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Veröffentlicht am 09.03.2021

facettenreiches Setting, spannende Handlung, toller Auftakt

Das Reich der Schatten, Band 1: Her Wish So Dark (High Romantasy von der SPIEGEL-Bestsellerautorin von "One True Queen")
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In Laires Leben lief schon so einiges nicht nach Plan. Sie lebt mit ihrer Mutter im Exil und kann sich nur knapp mit den Verkäufen ihrer Produkte über Wasser halten. Nur wenige Menschen halten noch zu ...

In Laires Leben lief schon so einiges nicht nach Plan. Sie lebt mit ihrer Mutter im Exil und kann sich nur knapp mit den Verkäufen ihrer Produkte über Wasser halten. Nur wenige Menschen halten noch zu ihr, der Zugang zur Universität wird ihr nicht gestattet und darüber hinaus trägt sie auch noch ein großes Geheimnis mit sich herum, das ihr gefährlich werden könnte. Doch all die Schwierigkeiten und Entbehrungen haben sie auch stark gemacht und lassen sie bedingungslos für ihre Ziele einstehen. Wenn ihr etwas wichtig ist, dann gibt sie nicht so schnell auf. Daher war auch sofort klar, dass sie sich auf den Weg ins Daemareich machen würde, als sie erfahren hat, dass ihr Verlobter verflucht wurde und sich nun in den Fängen des düsteren Lords befindet.Wer im Reich der Schatten bestehen will, muss allerdings einiges auf sich nehmen und sollte sich auf keinen Fall das falsche wünschen…

Zunächst beginnt das Buch relativ ruhig und man bekommt die Gelegenheit in die komplex aufgebaute Welt einzutauchen und die wichtigsten Figuren kennen zu lernen. Im Verlauf der Geschichte erfährt man dann immer mehr Details, die deutlich machen wie facettenreich schon allein das Daemareich ist, in das die Charaktere reisen, um den Verfluchten zu befreien. Im Reich der Schatten ist nicht viel, wie es scheint. Es wird mit Wünschen, Ängsten, Hoffnungen, Stärken und Schwächen gespielt. Nur wem es gelingt, sich nicht in die Irre führen zu lassen, wer sich seinen Gedanken stellt und felsenfest an seinem Ziel festhält, hat überhaupt die Chance, es bis zum Daemalord zu schaffen. Auf dem Weg dahin gibt es zahlreiche Hürden, die überwunden werden müssen und auch nicht alle Wesen des Reiches sind den Eindringlingen wohlgesonnen. So kommt es zwischendurch zu kämpferischen Auseinandersetzungen. Mir hat der Aufbau des Daemareiches unglaublich gut gefallen. Es gibt an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken und durch die unterschiedlichen Aspekte, die miteinander verwoben werden, wird es niemals langweilig. Dazu kommt dann noch, dass die Figuren sich ihren eigenen Gedanken stellen müssen und nicht nur den Hindernissen, die ihnen ganz offensichtlich in den Weg gestellt werden. Dabei müssen sie sich Dinge eingestehen, die sie lieber verdrängt oder für immer in sich verschlossen hätten. Durch lebendige Beschreibungen kann man die Handlung sehr intensiv verfolgen und umso weiter das Buch voranschreitet, umso temporeicher, spannender und dynamischer wird das Geschehen.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, wodurch es möglich wird, unterschiedliche Handlungsstränge zu verfolgen, aber auch in unterschiedliche Köpfe zu schauen und zu erfahren, was die Ereignisse mit den Figuren machen. Protagonistin Laire erzählt dabei aus der Ich-Perspektive und hat auch die größten Anteile im Buch, so dass man sie besonders intensiv kennenlernt. Ihren Verlobten zu befreien hat für sie oberste Priorität, dennoch ist sie sehr bemüht, sich selbst treu zu bleiben und weicht nur von diesem Weg ab, wenn es gar nicht anders geht. Durch ihr Geheimnis hat sie früh gelernt, wie schwer es ist, echte Freunde zu finden und dass sie nur wenigen Leuten vertrauen darf. Im Daemareich können ihre Fähigkeiten ihr jedoch helfen, allerdings nur, wenn sie mutig genug ist, es zuzulassen und es ihr gelingt, die Gabe nicht zu mächtig und unkontrolliert werden zu lassen. Eine ziemliche Gradwanderung für Laire, die es ihr immer wieder schwer macht. Auch Alaric macht ihr das Leben nicht unbedingt leichter. Er ist eine der weiteren Figuren, aus deren Perspektive man einen Teil der Handlung erlebt. Laire und er haben eine gemeinsame Vorgeschichte, die nicht besonders positiv ausgegangen ist. Tief verletzt, ist Laire zunächst nicht bereit, auf sein Angebot einzugehen und ihn mit ins Daemareich zu nehmen. Erst als sich kein anderer Ausweg mehr bietet, muss sie murrend zustimmen ihn, neben ihrer besten Freundin Vika und dem ehemaligen Paladin Jero, mitzunehmen und bereut diese Entscheidung immer wieder. Denn so gern sie Alaric einfach weiter verachten würde, für das, was er getan hat, so löst seine Anwesenheit doch sehr viel mehr in ihre aus.
Alaric ist ein interessanter Charakter, dessen Geschichte ich ebenfalls gern begleitet habe. Als Leser weiß man mehr als die anderen Figuren, da Alaric nicht über das sprechen darf, was ihn antreibt. Dadurch wirkt er oft kalt und unnahbar, die Kapitel aus seiner Perspektive geben jedoch trotz eines personalen Erzählers gute Einblicke in sein Innenleben und zeigen, wie sehr ihm einige Dinge zu schaffen machen und wie gern er einiges ändern würde, wenn es ihm doch nur möglich wäre. Ich mochte ihn als Figur sehr gern und bin gespannt, was da noch kommen wird, denn die Ereignisse und Enthüllungen zum Ende des Buches haben große Auswirkungen auf seine Zukunft.
Die dritte Figur, die begleitet wird, ist Desmond, Laires Verlobter. Er befindet sich beim Lord des Daemareiches und wagt kaum zu hoffen, dass jemand kommen könnte, um ihn zu befreien. Es gibt nur hin und wieder Kapitel aus seiner Sicht, in diesen bekommt man dann noch mal andere Eindrücke vom Lord, aber auch von Desmonds Leben, seinen Absichten und Geheimnissen. Laire und Alaric lernt man insgesamt besser kennen, als Desmond, auch wenn er mehr oder weniger die treibende Kraft ist, die die anderen antreibt, überhaupt ins Reich der Schatten zu gehen.
Zusammen ergeben die einzelnen Perspektiven ein komplexes, abwechslungsreiches Gesamtbild und da sich die Stränge alle in gewisser Weise bedingen und zumindest die von Alaric und Laire direkt miteinander verwoben sind, wird die Handlung trotz der Wechsel stetig vorangetrieben. Ich mochte auch die Dynamik zwischen den Figuren sehr gern. Es ist für alle nicht einfach, sie müssen Kompromisse eingehen, sich aufeinander verlassen, obwohl sie einander nicht alle vertrauen und immer wieder stehen ihnen unterschiedliche Gefühle und Empfindungen im Weg. So müssen sich die Protagonisten auch viel mit sich und ihren Eindrücken auseinandersetzen, um im großen Ganzen voran zu kommen.

