Düsterer Fall in einem gruseligen Wald
Rostiges GrabLeo Asker wird unverhofft eine Beförderung in höchste Polizeikreise in Aussicht gestellt, die sie aber nur erhält, wenn sie lernt, die Füße stillzuhalten. Doch dann wird der Abteilung der "verlorenen Seelen" ...
Leo Asker wird unverhofft eine Beförderung in höchste Polizeikreise in Aussicht gestellt, die sie aber nur erhält, wenn sie lernt, die Füße stillzuhalten. Doch dann wird der Abteilung der "verlorenen Seelen" ein zehn Jahre alter Fall zugespielt, indem auf mysteriöse Weise ein neuer Hinweis aufgetaucht ist. Der verschollene Finger des Opfers. Ihr Tod wies seinerzeit eindeutige Parallelen zu einer vor Jahrzehnten im Rostskogen gefundenen 2000 Jahre alten Moorleiche auf, um deren Person sich Mythen und die Gerüchte um einen Fluch ranken. Das Graumädchen. Der Täter - so vermutete man - ist in den Wald geflohen und versteckt sich seither an diesem düsteren Ort. Auch Martin Hill zieht es als Lost Place Experten im Rahmen eines Auftrages dorthin und er ermittelt auf eigene Faust, was Leo nicht gefällt. Die deckt nach und nach auf, was damals wirklich geschehen und vertuscht worden ist.
Eines muss man Anders de la Motte lassen. Er hat nicht nur mit Leonor Asker nicht nur eine besonders starke Ermittlerin zum Leben erweckt, er schafft es auch immer wieder, seine Schauplätze besonders atmosphärisch und düster zu beschreiben. Da kann einem schon mal eine Gänsehaut das Lesen versüßen. Nicht nur der dichte Wald, auch ein alter Schrottplatz und dessen leerstehende Gebäude schaffen eine ziemlich gruselige Szenerie, die seltsame, anscheinend gewalttätige Familie, der das Grundstück gehört tut ihr Übriges, dass man sich hier alles andere als willkommen fühlt. Neu ist, dass Leos Team nicht ganz so gut mit ihr zusammen arbeitet, als es von der Beförderung erfährt und auch Martin Hills Alleingänge stören Leo. Dazu hat er noch eine Auftraggeberin, die sich auch für den Rostskogen interessiert.
Als Leser*innen begleiten wir Leo bei ihren Nachforschungen und man erfährt auch, dass der Fall nicht zufällig bei ihr landet. Nicht nur im alten Fall, sondern auch bei der Zuteilung haben einige Hintermänner ihre Finger im Spiel. Leo muss unheimlich aufpassen, dass ihr die Sache nicht um die Ohren fliegt. Das altbekannte Medium, Leos "verlorene Seelen" und Martins Recherche bilden ein ganz eigenes, einzigartiges Geflecht, jedoch ist manches etwas zu viel des Guten. Am meisten muss ich aber kritisieren, dass die Auflösung des Ganzen Komplotts wieder viel zu einfach ist, da hätte man mehr rausholen können. Ich mag es lieber, wenn jemand der Täter ist, den man gar nicht auf dem Schirm hatte. Trotzdem gerade wegen der Kapitel im Wald eine spannende Lektüre, die einfach manchmal zu viel will. Die privaten Probleme von Asker spielen auch in weiten Teilen keine Rolle, dabei wollte ich so gern erfahren, wie die Sache mit ihrem Vater weitergeht. Zum Glück gibt es da wenigstens am Ende einen eindeutigen Hinweis. 4 Sterne.