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Veröffentlicht am 21.09.2020

gutes Finale

Beastmode 2: Gegen die Zeit
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Achtung: zweiter Band und Abschluss der Dilogie! Meine Rezension enthält kleine Spoiler in Bezug auf den ersten Band!

Wilbur, Amanda, Jenny, Malcom und Damon sind fünf außergewöhnliche „Jugendliche“, ...

Achtung: zweiter Band und Abschluss der Dilogie! Meine Rezension enthält kleine Spoiler in Bezug auf den ersten Band!

Wilbur, Amanda, Jenny, Malcom und Damon sind fünf außergewöhnliche „Jugendliche“, die beauftragt wurden, die Welt zu retten. Bereits im ersten Band haben sie einige Herausforderungen meistern müssen und nun stehen sie vor nicht viel weniger komplizierten Aufgaben. Denn noch immer ist die Zukunft durch ein mysteriöses Energiefeld bedroht.

Nach dem Ende des ersten Buches war ich sehr neugierig, wie sich die Geschichte rund um die fünf Protagonisten weiter entwickeln würde. Insgesamt hat mir der zweite Band auch gut gefallen, auch wenn er mich nicht restlos mitgerissen hat. Besonders der Abschluss war mir dann irgendwie doch etwas zu beschleunigt, da hätte ich mir nach der langen Reise doch irgendwie etwas mehr gewünscht. Der Weg dahin war aber auf jeden Fall interessant gestaltet und hat sich gut an den Auftakt der Geschichte angefügt.
Achtung Spoiler!!

Wer den ersten Band gelesen hat, der weiß, was ich gleich schreibe, wer ihn noch nicht gelesen hat, der bekommt hier, wenn er weiterliest, einen Spoiler, aber ich möchte auf das Thema gern etwas intensiver eingehen, daher muss ich das einfach einmal benennen und nicht drumrum reden. Ich spoilere nicht gern und mache das auch nur selten, aber in dem Fall nimmt es einfach einen großen Teil der Handlung ein und hat mich immer wieder beschäftigt:
Die Figuren reisen im Verlauf der Geschichte durch die Zeit, in unterschiedliche Jahrhunderte, an verschiedene Orte und um dort ihre Aufgaben zu erfüllen, damit alles andere seinen Lauf nehmen kann. So kommt es dazu, dass die Charaktere sich im Buch verändern. Sie sind am Ende des Buches nicht mehr die, die sie waren, als sie in Band eins in die Geschichte gestartet sind. Einige von ihnen, weil sie sich weiter entwickelt haben, andere aus anderen Gründen 😉 Das möchte ich hier jetzt nicht so detailliert verraten, ich möchte ja auch keine riesigen Spoiler setzen.
Aber die Protagonisten müssen durch die Zeit reisen, damit sie veranlassen können, dass sie werden, wer sie sein müssen, um zu tun, was nötig ist, damit passieren kann, was passiert ist und sie nicht verändern, was nicht verändert werden darf – Und da ist es auch schon, eines der Probleme bei Zeitreisen 😀 Wenn man so intensiv darüber nachdenkt, dann eckt man an dem einen oder anderen Punkt an. Im Großen und Ganzen scheint es im Buch schon stimmig zu sein, zumindest passen viele der Erklärungen soweit, dass man nachvollziehen kann, was da passiert oder passieren muss, damit es weitergehen kann, wie es weitergehen soll. Es gab aber auch kleine Details, die, trotz intensiven Nachdenkens, nicht komplett für mich passten oder die ich aufgrund der komplexen Thematik vielleicht einfach nicht ganz aufnehmen oder mir erklären konnte…

