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Veröffentlicht am 24.11.2020

Hunger macht erfinderisch – wunderbar erzählt

Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück
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Die Geschichte beginnt im Kriegsjahr 41. Anna lebt bei Tante Marie und Onkel Matthias Odenthal in Köln. Matthias ist Bäcker und Maria verkauft die Backware im angeschlossenen Laden. Anna liebt diesen Duft ...

Die Geschichte beginnt im Kriegsjahr 41. Anna lebt bei Tante Marie und Onkel Matthias Odenthal in Köln. Matthias ist Bäcker und Maria verkauft die Backware im angeschlossenen Laden. Anna liebt diesen Duft von frischem Brot und Brötchen. Als dann Matthias eingezogen wird, versucht Marie mithilfe eines polnischen Zwangsarbeiters die Bevölkerung rund um den Buttermarkt weiterhin mit Brot zu versorgen, was ihr mehr recht als schlecht gelingt. Das Ende des Krieges bringt keine Verbesserungen. Weiterhin sind Lebensmittel knapp, so dass Hunger und knurrender Magen an der Tagesordnung stehen. Auch gegen eisige Kälte gibt es kaum Heizmaterial. Das Wohnhaus der Familie Odenthal war von einer Bombe getroffen und reichlich zerstört. So müssen sich Marie, Anna und Maries kleiner Sohn Karl mit dem einzigen noch einigermaßen bewohnbaren Zimmer begnügen. Ein Zimmer das wegen der Knappheit der Kohlen nur selten richtig warm wird. Ihre Lebensumstände verschlechtern sich drastisch, es beginnt eine Spirale der Entbehrungen und des Grauens …
Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Gleich am Anfang des Buchs, die Beschreibungen der Arbeit und der Gerüche in der Backstube – das hat mich unheimlich an meine Kindheit erinnert. Meine Großeltern hatten auch eine Bäckerei und wenn es im Winter kalt war, war mein Platz oben auf dem Backofen.
Die Autorin hat die Hauptfiguren sehr liebevoll beschrieben. Der Leser nimmt an deren entbehrungsreicher Zeit fast aktiv teil. Jedenfalls kam es mir so vor.
Marie arbeitete zwar unermüdlich, aber trotzdem mussten ihre beiden Schützlinge oftmals hungrig ins Bett gehen. Die Kinder dieser Zeit mussten wegen der Not und der Entbehrungen vor ihrer Zeit heranreifen. So auch Anna. Sie schloss sich einer Kinderbande, die auf den Schwarzmarkt aktiv war, an. Immer wieder bewies dieses junge Mädchen in Notsituationen Mut, Mut bis zur Selbstaufgabe. Ich fand diese Figur einfach großartig. Überhaupt habe ich mich wunderbar unterhalten gefühlt und kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.11.2020

Kampf zwischen Liebe und Vergessen – Super!

Die Schweigende
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Karin und Jens Remy haben 3 bereits erwachsene Töchter. Töchter, die unterschiedlicher nicht sein können. Gesi, die Älteste, lebt in den Tag hinein und plappert immer vor sich hin. Sie kann Stille nicht ...

