittelpunkt des Buches steht, sondern mehr und mehr auch die Frage nach deren Motivation. Vor allem in der zweiten Hälfte habe ich schon mal die Zeit vergessen, da mich das Buch so gepackt und eingenommen hat.

Besonders eindrucksvoll ist, wie Ahnhem aktuelle gesellschaftliche Themen in seine Geschichte einwebt. Angriff auf kritische Infrastruktur, mediale Manipulation und Migration bilden einen beunruhigenden und dennoch realistischen Hintergrund. Ergänzt durch zusätzliche fiktionale Elemente, entsteht ein äußerst düsteres Szenario.

Obwohl ich das Buch als vergleichsweise unblutig wahrgenommen habe und es nicht auf Schockeffekte setzt, sei eine kleine Warnung ausgesprochen. Denn da Kinder zu Opfern werden, ist dieses Buch nicht unbedingt für jeden Leser geeignet.

Fazit: ein komplexes, thematisch aktuelles Buch, das mit seiner gesellschaftlichen Relevanz und seiner stetig wachsenden Spannung überzeugt und mir viel Freude bereitet hat

Veröffentlicht am 09.03.2026

Ankunft ohne Ankommen

Das gute Leben
0

Angekündigt als 4 Generationen Roman, ist es doch vor allem die Geschichte von Anni, der Großmutter von Christina. Mutter und Tochter von Anni bleiben hingegen Randfiguren.

Anni wollte weg aus Rumänien. ...

Angekündigt als 4 Generationen Roman, ist es doch vor allem die Geschichte von Anni, der Großmutter von Christina. Mutter und Tochter von Anni bleiben hingegen Randfiguren.

Anni wollte weg aus Rumänien. Wollte dort nicht versauern, gerade jetzt, wo sie schwanger ist. Und so erträumte sie sich ein gutes Leben in Deutschland für sich und ihr Kind. Doch das Ankommen in der Fremde ist schwer, viel schwerer als gedacht, auch wenn ihr Bruder bereits vor Ort ist und sie nicht komplett auf sich allein gestellt ist.

Auf den folgenden Seiten entfaltet sich das Leben von Anni. Mal aus ihrer Perspektive erzählt. Mal aus der Perspektive von Christina und ihren Erinnerungen an Anni. Wobei ich es teilweise irritierend fand, dass zu Beginn eines Kapitels nicht immer klar ist, wessen Sicht hier gerade beschrieben wird. Die Zuordnung dauerte mitunter zu lange und störte meinen Lesefluss.

Die Geschichte wird mit großer Ernsthaftigkeit und spürbarer Schwere erzählt. Sie lebt weniger von Handlung als von Gedanken, Erinnerungen und inneren Bildern. Obwohl man einen umfassenden Einblick in das Leben von Anni erhält, bleibt sie immer auf Distanz. Ihre Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat wirkt glaubwürdig, doch zugleich erschien sie mir streng, unnahbar und wenig empathisch. Erst nach und nach wird deutlich, wie sehr ihre unerfüllten Träume sie geprägt und verhärtet haben.

Insgesamt wirken alle Familienmitglieder distanziert. Mir als Leser gegenüber, aber auch innerhalb der Familie. Das Mutter-Tochter Verhältnis scheint in allen Generationen schwierig. Es ist von Unausgesprochenem oder gar Abwesenheit geprägt.

Das Buch wirft die interessante Frage auf, was von einem Menschen bleibt. Welche Spuren er hinterlässt und an was wir uns erinnern. Aber die zentrale Frage nach dem guten Leben bleibt unbeantwortet. Hatte Anni ein gutes Leben? Hängt die Antwort vielleicht davon ab, wer sie beantwortet? Ist die Antwort aus Sicht von Anni eine andere als aus Sicht der Enkelin Christina? Darüber hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht. Und so lässt mich die Geschichte nachdenklich, aber auch etwas unzufrieden zurück.

Veröffentlicht am 04.03.2026

Doppeltes Spiel

The Exes
0

Direkt im ersten Kapitel lässt ein Satz tief blicken „Ich darf meinem glühenden Zorn nicht nachgeben. Nicht noch einmal.“ Mit solchen Andeutungen versucht die Autorin eine Atmosphäre von Ungewissheit, ...

