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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Kurzweiliger Roman über Mütter und Töchter

Niemands Töchter
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In ihrem Roman „Niemands Töchter“ widmet sich Judith Hoersch einem zeitlosen und komplexen Thema: dem Geflecht aus Müttern, Töchtern und der lebenslangen Suche nach Antworten, die über Generationen hinweg ...

In ihrem Roman „Niemands Töchter“ widmet sich Judith Hoersch einem zeitlosen und komplexen Thema: dem Geflecht aus Müttern, Töchtern und der lebenslangen Suche nach Antworten, die über Generationen hinweg verborgen blieben.

Der Roman beleuchtet die Schicksale von Gabriele, Alma, Isabell und Marie. Über verschiedene Zeitebenen hinweg entspinnt sich eine Geschichte über Familiengeheimnisse und die Frage, wie die Erfahrungen der Mütter das Leben der Töchter prägen. Es ist eine Suche nach Identität und den Wurzeln, die tief in der Vergangenheit vergraben liegen.

Mein Eindruck von diesem eingängig und durchaus bewegend erzählten Roman ist gemischt. Die Geschichte hat zweifellos das Potenzial, ein tiefgründiges und berührendes Werk zu sein, schöpft dieses jedoch leider nicht voll aus.

Zu Beginn braucht die Geschichte zu viel Zeit, um sich zu entwickeln. Die Einführung der vier Protagonistinnen zieht sich in die Länge und wirkt stellenweise langatmig. Im Gegensatz dazu steht das Ende der Erzählung: Hier geht alles ziemlich schnell, wodurch der Schluss gehetzt und wenig ausgereift wirkt.

Die Erzählung erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven und zu verschiedenen Zeitpunkten. Dieser Aufbau hält zwar das Interesse an der Auflösung hoch, schadet jedoch dem Erzählfluss erheblich. Das sprunghafte Wechseln zwischen den Charakteren und Epochen verhindert, dass eine echte emotionale Nähe zu den Figuren entstehen kann – eine Verbindung, die man bei einem so persönlichen Thema eigentlich voraussetzt.

Die Figuren bleiben in ihrer Charakterisierung leider zudem etwas blass und formelhaft. Man hat das Gefühl, sie eher zu beobachten, als mit ihnen zu fühlen. Zudem wirkt das Ende des Romans zu konstruiert und lässt für meinen Geschmack zu viele Fragen offen, was den Gesamteindruck trübt.

„Niemands Töchter“ ist ein stimmungsvoller und kurzweiliger Roman über die komplizierten Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Trotz des bewegenden Ansatzes fehlt es der Geschichte letztlich an der erhofften emotionalen Wucht. Mehr Fokus auf einzelne Handlungsstränge und eine tiefere Ausarbeitung der Personen hätte dem Buch gutgetan. Ein interessanter Denkanstoß, hinter dessen Möglichkeiten die Umsetzung jedoch zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Fesselnder und vielschichtiger Krimi mit Aktualitätsbezug

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Mit "Wellengrab" gelingt es Stefan Ahnhem erneut, seine Leserinnen und Leser über mehr als 600 Seiten hinweg in Atem zu halten. Der Autor versteht es meisterhaft, Spannung und Unbehagen Schritt für Schritt ...

Mit "Wellengrab" gelingt es Stefan Ahnhem erneut, seine Leserinnen und Leser über mehr als 600 Seiten hinweg in Atem zu halten. Der Autor versteht es meisterhaft, Spannung und Unbehagen Schritt für Schritt aufzubauen und über weite Strecken aufrechtzuerhalten. Zwar nimmt die Erzählgeschwindigkeit im Mittelteil etwas ab, doch die kurzen Kapitel und wechselnden Perspektiven – unter anderem aus Sicht von Ermittler Fabian Risk, seinen Kolleginnen und Kollegen, den Täterinnen und Tätern sowie den Opfern – sorgen durchgehend für Dynamik und Abwechslung.

Die Handlung ist vielschichtig, gut konstruiert und zudem erschreckend aktuell: Ein Stromausfall, ein Banküberfall, eine Tote, verschwundene Kinder und widersprüchliche Zeugenaussagen verdichten sich zu einem bedrohlichen Puzzle. Stück für Stück gelingt es Ahnhem, die verschiedenen Handlungsstränge zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenzuführen. Dabei schreckt er nicht vor drastischen Szenen zurück – Gewalt und Blut gehören im düsteren Universum von Fabian Risk erwartungsgemäß dazu.

Gegen Ende zieht das Tempo rasant an, fast schon zu sehr: Die Ereignisse überschlagen sich, und der Autor will nach dem bedächtigen Aufbau offenbar alles auf einmal auflösen. Hier leidet die Glaubwürdigkeit ein wenig, und nicht alle Fäden werden ganz befriedigend zu Ende geführt. Dennoch bleibt Wellengrab ein packender, atmosphärisch dichter und inhaltlich aktueller Krimi, der Lust auf weitere Teile der Reihe macht.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ermüdende und inhaltsleere Chat-Lovestory

Cyberdings wie vom anderen Stern
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"Cyberdings wie vom anderen Stern" beginnt vielversprechend. Die ersten Seiten des Romans präsentieren sich durchaus unterhaltsam, ironisch und kurzweilig.

Doch nach diesem anfänglichen Hoch folgt schnell ...

"Cyberdings wie vom anderen Stern" beginnt vielversprechend. Die ersten Seiten des Romans präsentieren sich durchaus unterhaltsam, ironisch und kurzweilig.

Doch nach diesem anfänglichen Hoch folgt schnell der Absturz. Anstatt in stellare Lesehöhen aufzusteigen, verliert man sich bald in inhaltsleeren Chats zwischen Leeloo und Gekko, die mehr ermüden als unterhalten.

