tiefe Betroffenheit ist angesagt
Von den im Roman aufgedeckten Verbrechen, die noch in den letzten Stunden des Naziregimes an KZ-Häftlingen begangen wurden, habe ich tatsächlich in dem sogenannten Geschichtsunterricht unseres Bildungssystems ...
Von den im Roman aufgedeckten Verbrechen, die noch in den letzten Stunden des Naziregimes an KZ-Häftlingen begangen wurden, habe ich tatsächlich in dem sogenannten Geschichtsunterricht unseres Bildungssystems kein Wörtchen gehört. Ich war auch nach den vielen Jahren, die vergangen sind, tief schockiert. Die teilweise Aufarbeitung durch die Schriftstellerin finde ich mutig und unbedingt notwendig. Wir vergessen gerne, was für Leid in dieser Zeit vielen Menschen angetan wurde. Der Mantel des Vergessens muss öfter gelüftet werden. Erschüttert hat mich auch, wie verblendet die Jugendlichen waren und wie wenig sie die Häftlinge als Menschen betrachteten. Unfassbar! Ich bekomme noch jetzt Gänsehaut. Geschickt hat die Autorin, die Ermittlungen der Reporterin in die Auffindung einer Toten im Gebiet, in dem noch heute Leichen aus der Kriegszeit gefunden werden, eingekleidet. Die Beschreibung der Zustände in dem Lager, in dem Leon inhaftiert ist, habe ich in Filmen und Literatur bereits erfahren. Das war also nicht ganz neu. Allerdings die stilistische Art der Erzählung durch Leon hat etwas besonderes. Sie ist teilweise zynisch, teils zotig und trotzdem gruselig zu lesen. Der Krimi ist nichts für zarte Seelen. Das Thema ist meiner Meinung nach als sehr wichtig einzustufen. In unserer aktuellen Situation, in der ein Rechtsruck immer stärker wird, sollte überlegt werden, ob wir nichts aus dem letzten derartigen Weg, gelernt haben. Ich hoffe, dass es nicht heißt: „Nur die Zeit ist weitergelaufen.“ – Ich hoffe, auch der Verstand hat sich weiter entwickelt!