Profilbild von hexenbuecherei

hexenbuecherei

Lesejury-Mitglied
offline

hexenbuecherei ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hexenbuecherei über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2026

Ich wusste, dass es wehtut, und hab es trotzdem nochmal gelesen 😭

Wie die Ruhe vor dem Sturm
0

Ich habe 'Wie die Ruhe vor dem Sturm' von Brittainy C. Cherry letzte Nacht nochmal rereadet, nachdem ich vorher nur Thriller gelesen habe, und ich wusste eigentlich schon, worauf ich mich einlasse. Ich ...

Ich habe 'Wie die Ruhe vor dem Sturm' von Brittainy C. Cherry letzte Nacht nochmal rereadet, nachdem ich vorher nur Thriller gelesen habe, und ich wusste eigentlich schon, worauf ich mich einlasse. Ich brauchte einfach genau dieses Gefühl…und ja, es wurde wieder ein kompletter Ugly Cry.

Die Geschichte begleitet Ellie und Grey in zwei Phasen ihres Lebens. Am Anfang lernt man sie als Jugendliche kennen, beide mit ziemlich schweren familiären Themen im Hintergrund, und man merkt schnell, wie sehr sie sich gegenseitig Halt geben. Jahre später treffen sie wieder aufeinander, aber alles ist anders. Grey ist nicht mehr der Junge von früher, sondern total verschlossen und von seiner Vergangenheit geprägt. Ellie arbeitet dann ausgerechnet in seinem Haushalt, kümmert sich um seine Kinder, und zwischen ihnen steht einfach unglaublich viel Ungesagtes. Es geht viel um Verlust, Trauer und darum, ob man überhaupt wieder zueinanderfinden kann, wenn so viel passiert ist.

Was mich beim Lesen wieder richtig getroffen hat, war diese Intensität. Dieses Buch ist nicht einfach nur traurig, es zieht sich wirklich durch jede Seite so eine Schwere, aber gleichzeitig auch etwas Hoffnungsvolles. Vor allem die Kapitel aus der Jugend haben mich komplett bekommen. Diese Verbindung zwischen Ellie und Grey fühlt sich da so ehrlich und zerbrechlich an, dass man eigentlich schon weiß, dass es später nur wehtun kann.

Ellie mochte ich total gern, weil sie eher leise ist, aber trotzdem stark auf ihre eigene Art. Grey…puuh. Ich verstehe total, warum er so ist, wie er ist, aber manchmal war er wirklich schwer auszuhalten. Diese emotionale Distanz und wie er mit allem umgeht, hat mich stellenweise echt frustriert. Gleichzeitig macht genau das die Geschichte aber auch glaubwürdig. Ich war die ganze Zeit so zwischen 'ich verstehe dich' und 'bitte reiß dich zusammen'.

Der Schreibstil ist typisch für die Autorin, sehr gefühlvoll, fast schon poetisch. In manchen Momenten genau das, was die Geschichte braucht, in anderen war es mir ehrlich gesagt ein bisschen zu viel Drama. Aber gerade beim Reread hat es mich wieder voll abgeholt, weil ich wusste, worauf ich mich einlasse.

Das Cover finde ich immer noch richtig schön und passend. Diese ruhigen, leicht düsteren Farben haben für mich genau dieses Gefühl von 'kurz vor dem Sturm', man weiß, da kommt noch etwas, und genau so fühlt sich das Buch auch an.

Ich glaube, man muss solche Geschichten einfach mögen. Es ist definitiv nicht subtil, es ist emotional, dramatisch und teilweise auch vorhersehbar. Aber wenn man genau das sucht, dieses komplette Eintauchen und Mitfühlen bis es weh tut, dann funktioniert es einfach. Für mich war es wieder genau das richtige Buch zum falschen (oder vielleicht perfekten) Zeitpunkt. Ich wusste, dass es mich zerstören wird, und habe es trotzdem gebraucht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2026

Zwischen Urlaubsidylle und unterschwelliger Bedrohung.

Meeresdunkel
0

'Meeresdunkel' von Till Raether beginnt für mich erstmal wie eine etwas unangenehme Urlaubssituation. Zwei Familien treffen aufeinander, weil sie dasselbe Haus gebucht haben, und müssen sich irgendwie ...