-Spoiler Ende-

Der Schreibstil war wieder angenehm und flüssig. Ich bin recht leicht wieder in die Handlung reingekommen und hatte auch keine sehr großen Probleme mit den Erinnerungen, die waren mit Beginn der Geschichte doch schnell wieder da . Ab und an gibt es kleine Hinweise auf die vorausgegangenen Geschehnisse, diese sind jedoch nicht sehr umfangreich gehalten, Vorwissen sollte man also in jedem Fall mitbringen.
Es gibt zwar keine Ich-Perspetkiven, man begleitet aber dennoch immer wieder unterschiedliche Figuren bei ihren Erlebnissen und bekommt so auf der einen Seite einen guten Überblick über die Gesamthandlung, die sich zeitweise in unterschiedliche Stränge aufteilt, und auf der anderen Seite trotzdem Einblicke in das Innenleben der Figuren. Die Handlungsstränge bedingen sich alle und werden nach und nach auch wieder zu einem einzigen verknüpft. Da sich die Figuren jedoch zwischendurch aufteilen oder die Umstände es einfach ergeben, dass sie nicht, nicht mehr oder noch nicht wieder gemeinsam agieren, verpasst man durch die Wechsel nicht so viel vom Geschehen.
Besonders interessant fand ich die Erlebnisse rund um Jenny. Von ihr wusste man bisher ja nicht so viel und nun wird doch einiges dort etwas klarer und fügt sich zusammen. Etwas über ihr Umfeld und die Umstände zu erfahren, in denen sie lebt, war erschreckend und faszinierend gleichermaßen.
Auch die anderen Charaktere lernt man im Verlauf des Buches noch näher kennen, was interessant war. Aufgrund der Veränderungen in ihrer Situation und Konstellation müssen sie sich immer wieder Herausforderungen und auch ihren eigenen Gefühlen stellen. Die Voraussetzungen dafür sind sehr unterschiedlich, was es noch abwechslungsreicher zu verfolgen macht.
Es gab viele spannende und auch einige turbulente Passagen und auch Szenen, in denen die Figuren selbst mehr im Fokus standen. An ein paar kleinen Stellen hätte ich mir die Handlung etwas ausführlicher gewünscht, da ging es mir dann irgendwie etwas zu schnell oder es war mir vom Einblick nicht intensiv genug, vor allem verglichen mit anderen Themen, die deutlich ausschweifender behandelt wurden.
Fazit

Insgesamt ein schöner Dilogieabschluss, der viele Fragen beantwortet hat. Ein bisschen was ist am Ende offen geblieben oder passte für mich nicht hundertprozentig, einiges ging mir auch einfach etwas zu schnell, das hätte ich gern genauer beleuchtet gehabt, aber trotzdem hatte ich viel Freude mit dem Buch und den sehr unterschiedlichen Figuren, die vor verschiedene Herausforderungen gestellt werden. Langweilig war es in der Geschichte nie.

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Veröffentlicht am 11.09.2020

spannend gemacht und gut durchdacht

Raum der Angst
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Der Klappentext des Buches ist wirklich gelungen. Er stimmt schon mal auf die düstere Atmosphäre im Buch ein und sorgt damit für die richtige Stimmung, ohne inhaltlich zu viel zu verraten. Denn im Buch ...

Der Klappentext des Buches ist wirklich gelungen. Er stimmt schon mal auf die düstere Atmosphäre im Buch ein und sorgt damit für die richtige Stimmung, ohne inhaltlich zu viel zu verraten. Denn im Buch ist es alles andere als einfach die Rätsel des Killers zu bestehen. Gemeinsam sind die acht Teilnehmer stark, haben viel Potenzial und Wissen, um die Lösungen zu finden, doch nicht jedes Problem lässt sich ohne Opfer bewältigen…
Was am Anfang in den Köpfen der Spieler als Experiment begann, entpuppt sich nach und nach als makaberes Spiel auf Leben und Tod. Diesen Escape Room kann man nicht einfach verlassen, in dem man die Aufgaben erledigt. Nur wem es gelingt, nicht in die Fallen zu tappen, hat eine minimale Chance dem Ganzen zu entkommen.

Die Geschichte wird von einem personalen Erzähler geschildert, wodurch es möglich ist, verschiedene Handlungsstränge zu verfolgen, die parallel zueinander verlaufen. So kann man sowohl die Teilnehmer des Experimentes im Escape Room begleiten, als auch den Killer und die Ermittler. Dadurch entsteht ein guter Überblick über die Gesamthandlung und durch die Wechsel der einzelnen Perspektiven wird die Dynamik im Buch erhöht. Obwohl man als Leser durch die unterschiedlichen Einblicke mehr Wissen hat, ist es doch lange Zeit nicht möglich, zu verstehen, was genau da vor sich geht und wer hinter all dem steckt. Selbst wenn es Hinweise gibt, reichen diese nicht aus, um sich ein schlüssiges Bild zu machen, so ging es zumindest mir. Und selbst als die Identität des Mörders aufgedeckt ist, ist der Horror im Escape Room noch nicht vorbei, denn wo sich die verschwundenen Personen aufhalten und wie sie gerettet werden können, sind noch mal ganz andere Fragen und Herausforderungen.

