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Veröffentlicht am 06.10.2025

Freundinnen fürs Leben

Winterglück im Café am Meer
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„Wir bleiben zusammen, egal was passiert. Niemand von uns geht verloren. Und wenn eine von uns Hilfe braucht, dann sind wir füreinander da.“ (S. 7) – das haben sich Fenja, Helena und Mara als Kinder versprochen. ...

„Wir bleiben zusammen, egal was passiert. Niemand von uns geht verloren. Und wenn eine von uns Hilfe braucht, dann sind wir füreinander da.“ (S. 7) – das haben sich Fenja, Helena und Mara als Kinder versprochen. Doch dann ist Helena mit ihrer Mutter von Norderney nach Kassel gezogen.
Inzwischen sind sie erwachsen und haben nur noch sehr selten Kontakt. Als sich Helenas Freund von ihr trennt, findet sie die Muschelkette von damals wieder und erinnert sich an ihren Schwur. Noch bevor sie selbst zum Hörer greifen kann, meldet sich Fenja bei ihr: Mara braucht dringend Hilfe.
Kurzentschlossen fährt Helena nach Norderney. Sie hat noch ein paar Wochen Zeit, bis sie ihr Café eröffnen kann, von dem sie schon so lange träumt. In dieser Zeit übernimmt sie Maras Pension Haus Muschelsand und verwöhnt die Gäste mit Frühstück. Bald bietet sie Kuchen am Nachmittag an und stellt sich die Frage, ob sie wirklich nach Kassel zurückkehren oder in ihre alte Heimat bleiben will. Sie erliegt dem Charme der Insel und seiner Bewohner – besonders dem von Fenjas Bruder Jannik. „Es ist, als würde die Insel mich ganz langsam einwickeln. Wie ein alter Schal, der nach zu Hause riecht. Und ich weiß nicht, ob ich mich wehren soll oder mich einfach reinlegen.“ (S. 231)

„Winterglück im Café am Meer“ ist der Auftakt einer neuen Reihe von Christin-Marie Below und hat mich sofort in den Bann der Insel und der drei Freundinnen gezogen.
Helena steht vor einem Neuanfang. Mit ihrem Freund hat sie auch ihren Job (sie war beim ihm angestellt) und ihre Wohnung verloren. Jetzt könnte sich die gelernte Konditorin endlich ihren Traum vom eigenen Café erfüllen. Doch die Reise nach Ney macht sie nachdenklich. Was lief bisher schief in ihrem Leben? Wie sehr hat sie sich in der Beziehung selbst verloren? Sie entdeckt das Glück der kleinen Dinge wieder: eine schöne Muschel, ein Stück Bernstein, ein Spaziergang am Strand, das Leben auf der Insel …. und natürlich ihre Freundinnen. Sie erinnert sich an ihr früheres Ich, das hier so glücklich war. Aber kann und will sie wirklich für immer auf Ney bleiben? Und würde sich ein Café auch außerhalb der Saison tragen?

Zwischen den Zeilen ist dieser herzerwärmende und heimelige Roman sehr philosophisch. Er macht nachdenklich und wehmütig – aber auch hoffnungsvoll. Es geht um Freundschaft und Heimat, ums Ankommen im Leben, um Hilfsbereitschaft und darum, selbst Hilfe anzunehmen.

Ich habe mich im Kreis der drei Freundinnen auf Ney sofort wohlgefühlt und bin gespannt, um wen sich der nächste Band dreht.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Solitude – Einsamkeit

Wolfstal
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„Monsieur Jacques war mehr als ein Eigenbrötler. Er hatte die fantastische Angewohnheit, sich Feinde zu machen, ohne anwesend zu sein.“ (S. 93)
Jahrzehntelag hat Jaques wie ein Einsiedler in den Bergen ...

„Monsieur Jacques war mehr als ein Eigenbrötler. Er hatte die fantastische Angewohnheit, sich Feinde zu machen, ohne anwesend zu sein.“ (S. 93)
Jahrzehntelag hat Jaques wie ein Einsiedler in den Bergen von Espelette gelebt und seine Schaf- und Ziegenherde in die Pyrenäen getrieben. Geredet hat er kaum, aber er hatte immer sein Gewehr dabei, um die Pilger des Jakobsweg mit Luftschüssen davon abzuhalten, seinem Hof zu nahe zu kommen. Als er ermordet aufgefunden wird, bittet Luc Verlains ehemaliger Kollege Commissaire Gilen Etxeberra ihn um Amtshilfe. Zusätzlich wird ihnen vom Präfekten ein Kollegin zugeteilt – Rose Schillinger. Wurde sie wirklich zu ihnen strafversetzt, wie böse Gerüchte behaupten?