Der Schreibstil von Jennifer Benkau lebt von der facettenreich ausgebauten Welt, all den fantastischen Ideen, den dynamischen Gesprächen und den lebendigen Beschreibungen. Ich habe mich von Beginn an wohlgefühlt, auch wenn der Start insgesamt recht ruhig und eher gemächlich war. Die Handlung nimmt dann allerdings stetig mehr Tempo auf und man möchte die Geschichte kaum noch beiseite legen. Besonders gut gefallen mir auch die bildgewaltigen Formulierungen, die die Atmosphäre und Emotionen super transportieren. Am Ende des Buches ist viel passiert, es war sehr spannend und turbulent, es gab zahlreiche Hürden zu bewältigen und Herausforderungen zu meistern, die Figuren sind zusammengewachsen und doch hat jeder so seine Geheimnisse, von denen zwischendurch einige ans Licht kommen und doch bleiben für den weiteren Verlauf der Handlung noch viele Fragen offen und es haben sich neue Konstellationen ergeben, bei denen es interessant sein wird, zu verfolgen, wie es weitergeht.
Fazit

Ein richtig toller Auftakt, der einen in eine komplexe, fantasievolle Welt entführt. Besonders das düstere Reich der Schatten hat mich fasziniert und immer wieder für Überraschungen gesorgt. Auch wenn es zunächst eher ruhig startet, nimmt die Handlung dann an Fahrt auf, es wird sehr turbulent und spannend, mit einigen Wendungen und unerwarteten Ereignissen. Durch die lebendige Erzählweise entstanden detaillierte Bilder in meinem Kopf, die das Lesen der angenehm und stimmungsvoll gemacht haben. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird mit den interessanten Charakteren und der ziemlich veränderten Konstellation, die sich zum Schluss ergeben hat.

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Veröffentlicht am 03.03.2021

viel Magie, schön erzählt

Emanio – Der Schöne und das Biest
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Für Emanio läuft es gar nicht so schlecht – denkt der schöne Herzogsohn auf jeden Fall. Da sein Vater in einem anderen Herzogtum verweilt, kümmert Emanio sich um alle Pflichten, die er als zukünftiger ...

Für Emanio läuft es gar nicht so schlecht – denkt der schöne Herzogsohn auf jeden Fall. Da sein Vater in einem anderen Herzogtum verweilt, kümmert Emanio sich um alle Pflichten, die er als zukünftiger Herrscher von Ternilus ohnehin übernehmen würde. Gewissenhaft hört er sich die Gesuche der Bittsteller an und versucht zu helfen, wo er kann. Auch wenn ihm das manchmal schwer fällt, nach einer der zahlreichen Nächte, nach denen er mit einem Kater erwacht. Sein Vorhaben deutlich weniger zu feiern, scheitert scheinbar an den freundlichen Bitten seiner Mitmenschen, der Veranstaltung nicht fern zu bleiben.
Als Emanio dann eines Morgens in der Gestalt eines Panthers erwacht, lastet ein mächtiger Fluch auf ihm. Nur wenn es ihm gelingt, seine große Liebe zu finden, kann er in seine menschliches Leben zurückgelangen. Aber wie soll er es schaffen, als schwarzer Panther seine Liebe zu finden, wo es ihm doch schon als Mensch nicht möglich war? Und kann ihm dabei ausgerechnet jemand helfen, der eigentlich selbst einen Groll gegen Emanio hegt?