Besonders spannend empfand ich die Szenen, die im Escape Room Stil gemacht waren. Für die acht Menschen, die dort eingeschlossen sind, ist die Herangehensweise zunächst sehr unterschiedlich. Denn zu Beginn glauben einige von ihnen noch daran freiwillig dort zu sein und sehen das alles als ein harmloses, wenn auch kompliziertes Spiel an. Doch nach und nach wird ihnen allen bewusst, dass der Preis des Verlierens ihr Tod ist. Geschockt von den Ereignissen und den Verlusten müssen sich sich zusammen reißen und weiter nach Lösungen und Auswegen suchen. Am besten wäre es, wenn sie dabei gedanklich dem Killer immer einen Schritt voraus wären, das ist jedoch einfacher gesagt, als umgesetzt und so manövrieren sie sich immer wieder unbewusst in brenzlige Situationen, aus denen es nicht immer ein entrinnen gibt. Es ist grausam, was sie dort erleben und durchmachen müssen, wie mit ihren Ängsten gespielt wird und ihr Wissen immer wieder herausgefordert wird. Doch ist es wirklich gut etwas zu wissen und zum Erfolg beizutragen? Die Eingeschlossenen sind ganz unterschiedliche Charaktere und das ist bewusst so gewählt. Jedem von ihnen werden unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben, wobei eine überwiegt und darauf und sind teilweise auch die Aufgaben bezogen, die sie zu erfüllen haben.

Neben diesen Passagen begleitet man auch die Ermittler intensiv bei ihrer Arbeit. Sie versuchen zu durchschauen, was es mit dem eigentlich geplanten Experiment auf sich hat und bemühen sich daraus Rückschlüsse darauf zu ziehen, was wirklich passiert ist. Dabei geht es viel um Psychologie und sie erhoffen sich Hilfe von einem bekannten Professor auf diesem Gebiet. Doch auch wenn sie immer weiter vordringen und es einige Entdeckungen gibt, die neue Fragen aufwerfen und sie so irgendwann auch Antworten erhalten, ist es lange Zeit schwer, das große Ganze dahinter zu erkennen. Auch wenn man in diesen Abschnitten interessante Dinge erfährt, wurde mein Lesefluss hier manchmal etwas gestört. Das lag gar nicht so sehr an der Handlung an sich, sondern an einigen Formulierungen und Sätzen, die abgehackt wirkten und mich beim Lesen ins stocken gebracht haben. Irgendwie ging es teilweise nicht so flüssig voran, wie in den anderen Handlungssträngen, was schade war, denn gerade die Ermittlungen und das Zusammensetzen von Puzzleteilen, ist bei der Suche nach dem Täter bedeutungsvoll. Dass ich zu dem Ermittlerduo keine große Bindung aufbauen konnte, empfand ich nicht als schlimm. Man weiß von ihnen nicht so sehr viel und für die Lösung des Falles ist es aus meiner Sicht auch nicht so sehr von Bedeutung sie gut kennen zu lernen. Es hat die Abschnitte aber vielleicht noch etwas unpersönlicher erscheinen lassen.

Im Verlauf des Buches gibt es einige Entwicklungen, mit denen ich so nicht gerechnet habe und die es noch interessanter gemacht haben. Während man immer tiefer in die Ermittlungen eintaucht, müssen die Menschen im Escape Room immer kniffligere Rätsel lösen und Zusammenhänge erkennen, die ihnen das Überleben sichern könnte oder aber sie darauf vorbereiten, wie sie sterben werden. Insgesamt war es spannend zu verfolgen und abgesehen von den Ermittlungsabschnitten, in denen es für mich manchmal etwas stockend wirkte, war der Schreibstil flüssig. Die angsterfüllte Atmosphäre wird gut rüber gebracht und auch wenn die Grausamkeiten und Todesfälle nicht alle in jedem Detail beschrieben werden, so sind die Darstellungen doch detailliert und blutig genug, damit man einen bildhaften Eindruck davon bekommt.
Fazit

