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Veröffentlicht am 06.02.2026

Konnte es nicht aus der Hand legen

Das wirkliche Leben
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„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné
In einer kleinen Reihenhaussiedlung in Frankreich wachsen die beiden Geschwister auf. Alles wirkt nach außen idyllisch, doch im Innern spielt sich der alltägliche ...

„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné
In einer kleinen Reihenhaussiedlung in Frankreich wachsen die beiden Geschwister auf. Alles wirkt nach außen idyllisch, doch im Innern spielt sich der alltägliche Horror ab. Das Mädchen, als Ich-Erzählerin, versucht ihren kleinen Bruder vor den Grausamkeiten, die sich in ihrer Familie abspielen zu bewahren. So spielt sie mit ihm auf dem Schrottplatz oder in den Maisfeldern in der Nähe ihrer Siedlung. Und wenn der Eiswagen kommt, strömen alle Kinder der Umgebung der süßen Verlockung entgegen. Bis dahin läuft die Geschichte auf sanfte Art vor sich hin. Als Leser ist man auf der Hut vor dem sadistischen Vater. Die eigentliche Tragödie kommt deshalb unerwartet und explosionsartig. Ich weiß noch, wie mir beim Lesen die Kinnlade heruntersank. Unglaublich aus dem Hinterhalt hatte mich die Geschichte gepackt und ich war unfähig das Buch aus der Hand zu legen. Die kindlichen Versuche der Protagonistin der Situation zu entkommen sind rührend, aber auch bewundernswert. Die Autorin schreibt so intensiv, überraschend und präzise, dass dieses Buch schon jetzt eines meiner Jahreshighlights darstellt.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Einsamkeit

Der andere Arthur
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„Der andere Arthur“ von Liz Moore
Arthur lebt seit 10 Jahren abgeschottet von der Welt, in seinem Elternhaus in New York. Bevor er sich gänzlich zurückzog, war er Professor an der Universität. Seine Mutter ...

„Der andere Arthur“ von Liz Moore
Arthur lebt seit 10 Jahren abgeschottet von der Welt, in seinem Elternhaus in New York. Bevor er sich gänzlich zurückzog, war er Professor an der Universität. Seine Mutter ist verstorben, zum Rest der Familie hat er keinen Kontakt. Und so driftet sein Leben mehr und mehr in die Einsamkeit, während seine Körperfülle stetig wächst. Wir erleben Arthur als einen zutiefst einsamen und unsicheren Menschen, der sich aber in seine Situation eingelebt hat und Ruhe und Akzeptanz ausstrahlt. Sein Anker waren jahrelang die Briefe, die er sich mit seiner ehemaligen Studentin Charlene schreibt. Sie und ihren Sohn Kel lernen wir im zweiten Drittel des Buches kennen. Hier erleben wir eine andere Form der Einsamkeit: Das Mitten unter Menschen sein und dennoch nicht dazugehören. Obwohl Kel beliebt ist und erfolgreich in seinem Sport erlebt er doch Einsamkeit aufgrund seines Klassenunterschieds.
Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Ihre Figuren sind trotz ihrer Lebensumstände liebevoll dargestellt. Man möchte sie einfach nur in den Arm nehmen. Zwischenzeitlich fand ich jedoch die vielen Handlungsbeschreibungen besonders in Bezug auf den jungen Kel etwas langatmig. Und wer Einsamkeit nicht aushalten kann, dem verlangt dieses Buch doch einiges ab. Es ist eine Explosion der Einsamkeit, Schwere und Melancholie, wie ich es selten gelesen habe. Und dennoch schwingt immer etwas ganz Wichtiges mit, dass die Protagonisten weiterleben und handeln lässt. Die Hoffnung. Mich erinnerte dieses Buch an einen ersten warmen Frühlingstag nach einem schweren langen Winter.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Melancholische Wintergeschichte

9 Grad
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„9 Grad“ von Elli Kolb
Josies beste Freundin Rena hatte eine Nahtoderfahrung. Das Erlebnis hat viel in ihr verändert. Sie versucht ihren Körper wieder zu bewohnen. Josie möchte ebenfalls ihren Platz im ...