Die Welt, in die man eintaucht, enthält viele schöne Elemente und hat mir insgesamt gut gefallen. Das Reicht unterteilt sich in unterschiedliche Herzogtümer, die jeweils von einer Herzogfamilie verwaltet werden. Übergeordnet gibt es dann noch einen König, der in der Geschichte allerdings nicht so präsent ist. Eine sehr große Rolle spielt Magie in den unterschiedlichsten Formen. Die Stärke der Kräfte und die Möglichkeiten, die sich daraus bietet, sind davon abhängig, was für ein Magier, Zauberer oder Hexer man ist. Einige können ihre Zauber nur Mittels einem Element wirken, andere können Heilen oder Illusionszauber herstellen. Dieser Aspekt ist relativ komplex und hätte für meinen Geschmack im Verlauf der Geschichte gern intensiver eingebunden bzw. erklärt sein können. Es gibt zwar ein Glossar, in dem man die Hierarchien erkennen kann und auch eine grobe Beschreibung dessen bekommt, womit die einzelnen Abstufungen arbeiten, was aber tatsächlich alles möglich ist, bleibt an einigen Stellen doch offen. Was sich mir bis zum Schluss nicht vollständig erschlossen hat ist der Herrschaftszauber, der den Herzogfamilien vorbehalten ist. Aus Spoielergründen kann ich das jetzt hier nicht komplett aufdröseln, aber einige Punkte passten für mich da nicht so richtig zusammen, zumindest von den Erklärungen, die man im Laufe der Handlung bekommen hat. Auch hier hätte es zum Ende des Buches nicht geschadet noch 2-3 aufklärende Sätze zu bekommen, damit sich dort letzte Fragezeichen im Kopf auflösen.
Die niedrigste Stufe der magisch Begabten sind die Gestaltwandler, die von den meisten eher gemieden und verachtet werden. Lerio, der zweite Protagonist der Geschichte, ist ein Luchswandler und hatte es daher nie leicht in seinem Leben. Als er nun unfreiwillig mit Emanio zusammenarbeiten muss, verschafft ihm das mehr Aufmerksamkeit, als er zunächst ertragen kann, denn eigentlich lebt Lerio zurückgezogen und zeigt sich den Menschen so wenig wie möglich.

Das Buch wird aus der Erzählerperspektive geschildert. Dabei begleiten die einzelnen Kapitel abwechselnd Emanio und Lerio, so dass man Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelten beider Protagonisten bekommt. Besonders zu Beginn überwiegt der Anteil von Emanio deutlich und man erfährt nur wenig über den Luchswandler, der mir allerdings sofort sympathischer war, als der Herzogsohn. Im Laufe der Geschichte konnte mich dann jedoch auch Emanio von sich überzeugen. Umso mehr man erfährt, umso mehr ergeben sich die Zusammenhänge der Verstrickungen und Intrigen.
Lerio ist ein Familienmensch und würde alles für seine Mutter und seine Schwestern tun. Sie zu schützen und für sie da zu sein, ist sein oberstes Gebot. Daher fällt es ihm auch schwer, ihre Hütte im Wald zu verlassen und als persönlicher Schutz des Herzogsohns abgestellt zu werden, obwohl der Job durchaus eine Chance auf mehr Ansehen bieten könnte. Lerio hat seine ganz eigenen Vorbehalte gegen Emanio und möchte nicht seinen Aufpasser spielen, wo doch in ihm selbst die Wut der Ungerechtigkeit brodelt. Ich mochte den Gestaltwandler von Beginn an sehr gern. Er hat ein gutes Herz und bleibt seinen Ansichten treu. Geprägt durch die Ausgrenzung, den Spott und die abfälligen Blicke und Bemerkungen, die er seit seiner Kindheit einstecken muss, geht er anderen eher aus dem Weg und versucht, so gut es geht, unter dem Radar zu bleiben.
Wie Emanio wirklich ist, bekommt man erst im Laufe des Buches so richtig mit. Nicht alles ist, wie es zunächst zu sein scheint. Für Emanio ist es in seiner neuen Gestalt jedoch wesentlich schwieriger mit seiner Umwelt zu kommunizieren, denn die Menschen verstehen nicht, was im Kopf des Panthers vor sich geht, seine Versuche zu sprechen, enden in einem Fauchen oder anderen tierischen Geräuschen, die Angst statt Zuversicht verbreiten. Als Leser bekommt man jedoch viel von seinen Gedanken mit, so dass er als Charakter greifbarer und durchschaubarer wird.
Um die beiden herum gibt es zahlreiche weitere Figuren -hauptsächlich Adlige, aber auch einige aus Lerios Familie und magisch Begabte-, von denen man einige etwas besser, die meisten jedoch kaum intensiver kennenlernt, dennoch beeinflusst jeder von ihnen die Handlung in gewisser Weise. Auf der Beliebtheitsskala ordnen sie sich zwischen „geht gar nicht“ und „eine liebe, treue Seele“ ein, es ist also von allem etwas dabei. Manchen Charakteren habe ich von Beginn an misstraut, einige kann man nur schwer einschätzen, wieder andere sind einfach nur nervtötend. So entsteht eine bunte Figurenkonstellation, in der Reibereien, Geheimnisse und Intrigen vorprogrammiert sind.