Einen Thriller in einem Escape Room hatte ich bisher noch nicht gelesen und ich mochte die gut durchdachte Handlung und den peniblen durchdachten „Versuchsaufbau“ in den Räumlichkeiten richtig gern. Die Eingeschlossenen mussten richtig was leisten und selbst wenn sie Erfolg hatten und einen Raum weiter gekommen sind, war doch nicht für alle ein glimpfliches Ende in Sicht – spannend war das auf jeden Fall.
Leider war es in den Passagen der Ermittler manchmal nicht ganz so flüssig zu lesen, wie in den anderen Bereichen, wodurch mein Lesefluss immer mal wieder ins stocken geraten ist. Insgesamt aber ein interessantes Buch mit zahlreichen, unterschiedlichen Grausamkeiten.

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Veröffentlicht am 05.09.2020

erst etwas langatmig, dann immer bedrückender, spannender und interessanter

So weit die Störche ziehen (Die Gutsherrin-Saga 1)
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Doras Familie besitzt einen gut gehenden Gutshof in Ostpreußen, der es der jungen Protagonistin ermöglicht von einer wunderschönen Zukunft zu träumen. Doch dann kommt der Krieg und das sorglose, unbeschwerte ...

Doras Familie besitzt einen gut gehenden Gutshof in Ostpreußen, der es der jungen Protagonistin ermöglicht von einer wunderschönen Zukunft zu träumen. Doch dann kommt der Krieg und das sorglose, unbeschwerte Leben nimmt ein jähes Ende. Auch wenn Dora zunächst noch nicht so viel von den Auswirkungen mitbekommt und an ein rasches Ende der Auseinandersetzungen glaubt, muss sie diesen Glauben irgendwann begraben und der Realität ins Auge blicken. Inmitten all dieser Veränderungen spielen auch die Herzensangelegenheiten von Dora eine große Rolle und auch in der Beziehung kommt vieles anders, als sie es sich ausgemalt hatte.

Ich bin nicht so häufig im historischen Kontext unterwegs, doch dieses Buch hat mit dem Klappentext mein Interesse geweckt. Die Liebesgeschichte gepaart mit den schrecklichen Erlebnissen des Krieges hat mich neugierig gemacht und ich war gespannt, wie das umgesetzt wird. Das Buch ist nicht komplett biografisch, es sind jedoch Berichte von Zeitzeugen und auch geschichtlich belegte Fakten mit eingearbeitet worden, so dass man sich gut vorstellen kann, dass vieles von dem, was beschrieben wird, so oder so ähnlich auch passiert sein könnte.

Zu Beginn des Werkes war es mir leider zu langatmig und stellenweise fast schon etwas zäh. Man lernt Dora und ihre Familie kennen und kann sich ein ganz gutes Bild davon machen, wie die Protagonistin aufgewachsen ist, was sie beschäftigt und bewegt. Als der Krieg ausbricht, ist es für die Twardys in Ostpreußen alles recht weit weg und auch wenn man sich Gedanken macht, geht das Leben doch recht normal weiter – zumindest zunächst. Auch als die ersten Familienmitglieder eingezogen werden und an die Front müssen, war es gefühlt noch ziemlich ruhig bei Dora. Ihr Leben geht weiter, sie träumt nach wie vor von ihrer schönen Zukunft, sie lernt Menschen kennen, geht tanzen und nutzt die Chancen, die ihr Königsberg bieten, auch wenn sie nicht freiwillig dorthin gegangen ist. In dieser Phase entwickelt Dora sich zwar und legt schon einen kleinen Teil der Naivität und Kindlichkeit ab, da sie fort für die Familie ihres Onkels Verantwortung übernehmen muss, aber was um sie herum passiert und wie schrecklich die Lage eigentlich ist, davon erfährt man nicht viel. Auch wenn Dora einiges erlebt und man auch mitbekommt, was all die neuen Erfahrungen mit ihrem Herz machen, konnte mich das alles noch nicht so richtig packen. Es plätschert eher dahin, so empfand ich es beim Lesen zumindest. Auch wenn mir bewusst ist, dass nicht alle Regionen und alle Menschen gleich von den Auswirkungen des Krieges betroffen waren und für einige das Leben vielleicht wirklich einfach weiter ging und man sich nicht zu viele Gedanken gemacht hat. Dennoch passierte mir einfach irgendwie zu wenig.
Erst als der Krieg dann mehr Auswirkungen auf alle hat und es auch um die Existenz des Hofes geht, konnte mich das Buch mehr mitnehmen. Die Protagonistin muss schneller Verantwortung übernehmen, als sie gedacht hätte und steht vor Problemen, die sich allein nicht lösen lassen. Es kommt eine entbehrungsreiche Zeit auf die Familie zu und es wird immer schlimmer und schlimmer. Mitzuerleben, wie die Familie Stück für Stück verliert, was sie besitzen und was ihre Existenz sichert, war bedrückend und bewegend. Gleichzeitig wachsen einige der Charaktere auch über sich hinaus und entwickeln eine Stärke, die sie vorher wohl selbst nicht in sich vermutet haben. Doras Gefühle in Bezug auf die Männerwelt spielen weiterhin eine Rolle, doch immer wieder werden diese Emotionen auch in den Hintergrund gedrängt, da andere Sachen Priorität haben. Doch man verliert nie ganz den Bezug dazu, so dass sich dieses Thema durch das komplette Buch zieht, wenn sich auch der Schwerpunkt etwas verändert und auch die Gedanken der Protagonistin dazu.