Direkt im ersten Kapitel lässt ein Satz tief blicken „Ich darf meinem glühenden Zorn nicht nachgeben. Nicht noch einmal.“ Mit solchen Andeutungen versucht die Autorin eine Atmosphäre von Ungewissheit, Zweifel und leiser Unruhe zu schaffen. Zu Beginn funktionierte dies gut, auch weil die Geschichte von Natalie zwischen verschiedenen Zeitebenen wechselt und so zusätzliche Spannung erzeugt wird.

Das Buch startet im „Jetzt“ mit einem Streit zwischen Natalie und James. Was genau vorgefallen ist und warum es dermaßen eskaliert ist, erfährt man erst später. Eingeschobene Kapitel von „Damals“ erzählen, wie sich die beiden kennengelernt haben. Und auch die früheren Beziehungen von Natalie und deren Scheitern werden thematisiert. Doch danach wurde es zäh und ich habe mich gefragt, wohin mich die Story führt und was jetzt noch kommen soll. Lediglich die Andeutungen, dass James nicht alles von Natalie weiß, haben mich bei der Stange gehalten.

Obwohl man einiges über Natalie erfährt, ergibt sich nie ein vollständiges Bild. Die Erzählung aus ihrer Perspektive sorgt dafür, dass es immer eine einseitige und subjektiv geprägte Wahrnehmung ist. Ist Natalie nun also diejenige, für die sie sich selbst hält?

Der anhaltende Zustand des Nicht-Wissens und der Uneindeutigkeit führte bei mir jedoch dazu, dass die Twists nicht den Überraschungseffekt entfalten konnten, den sich die Autorin vielleicht davon versprochen hat. Obwohl sie clever eingebaut waren und zum Teil extrem kurz ausfielen, manchmal kaum mehr als ein einzelner Satz, haben sie mich in diesen Momenten nicht vollständig mitgerissen. Und dass, obwohl sie vermeintliches Wissen auf den Kopf stellten und völlig neue Erklärungsansätze eröffneten. Zu diesem Zeitpunkt wirkte es eher wie eine zusätzliche Möglichkeit als eine wirklich tragfähige Auflösung.

Auch wenn die zweite Hälfte wieder an Fahrt gewinnt und einige der zuvor aufgebauten Aspekte aufgreift, verliert sich die Auflösung letztlich in einer Fülle an Geheimnissen und Verwicklungen die zunehmend unglaubwürdig wirken und das Gesamtbild überladen erscheinen lassen.

Trotzdem hat mich der zweite Teil wieder abgeholt und dafür gesorgt, dass ich das Buch gerne beendet habe, auch wenn ich abschließend leider keine wirkliche Empfehlung aussprechen kann.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Die Frau, die lächelte

Die Totenklägerin
0

Warum musste Oma Resi sterben? Diese Frage stellt sich die zwölfjährige Jackie, die nicht an einen natürlichen Todesfall glaubt. Unterstützung sucht sie bei Matilda, der neu ins Dorf gezogenen Trauerrednerin. ...

Warum musste Oma Resi sterben? Diese Frage stellt sich die zwölfjährige Jackie, die nicht an einen natürlichen Todesfall glaubt. Unterstützung sucht sie bei Matilda, der neu ins Dorf gezogenen Trauerrednerin. Um eine persönliche und individuelle Trauerrede verfassen zu können, muss Matilda die Verstorbene besser kennenlernen und spricht mit den Menschen, die sie kannten. So kann sie kritische Fragen geschickt und ohne Aufsehen einfließen lassen. Nach und nach öffnet sich ihr ein immer tieferer Blick in Oma Resis Leben und Vergangenheit.

Schauplatz für diesen Kriminalroman bildet das Dorf Reuth, unweit von Passau gelegen. Doch ganz so beschaulich, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht. Hier begegnet man aller Couleur an Personen. Denen, die keine Neuerungen wollen, schon immer hier waren und ihre eigenen und zum Teil veralteten Ansichten repräsentieren. Denen, den ihr Ansehen in der Dorfgemeinschaft über alles geht. Und auch denen, die von gesellschaftlichen Vorurteilen aufgrund ihrer sozialen Herkunft betroffen sind.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die besondere Dynamik zwischen Matilda und Jackie. Ihr Altersunterschied macht sie zu einem ungleichen Paar, aber gerade deswegen sind sie das Herzstück des Buches. Matilda eilt ihr Ruf voraus. Sie ist eine Frau mit Vergangenheit, die Gerechtigkeit für die Toten sucht und dafür auch Konflikte in Kauf nimmt. Jackie ist klug, vorwitzig, nicht auf den Mund gefallen, übertritt aber auch Grenzen. Sie kann dem Leser mit ihrer direkten Art das ein oder andere Lächeln entlocken. Mit ihrer Person gelingt es der Autorin geschickt, die Probleme alleinerziehender Eltern zu thematisieren.