Das Tempo wird im Verlauf der Geschichte immer weiter angezogen. Während es zunächst noch eher ruhig ist und die Handlung gefühlt nur wenig vorankommt, geht es zum Ende hin dann Schlag auf Schlag und es prasseln viele Informationen auf die Figuren und den Leser ein. Der Einstieg ins Buch war jetzt nicht direkt langatmig, es war schon interessant, die Figuren kennenzulernen, ein bisschen von der Welt zu erfahren und zu sehen, wer da möglicherweise auf welcher Seite steht. Aber obwohl angeblich viel gesucht und befragt wird, passiert eben nicht so richtig viel, was Emanio weiterbringt. Bei der Fülle an Dingen, die danach passiert, empfand ich das als etwas schade, weil es zu Beginn halt so sehr ruhig war und man dann ein wenig das Gefühl bekommt, es gehen die Seiten aus, es muss nun also schnell mal mehr passieren. Insgesamt fand ich den Stil der Autorin aber als angenehm und das Buch hat sich auch gut lesen lassen. Umso intensiver man in das Geschehen eingetaucht ist, umso spannender war es dann auch und ich wollte gern wissen, wie es weitergeht, wie die Figuren sich entwickeln und und und. Es hat mich also jetzt nicht unglaublich gestört, ich hätte mir nur einfach zu Beginn ein paar Seiten weniger gewünscht, die dann am Ende des Buches hätten dran gehängt werden können. Denn der Abschluss selbst war mir fast etwas zu hektisch. Das entstandene Chaos wird zwar soweit wieder aufgelöst, aber ein paar Seiten zum wieder runterkommen und eventuell eben auch aufdröseln einiger Aspekte, die nun offen bleiben, hätte ich persönlich ganz schön gefunden.
Ein paar Aspekte der Handlung waren vorhersehbar, andere Auflösungen haben mich jedoch überrascht, was mir in der Kombination gut gefallen hat. Die Entwicklungen der Protagonisten, einzeln betrachtet und auch im Zusammenspiel, haben mir gut gefallen. Sowohl Emanio, als auch Lerio gehen gestärkt aus ihren Erfahrungen heraus, denken selbst viel nach, vertrauen sich irgendwann aber auch einander an. Das zarte Band, das dabei geknüpft wird, ist für den Leser wohl auch früher zu erkennen, als für die beiden jungen Männer selbst. Ich mochte die gefühlvolle Annäherung der beiden, die zunächst eher auf Freundschaft und wachsendem Vertrauen basiert und nicht gleich in Form überschwängliche Liebe daherkommt.
Das Märchen „Die Schöne und das Biest“ spielt in seinen Details nicht unbedingt eine große Rolle im Verlauf des Buches. Es gibt eher das Grundgerüst in einigen Zügen vor, dann entwickelt sich die Handlung jedoch in eine sehr eigenständige Richtung. Trotzdem mochte ich die kleinen Parallelen, die es hin und wieder gab.
Fazit

Trotz einiger, kleinerer Kritikpunkte meinerseits, war es eine schöne, magisch intensive, gefühlvolle Märchenadaption mit zwei interessanten Protagonisten, die ich gern gelesen habe. Zu Beginn hätte es etwas zügiger vorangehen dürfen, damit am Ende noch etwas Raum für weitere Erklärungen gewesen wäre, denn ein paar Dinge bleiben für mich auf der Strecke, ebenso wie der Herrschaftszauber, der sich für mich nicht komplett erschließt. Dennoch ist das Buch sehr angenehm und flüssig zu lesen und ich mochte die Entwicklungen der Figuren und den Aspekt rund um die Gestaltwandler sehr gern.

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Veröffentlicht am 28.02.2021

Blick hinter die Kulissen von Tokio Hotel – erschreckend, vulgär, polarisierend

Career Suicide
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Bill Kaulitz und sein Zwillingsbruder Tom sind mit ihrer Band Tokio Hotel quasi über Nacht durch die Decke gegangen. Kaum eine Band wurde so gehypt und gehasst gleichermaßen. Dabei ging es aber nicht nur ...

Bill Kaulitz und sein Zwillingsbruder Tom sind mit ihrer Band Tokio Hotel quasi über Nacht durch die Decke gegangen. Kaum eine Band wurde so gehypt und gehasst gleichermaßen. Dabei ging es aber nicht nur um die Musik, sondern auch um das Auftreten und Styling der Band.
„Career Suicide“ gibt Einblicke in die ersten 30 Jahre des Frontmannes der Band, die weit über das hinaus gehen, was man von außen sehen konnte.

Dieses Buch wird vermutlich ähnlich polarisieren, wie es die Band Tokio Hotel selbst früher ebenfalls getan hat. Einige werden es lieben, andere werden es hassen und dann gibt es noch die, die irgendwo dazwischen liegen, vielleicht erschüttert, geschockt, vielleicht auch angewidert oder eben überrascht sind. Die Eindrücke, die dieses Werk auslösen wird, werden vielfältig sein und sich möglicherweise auch im Laufe des Lesens unterscheiden, so ging es mir auf jeden Fall.
Ich habe Tokio Hotel zu Beginn ihrer Karriere nicht sehr intensiv verfolgt. Klar, ich wusste, dass es sie gibt, die Lieder liefen im Radio, man hat sie sicher auch mal im Fernsehen bei der einen oder anderen Sendung oder auch in einem Interview gesehen. Aber ich war nie ein Fan und habe das alles nicht besonders intensiv verfolgt, weder ihren kometenhaften Aufstieg in seinen Einzelheiten, noch das „Verschwinden“ aus der Öffentlichkeit. Daher war ich einfach neugierig, was Bill Kaulitz über sein Leben erzählen wird. Am gespanntesten war ich dabei auf die Einblicke rund um die Musik, das massive Interesse, dass sie ausgelöst haben und wie es ihnen selbst dabei ging, schließlich waren sie noch sehr jung, als das alles begann.