'Meeresdunkel' von Till Raether beginnt für mich erstmal wie eine etwas unangenehme Urlaubssituation. Zwei Familien treffen aufeinander, weil sie dasselbe Haus gebucht haben, und müssen sich irgendwie arrangieren. Was zunächst wie eine unangenehme, aber lösbare Situation wirkt, kippt langsam. Die Atmosphäre wird zunehmend bedrückend, alte Spannungen und unterschwellige Konflikte treten hervor, und schließlich passiert etwas, das alles verändert, ohne dass man sofort versteht, warum diese Menschen überhaupt zusammengeführt wurden. Entscheidend ist weniger das 'Was passiert?', sondern das 'Warum sind sie hier?' und 'Was verbindet sie wirklich?'. Genau dieses langsame Aufziehen der Bedrohung ist der eigentliche Motor der Handlung.

Ich muss sagen, die ersten etwa 80 Seiten fand ich ehrlich gesagt schwierig. Ich musste mich erstmal an den Schreibstil gewöhnen, weil man sehr stark in den Gedanken der Figuren ist und das Ganze teilweise fast protokollartig wirkt. Das hat es für mich am Anfang etwas distanziert gemacht, weil ich nicht sofort emotional drin war. Gleichzeitig passt genau das aber auch irgendwie zur Stimmung des Buches dieses leicht Kühle, Beobachtende.

Am spannendsten fand ich von Anfang an Juri. Er hat seine Puppe Hedwig dabei und geht mit ihr auf eine Art um, die sofort irritierend ist. Er vermenschlicht sie total, projiziert seine eigenen Bedürfnisse auf sie und lässt sie quasi für sich sprechen. Das war für mich direkt so ein unterschwelliges Unbehagen, das sich durchzieht, nicht laut oder schockierend, sondern eher dieses leise 'da stimmt etwas nicht'. Gerade solche Details machen für mich die Stärke des Buches aus, weil sie ohne große Effekte funktionieren.

Was mir insgesamt gut gefallen hat, ist diese langsame, sich aufbauende Spannung. Es passiert lange nichts Spektakuläres, aber man merkt, wie sich alles zuspitzt. Die Figuren wirken dabei nicht wie typische Thriller-Charaktere, sondern eher wie echte Menschen mit eigenen Problemen, was die Situation noch unangenehmer macht. Die Atmosphäre in diesem abgelegenen Haus, das eigentlich nach Urlaub klingt, aber sich zunehmend bedrückend anfühlt, fand ich sehr gelungen.

Was ich etwas schwierig fand, war eben genau dieses langsame Tempo am Anfang und stellenweise auch zwischendurch. Man braucht Geduld, und ich kann verstehen, wenn man da nicht direkt reinkommt. Außerdem sorgt der sehr kopflastige Stil dafür, dass man manchmal eher beobachtet als wirklich mitfühlt.

Das Cover passt für mich ziemlich gut. Es wirkt erstmal ruhig und fast schön, aber gleichzeitig schwingt etwas Düsteres mit, genau wie die Geschichte selbst, die unter der Oberfläche immer unangenehmer wird.

Insgesamt fand ich 'Meeresdunkel' eher einen leisen, psychologischen Thriller als einen klassischen Spannungsroman. Kein Buch für zwischendurch, sondern eher eines, bei dem man sich auf die Stimmung und die Figuren einlassen muss. Ich würde es vor allem Leuten empfehlen, die genau sowas mögen. Langsame Spannung, viel Innenleben und dieses konstante Gefühl, dass etwas nicht ganz greifbar ist, aber definitiv falsch läuft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2026

Traue niemandem im Fjord

Der Fjord
4

Ich habe 'Der Fjord' gerade beendet und muss das Ganze erst mal sacken lassen. Die Geschichte hat mich direkt in den Bann gezogen.
Wir begleiten Amelia, die eigentlich Anwältin ist, sich aber für eine ...

Ich habe 'Der Fjord' gerade beendet und muss das Ganze erst mal sacken lassen. Die Geschichte hat mich direkt in den Bann gezogen.
Wir begleiten Amelia, die eigentlich Anwältin ist, sich aber für eine extrem riskante Mission als naive Fitnesstrainerin ausgibt. Ihr Ziel ist das abgeschottete Anwesen der schwerreichen Familie Fowley in Norwegen, denn dort ist vor einem Jahr ihre Schwester Rose spurlos verschwunden. Amelia mogelt sich an der Seite von Ford Fowley auf die exklusive Party der Familie, und ab dem Moment, wo sie norwegischen Boden betritt, herrscht eine unglaublich beklemmende Stimmung. Man merkt sofort, dass in dieser High-Society-Welt eigene Regeln gelten und Geld dort jedes Verbrechen decken kann.