Obwohl es sich vor allem um einen Roman handelt und Spannung nicht im Mittelpunkt steht, liest sich das Buch sehr angenehm und mühelos. Gegen Ende wird deutlich, dass es nicht nur unterhalten, sondern zugleich ein sensibles und schwieriges Thema vermitteln will, welches auf angenehme Art gelingt.

So gelungen vieles ist, ein Kritikpunkt bleibt leider. Das Motiv hinter der Tat wirkt zu konstruiert. Die Vorgehensweise des Täters ist durchaus kaltblütig und durchdacht, doch der Zweck dahinter steht auf tönernen Füßen und fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Eine Naivität, die im starken Kontrast zur zuvor gezeigten Skrupellosigkeit steht.

Veröffentlicht am 23.02.2026

Den Boden unter den Füßen verloren

Die Liebe, später
0

Ich schreibe dies äußerst selten, aber tatsächlich hat mich das Buch auf den ersten Seiten in den Bann gezogen. Es war so voller Leichtigkeit und doch melancholisch. Einfach schön und doch nachdenklich. ...

Ich schreibe dies äußerst selten, aber tatsächlich hat mich das Buch auf den ersten Seiten in den Bann gezogen. Es war so voller Leichtigkeit und doch melancholisch. Einfach schön und doch nachdenklich. Voller Liebe für Anselm und das gemeinsame Leben mit ihm und trotzdem voller Sehnsucht und Zweifel.

Und wie sich zeigte, sind diese Zweifel von Kora grundsätzlich absolut nachvollziehbar. Hat doch jeder mal im Leben einen Punkt, an dem man die Weichen noch mal komplett neu stellen könnte.
Kora, die Protagonistin in diesem Buch ist Anfang 60 und nach einer erfolgreich verlaufenen Herz-OP befindet sie sich genau an diesem Punkt. Hinzu kommt, dass ihr Arbeitgeber ihr einen Aufhebungsvertrag hat zukommen lassen und sich das Leben mit ihrem Ehemann Anselm durch seine Frührente komplett ändert. Aus einer Wochenendbeziehung wird plötzlich ein dauerhaft gemeinsames Leben.

Aber Kora steckt fest und weiß nicht, was sie will. Alles wird infrage gestellt. Soll sie ihren Freund bei der Suche nach seiner verschwundenen Frau aktiv helfen oder nicht? Soll sie Anselm mit seinem Teichprojekt unterstützen oder nicht? Soll sie die Wohnung in Berlin verkaufen oder nicht? Soll sie den Aufhebungsvertrag unterschreiben oder nicht? Nirgends wird eine klare Entscheidung getroffen. Und so kreisen und kreisen ihre Gedanken. Alles wird gedanklich durchgekaut und mehrmals hin und her gedreht. Alte Freunde und Weggefährten werden getroffen. Die Frage nach dem, was hätte sein können, wird gestellt.

Die Erzählweise ist langsam und introspektiv. Dieses Buch lebt weniger von der Handlung als vielmehr von Koras innerer Welt. So nah man ihr durch diese Innenschau und die ehrlichen Gedanken kommt, so anstrengend wird es mit der Zeit. Und irgendwann ist es ermüdend. Man möchte sagen „Kora, entscheide dich doch langsam“.

Fazit: so sehr ich es schätzte, dass eine Frau um die 60 mit ihren Zweifeln und ihrer Suche in den Mittelpunkt gestellt wird, empfand ich die Geschichte mit zunehmendem Verlauf als immer mühsamer. Die Leichtigkeit der ersten Seiten ging verloren und übrig blieb die Melancholie. Insgesamt habe ich das Buch als zu grüblerisch, ernst und schwermütig empfunden.