„Career Suicide“ lässt mich mit sehr unterschiedlichen Eindrücken und Gefühlen zurück. Es gab einige Abschnitte, die ich wirklich interessant fand und die genau das thematisiert haben, worauf ich im Vorfeld gespannt war – die Musik und alles, was damit im Zusammenhang stand. Anderes war mir einfach zu viel, auf verschiedenen Ebenen. Natürlich darf man in seiner Biografie schreiben, was man will, idealerweise eben das, was einem wirklich passiert ist. Einige der Passagen haben mich aber genau daran zweifeln lassen. War es tatsächlich so, wie Kaulitz es beschreibt oder liegt es daran, dass man einige Dinge als Kind und Jugendlicher anders wahrnimmt, anders bewertet, anders im Gedächtnis abspeichert? Vielleicht möchte ich aber auch einfach nicht daran glauben, dass es in Deutschland Regionen gab, in denen es normal war mit 13 seine zweite Abtreibung zu haben, weil man mal wieder vom Cousin schwanger war. Ich kann das natürlich nicht widerlegen, aber solche Aussagen empfand ich als sehr extrem und habe stark daran gezweifelt. Womit ich nicht sagen möchte, dass Bill Kaulitz lügt, nur einfach, dass es für mich absolut unglaublich klingt. Sicher auch, weil ich selbst nicht so aufgewachsen bin. Dabei bin ich nur ein Jahr älter als die Zwillinge und ebenfalls im Osten Deutschlands aufgewachsen, in einem anderen Bundesland, in einem anderen familiären Umfeld, aber eben auch nicht am anderen Ende der Welt.
Sprachlich ist besonders der erste Abschnitt des Buches sehr vulgär und konnte damit bei mir überhaupt nicht punkten. Man würde vielleicht erwarten, wenn man zum Weltstar wird und einem alle Türen offen stehen, dann dreht sich viel um Sex und Partys, wie es in der Welt eben so ist. Allerdings haben sexuelle Äußerungen, Beobachtungen und Erfahrungen VOR ihrem Erfolg scheinbar fast eine größere Rolle gespielt, als danach. Und sie sind mit 15 durchgestartet… Was nicht heißt, dass es danach kein Thema mehr war. Vor allem Alkohol und Drogen haben auch danach viel Platz eingenommen, Hut ab vor der Ehrlichkeit, das einfach mal so öffentlich zu schreiben.
Kaulitz beschreibt seinen Bruder und sich selbst häufig als freche Rotzlöffel, die es zum Beispiel den Lehrern nicht besonders leicht gemacht haben. Durch die lebhaften Schilderungen kann man sich auf jeden Fall vorstellen, dass es so gewesen sein kann. Auch später wussten sie genau, was sie wollten und was eben nicht. Damit haben sie vermutlich den einen oder anderen in den Wahnsinn getrieben, aber sie sind sich zumindest treu geblieben und haben sich nicht komplett verbiegen lassen, durch den ganzen Rummel, kalt gelassen hat es sie allerdings auch nicht.

Im Buch kann man die Karriere von Tokio Hotel mitverfolgen, all die Erfolge, aber auch das, was hinter den Kulissen passiert ist, was in Bills Kopf passiert ist, was ihn angetrieben und motiviert hat, aber auch was ihm Angst gemacht hat, was ihn fertig gemacht hat. Teilweise wirklich erschreckende Eindrücke aus einem extrem harten Business. Auch sein polarisierendes Auftreten ist immer wieder Thema im Buch. Nicht nur, warum er sich so gestylt hat, sondern auch, was die Reaktionen mit ihm gemacht haben. All diese Einblicke fand ich wirklich interessant, weil sie einem den Menschen hinter dem Erfolg ein wenig näherbringen und man, so zumindest mein Empfinden, sehr ehrliche Einblicke bekommt und er dabei nicht nur kritisch mit seiner Umwelt, sondern auch mit sich selbst umgeht.
Mit einigen wird im Buch sehr hart abgerechnet, wie gerechtfertigt das ist, können am Ende nur die Beurteilen, die daran beteiligt waren und alle Seiten der Geschichte kennen. Deutlich wird aber in jedem Fall, dass da so einiges nicht optimal gelaufen ist, von sehr vielen unterschiedlichen Seiten.
Ein wenig schade finde ich, dass das Schubladendenken bzw. andere in Schubladen stecken im Buch immer wieder stattfindet, obwohl der Autor selbst das für sich ja auch nicht möchte. Er möchte sein, wer er ist, wie er ist und sich so zeigen, wie es ihm gefällt, er möchte sich nicht den Mund verbieten lassen und lässt schon gar nicht alles mit sich machen, was sich irgendein ach so wichtiger Mensch überlegt hat, was doch mal ganz nett wäre. Und da bin ich auch voll bei ihm: jeder sollte leben dürfen, wie er ist und will, als Kind spielen womit er möchte, egal, ob das jetzt zu seinem Geschlecht zu passen scheint oder nicht, wer sich schminken möchte, soll sich schminken, wer nicht, lässt es eben bleiben. Vorurteile und Intoleranz sind ein großes Problem in der Gesellschaft. Allerdings kategorisiert Kaulitz selbst andere im Buch eben auch nach vorgefertigten Mustern und steckt sie in Schubladen, obwohl er sicher nicht bei jedem weiß, warum er ist, wie er ist oder sich so verhält, wie er es tut.

Durch das Vorwort wurde mir der Einstieg in dieses Buch sehr schwer gemacht. Ich fand es nicht besonders ansprechend geschrieben. Die verschachtelten Sätze, immer wieder Einschübe in Klammern, die Ausdrucksweise allgemein, die scheinbar recht willkürlich aneinandergereihten Informationen…. das hat mich leider gar nicht angesprochen und so habe ich mich ziemlich durch das Vorwort gequält und mehrfach überlegt, es einfach zu überspringen.
Fazit