Schon am Tatort erfährt das Ermittlerteam, dass sich die Bewohner Espelettes nicht nur nicht über Jaques gewaltsamen Tod wundern, sondern ihn längst erwartet – oder gar herbeigesehnt? – hatten. Er hatte sich zu viele Feinde gemacht, weil er die Touristen vertrieb, von denen die Einwohner hauptsächlich leben. Außerdem werfen seine Mitbürger Jaques vor, einen Wolf angelockt und im Winter sogar gefüttert zu haben. Gesehen hat ihn zwar noch niemand, aber sie finden regelmäßig gerissenen Schafe und Ziegen. Als sie mit verbotenen (und sehr teuren) Tellereisen gegen das Tier vorgehen wollten, hat er die Fallen zerstört.
Als Wortführer gegen Jaques stellen sich der Hotelier Claude und Aitor, ein anderer Schäfer, heraus. Aber auch die Bürgermeisterin scheint froh, dass „das Problem Jaques“ endlich vom Tisch ist. Ist einer von ihnen der Mörder?

Der 9. Teil der Reihe um Luc Verlain führt ins Baskenland an die spanische Grenze und bietet ein Wiederlesen mit einem alten Bekannten. Früher waren sich Luc und Gilen spinnefeind, inzwischen arbeiten sie sehr gut zusammen, sind Freunde geworden. Nur Rose fügt sich so gar nicht in das Ermittlerteam ein, scheint ihr eigenes Süppchen zu kochen. Misstrauen Luc und Gilen ihr zu Recht?

Wie in allen Büchern von Alexander Oetker lernt man viel über Land und Leute und die örtlichen Spezialitäten. Früher haben die Bewohner vom berühmten Piment d’Espelette gelebt, heute bauen ihn die meisten nur noch für den Eigenbedarf an.
Die Basken sind ein eigenbrötlerisches Volk mit einer eigenen Sprache, die sich nur ungern von externen Ermittlern in die Karten gucken lassen. So redet die örtliche Polizistin lieber mit ihren Mitmenschen über alle Details des Falles, als mit Luc und seinen Kollegen zuzuarbeiten.
Im Rahmen der Ermittlungen lernt Luc die verschiedenen Pilgerunterkünfte (vom Wellnesshotel bis zur Herberge) und die entsprechenden Küchen kennen. Das leibliche Wohl kommt nicht also zu kurz und wie immer gilt: Nicht hungrig oder durstig lesen!

Ich fand das Buch wahnsinnig spannend und habe auf einem Rutsch durchgelesen, was vor allem an der Persona des Opfers lag. Alle hatten etwas gegen ihn, man meinte, ihn zu kennen, und wusste doch kaum etwas von ihm. Auch die mystische Komponente mit dem Wolf und der filmreife Showdown haben mir sehr gut gefallen.

Ich bin schon sehr gespannt, welcher Fall im März 2026 in Lacanau auf Luc wartet.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Spannung trifft Dolce Vita

Salute - Das letzte Gebet
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„Hier sollte man eigentlich das Leben genießen und nicht in einer Kirche getötet werden.“ (S. 84)
Paul Zeitler, ehemaliger Hauptkommissar aus München, ist zur Beerdigung seiner Vermieterin Sofia unterwegs, ...

„Hier sollte man eigentlich das Leben genießen und nicht in einer Kirche getötet werden.“ (S. 84)
Paul Zeitler, ehemaliger Hauptkommissar aus München, ist zur Beerdigung seiner Vermieterin Sofia unterwegs, als in der Kirche von Bardolino ein grausiger Fund gemacht wird: Ein junger Mann wurde im Weihwasserbecken ertränkt, in seinem Mund stecken Seiten eines Gesangbuchs. Schnell stellt sich die Frage: Hat dieser Mord einen religiösen Hintergrund?