Karin und Jens Remy haben 3 bereits erwachsene Töchter. Töchter, die unterschiedlicher nicht sein können. Gesi, die Älteste, lebt in den Tag hinein und plappert immer vor sich hin. Sie kann Stille nicht ertragen, wirkt dadurch aber oberflächlich. Anne, die Jüngste, ist ehrgeizig, sie braucht eine Bühne und bei ihrem Weg zur beruflichen Macht ist ihr jedes Mittel recht. Ganz anders dagegen ist Imke. Sie versucht nach dem Tod ihres Vaters seine vermittelnde Rolle zu übernehmen, ist dabei sehr warmherzig und doch trifft sie an ihre Grenzen. Die Familie droht zu zerbrechen…
Die so unterschiedlichen Charaktere fand ich sehr gut dargestellt. Sie anmaßende Art von Anne, die so ichbezogen auftritt, hat bei mir für Groll gesorgt. So ein Weibstück! Ähnlich empfand ich anfangs auch gegenüber Karin, der Mutter. Immer habe ich mich gefragt, wie kann man als Mutter nur so lieblos sein. Aber Stück für Stück hat man erfahren, warum diese alte Frau ihr Leben lang ihren Töchtern keine Liebe geben konnte, warum sie nie über ihre Vergangenheit sprach, warum sie stets so abweisend wirkt. Je mehr Imke, die sich gemäß dem letzten Willen ihres Vaters, auf die Suche nach Peter gemacht hat, über Karins Vergangenheit erfährt, um so betroffener, ich muss schon sagen entsetzter, war ich über die Lebensgeschichte von Karin. Wie kann ein Mensch so etwas ertragen? Wie konnte in Deutschland so etwas geduldet werden? Was Karin ertragen musste, das muss schon jeder selbst nachlesen. Aber eines kann ich versprechen, es ist zugleich spannend wie schockierend. Wer erst einmal angefangen hat das Buch zu lesen, kann sich nur schwer davon lösen. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2020

zerstörende Geheimnisse – spannend, packend

Trügerische Affäre
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Jonte ist Architektin und gemeinsam mit ihrem Mann Jonas als Architektenduo JO auch sehr erfolgreich. Doch in ihrer Ehe kriselt es. Ein Intimleben zwischen ihnen gibt es schon lange nicht mehr und trotzdem ...

Jonte ist Architektin und gemeinsam mit ihrem Mann Jonas als Architektenduo JO auch sehr erfolgreich. Doch in ihrer Ehe kriselt es. Ein Intimleben zwischen ihnen gibt es schon lange nicht mehr und trotzdem ist Jonte schwanger. Aber von wem? Fremdgegangen ist sie nicht. Wie kann sie dann schwanger sein? Auf all diese Fragen findet sie keine Antworten. Im Gegenteil! Ihre Umgebung erscheint ihr zunehmend bedrohlicher, sie fühlt sich beobachtet, fühlt sich verfolgt und beginnt Selbstgespräche um den Halt nicht zu verlieren. Denn Jonas verlässt sie, jetzt wo sie ihn am meisten braucht, wegen einer Affäre…
Am Anfang hat mich die Geschichte etwas verwirrt. Denn wie kann Jonte ohne Sex oder künstliche Befruchtung schwanger geworden sein. Aber dann, als bei ihr mehr und mehr unerklärliche, zum Teil bedrohliche Dinge passieren, hat sich bei mir die Spannung aufgebaut. Jontes Bedrohungen betreffen nicht nur die Gegenwart. Nein, sie muss auch gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit ankämpfen. Dabei wählt sie nicht immer die richtigen Mittel, so dass sie sich immer tiefer in ihre Isolation und Angstwelt vergräbt. Jontes Traumwelt, ihre Ängste, ihre Versuche dem zu entrinnen hat sie Autorin sehr anschaulich und eindringlich in die Handlung eingearbeitet. Doch wer denkt, dass sich Gut und Böse so leicht unterscheiden lassen, der wird in diesem Thriller eines Besseren belehrt. Bis zum Schluss gibt es überraschende Wendungen, die bei mir den Spannungsboden auch bis zum Schluss gehalten haben. In meinen Augen ist Astrid Korten hier ein tolles Buch gelungen, dem ich gerne 5 Lese-Sterne gebe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2020

Aktuelles Thema, konnte mich aber nicht mit dem Krimi anfreunden

Kreuzberg Blues
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Grundthema des Buchs ist der Mietwucher in Berlin. Skrupellos werden da unnötige Modernisierungen beauftragt, um Mieterhöhungen zu „verkaufen“, da werden Mieter mit Schikanen mürbe gemacht und alles nur, ...