Ich war nie ein Fan der Band Tokio Hotel, dennoch hat mich dieses Buch neugierig gemacht. Mich interessierten die Einblicke hinter die Kulissen, in die Köpfe der Jungs und hier eben speziell in den von Frontmann Bill. Was hat der Erfolg mit ihnen gemacht? Was haben sie selbst gewollt, was wurde ihnen aufgezwungen und was ist aus ihnen geworden? Die Einblicke in den Verlauf ihrer Karriere bekommt man im Buch dann auch, diese Passagen fand ich größtenteils interessant, auch wenn es alles auch sehr drogenlastig war. Das war es allerdings nicht erst nach ihrem überragenden Durchbruch, sondern auch schon vorher. Und auch mit sexuellen Andeutungen und Vergleichen wird nicht gespart. Sprachlich hätte es aus meiner Sicht ansprechender formuliert sein können, ohne dass ich eine geschwollene Sprache gewollt oder erwartet hätte. Ein bisschen weniger rotzig und vulgär hätte schon ausgereicht.
Inhaltlich kann ich den Wahrheitsgehalt natürlich nicht bewerten. Viele Abschnitte klangen für mich sehr ehrlich und haben tief blicken lassen. Stellenweise in sehr düstere Abgründe. Andere Passagen haben mich zweifeln lassen, aber gar nicht immer nur daran, ob es wirklich stimmt, sondern auch daran, wie es passieren kann, dass es so krass falsch läuft…. Ein Buch, das mich mit sehr sehr gemischten Gefühlen zurücklässt… Und auch wenn es nur 2,5 Sterne von mir bekommt, war es durchaus interessant, es zu lesen, so dass es für mich jetzt kein klassischer Flop ist.

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Veröffentlicht am 26.02.2021

dynamische Geschichte, regt zum Nachdenken an (3,5-4 Sterne)

Sechs Leben
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Was würde sich im eigenen Leben ändern, wenn man mehr als eines davon hätte? Wenn man nach einem Unfall oder einer Krankheit noch einmal neu anfangen bzw. weitermachen könnte? Wenn man etwas gefährliches, ...

Was würde sich im eigenen Leben ändern, wenn man mehr als eines davon hätte? Wenn man nach einem Unfall oder einer Krankheit noch einmal neu anfangen bzw. weitermachen könnte? Wenn man etwas gefährliches, vielleicht gar leichtsinniges unternehmen könnte, ohne dass man Angst vor den Konsequenzen haben müsste? Würde man alles auf eine Karte setzen, frei nach dem Motto: ich hab ja noch genug Leben? Oder wäre man vorsichtig, würde etwas Bedeutendes tun, für andere leben, sie schützen, da sie selbst die Chance nicht haben?
In „Sechs Leben“ haben 91% der Bevölkerung nur ein Leben, so wie es jeder von uns auch kennt. Doch die anderen 9 Prozent sind Multileben. Sie haben insgesamt zwei bis sieben Leben und damit Möglichkeiten, die anderen verwehrt bleiben. Auch Protagonist Gabriel gehört zu den Glücklichen und ist ein Sechser. Aber bringt ihm das wirklich nur Freude und Glück oder auch Druck, Zweifel und eine gefährliche Motivation für Risiken?

Die Thematik des Buches fand ich sehr interessant. Schon allein durch die Konstruktion der „Welt“ mit den Multileben wird man selbst zum Nachdenken gebracht, bevor man die erste Seite überhaupt gelesen hat. Abgesehen von den mehreren Leben, die ein Teil der Menschen besitzen, spielt die Geschichte in unserer normalen Welt. Wie genau die Multileben nach einem verlorenen Bonusleben halbwegs unbeschadet „wieder erwachen“ spielt im Verlauf auch nicht so eine große Rolle. Das bleibt insgesamt etwas blass, steht aber auch einfach nicht so im Fokus des Geschehens. Es sind eher die Fragen, die aufgeworfen werden, die im Mittelpunkt der Handlung stehen.
Für Gabriel ändert sich durch die Nachricht, dass er ein Secher ist, alles. Ihm scheinen Türen offen zu stehen, von denen er vorher nicht mal geträumt hat, hindurchgehen zu können. Chancen und Gefahren der Multi- und Monoleben beschäftigen aber nicht nur den Protagonisten, sondern alle…

Was würde sich für einen selbst ändern? Würde sich etwas ändern? Was würde man mit den zusätzlichen Chancen machen? Aufsparen oder in vollen Zügen leben, koste es, was es wollte? Hat man mit mehr Leben auch mehr Verantwortung für andere? Muss man seine Leben für das Gemeinwohl einsetzen? Muss man deswegen mutiger sein? Furchtloser? Oder wird man ganz automatisch leichtsinniger? Weiß man den Wert des Lebens noch zu schätzen, wenn man mehrere davon hat? Und was macht unser Leben denn überhaupt aus? Was macht es wertvoll?
Zahlreiche Fragen, die im Laufe der Geschichte aufgeworfen und aus unterschiedlichen Perspektiven beantwortet werden. Zwar begleitet das Buch Gabriel als Ich-Erzähler, aber die Menschen in seiner Umgebung äußern sich ebenfalls zu den Problematiken und die Ansichten gehen sehr weit auseinander. Wie man das selbst für sich bewertet, muss am Ende natürlich jeder selbst entscheiden. Ich fand es aber interessant zu verfolgen, wie unterschiedlich die Meinungen zu dem Thema sind. Einige gehen sehr verantwortungsvoll mit ihren Bonusleben um, sparen sie auf, falls ihnen wirklich mal etwas passiert, was sie nicht verhindern konnten oder setzen sie dafür ein, um andere Menschen zu retten. Andere sind da leichtsinniger, risikofreudiger, fühlen sich beschwingt und nahezu unsterblich. Erst wenn ihre Bonusleben davonflattern und sie merken, wie rasch sie auf ein Monoleben zusteuern, beginnen sie wieder aufzuwachen und vorsichtiger zu werden. Manche möchten die Extraleben aber auch gar nicht, weil für sie die negativen Auswirkungen überwiegen bzw. sie geprägt haben. Und auch die Monoleben haben natürlich ein Wörtchen mitzureden, denn selbst wenn sie nicht aus eigener Erfahrung sprechen, haben sie natürlich gewisse Erwartungen, an die Multis oder empfinden ihre angeblichen Heldentaten als nicht besonders mutig oder überragend – schließlich konnte ihnen ja nichts passieren. Auch wenn man in kaum eine der Nebenfiguren besonders intensiv eintaucht, so war die Mischung der Gedanken doch gut gewählt und zeigt, wie unterschiedlich die Herangehensweise ist.
Der 15jährige Protagonist liebt das Fallschirmspringen und ist beflügelt von seinen zusätzlichen Leben- etwas zu sehr. Denn schneller als er gucken kann, reduzieren sich die Bonusleben und er traut sich kaum, es seinen Mitschülern oder seiner Familie zu sagen, um nicht mit Vorwürfen oder Vorhaltungen konfrontiert zu werden. Im Laufe des Buches verändert sich seine Einstellung und seine Wahrnehmung, was mir ganz gut gefallen hat. Er lernt aus einem Teil seiner Erfahrungen, auch wenn es dann schon fast zu spät ist.
Ein wenig schwierig finde ich aber das Thema mit der Aufmerksamkeit, die er sich erhofft, größtenteils nicht bekommt, zumindest nicht so, wie er möchte, wie er versucht sie doch noch zu bekommen und warum er sie dann am Ende bekommt. Für mich wird damit teilweise irgendwie ein falsches Signal gesendet, besonders wenn ich bedenke, für welche Altersgruppe das Buch ausgeschrieben ist. Das fand ich etwas schade und hätte aus meiner Sicht anders gelöst werden können, damit nicht so ein bitterer Beigeschmack bleibt.