Was mir an dem Buch besonders gut gefallen hat, war dieser krasse Fokus auf die Machtverhältnisse. Die Fowleys sind so zwielichtig, dass man beim Lesen richtig wütend wird, besonders, wenn sie Beweise für schlimme Vorfälle einfach wegwischen, als wäre nichts passiert.
Sarah Goodwin schreibt super atmosphärisch und das aus der Ich-Perspektive von Amelia, wodurch man ihre Angst, aufzufliegen, richtig miterlebt.
Das Cover mit dem leuchtenden Farbschnitt ist übrigens ein absoluter Hingucker im Regal und passt mit der Jacht und den Bergen perfekt zu dieser 'Rich People'-Isolation im Fjord.

Zugegeben, die ersten ca. 80 Seiten waren für mich ein wenig zäh, weil man Amelia erstmal dabei begleitet, wie sie selber noch Nachforschungen anstellt, z.B. Roses Wohnung besucht, bevor sie dann ihr Leben umkrempelt und sich an Ford heranmacht. Da passierte mir persönlich noch zu wenig. Aber sobald sie auf dem Anwesen ankommt und die ersten mysteriösen Dinge passieren, zieht die Spannung extrem an.
Man verdächtigt am Ende wirklich jeden und genau dieses Miträtseln macht so viel Spaß.

Mein Fazit fällt definitiv positiv aus.
'Der Fjord' ist eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf ein perfides Katz-und-Maus-Spiel in einer luxuriösen, aber tödlichen Kulisse haben. Wenn ihr Fans von packenden Psychothrillern seid, bei denen die Moral der Charaktere komplett auf der Strecke bleibt und die Atmosphäre euch eine Gänsehaut verpasst, dann solltet ihr euch diesen Trip nach Norwegen nicht entgehen lassen. Ein toller Mix aus Macht, Gier und einem richtig spannenden Geheimnis.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 27.04.2026

Summer Heat: Wenn das Misstrauen heißer brennt als die Sonne

Summer Heat
0

Das Buch 'Summer Heat' von Solveig-Marie Kastner entführt uns an die sonnige Algarve in ein exklusives Luxusresort, in dem die Fassade aus Champagnerpartys und Traumstränden jedoch schneller bröckelt, ...

Das Buch 'Summer Heat' von Solveig-Marie Kastner entführt uns an die sonnige Algarve in ein exklusives Luxusresort, in dem die Fassade aus Champagnerpartys und Traumstränden jedoch schneller bröckelt, als man denkt. Im Zentrum stehen Mia und Yanis, die dort als Saisonkräfte arbeiten. Was wie eine klassische Sommerromanze beginnt, entwickelt sich schnell zu einem psychologischen Verwirrspiel. Da beide ihre eigenen Geheimnisse und Ziele verfolgen, schlägt die anfängliche Anziehungskraft bald in tiefes Misstrauen um. Als dann auch noch eine Leiche angespült wird, ist klar, dass das Paradies eine dunkle Kehrseite hat, und man beginnt sich als Leser ständig zu fragen, wer hier eigentlich wem etwas vormacht.

Besonders gut gefallen hat mir die Atmosphäre, die die Autorin hier erschaffen hat. Man bekommt sofort Fernweh, spürt förmlich den salzigen Wind und die Hitze Portugals, aber gleichzeitig schleicht sich dieses beklemmende Gefühl ein, dass unter der glitzernden Oberfläche etwas ganz und gar nicht stimmt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man emotional richtig tief in die Geschichte hineingezogen wird. Was mich wirklich umgehauen hat, war das Ende. Mit dieser Wendung habe ich absolut nicht gerechnet, und auch wenn mancher Hinweis vielleicht gut versteckt war, kam die Auflösung für mich völlig überraschend. Ein echtes Highlight ist für mich zudem die Gestaltung des Buches. Das Cover macht direkt Lust auf Urlaub, aber besonders toll fand ich das Bild des Resorts in den Buchklappen. Solche Details liebe ich einfach, weil man sich dadurch die Schauplätze viel besser vorstellen kann und noch tiefer in die Welt des Platô Beach Resorts eintaucht.
Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die Länge in der Mitte des Buches. Es gab Passagen, die sich etwas gezogen haben.

