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Veröffentlicht am 07.12.2022

Keine Angst vor Klassikern!

Frankenstein
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Wenn ihr an Monster denkt, was kommt euch dann zuerst in den Sinn? Eine abstoßende Erscheinung oder moralisch fragwürdige Entscheidungen?

Die wirklich kleine Ausgabe umfasst die Urfassung von Frankenstein ...

Wenn ihr an Monster denkt, was kommt euch dann zuerst in den Sinn? Eine abstoßende Erscheinung oder moralisch fragwürdige Entscheidungen?

Die wirklich kleine Ausgabe umfasst die Urfassung von Frankenstein und zusätzlich das Vorwort der überarbeiteten Version, Anmerkungen sowie ein Nachwort. Für mich war es sehr interessant auf verschiedene Bezüge zwischen Gelehrten, Geschichten, Mary Shelleys Leben und dem Werk hingewiesen zu werden, wobei es für mich fast noch ausführlicher hätte ausfallen können. Auch die Unterschiede zwischen den Versionen haben mein Interesse geweckt, wurden – abgesehen von ihrer Nennung – allerdings nicht näher vertieft.

Überraschend war für mich, wie stark das durch Filme und Theater geprägte Bild von dem Original abweicht. War euch bewusst, dass die Geschichte über Briefe erzählt wird? Robert Walton erzählt seiner Schwester von seinen Erlebnissen und von Frankenstein, der – nach seiner Rettung im Polarmeer – von seiner Schöpfung berichtet, die kurz zuvor auf gefrorener See mit einem Hundeschlitten gesichtet wurde. Das „Monster“ ist allerdings keineswegs ungelenk, wie man es vielleicht im Hinterkopf hat, sondern schneller, stärker und flinker als jeder Mensch. Außerdem ist es eloquenter als erwartet.

Während Frankenstein seinen Werdegang, seine Verfehlungen und Hoffnungen preisgibt, kommt auch das „Monster“ zu Wort: „Mach mich glücklich, und ich werde erneut tugendhaft sein.“ Der Bericht von Frankensteins Schöpfung über seinen Versuch, das Leben zu begreifen, war sehr bewegend. Ausgegrenzt und verjagt, hilflos und allein… Ich konnte nicht anders als großes Mitleid mit ihm zu empfinden. Mit
zunehmender Raserei wendet sich das Blatt in meinen Augen zumindest ein wenig, doch das moralische Dilemma bleibt. Vor allem als das „Monster“ nach einigen Verbrechen um eine Weggefährtin bittet.

Spannend finde ich, dass sich die Geschichte praktisch nur auf das Innenleben beschränkt. Es gibt keine ausführlichen Beschreibungen des Labors, der verschiedenen Städte oder Ähnliches – dafür sehr viel Verzweiflung.

Für mein Empfinden war die Geschichte sehr gut lesbar, also: Keine Angst vor Klassikern!

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Veröffentlicht am 07.12.2022

Wunderschöne Geschichte, die zum Nachdenken anregt

Die Katze, die von Büchern träumte
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Wer liebt sie nicht: Bücher über Bücher! Die Katze, die von Büchern träumte war für mich daher genau so schön, wie erwartet. Eher ruhig, sehr fantasievoll und ideal, um abends abzutauchen und im Nachgang ...

Wer liebt sie nicht: Bücher über Bücher! Die Katze, die von Büchern träumte war für mich daher genau so schön, wie erwartet. Eher ruhig, sehr fantasievoll und ideal, um abends abzutauchen und im Nachgang darüber zu sprechen.

Aber worum geht‘s überhaupt? Rintarō und seinen Großvater verbindet die Liebe zu Büchern. Gemeinsam verbringen sie viel Zeit in ihrem kleinen Buchladen voller antiquarischer Exemplare – bis der Tod sie trennt und Rintarō plötzlich allein ist. Voller Kummer verkriecht er sich zwischen den hohen Regalen, schottet sich ab und besucht auch die Schule nicht mehr. Während andere erfolglos zu ihm durchzudringen versuchen, ist der etwas ruppige Kater Tora weniger nachgiebig. Die Bücher sind in Gefahr & die Hilfe eines wahren Buchliebhabers wie Rintarō wird gebraucht. Also los!

Mich hat die Geschichte von Anfang an bezaubert. Gemeinsam bestreiten die beiden mehrere Labyrinthe, in denen Aufgaben auf sie warten, die sowohl Köpfchen als auch Herz erfordern. Außerdem gewinnen sie noch Unterstützung, die keiner der beiden hat kommen sehen.

Für mich hat die Geschichte diesen besonderen Funken, der z. B. dafür sorgt, dass Momo seit Jahren eines meiner liebsten Bücher ist. Die Katze, die von Büchern träumte ist wunderschön erzählt, kommt ohne Gewalt aus, regt zum Nachdenken an und hätte mich als Kind mindestens genau so begeistert.

Aufgrund der Kürze – das Buch umfasst lediglich 190 Seiten – ist die Erzählung verdichtet und ausführliche Beschreibungen werdet ihr eher weniger finden. Obwohl ich mir gewünscht hätte, dass wir noch mehr erfahren, denke ich, dass die Kürze hier dafür sorgt beim Wesentlichen zu bleiben. Trotzdem bin ich etwas wehmütig darüber.

Passend zur Bookstagram-Bubble stupst das Buch zudem die Frage an, ob bei unserer Leidenschaft dem Lesen nicht manchmal das Wesentliche aus den Augen verloren wird: Zählt, was, wie schnell und welche Mengen wir lesen – oder vielleicht doch etwas ganz anderes? Eine großartige Botschaft, wie ich finde.

Ich kann euch nur ans Herz legen, zu dem Buch zu greifen. Ideal für die Weihnachtszeit! ♥

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Veröffentlicht am 07.12.2022

Was, wenn Einhörner gar nicht ungefährlich wären?

Skandar und der Zorn der Einhörner
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Einhörner sind euch zu langweilig? Hier ganz sicher nicht! Skandar hofft einer der neuen Einhorn-Reiter zu werden, doch als das Examen endlich zum Greifen nah ist, wird er ohne eine Erklärung von der Prüfung ...

Einhörner sind euch zu langweilig? Hier ganz sicher nicht! Skandar hofft einer der neuen Einhorn-Reiter zu werden, doch als das Examen endlich zum Greifen nah ist, wird er ohne eine Erklärung von der Prüfung ausgeschlossen und das mächtigste Einhorn vom geheimnisvollen Weber gestohlen. Ob auf Skandar dennoch ein Einhorn wartet und gelüftet wird, wer der Weber ist und welche Ziele er verfolgt?

Wirklich gut hat mir gefallen, dass Einhörner mit Grusel verbunden werden. Sie sind keine putzigen, fluffigen Tierchen, die Regenbogen pupsen, sondern verwegene und tödliche Kreaturen. Sie können nur dann gezähmt werden, wenn sie von der passenden Person aufgezogen werden. Anderenfalls schlüpfen sie – ja, Einhörner sind praktisch Küken – wild, sind geifernde Ungetüme und nicht zu besänftigen. Achtung: Auch gebundene Einhörner sind nicht nur zuckersüß.

Die Duos – Reiter:in und Einhorn – verfügen zudem über eine Bindung zu einem der vier Elemente, die z. B. bei dem alljährlichen Kampf um den Chaospokal von Nutzen sind. Dieser Aspekt führt auch dazu, dass sich das Buch etwas weniger nach einer Reiterhof-Geschichte anfühlt.

Der Tiefgang an einigen Stellen der Geschichte ist für mich besonders hervorzuheben. Hierzu zählt z. B. dass aus Kindersicht thematisiert wird, wie sich die Depressionen von Skandars Vater auf das tägliche Leben und die Familiendynamik auswirken. Auch verschiedenen anderen Problemen – wie Panikattacken und der Umgang mit Verlust – wird Raum gegeben und gezeigt, wie wichtig der Zusammenhalt untereinander ist. Ich persönlich fand den Einbezug sehr stimmig umgesetzt, war im ersten Moment allerdings erstaunt, diese Dimension in einem Kinderfantasybuch zu finden.

Den großen Showdown fand ich okay, weniger wäre für mich mehr gewesen. Mein 11-jähriges-Ich hätte allerdings mit ziemlicher Sicherheit vergnügt in die Hände geklatscht („Und dann ist das passiert, aber dann kam das und eigentlich ist es so! Aber dann…“), also fällt dies für mich nicht weiter ins Gewicht.

Euch erwarten ein Junge, der über sich hinauswächst, blutrünstige Einhörner, Elementarmagie, Kämpfe und das zarte Band neuer Freundschaften. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 16.11.2022

Großartig gelesen und anders als erwartet!

Villains Collection
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„Nobody is a villain in their own story.“ Die Villains Collection umfasst die ersten sechs Bände der Reihe und damit folgende Märchen aus neuer Perspektive:

🍎 Schneewittchen (Die Schönste im ganzen ...

