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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2026

Luks atmosphärisch erzählte Reise zwischen Selbstfindung und Verantwortung

Wassermann
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Mit seinem Debütroman "Wassermann" präsentiert Lukas Hoffmann einen nachdenklichen und atmosphärisch dichten Roman über Aufbruch, Selbstsuche und Verantwortung.
Im Mittelpunkt steht Luk, der Deutschland ...

Mit seinem Debütroman "Wassermann" präsentiert Lukas Hoffmann einen nachdenklichen und atmosphärisch dichten Roman über Aufbruch, Selbstsuche und Verantwortung.
Im Mittelpunkt steht Luk, der Deutschland verlässt, um in Barcelona ein neues Kapitel seines Lebens zu beginnen. Zwischen den politischen Spannungen rund um den katalanischen Kampf nach Unabhängigkeit und den Herausforderungen seines persönlichen Umfelds entsteht ein komplexes Geflecht aus Emotionen, Selbstzweifen und der Frage nach Freiheit.

Hoffmann gelingt es, die großen und kleinen Kämpfe seines Protagonisten feinfühlig darzustellen. Die teils sprunghafte Handlung spiegelt den Lesenden hierbei ein authentisches Gefühl des seelischen Zustands Luks wider: die Unruhe, die Gedanken an die kranke Mutter in Deutschland und das Schwanken zwischen emotionaler Nähe und Distanz.

Die Stärke des Romane ist Hoffmanns Sprache. Sie ist klar, ruhig und stimmungsvoll. Mit seinen Beschreibungen von Barcelona und den leisen Tönen zwischenmenschlicher Beziehungen, erzeut er ein Gefühl von Authentizität und emotionaler Nähe zum Protagonisten.

"Wassermann" ist kein Roman, der schnelle Antworten liefert, er lädt eher dazu ein, sich auf die inneren Widersprüchen von Luk einzulassen und mitzuschwimmen im Strom seiner Gedanken und Gefühle.
Hoffmann hat mit seinem Debüt einen feinfühligen Roman geschrieben, der gerade durch seine Zurückhaltung und Unaufgeregtheit im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Thematisch überzeugender, erzählerisch weniger historischer Krimi

Unter dem Strand
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In "Unter dem Strand" widmet sich die Autorin dem schwierigen Spannungsfeld zwischen aktuellem Kriminalfall und verdrängter Zeitgeschichte. Ausgangspunkt ist die Journalistin Cay, die einen Routineartikel ...

In "Unter dem Strand" widmet sich die Autorin dem schwierigen Spannungsfeld zwischen aktuellem Kriminalfall und verdrängter Zeitgeschichte. Ausgangspunkt ist die Journalistin Cay, die einen Routineartikel über ein historisches Unglück in der Lübecker Bucht verfassen soll. Doch als sie zufällig auf eine tote Frau stößt, verwandelt sich ihr Auftrag in eine gefährliche Spurensuche, die bis in die letzten Kriegstage zurückführt.

Die Autorin erzählt auf zwei Zeitebenen, die eine im Jahr 2025, die andere im Zweiten Weltkrieg. Während Cay in der Gegenwart den Hintergründen des mysteriösen Todesfalls nachgeht, schildert der Häftling Leon in eindrücklichen Szenen das Leben in einem Konzentrationslager. Diese Rückblicke zeigen vor allem das Ausmaß menschlicher Grausamkeit und des kollektiven Wegsehens.

Überzeugen kann das Buch durch den Versuch, Erinnerungskultur mit Spannungsliteratur zu verbinden. Besonders stark sind die Passagen, in denen das Schweigen einer ganzen Dorfgemeinschaft über die eigene Geschichte spürbar wird. Die Beschreibungen wirken sorgfältig recherchiert und verknüpfen Vergangenheit und Gegenwart auf glaubwürdige Art und Weise.

Erzählerisch weist der Roman jedoch Schwachstellen auf. Die Autorin lässt sich viel Zeit mit dem Handlungs- und Spannungsaufbau, einige Nebenhandlungen bremsen zusätzlich das Tempo. Auch verbleibt die Hauptfigur Cay mit ihrer Motivation etwas im Dunklen, wodurch sie blass wirkt. Ihre Darstellung ist zudem teilweise überzogen und wenig glaubhaft. Was den Erzählstil betrifft, so schwankt dieser zwischen zu beschreibend und sarkastischen Bemerkungen, was nicht immer dem schweren Thema gerecht wird.

Dennoch ist Unter dem Strand ein Roman, der nachhallt und zeigt, wie nachwirkend Geschichte in der Gegenwart sein kann, selbst wenn er erzählerisch nicht in jeder Hinsicht rund erscheint.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Düstere und packender Thriller

Nebelbeute
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Mit „Nebelbeute“ legt Benjamin Cors den dritten Fall für die Gruppe 4 vor und was für einen. Cors weiß einfach, wie atmosphärische dichte Thrillers geschrieben werden. Von der ersten Seite an zieht eine ...

Mit „Nebelbeute“ legt Benjamin Cors den dritten Fall für die Gruppe 4 vor und was für einen. Cors weiß einfach, wie atmosphärische dichte Thrillers geschrieben werden. Von der ersten Seite an zieht eine düstere, beklemmende Stimmung den Leser in ihren Bann. In einem abgelegenen, nebelverhangenen Bergdorf entfaltet sich eine Geschichte voller Geheimnisse, grausamer Morde und einer drängenden Suche, die zu einem Wettlauf gegen die Zeit wird.