Mein Fazit fällt insgesamt sehr positiv aus. 'Summer Heat' ist ein solider Sommerthriller, der vor allem durch seine starke Stimmung und das unvorhersehbare Finale punktet. Wer Lust auf eine Geschichte hat, die mit dem Kontrast zwischen Urlaubsidylle und düsteren Geheimnissen spielt, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Es ist das perfekte Buch für den Urlaub, am besten liest man es direkt am Wasser, auch wenn man danach vielleicht einen etwas skeptischeren Blick auf perfekt wirkende Ferienanlagen wirft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2026

Wem kannst du trauen, wenn du das Haus nicht verlassen kannst?

Das Signal
0

Ursula Poznanski hat mit „Das Signal“ mal wieder bewiesen, dass sie ein absolutes Händchen für beklemmende Atmosphäre hat, die ganz ohne großes Blutvergießen auskommt. Im Zentrum steht die Innenarchitektin ...

Ursula Poznanski hat mit „Das Signal“ mal wieder bewiesen, dass sie ein absolutes Händchen für beklemmende Atmosphäre hat, die ganz ohne großes Blutvergießen auskommt. Im Zentrum steht die Innenarchitektin Viola Decker, deren Leben nach einem schweren Unfall völlig aus den Fugen geraten ist. Sie hat nicht nur ein Bein verloren, sondern auch die Erinnerung daran, wie es überhaupt zu dem Unglück in ihrem eigenen Keller kommen konnte. Zurück in ihrem alten, abgelegenen Haus fühlt sie sich wie eine Gefangene im eigenen Erdgeschoss. Ihr Mann Adam gibt sich zwar nach außen hin als der aufopferungsvolle Partner, doch sein Zögern beim barrierefreien Umbau und die wortkarge Pflegerin Otilia, die er ihr vor die Nase gesetzt hat, lassen bei Viola schnell die Alarmglocken schrillen. Um in dieser Isolation nicht völlig den Verstand zu verlieren und die Kontrolle zurückzugewinnen, greift sie zu einer technologischen List: Sie nutzt kleine GPS-Tracker, um ihre Mitmenschen zu überwachen und herauszufinden, wo sie sich wirklich herumtreiben, wenn sie angeblich bei der Arbeit oder beim Einkaufen sind.

Was mir an dem Buch besonders gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie Poznanski das Misstrauen schleichend wachsen lässt. Man taucht so tief in Violas Gedankenwelt ein, dass man irgendwann selbst beginnt, an jedem Wort von Adam oder der kühlen Pflegerin zu zweifeln. Es ist faszinierend und gleichzeitig erschreckend zu beobachten, wie die Tracker eine Realität offenbaren, die so gar nicht zu den Erzählungen ihrer Liebsten passt. Die Spannung wird dabei meisterhaft oben gehalten, weil man als Leser ständig zwischen „Ist sie einfach nur paranoid durch das Trauma?“ und „Hier geht etwas ganz furchtbar schief!“ schwankt.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich vielleicht, dass man Adam zeitweise wirklich sehr schnell zu hassen beginnt, was die Sympathien recht einseitig verteilt, auch wenn Viola selbst keine klassische, nur „gute“ Heldin ist. Aber genau das macht es auch wieder spannend.

Das Cover passt übrigens hervorragend zur Stimmung. Das knallige Lila in Kombination mit der Wendeltreppe, die fast wie ein Strudel wirkt, und dem Standort-Pin in der Mitte fängt das Thema der räumlichen Einschränkung und der digitalen Überwachung perfekt ein. Man bekommt schon beim Ansehen ein leicht schwindeliges Gefühl, das sich im Buch durch die vielen Wendungen fortsetzt.

Besonders hervorzuheben ist, dass das Ende nicht überhastet kommt, sondern sich die Auflösung im letzten Drittel klug anbahnt und mich trotzdem mit offenem Mund zurückgelassen hat, weil ich diese Richtung absolut nicht habe kommen sehen.

Mein Fazit fällt daher durchweg positiv aus. „Das Signal“ ist ein fesselnder Psychothriller, der zeigt, wie dünn das Eis der Wahrheit sein kann, wenn man sich nicht mehr auf die eigenen Sinne verlassen kann. Wer Lust auf ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel hat, das mit der Angst vor Kontrollverlust und den dunklen Seiten moderner Technik spielt, kommt hier voll auf seine Kosten. Das Buch ist ideal für Leser, die subtile Spannung und raffinierte Plots lieben, bei denen man bis zur letzten Seite miträtselt und am Ende doch wieder von der Autorin aufs Glatteis geführt wird. Ein echtes Muss für Fans von Domestic Noir, die es nervenaufreibend, aber unblutig mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere