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Veröffentlicht am 28.07.2021

einfach nur herrlich

Pfoten vom Tisch!
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Wer einmal eine Katze lieben gelernt hat, für den ist dieses Buch ein MUSS. Gleich zu Anfang stellt der Autor erst einmal klar: es gibt zwei Arten von Menschen – Katzenliebhaber und von Leben Benachteiligte. ...

Wer einmal eine Katze lieben gelernt hat, für den ist dieses Buch ein MUSS. Gleich zu Anfang stellt der Autor erst einmal klar: es gibt zwei Arten von Menschen – Katzenliebhaber und von Leben Benachteiligte. Nämlich die, die keine Katzen mögen oder haben.
Hape Kerkeling gibt dem Leser ein umfassendes Bild der Spezi „Katze“. Dabei geht er, wie ich ihn bereits aus anderen Veröffentlichungen kenne, sehr selbstironisch und damit den Leser wunderbar erheiternd vor. Eine Katze als Imperator zu bezeichnen, finde ich nicht ganz abwegig. Hier im Buch dürfen wir Hapes Katzen kennenlernen, mit all ihren kapriziösen Eigenheiten und Vorlieben. Samson und Spok haben ihn ganz schön gefordert. Denn als Handgepäck, bei gutem Ernährungszustand der beiden, am Flughafenschalter durchzugehen, hat den stolzen und sie über alles liebenden Besitzer vor einige Herausforderungen gestellt. Die Beschreibungen dazu haben mich sowas von erheitert. Einfach nur Herrlich! Aber auch die Ausführungen zum Katzenmädchen Anne haben mich schmunzeln lassen. Hieß es nach dem Verlust von Samson und Spok „nie wieder eine Katze“, kam beim ersten Zusammentreffen dann: „Ein Mädchen!“ – Liebe auf den ersten Blick.
Ja ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt. Beweist doch dieses Buch/Hörbuch, dass der Autor der geborene Komiker ist und die Menschen zum Lachen bringen kann. Da in „Pfoten vom Tisch!“ aber nicht nur Kerkelings Erfahrungen mit Katzen, sondern auch die Beschreibung der Rassen mit ihren Eigenheiten, Mythen um das Kuscheltier und zu guter Letzt auch noch das Märchen von gestiefelten Kater erzählt wird, ist das für mich ein rundum gelungenen „Katzenwerk. Dass 5 Lese-Sterne voll verdient hat.

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Veröffentlicht am 22.07.2021

manchmal ist weniger mehr

Mohnschwestern
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1943 ist Lotte 20 Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter in Darmstadt, der Vater ist an der Front. Für Lotte steht fest, sie heiratet Hans, ihren Jugendfreund sobald der Krieg vorbei ist. Doch dann lernt sie ...

1943 ist Lotte 20 Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter in Darmstadt, der Vater ist an der Front. Für Lotte steht fest, sie heiratet Hans, ihren Jugendfreund sobald der Krieg vorbei ist. Doch dann lernt sie auf seltsame Weise Wilhelm kennen, der direkt in ihrem Garten vom Himmel fällt. Sie fühlt sich von ihm angezogen, spürt, dass es Wilhelm ebenso geht. Trotzdem zieht er sich zwischenzeitlich immer wieder von ihr zurück und lässt sie allein. Nur allmählig kommt Lotte hinter sein Geheimnis…
Mich hatte die Kurzbeschreibung des Buchs neugierig gemacht. Ich fand die Geschichte anrührend. Doch nun, im Nachhinein betrachtet, finde ich, dass die Autorin einmal etwas zu viel Gefühl was die Liebe von Lotte zu Wilhelm betrifft hat einfließen lassen. Es wurde in meinen Augen, wenn auch mit anderen Worten, immer wiederholt.
Die Beschreibungen zu den Bombardierungen, wie auch die Verfolgung der Juden oder die Bräute-Schule der Nazis fand ich dagegen wieder sehr interessant. Als Figur hat mir Lottes kleiner Bruder Otto sehr gut gefallen. Anfangs noch altersentsprechend kindlich naiv, muss und wird er wegen der Kriegsumstände vorzeitig erwachsen. Dabei setzt er für Lottes beste Freundin Ruth sogar sein Leben aufs Spiel. Was mich am Buch gestört hat, waren die Kapitel in die 2000er Jahren in denen Hazel die Hauptfigur ist. Zwar wird am Ende der Geschichte der Zusammenhang zwischen beiden Zeitebenen und Handlungen aufgeklärt, doch haben mich diese Abschnitte immer wieder aus der eigentlichen Geschichte um Lotte gerissen und zu einem gedanklichen Bruch geführt. Ohne diesen Teil hätte mir diese traurige Geschichte wesentlich besser gefallen.
Insgesamt betrachtet gebe ich 3,5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 22.07.2021