„Nobody is a villain in their own story.“ Die Villains Collection umfasst die ersten sechs Bände der Reihe und damit folgende Märchen aus neuer Perspektive:

🍎 Schneewittchen (Die Schönste im ganzen Land)
🥀 Die Schöne & das Biest (Das Biest in ihm)
🧜🏼‍♀️ Arielle, die Meerjungfrau (Die Einsame im Meer)
🧚🏼‍♂️ Dornröschen (Das Geheimnis der Dunklen Fee)
💇🏼‍♀️ Rapunzel (Das verzauberte Haar)

Der letzte Band fokussiert die Geschichte der drei Hexenschwestern Lucinda, Ruby und Martha, die eine übergreifende Rolle in der Reihe einnehmen. Entsprechend solltet ihr die Reihenfolge unbedingt einhalten!

Die Idee, bekannte Märchen neu zu erzählen und die (Hintergrund-)Geschichten der „Villains“ zu beleuchten sowie Ereignisse miteinander zu verknüpfen, finde ich großartig. Besonders hervorzuheben ist für mich an dieser Stelle, dass ein Geflecht aus Fremdeinflüssen und eigenen Entscheidungen skizziert wird, was die Abgründe oft umso tiefer und tragischer erscheinen lässt. That’s my jam! 🦇

Obwohl mir die Reihe grundsätzlich gut gefallen hat, waren mir einige Handlungsstränge stellenweise zu langatmig (z. B. die wiederkehrenden Darstellungen, dass sich jemand wenig emphatisch verhält), während andere für mein Gefühl zu schnell abgehandelt wurden (z. B. die Hintergründe rund um Ursula und Arielle). Mir scheint die Sprache – für ein Jugendbuch – zudem recht einfach gehalten zu sein. Die Sprecherin Tanja Geke liest allerdings so angenehm, dass trotzdem eine spannende Atmosphäre aufkommt und die Zeit nur so verflogen ist.

Insgesamt bündelt die Box sechs kurzweilige Geschichten, die einen Blick hinter die von uns geliebten Märchen werfen und neue Perspektiven eröffnen. Ich hätte mir jedoch etwas mehr Tiefgang gewünscht und dass sich – trotz der interessanten Verbindungen zwischen den Märchen – der Fokus der Geschichten nicht zunehmend von den entsprechenden „Villains“ entfernt. Auf die nächsten Bände bin ich dennoch sehr gespannt!

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Veröffentlicht am 11.11.2022

Ungewöhnliche Schauergeschichte!

Der mexikanische Fluch
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Ein nebelverhangenes Herrenhaus, schweigsame Angestellte und eine geheimnisvolle Familiengeschichte: Was gehört für euch zu einer Schauergeschichte?

Mexiko, 1950: Ein beunruhigender Brief von Noemís ...

Ein nebelverhangenes Herrenhaus, schweigsame Angestellte und eine geheimnisvolle Familiengeschichte: Was gehört für euch zu einer Schauergeschichte?

Mexiko, 1950: Ein beunruhigender Brief von Noemís Cousine, die überstürzt geheiratet hat, führt dazu, dass wir uns kurz darauf in den mexikanischen Bergen auf High Place – dem Anwesen der Familie Doyle – wiederfinden. Muffige Vorhänge halten die Sonne ab, die Tapete rollt sich an den Wänden und fehlende Elektrizität führt dazu, dass man stets eine Kerze bei sich führen sollte. Das Haus ist klamm und die Bewohner:innen tragen zur wenig einladenden Atmosphäre entschlossen bei. Dennoch lässt Noemí sich nicht davon abhalten herauszufinden, was es mit den Anschuldigungen aus dem Brief auf sich hat. Dabei versinkt sie zunehmend in den Abgründen von High Place – bis es vielleicht zu spät ist.

Noemí ist ein interessanter und vielschichtiger Charakter, was ich auf den ersten Seiten nicht vermutet hätte: Sie will unbedingt eine andere Frau übertrumpfen und lässt ihre eigene Begleitung auflaufen... Es zeigt sich jedoch, dass sie auch reflektiert, mutig und aktiv auf der Suche nach ihrem Platz im Leben ist. Einige ihrer Handlungen haben mich zwar irritiert, an ihrer Stelle hätte ich die Türschwelle allerdings auch nie übertreten. Ich würde zwar nicht vor Ort den Nebel der Vergangenheit lüften, müsste aber auch nicht alleine in einem feuchten und leicht schimmeligen Zimmer schlafen. Ich würde nicht von eigenartigen Dingen träumen und müsste mich auch nicht mit dem Familienoberhaupt herumschlagen, der sich unter anderem mit erschreckender Inbrunst für Eugenik interessiert. Deutlich einfachere Karten…

Für mich hat sich die Geschichte nach einem guten schaurigen Film angefühlt, sodass sich das Lesen sehr bildhaft gestaltet hat. Euch erwarten vielfältige Emotionen und eine gewisse Portion Ekel, der oft genug von Personen ausgeht – mal mehr, mal weniger detailliert. Denn „dass es keine Geister gibt, heißt nicht, dass man nicht heimgesucht werden kann“.

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