Commissario Lanza vermutet eher ein berufliches Motiv. Marcello, der Tote hatte ein Patent auf eine neuartige Wasserfilterfolie, mit der der Gardasee gereinigt und gleichzeitig mineralisiert werden kann. Gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern hatte er ein Start-up gegründet. Lanza entdeckt bei seinen Ermittlungen, dass Marcello seinen Partnern gegenüber nicht ganz ehrlich war. Außerdem hatte er sich dem Marktführer angelegt.

Zeitler ist unsicher, wie es nach dem Tod seiner Vermieterin mit dem Café weitergeht. In die Ermittlungen mischt er sich kaum ein, allerdings stößt er zufällig auf entscheidende Hinweise und Indizien. Dafür findet er endlich eine Aushilfe, den deutschen Studenten Emil. Der ist ein Gästemagnet, flirtet gern und verkauft zu fast jedem Kaffee auch eine süße Kleinigkeit. Wenn es nach ihm ginge, würde er das MONACO komplett umkrempeln, das Angebot erweitern und die Öffnungszeiten ausdehnen. Mal sehen, wie lange Zeitler ihn noch bremsen kann und will.

Commissario Lanza konzentriert sich ganz auf den Fall. Dass Marcello nicht nur berufliche, sondern auch private Geheimnisse und sein Produkt Neider hervorgerufen hat, wird schnell deutlich. Aber was wollte er nachts in der Kirche? War er dort verabredet oder wurde er überrascht? Der aufgebrochene Opferstock liefert weitere Rätsel.

Auch der 3. Band der Reihe überzeugt mit spannenden Wendungen bis zur letzten Seite und bringt zugleich den unverwechselbaren Charme und das Lebensgefühl des Gardasees zum Ausdruck. Ein Krimi, der Mord und Dolce Vita auf gekonnte Weise verbindet

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Herzergreifende Geschichte mit Taschentuchgarantie

Versprich mir, dass du tanzt
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„Du weißt genau, warum Adam mich hierhergeschickt hat, und noch bevor der Schnee schmilzt und wir von hier fortkommen, wirst du mir die Wahrheit sagen.“ (S. 147) Vor einem Jahr hat Lily ihren Mann Adam ...

„Du weißt genau, warum Adam mich hierhergeschickt hat, und noch bevor der Schnee schmilzt und wir von hier fortkommen, wirst du mir die Wahrheit sagen.“ (S. 147) Vor einem Jahr hat Lily ihren Mann Adam nach nur 6 Jahren Ehe verloren. Sein letzter Wunsch war, dass sie ihren Jugendfreund Josh aufsucht und sich mit ihm ausspricht. Doch erst, als der Ahornbaum im Nachbarsgarten ihrer Eltern gefällt wird, jener Baum, auf dem sie und Josh sich vor 20 Jahren kennengelernt haben, findet Lily den Mut, sich auf die Suche nach ihm zu machen.
Mit viel Mühe spürt sie Josh auf, doch er weigert sich, mit ihr zu sprechen. Dann zieht ein Schneesturm auf und schneidet sie von der Außenwelt ab. Je mehr Zeit sie zusammen verbringen, desto mehr bröckelt die Mauer, die Josh um sich errichtet hat.

Das war mein erstes Buch von Dani Atkins, aber garantiert nicht mein letztes, denn Lilys Geschichte hat mich extrem berührt. Mit nur 31 Jahren wird sie Witwe und ist überzeugt, dass sie nie wieder lieben kann. Sie hatte zwei große Lieben: Adam und Josh. Um sich abzulenken, stürzt sie sich in ihre Tortenmanufaktur, während sie Trost bei Adams Hund Fletcher findet.

Der Roman ist wunderbar flüssig geschrieben und hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Dani Atkins erzählt eine bewegende Dreiecksgeschichte: Lily und Adam verbindet zunächst nur Freundschaft, die sich langsam in Liebe verwandelt. Eine Liebe, die jedoch nie ausgesprochen wird. Ausgerechnet am Vorabend ihrer Hochzeit mit Adam eskaliert die Situation und Josh und Lily beschließen, den Kontakt abzubrechen.

Adam hatte eine schwere Kindheit. Erst als Pflegekind bei Lilys Nachbarn erfährt er, was Familie und ein Zuhause bedeuten. Aber da ist er schon so traumatisiert, dass er selber nie Kinder will, obwohl Lily sich genau das wünscht: ein Zuhause mit Kind(ern), Haus und Hund. Adam teilt ihren Traum – und hat sogar schon den Hund. Er ist das ganze Gegenteil von Josh, umwirbt Lily und sagt ihr jeden Tag, wie sehr er sie liebt. Lily ist sich sicher: Er ist der Eine ist, mit dem sie ihr ganzes Leben verbringen will, auch wenn sie Josh nie ganz vergessen kann.