Autorin Theresia Graw gibt Einblicke in die Zeit zwischen 1939 und 1945 in der Region Ostpreußen, so dass man sich schon vorstellen kann, wie es zu der Zeit dort gewesen sein könnte und wie sich die Lage mit Voranschreiten des Krieges verändert hat. Ich konnte den Geschehnissen durchweg gut folgen und auch wenn es mir zu Beginn zu ruhig war, wurden auch dort die Ereignisse nachvollziehbar geschildert und man kann Dora dabei begleiten, was sie erlebt und wie sie sich entwickelt. Die Entwicklungssprünge, die die Protagonistin dann im Verlauf des Buches macht, waren auf jeden Fall beeindruckend. Sie wird mutig und sehr entschlossen, sie kämpft verbissen für ihre Familie und später auch ums Überleben im Allgemeinen. Die Schrecken des Krieges werden dabei dann auch nicht mehr verschwiegen, aber auch nicht bis ins kleinste Detail ausgeschmückt. Das Grauen ist aber auf unterschiedliche Weise präsent. Durch den personalen Erzähler wird in den Szenen teilweise auch eine gewisse Distanz gewahrt, auch wenn trotzdem deutlich wird, dass es die Charaktere mitnimmt, was sie dort erleben und sehen.
Fazit

Die Phase der Figureneinführung und der ersten Entwicklungen rund um Dora war mir persönlich einfach zu langatmig und ereignisarm. Auch wenn es nicht unwichtig ist, die Charaktere, besonders die Protagonistin, kennen zu lernen, hätte dieser Abschnitt für mich kürzer sein dürfen. Als dann der Krieg immer mehr ins Geschehen eingreift, konnte mich auch die Handlung mehr packen. Es wird bedrückender, die Schrecken der Zeit nehmen mehr Raum ein und viele andere Dinge rücken in den Hintergrund. Es muss eine furchtbare Zeit gewesen sein und man kann nur froh sein, es nicht selbst durchmachen zu müssen. Diese Passagen im Buch empfand ich als spannend und erschütternd gleichermaßen, dort konnte mich die Geschichte auf jeden Fall mitnehmen und erreichen.

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Veröffentlicht am 02.09.2020

toller Auftakt, sympathische Figuren

Zimt und weg
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Mit dem Duft von Zimtschnecken verbinden viele Leute etwas Leckeres, Positives. Für Vicky ist das allerdings ganz und gar nicht so. Denn wenn ihr der Geruch in die Nase steigt, obwohl sie gerade nicht ...