Im Mittelpunkt steht Mila, deren persönliche Mission sie in das Dorf führt, wo sie Toblach endlich zur Rechenschaft ziehen will. Doch ihr Vorhaben wird bald von schrecklichen Mordfällen überschattet. Jakob und sein Team von der Gruppe 4 eilen ihr zu Hilfe und geraten selbst mitten hinein in ein gefährliches Spiel um Leben und Tod. Die wechselnden Erzählperspektiven, vor allem aus Sicht von Mila und Jakob, sorgen für eine unmittelbare Nähe zu den Figuren und halten die Spannung konstant hoch.

Cors überzeugt durch seine präzise Sprache und sein Gespür für Atmosphäre. Das Tempo ist zu Beginn etwas ruhiger, gewinnt aber schnell an Intensität, ohne sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Besonders Leserinnen und Leser, die die ersten beiden Bände kennen, werden die vertraute Dynamik des Ermittlerteams und die charakterlichen Eigenheiten der Mitglieder wiedererkennen und schätzen.

"Nebelbeute" ist ein packender, düsterer Thriller, der alles bietet: komplexe Figuren, psychologische Tiefe und eine Handlung, die bis zum Schluss fesselt. Auf jeden Fall lesenswert für alle Fans der Reihe und diejenigen, die auf der Suche nach einem packenden und düsteren Thriller mit einem tollen Ermittlerteam sind. Für ein besseres Verständnis der Handlung und der Personen ist es jedoch sinnvoll die vorherigen Bände gelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Subtil und atmosphärisch erzähltes psychologisches Drama

Ultramarin
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Mit "Ultramarin" legt Ann-Christin Kumm einen atmosphärisch dichten Roman vor, der leise beginnt und sich zunehmend zu einem intensiven psychologischen Drama entfaltet. Kumm zeigt hierbei ein feines Gespür ...

Mit "Ultramarin" legt Ann-Christin Kumm einen atmosphärisch dichten Roman vor, der leise beginnt und sich zunehmend zu einem intensiven psychologischen Drama entfaltet. Kumm zeigt hierbei ein feines Gespür für unausgesprochene Emotionen.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Lou erzählt, dessen Erinnerungen aus der Vergangenheit geschickt mit den Erlebnissen in der Gegenwart verwoben sind. So entsteht ein vielschichtiges Bild eines jungen Mannes, der zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Liebe und Kontrolle, Vertrauen und Angst gefangen ist.

Mit der Figur Nora bringt die Autorin eine neue Dynamik ins Spiel: Sie sorgt für Unruhe, verschiebt Beziehungen und gibt der Geschichte einen unerwarteten Dreh. Auch wenn nicht jedes Detail bis ins Letzte erklärt wird, bleibt gerade dieses Geheimnisvolle ein Teil des Reizes.
Der Roman arbeitet stark mit Andeutungen und Zwischentönen, was zwar den psychologischen Aspekt betont und Raum für eigene Deutungen eröffnet, manchmal aber zu viel ungesagt lässt und so für Verwirrung sorgt.

Am Ende bleibt das Gefühl, einen Roman gelesen zu haben, der durch seine subtile Spannung überzeugt.
"Ultramarin" ist ein feinfühliger Spannungsroman über Macht und Liebe – eindringlich und atmosphärisch bis zur letzten Seite.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Kurzweiliger Familienroman ohne Tiefe

Das letzte Kind hat Fell
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Mit Das letzte Kind hat Fell erzählt Tessa Hennig die Geschichte von Angelika und Hans, die sich eigentlich auf ihren wohlverdienten Ruhestand in Portugal freuen – Sonne, Meer und endlich Ruhe. Doch statt ...

Mit Das letzte Kind hat Fell erzählt Tessa Hennig die Geschichte von Angelika und Hans, die sich eigentlich auf ihren wohlverdienten Ruhestand in Portugal freuen – Sonne, Meer und endlich Ruhe. Doch statt entspannter Tage am Strand warten ein neuer Mitbewohner auf vier Pfoten und die familiären Sorgen der Tochter Sandra auf sie. So wird aus dem erträumten Neuanfang schnell ein turbulenter Alltag, in dem von Erholung kaum die Rede sein kann.

Der Roman liest sich leicht und kurzweilig, eine typische Feel-Good-Geschichte, die vor allem auf unterhaltsame Weise den Familienalltag im Alter beleuchtet. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass Hennig hier eher an der Oberfläche bleibt. Es passiert zwar viel, sodass keine Langeweile aufkommt, doch echte Tiefe sucht man vergeblich. Auch sprachlich weiß der Roman nur bedingt zu überzeugen – der Stil wirkt streckenweise zu ausschmückend und überladen mit Adjektiven. Besonders die Darstellung von Finn und seiner Homosexualität wirkt stellenweise klischeehaft und unausgewogen.

Insgesamt bietet Das letzte Kind hat Fell angenehme, aber schnell vergessene Unterhaltung – ein seichter Familienroman nach bekannter Formel, ohne Überraschungen oder nachhaltigen Eindruck.

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