bewegender Einblick das karge Leben einer starken Frau

Die Hebamme
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Mit sieben Jahren zieht Marta Kristine mit ihren Eltern nach Flovik. Ihr Vater, der als Schuster und Schlachter für den Lebensunterhalt sorgt, hat dort einen Häusler Hof gepachtet. Mehr schlecht als recht ...

Mit sieben Jahren zieht Marta Kristine mit ihren Eltern nach Flovik. Ihr Vater, der als Schuster und Schlachter für den Lebensunterhalt sorgt, hat dort einen Häusler Hof gepachtet. Mehr schlecht als recht bringt er damit seine Familie durch. Bereits in diesem Alter steht für Marta Kristine fest: sie will Hebamme werden. Ihr Ziel verliert sie nie aus den Augen, auch wenn dieser Weg für sie sehr steinig wird…
Mir hat es gefallen, wie der Autor hier die Kargheit dieser Gegend beschrieben hat, wie auch die Sitten und Bräuche der damaligen Zeit in Norwegen hat einfließen lassen. Besonders interessant fand ich die Beschreibungen zur Wanderschule, die nur für 4 Monate im Jahr stattfand.
Hebammen-Stina (so wurde Marta Kristine von allen genannt) hat mich beeindruckt. Trotz erfolgreich abgeschlossener Hebammenausbildung suchten die Frauen bei nahender Geburt sie nicht auf. Der Grund: eine Hebamme musste bezahlt werden, während es nachbarschaftliche Hilfe ohne Lohn gab. Dabei stand das Gesetz auf Stines Seite So macht sich Stina stark, und kämpft sogar vor Gericht für ihr Recht. Geld ist immer knapp in ihrem Haushalt, nicht zuletzt, weil die Anzahl ihrer eigenen Kinder, die sie von Hans, ihrem Ehemann bekommt, fast jährlich steigt. Hans ist ihr im Leben selten eine Stütze. Er hat oftmals hochtrabende Ideen, für deren Umsetzung ihm aber stets das Kapital fehlt, was ihn aber nicht davon abhält es mit geborgtem Geld zu versuchen. Gewinnbringend ist keiner seiner Versuche. Zudem leidet er mit zunehmendem Alter an Schwermut, zieht sich immer mehr in sich selbst zurück, so dass selbst Marta Kristine, die immer hinter ihm steht und ihn noch immer liebt, nicht mehr erreichen kann.
Ich fand das Buch sehr interessant und unterhaltsam. Nicht zuletzt die Ausführungen zu der Errechnung der Erbmasse, der Zwangsversteigerung der Erbmasse – davon habe ich noch nie gehört. Aber gerade dieser Abschnitt hat auch gezeigt, welch hohe Achtung sich Stina durch ihre Arbeit in den Jahren zuvor erworben hat. Achtung, die auch ich dieser Frau gegenüber empfinde. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 22.07.2021

toller Erzählstil, eindringliche Geschichte

Was uns durch die Zeiten trägt
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Familie Reich ist entgegen Ihrem Namen nicht reich. Aber die Familie betreibt eine kleine Landwirtschaft in Niederschlesien und haben damit ein gutes Auskommen. Zwar ist der Vater wegen eines steifen Fingers ...