Die Kapitel sind alle sehr kurz gehalten. So folgen rasche Szenenwechsel in schneller Folge aufeinander, dabei gibt es immer wieder kleinere Zeitsprünge. Dadurch hat sich das Buch sehr zügig lesen lassen und man fliegt quasi durch die Seiten – ähnlich wie der Protagonist durch sein Leben und ähnlich schnell, wie ihm die Leben abhanden kommen. Sprachlich ist die Geschichte einfach gehalten, was für das empfohlene Lesealter von 12 Jahren gut geeignet ist. Wenn jüngere Leser zu dem Buch greifen, werden sie allein durch die Thematik schon sehr viel zu durchdenken haben.
Um einzuschätzen, wie gefährlich gewisse Dinge sind, gibt es die Risikobibel. Darin wird festgehalten, bei welchen Unternehmungen, aber auch bei welchen Gefühlen man besonders vorsichtig sein sollte, weil die Gefahr, ein bzw. sein Leben zu verlieren, höher ist. Ich mochte dieses Element sehr gern, auch wenn die direkten Auswirkungen der Risiken sicher für jeden sehr individuell sind.
Fazit

Ein Buch, das mich zum Nachdenken angeregt hat durch die zahlreichen Fragen, die im Verlauf der Handlung aufgeworfen werden. Was ist im Leben wichtig, was ist bedeutsam, was tut uns gut, was möchte man in seinem Leben erreichen, was damit anfangen… Durch die unterschiedlichen Positionen, die präsentiert werden, wird vermutlich jeder jemanden finden, in dem er sich selbst ein Stück weit wiedererkennt. Wichtiger finde ich jedoch, dass sicherlich alle Leser auf ihre Weise anfangen werden über das eine oder andere nachzudenken. Braucht man denn wirklich mehrere Leben um glücklich zu sein und die Dinge zu tun, die einem wichtig sind?
Ein sehr kurzlebiges Buch, das man zügig durch hat, das aber nachhallt, zumindest bei mir.

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Veröffentlicht am 22.02.2021

ereignisreicher Dilogieabschluss

Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir
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Achtung: zweiter Band! Meine Rezension kann kleine Spoiler in Bezug auf den ersten Band enthalten.

Für Ash hat sich alles verändert, nachdem sie erfahren hat, das ein Teil ihres Lebens auf einer Lüge ...

Achtung: zweiter Band! Meine Rezension kann kleine Spoiler in Bezug auf den ersten Band enthalten.

Für Ash hat sich alles verändert, nachdem sie erfahren hat, das ein Teil ihres Lebens auf einer Lüge aufgebaut wurde. Eine Lüge, die sie schützen sollte und bis zur Offenbarung auch getan hat. Doch danach war nichts mehr, wie es war und Ash war auch nicht mehr, wer sie vorher gewesen ist. Ziemlich ahnungslos stolpert sie in eine Welt, die ihr bisher fremd war, muss über sich hinauswachsen und gegen viele Dämonen kämpfen, nicht zuletzt gegen ihre eigenen. Von der komfortablen Villa mit rundum Sorglospaket wandelte sich ihre Unterkunft zum düsteren Rebellenlager, in dem man sich hart durchkämpfen muss. Ash bekommt nichts mehr geschenkt, wer Respekt will, muss ihn sich verdienen. Wer Gefühle zulässt, macht sich angreifbar. Ob Ash will oder nicht, allein kann sie keinen Erfolg haben, also muss man sich manchmal auch mit denen Verbünden, von denen man sich zuvor ferngehalten hat…

Der erste Band hat mich ziemlich Konzentration gefordert durch die ganzen unterschiedlichen Organisationen, die zahlreichen Namen und Verstrickungen. Bevor ich in das Finale der Dilogie gestartet bin, habe ich mir das Glossar des ersten Bandes noch einmal angesehen, um die Begriffe zu sortieren, allerdings hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass diese ganzen Aspekte nicht mehr so extrem im Mittelpunkt stehen, wie im ersten Teil, auch wenn die Namen der Organisationen natürlich wieder auftauchen. Die Sortierung ist mir auf jeden Fall leichter gefallen.
Vorwissen sollte man aber auf jeden Fall mitbringen, da schon einiges passiert ist und sich auch die Figuren sehr entwickelt haben. Im Verlauf der Handlung sind zwar kleine Rückblenden eingebaut, diese geben aber nicht alles wieder und vor allem um ein Gefühl für die Charaktere zu bekommen, ist es nötig, den ersten Band gelesen zu haben.