„Versprich mir, dass du tanzt“ ist eine herzergreifende Geschichte mit Taschentuchgarantie, voller Drama und Verluste, Freundschaft, Liebe und dem Mut, neu anzufangen.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Eine Pyjamaparty aus der Hölle

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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„Wir sitzen in einem gruseligen Anwesen mit einer Leiche fest. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass du das alles arrangiert hast. Es ist doch genau wie in einem deiner Spiele. Ein Ausbruchraum.“ ...

„Wir sitzen in einem gruseligen Anwesen mit einer Leiche fest. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass du das alles arrangiert hast. Es ist doch genau wie in einem deiner Spiele. Ein Ausbruchraum.“ (S. 103)
Rosemary (Mimi) hat schon keine Lust auf die Party bei Jane Ireland gehabt, aber die Gastgeberin hat sie erpresst, sonst ihr dunkelstes Geheimnis zu offenbaren. Jetzt ist Jane tot und der Täter lässt es so aussehen, als sei es Mimi gewesen. Zum Glück hat sie ihre Enkelin Addie überzeugen können, sie zu begleiten. Die weiß zwar nichts von Mimis Geheimnis und sie hatten in letzter Zeit wegen Addies keine besonders gute Beziehung, aber natürlich will sie ihr trotzdem helfen, den wirklich Täter zu finden. Addie setzt dabei auf Strategien, die sie beim Entwickeln ihres erfolgreichen Multiplayer-Krimi-Onlinespiel genutzt hat.

„Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste“ ist ein typischer Whodunit, der mit einem außergewöhnlichen Setting punktet. Schauplatz ist eine Villa mit Zugbrücke und Wassergraben im Tudor Stil auf dem knapp 10 km2 großen, autofreien Mackinac Island in Michigan, während ein Schneesturm tobt, der Strom ausfällt und sie von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Neben Mimi hatte Jane noch 6 weitere Gäste gezwungen, zur Party zu erscheinen, um ihre Geheimnisse zu waren. Doch nachdem Jane umgebracht wurde, ist Mimi und Addie klar, dass Jane sie weder eingeladen, noch erpresst hat. Das muss einer der anderen Gäste gewesen sein!

Ich fand den Krimi recht spannend und unterhaltsam. Sobald sie von der Außenwelt abgeschnitten sind, wird er zum Kammerspiel.
Mimi ist 77 und lebt nach dem Tod ihres Mannes vor über 20 Jahren zurückgezogen. Sie liebt Kreuzworträtsel und ihren täglichen Gibson. Außerdem hat sie eine natürliche Art, die Menschen zum Reden zu bringen. Weil sie Addies Ex Brian nicht mochte, hatten sie in den letzten Jahren kaum Kontakt. Addie ist wegen Brian nebenberuflich Spieleentwicklerin geworden. Vor einem halben Jahr hat er sie verlassen, ohne sie für ihre Arbeit am gemeinsamen Spiel zu entlohnen oder an der Firma zu beteiligen. Seitdem überlegt sie, ob sie einen Anwalt beauftragen soll, ihren Anteil einzufordern. Diese Überlegungen und die Streitereien mit Mimi wegen Brian und dem Spiel überlagern die Ermittlungen leider etwas. Zudem geht Addie immer wieder sehr detailliert auf Parallelen zwischen ihrem Spiel und den Morden ein (es bleibt nicht nur bei Janes Tod), die für Entwickler und Gamer sicher interessant sind, mir aber etwas zu ausführlich waren.

Man kann den ganzen Krimi über wunderbar miträtseln, auch wenn es natürlich etwas unwahrscheinlich ist, dass sich die anderen Partygäste und das Personal so einfach von Mimi und Addie ausfragen lassen. Etwas plötzlich und nicht ganz nachvollziehbar war für mich dann aber leider die Auflösung.

Mein Fazit: Ein solider Whodunit-Krimi mit interessanten Protagonisten, tollem Setting und etwas Luft nach oben. 3,5 von 5 Sternen.

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