„9 Grad“ von Elli Kolb
Josies beste Freundin Rena hatte eine Nahtoderfahrung. Das Erlebnis hat viel in ihr verändert. Sie versucht ihren Körper wieder zu bewohnen. Josie möchte ebenfalls ihren Platz im Leben finden, ihren Körper endlich akzeptieren und verstehen, wie sie auf andere wirkt. Als Mittel wählen die Freundinnen das Eisbaden. Besonders Josie überwindet damit Grenzen zwischen ihrem Geist und Körper.
Das Buch begann ganz anders als ich es erwartet hatte. Romane, die im Winter spielen haben oft eine gewisse Schwere und Melancholie. Bis zur Hälfte des Buches war das Eisbaden jedoch eher ein Randthema. In erster Linie ging es um Josies zart wachsende Beziehung zu Lee und ihre Freundschaft zu Rena und Anton. Aber auch um ihr Erwachsenwerden und ihren Platz im Leben. Erst nach der Hälfte des Buches kippte für mich die Stimmung. Josies Eisbaden wurde zur Obsession, ein Betäuben ihres Schmerzes und eine Art Grenzerfahrung. Es legte sich Schwere und Traurigkeit über die Geschichte. Die Beschreibungen der extremen Erfahrungen beim Eisbaden sind von der Autorin sehr eindrücklich dargestellt. Ich habe da viel Leidenschaft für dieses Thema gefühlt. Eine ruhige, unaufgeregte Wintergeschichte bei der man an der Melancholie nicht vorbeikommt.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Rot-weiße Ferien

Ein Sommer in Schweden
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Endlich Sommerferien und endlich soll es für die Geschwister Ole, Lotta und Alfred nach Schweden gehen. Doch leider vorerst ohne Mama, denn die muss als Kommissarin zu Hause noch einen Fall lösen. Dabei ...

Endlich Sommerferien und endlich soll es für die Geschwister Ole, Lotta und Alfred nach Schweden gehen. Doch leider vorerst ohne Mama, denn die muss als Kommissarin zu Hause noch einen Fall lösen. Dabei geht es doch zu ihrer guten Freundin Katrin, die nach Schweden ausgewandert ist. Doch schon bald ist die Traurigkeit verschwunden, denn in Schweden warten nicht nur Elche, Mittsommer und Bullerbü auf die drei, sondern auch Katrins Kinder und damit neue Freunde. Neben einer unbeschwerten Zeit mit vielen neuen Eindrücken, erwartet die Kinder auch eine spannende Detektivgeschichte. Dieser Kinderbuch-Reiseführer bringt uns die Region in Südschweden näher. Auch ein Abstecher nach Stockholm erwartet die kleinen und großen Leser. Wir erfahren einiges über die Besonderheiten des Landes, wie das Mittsommerfest, Kulinarisches oder einige wichtige Worte auf Schwedisch. Schweden ist für uns ein Traumreiseziel und dieses Buch hat es uns als Familie nähergebracht. Für die Eltern sind einige wertvolle Tipps für Sehenswürdigkeiten und Ausflüge dabei, und die Kinder freuen sich über die spannende Geschichte. Sehr gut haben uns auch die Illustrationen gefallen. Denn die sind sehr stilvoll und detailreich. Und hat dieses Buch so richtig Lust auf Schweden gemacht. Also nicht nur für den Urlaub selbst sondern schon zur Vorbereitung darauf sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Schonungslos

Ellbogen
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Wir lernen Hazal kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag kennen. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind streng und gewalttätig. Bisher hat sie kaum Gutes erfahren und erwartet es auch ...

Wir lernen Hazal kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag kennen. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind streng und gewalttätig. Bisher hat sie kaum Gutes erfahren und erwartet es auch nicht. Weder von ihrer Familie noch von der Gesellschaft. Sie fühlt sich auf der Verliererseite des Lebens. An ihrem achtzehnten Geburtstag will sie feiern, mit ihren Freundinnen so richtig ausgelassen sein, doch es kommt anders und der Tag endet in einer Katastrophe.
Dieser Roman ist schonungslos brutal. Hazal lebt in einem vielgepriesenen sicheren Land und ist doch gefangen in einem Alptraum aus Perspektivlosigkeit, Gewalt und Verachtung. Ein Absatz in Fatma Aydemirs Roman beschreibt es so treffend. Da heißt es sinngemäß: Sie sehen erst auf uns, wenn wir etwas schlimmes anstellen, vorher sind wir unsichtbar. Nicht Hazal ist die erste die die Ellenbogen rausstreckt, um sich Platz zu verschaffen. Vorher ist sie ihr ganzes Leben gegen zig Ellenbogen gelaufen, von ihnen gestoßen und verletzt worden. Niemand hat sich für sie interessiert, niemand hat sich um sie gekümmert. Das schmälert nicht ihre Tat. Die ist grausam und unverständlich. Aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass der Roman versucht zu rechtfertigen oder zu erklären. Ich hatte nur wenig Sympathie mit Hazal, dennoch habe ich viele ihrer Handlungen aus der Situation heraus verstanden. Am Ende bleibt eine gewisse Traurigkeit, einen Menschen kennengelernt zu haben, von dem man annehmen muss, dass er niemals richtig glücklich sein wird.

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