Mit dem Duft von Zimtschnecken verbinden viele Leute etwas Leckeres, Positives. Für Vicky ist das allerdings ganz und gar nicht so. Denn wenn ihr der Geruch in die Nase steigt, obwohl sie gerade nicht beim Bäcker ist oder zu Hause frisch gebacken wird, bedeutet es für sie, kurz darauf in einem anderen Körper aufzuwachen. Häufig sind es nur wenige Sekunden, kaum genug Zeit, um sich zu orientieren, geschweige denn herauszufinden wer sie ist. Doch ihre Sprünge werden zahlreicher und länger und wenn sie zurück kommt, gibt es einiges wieder zu sortieren, denn in der Zeit, in der sie jemand anderes ist, ist natürlich auch jemand in ihr und tut, was er in dem Moment für passend hält…

Der Schreibstil von Dagmar Bach ist locker-leicht, sehr angenehm und flüssig zu lesen. Schwierigere Wörter oder Fachbegriffe werden entweder erklärt oder so sympathisch von Vicky abgetan, dass es eigentlich auch keine Rolle spielt, was sie bedeuten. Denn wenn die Protagonistin selbst nicht weiß, was es damit auf sich hat, ist es auch für die Handlung nicht weiter von Bedeutung. Durch die Ich-Perspektive taucht man sehr intensiv in das Leben von Victoria ein und erlebt alles hautnah mit, was sie beschäftigt und ihr widerfährt. So ist man auch bei den Sprüngen mit dabei, die immer wieder einiges durcheinander bringen. Zunächst weiß sie nicht, wer sie ist und was es mit der Welt, in der sie landet auf sich hat. Und auch wenn am Ende von Band eins der Trilogie noch längst nicht alles aufgeklärt ist, so hat man doch schon die ersten Informationen erhalten und kann einige der Ereignisse etwas besser einordnen. Zumindest weiß man, wer sie ist, wenn sie nicht mehr sie ist und wer dann in ihrem Körper steckt. Durch die Parallelen, die die Leben der beiden Personen aufweisen, ist es manchmal gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten, in welcher Welt eigentlich was passiert, besonders in der Phase, als ihre Sprünge schnell hintereinander folgen. Chaos und Unsicherheit ist da vorprogrammiert und das nicht nur bei der jungen Protagonistin.
Häufig an Vickys Seite ist ihre beste Freundin Pauline, die sie in alles eingeweiht hat. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was mit Vicky los ist, was die Sprünge auslöst, wohin sie springt und ob sie etwas dagegen tun können. Die Dokumentation dieser Sprünge hat mir auch richtig gut gefallen, denn die Log-Buch-Einträge fassen die Ereignisse schön zusammen und gleichzeitig lässt Vicky eben auch ihre Empfindungen rückblickend noch mal mit einfließen.
Die beiden sind ein tolles Gespann, mit ihnen wird es nie langweilig. Vicky ist alles andere als auf den Mund gefallen und haut auch mal einen sarkastischen oder eben sehr ehrlichen Kommentar heraus, wenn ihr Gegenüber das nicht unbedingt erwartet. Andere Situationen verunsichern sie jedoch und dann verschlägt es ihr auch schon mal die Sprache. Oder sie weiß einfach nicht, was sie getan haben soll, weil sie es gar nicht war. Ab und an wird es auch mal peinlich für Vicky und trotzdem meistert sie auch diese Situationen mit ihrer, mir sehr sympathischen, Art. Alles in allem verhält sie sich wie eine Jugendliche, die sie eben auch ist. Ich empfand das als sehr passend, ohne dass es zu „nervig“ jugendlich war.
Neben dem ungelösten Problem mit den Sprüngen dreht es sich auch viel um Freundschaft und Verliebtsein – Themen die bei Schülern an der Tagesordnung stehen. Mit den Jungs ist es ebenfalls gar nicht so einfach, besonders wenn man es doppelt nimmt. Für Vicky ist es schon in ihrer Welt nicht ganz leicht, zu entscheiden, wer ihr Herz höher zum Schlagen bringt bzw. für wen es wohl nur eine grundlose Schwärmerei war. Doch durch ihre Sprünge gewinnt sie noch mehr Eindrücke, die teilweise im Gegensatz zu dem stehen, was sie in ihrer Realität erlebt.
Auch die Familie der Protagonistin lernt man nach und nach etwas kennen. Besonders ihre Großeltern scheinen etwas verrückt zu sein und so gar nicht, wie man sich Großeltern sonst vielleicht vorstellt. Aber auch ihre Tante Polly ist ein sehr spezieller Charaktere. So entsteht, gemeinsam mit den Freunden und Schulkameraden, eine bunte Figurenmischung, die mir gut gefallen hat, auch wenn man nicht alle detailliert kennenlernt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es da noch das eine oder andere Geheimnis zu entdecken gibt bzw. nicht jeder bisher sein wahres Gesicht zeigt.
Fazit