Familie Reich ist entgegen Ihrem Namen nicht reich. Aber die Familie betreibt eine kleine Landwirtschaft in Niederschlesien und haben damit ein gutes Auskommen. Zwar ist der Vater wegen eines steifen Fingers kriegsuntauglich, aber nun, da sich die deutsche Niederlage abzeichnet, wird auch er eingezogen. Eingezogen, wie so viele andere aus dem Dorf. So auch Wolfgang, der Lehrerssohn, für den Luise Reich schwärmt.
Auf dem Hof der Familie Reich arbeitet Marian Nowak, der polnische Zwangsarbeiter. Seine Hilfe auf dem Hof ist nun umso dringender. Aber Luise sieht in ihm nicht nur den „Polen“, sie sieht auch den Menschen in ihm. Ob sie sich näherkommen, sollte jeder selbst nachlesen.
Mich hat diese Familiengeschichte wunderbar unterhalten. Das lag sicher daran, dass Luise, die sehr impulsiv, mitunter sogar leichtsinnig ist und ein riesengroßes Herz hat, mir als Hauptfigur gefallen hat. Mit Unrecht kann sie nicht umgehen. Anfangs versucht sie wie ein trotziges Kind ihre mitunter wahnwitzigen Pläne umzusetzen. Einzig auf Marian, mit seiner ruhigen, überlegenen Art hört sie. Sehr gut beschreibt sie Autorin auch die Zerrissenheit von Luise. Das zarte Band ihrer Gefühle zu Wolfgang, ihre Unsicherheiten im Umgang damit. Und schließlich ihre Trauer, als er die Karriere bei der Wehrmacht ihr vorzieht. Diese verworrene Gefühlswelt als Jugendliche(r) kam wunderbar zum Ausdruck.
Ich kann das Buch allen, die gerne Familienromane aus der deutschen Kriegs- und Nachkriegszeit lesen, uneingeschränkt weiterempfehlen. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 20.07.2021

habe nicht den richtigen Zugang zum Buch gefunden

Dreieinhalb Stunden
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Es ist der er 13. August 1961. Entgegen Walter Ulbrichts Aussage, wird eine Mauer durch Berlin gezogen und die Grenzen zu Westdeutschland gesichert. Zu diesem Zeitpunkt sitzen Personen im Interzonenzug ...

Es ist der er 13. August 1961. Entgegen Walter Ulbrichts Aussage, wird eine Mauer durch Berlin gezogen und die Grenzen zu Westdeutschland gesichert. Zu diesem Zeitpunkt sitzen Personen im Interzonenzug D-151 von München nach Ostberlin. Der Leser lernt gleich zu Anfang viele unterschiedliche Personen, die diese Reise antreten wollen, kennen. Immer wieder wechselt der Autor zwischen den einzelnen Personen. Das hat mich am Anfang recht stark gefordert. Dabei ist es gerade die Unterschiedlichkeit der Menschen, die ein breites Spektrum der Entscheidungsfindung >bleiben oder gehen< beleuchten. Da gibt es Marlies, die bereits beim Besteigen des Zuges vom geplanten Mauerbau durch ihren Vater, der Major bei der Ostberliner Volkspolizei ist und sie darüber informiert hat, und die trotzdem ihrem Ehemann nichts davon verrät.
Oder die vier Mitglieder einer Ost-Band, die ihren ersten Auftritt im Westen hatten und sich nun auf der Rückreise befinden. Oder auch Edith, die Lokführerin, die den D-151 ab der Grenze übernehmen soll.
Als das Gerücht des Mauerbaus sich dann auch im Interzonenzug herumspricht, bricht für jeden Fahrgast (s)ein eigenes Gefühlschaos aus.
Aber irgendwie habe ich mich mit den Personen und ihren Gedanken nicht anfreunden können. Es war mir, vielleicht gerade wegen der ständigen Personenwechsel, nicht möglich mich in deren Gedanken- und Gefühlwelt eindenken. Dabei bin ich ein Mensch, der mit der Mauer groß geworden ist und zum Zeitpunkt des Mauerfalls selbst vor ähnlicher Entscheidung gestanden habe. Von mir gibt’s daher auch nur 3 Lese-Sterne.

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