Grundthema des Buchs ist der Mietwucher in Berlin. Skrupellos werden da unnötige Modernisierungen beauftragt, um Mieterhöhungen zu „verkaufen“, da werden Mieter mit Schikanen mürbe gemacht und alles nur, damit die Rendite der Immobilieninvestition sich auch rechnet. Immobilienhaie beherrschen den Markt. Die Mieter stehen dem mehr oder weniger hilflos gegenüber. Der Autor hat das sehr gut recherchiert, die Hintergründe aufgezeigt und die Auswirkungen geschildert. Für den Leser, so er es nicht schon bereits wusste, ist das alles sehr gut nachvollziehbar. Trotzdem konnte mich dieses Buch nicht überzeugen, als Krimi gleich gar nicht. Durch die ständigen Sprünge zwischen Machtinteressen, den ausgelieferten Mietern und Denglers Bemühen etwas für Olgas Freundin zu erreichen, kam mir die Handlung sehr sprunghaft und zerrissen vor. Ein Abtauchen in die Geschichte war mir dadurch leider nicht möglich. Ich hatte mir mehr erhofft und gebe daher auch nur 2 Lese-Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2020

wunderbarer Lesestoff, man vergisst die Zeit beim Lesen

Palais Heiligendamm - Ein neuer Anfang
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Mich hat das Cover neugierig auf das Buch gemacht und ich muss sagen, es hat mich nicht enttäuscht. Im Gegenteil! Die Autorin versetzt den Leser in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg nach Mecklenburg-Vorpommern. ...

Mich hat das Cover neugierig auf das Buch gemacht und ich muss sagen, es hat mich nicht enttäuscht. Im Gegenteil! Die Autorin versetzt den Leser in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg nach Mecklenburg-Vorpommern. Genauer gesagt nach Doberan. Hier versucht die Familie Kuhlmann in Konkurrenz zum Grand Hotel ein florierendes Hotel für Gutbetuchte zu etablieren. Denkt man anfangs noch, dass die Geschichte so vor sich hinplätschert, so überschlagen sich bald die Ereignisse. Denn die Familie und ihr Zusammenleben ist alles andere als harmonisch. Da sind die Eltern, Ottilie und Heinrich, denen sehr an Tradition und Erhalt des guten Rufes liegen. Sie sind darin so verbohrt, dass sie dies auch schon mal über das Glück und Wohlergehen der eigenen Kinder stellen. Die sind auch bereits erwachsen, leben aber bis auf den Ältesten noch alle mit im Haushalt. Jeder der Kinder hat so seine eigenen Vorstellungen zur eigenen Zukunft und zu seinem Lebensglück, die nicht unbedingt mir denen der Eltern übereinstimmt. So hängt Pauls Herz mehr an der Musik als am Hotel, welches er später einmal übernehmen soll. Und das ist nicht seine einzige Leidenschaft….
Wichtigste Figur ist allerdings Tochter Elisabeth, die nur zu gern im Hotel aktiv mitwirken würde, die jedoch in den Augen der Mutter sich einen standesgemäßen Mann suchen und sich den dann hoffentlich kommenden Kindern widmen sollte. Aber dann ergibt sich für Elisabeth doch noch die Chance im Hotel Verantwortung zu übernehmen. Einer Aufgabe, der sie sich mit Haut und Haaren widmet. Oftmals wirkt sie dabei hart und unnahbar, dabei steckt in ihr ein sehr weicher Kern, den sie gut zu verstecken weiß. Mich hat dieser Familienroman wunderbar unterhalten, denn die Ereignisse um die Familie Kuhlmann und ihr renommiertes Hotel Palais Heiligendamm wirkt beim Lesen so lebendig. Oft überschlagen sich die Ereignisse und Elisabeth kann nur noch reagieren, statt zu agieren. Was mir auch sehr gut gefallen hat, waren die Beschreibungen zu Pauls Fronterfahrungen. Er, der Künstler, der Gefühlsmensch, kommt dort massiv an seine Grenzen. Das ist so eindringlich wie glaubhaft geschildert, dass es mich stark bewegt hat. Alles in allem gibt’s von mir daher 5 wohlverdiente Lese-Sterne und eine 100%ige Leseempfehlung.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Geschichte