Auch die versprochene tiefgehende Chat-Lovestory bleibt für mich unauffindbar. Zwar kommen online rasch "Gefühle" zwischen den beiden auf und sexuelle Interaktion folgt prompt. Doch all dies wirkt konstruiert und fällt ohne jegliche vorherige, nachvollziehbare Charakterentwicklung vom Himmel. Für mich bleiben Leeloo und Gekko stereotype, blasse Figuren ohne eigene Persönlichkeit, was das Interesse an ihrem weiteren Werdegang kaum aufkommen lässt.

Neben den wenig glaubhaften und blassen Charakteren kann auch die Handlung an sich nicht wirklich überzeugen. Der Großteil des Fließtextes besteht aus Chatnachrichten, die vor allem eine Aneinanderreihung von nichtssagenden Kommentaren darstellen. Die gesamte Darstellung wirkt gekünstelt und unglaubwürdig.

"Cyberdings wie vom anderen Stern" ist ein Roman, der wie ein Komet an mir vorbeizog, ohne mich in irgendeiner Weise zu fesseln oder zu begeistern. Mein Fall war es nicht.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Detailreicher und wissenschaftlich fundierter Science-Fiction-Roman

Untergang der Welten
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Wer auf der Suche nach einem glaubwürdig wissenschaftlichen und spannend erzählten Science-Fiction-Roman ist, der wird mit "Untergang der Welten: Ende eines Zeitalters" von Karl H. Sodek auf seine Kosten ...

Wer auf der Suche nach einem glaubwürdig wissenschaftlichen und spannend erzählten Science-Fiction-Roman ist, der wird mit "Untergang der Welten: Ende eines Zeitalters" von Karl H. Sodek auf seine Kosten kommen!

Erzählt wird die Geschichte rund um den Planeten Valderan und seine Bewohner aus verschiedenen Perspektiven, hauptsächlich aus der Sicht von Kalgira und Brandan. Kalgira ist eher wissenschaftlich orientiert und erforscht die Sterne, wohingegen Brandan das Abenteuer liebt und sich dem Meer widmet. Beide sind Schützlinge des Lehrmeisters Galduran und müssen sich Unruhen auf Valderan sowie einer Bedrohung aus dem All stellen.

Man merkt "Untergang der Welten: Ende eines Zeitalters" an, dass der Autor viel Herzblut und Fachwissen in seinen Roman gesteckt hat. Es handelt sich um gut durchdachte und wissenschaftlich fundierte Science Fiction, die zum Nachdenken anregt. Zudem ist sie bis auf ein paar Abstriche packend erzählt und macht neugierig auf die Fortsetzung.
Ein literarisches, sprachliches Feuerwerk sollte man jedoch nicht erwarten.
Denn manchmal wird etwas zu viel Zeit darauf verwendet, die Welt(en), die Gesellschaft und ihre Entstehung bzw. Entwicklung darzustellen. Der Schreibstil ist sehr detailliert und beschreibend. So entsteht zwar ein umfassendes und vielschichtiges Bild der handelnden Personen und des Planeten Valderan, der Erzählfluss leidet jedoch etwas darunter.

Inhaltlich kann der Science-Fiction-Roman dagegen überzeugen.
Es geht zwar um fremde und ferne Welten, aber die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und Probleme sind einem nur bestens vertraut, wie z. B. der Kampf um Ressourcen, Konflikte zwischen verschiedenen Völkern und Spannungen innerhalb der Gesellschaft. Ebenso wird die Frage, wie Zivilisationen enden und wie die Zeit danach bzw. die Zukunft aussieht, eine Rolle spielen.
Hintergrundwissen zu physikalischen und astrologischen Erkenntnissen und Phänomenen rundet den Roman ab.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Kurzweilig und amüsant, mehr aber auch nicht

Prince of Germany
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Jordan Prince verschlägt es der Liebe wegen nach Deutschland und landet in Bayern. Der ein oder andere Kulturschock ist somit vorprogrammiert. Einige davon finden Eingang in sein amüsant geschriebenes ...

Jordan Prince verschlägt es der Liebe wegen nach Deutschland und landet in Bayern. Der ein oder andere Kulturschock ist somit vorprogrammiert. Einige davon finden Eingang in sein amüsant geschriebenes und zweisprachiges Buch "Prince of Germany".
Auf Deutsch und Englisch berichtet er von ein paar Anekdoten und Erfahrungen aus seiner Kindheit und seinem Erwachsenwerden in den USA. Später kommen dann seine Eindrücke und Erlebnisse aus Deutschland dazu. Manche seiner Erlebnisse und seiner Wahrnehmungen über das Leben in Deutschland und seiner Bewohner bringt einem beim Lesen zum Schmunzeln. Zudem ist es ein liebevoller und nie verletzender Blick von außen.

Keine Frage, "Prince of Germany" ist kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Es liest sich aufgrund der geringen Seitenanzahl von etwas mehr als 100 Seiten locker innerhalb eines Tages. Jedoch einen bleibenden Eindruck hinterlässt es nicht wirklich, dafür habe ich mir einfach irgendwie mehr erwartet, wie z. B. mehr Anekdoten bzw. Erlebnisse und persönliche Eindrücke von seinem Leben in Deutschland und beobachtete Gegensätze dazu zum Leben in den USA.
Mit Voranschreiten der Seitenzahl wiederholen sich zudem auch einige Witze, wodurch der Text etwas an Spritzigkeit verliert.
Ebenso merkt man stellenweise, dass seine Bekanntheit ausgehend von einem anderen Medium stammt. Manches wirkt in kurzen Instagram- oder TikTok-Videos eben lustiger als niedergebracht auf dem Papier.

Für Fans von Jordan Prince sicherlich interessant.

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