Mir hat die Kombination aus den zimtigen Sprüngen in eine scheinbar andere Welt mit dem ganz normalen Teenager-Alltag von Vicky und ihrer Freundin Pauline sehr gut gefallen. Auch wenn es für die Protagonistin alles andere als einfach ist, in einem anderen Körper zu landen, haben mir besonders diese Abschnitte richtig gut gefallen. Für mich war es aber wohl auch witziger davon zu lesen, als für Vicky, es zu erleben. Schließlich löst es in beiden Welten immer wieder kleinere und größere Probleme aus, die dann hinterher ausgebügelt werden müssen. Ich bin jetzt auf jeden Fall neugierig, wie es wohl weitergehen wird und was die Jugendlichen noch so erleben und erfahren werden.

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Veröffentlicht am 23.08.2020

nach einer wahren Geschichte -bewegend und toll geschrieben

Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete
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Stefania ist gerade mal 16 Jahre alt und steckt voller Träume und Hoffnungen, als der zweite Weltkrieg ausbricht und für sie alles verändert. Nichts in ihrer Umgebung ist mehr, wie es war. Häuser liegen ...

Stefania ist gerade mal 16 Jahre alt und steckt voller Träume und Hoffnungen, als der zweite Weltkrieg ausbricht und für sie alles verändert. Nichts in ihrer Umgebung ist mehr, wie es war. Häuser liegen in Schutt und Asche, es wird schwer eine Arbeit zu finden, ihre Freunde müssen umziehen und sie allein lassen und dann ist da auch noch ihre kleine Schwester Helena, um die sie sich kümmern muss. Für Stefania beginnt ein harter Kampf ums Überleben, denn sie bemüht sich nicht nur sich selbst und ihre Schwester durch zu bringen, sondern gleichzeitig noch für die Familie Diamant da zu sein, bei der sie zuvor gewohnt und gearbeitet hat. Die Juden-Familie ist im Ghetto für die Jugendliche jedoch nur schwer zu erreichen und das heimliche Versorgen streng verboten. Und als wäre das noch nicht gefährlich und waghalsig genug, steht sie im Verlauf des Krieges vor noch weiteren, schwerwiegenden Entscheidungen und gibt mit ihrem Mut anderen Menschen eine Chance auf ein Leben, wenn auch nur eine kleine, denn niemand weiß, ob sie den nächsten Tag noch erleben werden.