Die Geschichte wird wieder aus der Erzählerperspektive geschildert und man hat die Möglichkeit verschiedene Figuren zu begleiten. So erhält man einen guten Überblick darüber, was an den einzelnen Fronten los ist, wer mit wem zusammen agiert, wer gegen wen intrigiert, bei wem sich welche Gefühle manifestieren, wer noch Kontakt zu einem der anderen Charaktere hat und wie sich die einzelnen im Laufe des Buches entwickeln. Durch die Perspektivwechsel bekommt man immer kurze Abschnitte bei den einzelnen Figuren, um auf den neusten Stand zu kommen. Einige der Handlungsstränge laufen ziemlich unabhängig voneinander, andere bedingen sich sehr direkt. Im Laufe des Buches verknüpfen sie sich dann wieder mehr und haben fast alle direkten Einfluss aufeinander.
Zu Beginn des Buches hat es mir persönlich etwas an Schwung gefehlt. Man erfährt viel darüber, wie es den Figuren aktuell geht, womit sie sich beschäftigen, wie sie sich durchschlagen, mit wem sie sich verbünden und so weiter. Besonders für Ash steht ein hartes Trainingsprogramm an, aber auch für die anderen gibt es unterschiedliche Dinge zu tun. Daher ist es nicht so, dass gar nichts geschieht, aber es hat sich doch ein wenig gezogen, besonders wenn man bedenkt, wie sehr sich dann am Ende alles überschlägt. Die Entwicklungen im ersten Teil der Geschichte waren nicht uninteressant und auch nicht unwichtig, hätten für mich aber einfach etwas knackiger und kompakter sein dürfen.
Danach hat die Handlung dann aber mehr Fahrt aufgenommen, bis sich am Ende alles überschlagen hat und ein ziemliches Chaos an allen Fronten herrschte. Auch wenn es durch die scheinbaren Seitenwechsel einiger Charaktere zwischendurch ein bisschen wirr war, empfand ich das Finale als gut gemacht. Und ich mochte auch, dass es Verluste auf beiden Seiten gab, da alles andere nicht realistisch gewesen wäre. Es sind einige Dinge passiert, mit denen ich so nicht gerechnet hätte, andere Aspekte waren da etwas vorhersehbarer und haben sich früh in der Handlung abgezeichnet. Im Gesamteindruck mochte ich die Geschehnisse, an einigen Stellen habe ich aber auch kleine Kritikpunkte.
Zum Beispiel war mir zu viel „Held“ in einer Figur vereint, obwohl es mehr Charaktere gegeben hätte, auf deren Schultern man das hätte verteilen können. Es war mir einfach etwas zu viel des Guten. An eine der Offenbarungen, die es im ersten Band gab, habe ich keine Sekunde lang geglaubt und das lag nicht nur an der Vision, die wir im Zusammenhang dazu von einer Elbin präsentiert bekommen haben. Für die Figuren ist es nicht so klar und so zieht es sich durch weite Teile des zweiten Buches, obwohl für den Leser eben klar ist, wie es eigentlich ist. Auch wenn ich verstehe, dass es wichtig für die Figurenentwicklung und ihre Entscheidungen war, fand ich es ein wenig schade, dass es für den Leser eben nicht mehr überraschend war, als es richtig aufgeklärt wurde. Wäre es anders gewesen, hätte es die Dramatik des Momentes einfach etwas besser unterstützt und einen vielleicht auch mehr mit den Figuren fühlen lassen.

Der Schreibstil von Rena Fischer war angenehm und trotz der komplexen Geschehnisse und Verstrickungen, habe ich mich gut im Buch zurechtgefunden. Nach dem etwas ruhigeren Start hat die Handlung dann schnell an Tempo aufgenommen und ich habe die unterschiedlichen Charaktere gern auf ihren persönlichen Missionen begleitet. Die Atmosphäre war dabei immer etwas unterschiedlich. Während bei einigen hartes Training, Kämpfe, Respekt verdienen und irgendwie überleben auf dem Plan stand, waren die Szenen bei anderen Charakteren eher geprägt durch strategische Aktionen, Vorbereitungen für den großen, finalen Schlag oder aber auch durch gefühlvollere Ideen, um die gesamte Sache zu unterstützen. Die Songtexte und Poetry-Slams, die in die Geschichte eingebunden waren, waren für mich ein kleines Highlight.
Einige Stellen hätten aus meiner Sicht etwas kürzer sein dürfen, von anderen Aspekten hätte ich gern noch etwas mehr und ausführlicher erfahren, insgesamt hat mir der Abschluss der Dilogie aber gut gefallen.
Fazit

Ein gutes Finale der Dilogie, in dem noch mal einiges passiert ist. Nachdem es zu Beginn etwas ruhiger war, hat die Handlung dann an Fahrt aufgenommen, bis sich am Ende alles überschlagen hat. Es hat Spaß gemacht die Figuren auf ihren unterschiedlichen Missionen zu begleiten und zu schauen, wie sie sich entwickeln, an ihren Herausforderungen wachsen und auch mal verzweifeln. Die Geschichte war spannend und trotz kleinerer Kritikpunkte hat sie mir insgesamt gesehen gut gefallen.

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