Dieses Buch ging mir unter die Haut. Es war erschreckend, erschütternd, aufwühlend und gleichzeitig auch unglaublich schön. Die Geschichte des zweiten Weltkrieges ist den meisten wohl nicht unbekannt. Auch mit den Themen Judenverfolgung, Konzentrationslager und Hinrichtungen aufgrund von Hilfsbereitschaft gegenüber den Juden hat man sich zum Beispiel in der Schule beschäftigt und man weiß, dass das passiert ist und hat vielleicht auch eine grobe Vorstellung davon, wie schlimm und grausam es gewesen sein muss. Mit „Das Mädchen das ein Stück Welt rettete“ einen Einblick in diese Zeit zu bekommen, der auf einer wahren Begebenheit beruht, ist aber einfach noch mal intensiver gewesen.
Die Geschichte ist sehr einfühlsam erzählt, trotz all der Schrecken, die passieren und die auch nicht verheimlicht werden, sind die Grausamkeiten nicht zu detailliert beschrieben, so dass die Altersempfehlung ab 13 Jahren vermutlich gerechtfertigt ist. Einige Szenen waren aber schon sehr geprägt von der Brutalität der Zeit, auf unterschiedliche Weise. Das Leben von Stefania wird zu einem ständigen Kampf. Ein Kampf um ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, Kleidung, Arbeit und die Gesundheit. Die Protagonistin ist unglaublich mutig und hat ein großes Herz. Immer wieder kommen ihr Zweifel und die Angst hält sie fest im Griff und doch entscheidet sie zugunsten anderer Menschenleben. Was sie alles unternimmt und bewerkstelligt, ist wirklich enorm. Aber auch ihre kleine Schwester Helena ist für mich eine Heldin. Die beiden Schwestern haben viel ausgehalten und eingesteckt, zurück gesteckt, sich immer wieder ihren Ängsten gestellt und durchgehalten, wie schwer es auch war. Und jede Hoffnungslosigkeit, die aufkam, war absolut verständlich und nachvollziehbar.
Stück für Stück durchlebt man mit Stefania, wie es ihr ergangen ist, welchen Strapazen sie sich ausgesetzt hat, wen sie kennengelernt und für wen sie ihr eigenes Leben riskiert hat. Durch die Ich-Perspektive ist man hautnah dabei und erlebt jede Szene sehr intensiv mit. Immer wieder gab es Situationen, in denen sie dem Tod näher war, als dem Leben und es nur durch Glück, ihrem guten Verhandlungsgeschick, der Gutmütigkeit ihres Gegenübers oder einer zufälligen Ablenkung zu verdanken war, dass sie eine weitere Chance erhalten hat, für sich und die Juden, die sie schützte und unterstützte. Manche Passagen hätten für meinen Geschmack noch etwas länger und ausgebauter sein können. Es gibt im Buch einige Zeitsprünge, die ich verständlich finde, dennoch fand ich all die Erlebnisse gleichermaßen interessant wie erschreckend und hätte einfach gern noch mehr erfahren. Trotzdem versteh ich die Kürzungen und die Autorin erklärt auch im Nachwort, dass sie nicht alles so detailliert einbringen konnte, wie sie gern gewollt hätte, ohne das Buch zu dick werden zu lassen. Besonders beeindruckend fand ich, dass, abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, alles wirklich so passiert ist. Auch wenn hier und da die Reihenfolge wohl ein klein wenig angepasst werden musste, damit es trotz der Zeitsprünge und der „Kürzungen“ passte und es zu einigen wenigen Ereignissen keine ganz genauen Aufzeichnungen oder Zeitzeugen gab, kann man sich ziemlich sicher sein, dass man Stefanias Geschichte nahezu so erlebt, wie sie war. Es ist eben nicht so oder so ähnlich oder möglich und vielleicht, sondern es ist das Leben von Stefania und Helena, in das man hier eintauchen darf.

Trotz all der bedrückenden und schrecklichen Ereignisse empfand ich den Schreibstil als sehr angenehm und flüssig. Es ist aufwühlend und furchtbar, was die Menschen durchgemacht haben, umso schöner waren dann aber auch die kleinen Erfolge und Lichtblicke, die Hoffnung und der Mut. Ich möchte inhaltlich gar nicht zu viel verraten. Stefania und Helena treffen auf ganz verschiedene Personen, einige sind ihnen wohlgesonnen, andere nicht, vor manchen müssen sie sich verstecken und schweigsam sein, bei anderen könnten sie überlegen, ob sie ehrlich sind und vertrauen fassen. Sie müssen Krisen meistern und Unmögliches organisieren und bei all dem dürfen sie niemals ihr Herz oder ihren Verstand verlieren.

Ein toller Abschluss ist das Nachwort des Buches, in dem man zu einigen der Charaktere, die man im Verlauf des Werkes kennen gelernt hat, noch von dem erfährt, was nach dem Krieg aus ihnen geworden ist. Durch die Fotos wird dabei noch mal deutlicher, dass es wirklich um reale Menschen geht, nicht um fiktive Figuren, die in die Zeit des zweiten Weltkrieges gesetzt wurden.
Fazit

Eine Geschichte voller Mut und Menschlichkeit nach einer wahren Begebenheit. Ich lese sehr selten historische Bücher, doch dieses hat mich gleich angesprochen und die Leseprobe hat mich neugierig gemacht auf den Rest der Handlung. Und auch wenn ich mir im Vorfeld natürlich Gedanken gemacht habe, was mich erwartet, so war es dann beim Lesen doch noch mal intensiver und anders. Besonders mit dem Wissen, dass es Stefania gab, dass es all die anderen Menschen gab und dass all die Ereignisse passiert und keine Fiktion sind. Ein tolles Buch, das mich nachdenklich gestimmt hat und die grausamen Seiten des Krieges lebendig macht, ohne dabei zu viele blutige Details auszupacken, das gleichzeitig aber auch einfach toll war, weil die Protagonisten wahre Helden sind.

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