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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2026

Viele Geheimnisse

Summer Heat
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Summer Heat von Solveig-Marie Kastner ist ein Krimi, der stark von Atmosphäre und unterschwelliger Spannung lebt und sich damit bewusst von klassischen, actionreichen Thrillern absetzt.

Im Zentrum steht ...

Summer Heat von Solveig-Marie Kastner ist ein Krimi, der stark von Atmosphäre und unterschwelliger Spannung lebt und sich damit bewusst von klassischen, actionreichen Thrillern absetzt.

Im Zentrum steht Mia, die einen Sommer lang als Animateurin und Yogalehrerin in einem luxuriösen Resort an der Algarve arbeitet. Die Anlage richtet sich an ein extrem wohlhabendes Publikum, und auch für die Angestellten gelten strenge Regeln. Schon früh wird jedoch deutlich, dass Mia nicht aus rein beruflichen Gründen dort ist. Sie hat bei ihrer Bewerbung bewusst getäuscht, um diese Stelle zu bekommen. Doch ihre wahren Motive bleiben lange im Dunkeln und werden nur bruchstückhaft angedeutet. Parallel dazu schwebt über dem Resort ein zweites, ebenso rätselhaftes Geheimnis.

Diese doppelte Geheimnisebene ist erzählerisch reizvoll angelegt. Die Autorin gibt immer nur kleine Hinweise preis, was grundsätzlich zur Spannung beiträgt. Allerdings entfaltet sich diese Spannung eher langsam und unterschwellig. Statt dramatischer Wendungen dominiert ein stetiges, fast ruhiges Vorantreiben der Handlung.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Figur Mia selbst. Sie ist bewusst ambivalent gezeichnet, wirkt oft widersprüchlich und in ihren Gedanken teilweise sprunghaft oder überdreht. Das kann interessant sein, weil es sie unberechenbar macht gleichzeitig aber auch irritierend, da ihr Verhalten nicht immer ganz nachvollziehbar oder realistisch erscheint. Gerade ihre „kruden“ Denkweisen bremsen stellenweise den Lesefluss und halten die Spannung eher zurück, als sie zu steigern.

Insgesamt ist Summer Heat ein sommerlicher Krimi, der mehr auf Atmosphäre, Geheimnisse und psychologische Nuancen setzt als auf Tempo. Wer leise Spannung und ein schrittweises Enthüllen von Hintergründen schätzt, dem kann ich diesen Roman empfehlen. Wer hingegen einen packenden, dynamischen Thriller erwartet, könnte das Gefühl haben, dass die Handlung eher dahinplätschert.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Skrupellos

Das Gesetz der Elite
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Mit Das Gesetz der Elite liefert Sandrone Dazieri einen spannungsgeladenen Kriminalroman, der nicht nur durch seine Handlung, sondern auch durch seine gesellschaftskritischen Untertöne überzeugt. Im Mittelpunkt ...

Mit Das Gesetz der Elite liefert Sandrone Dazieri einen spannungsgeladenen Kriminalroman, der nicht nur durch seine Handlung, sondern auch durch seine gesellschaftskritischen Untertöne überzeugt. Im Mittelpunkt stehen erneut die beiden ungleichen Protagonisten Colomba Caselli und Dante Torre, deren komplexe Persönlichkeiten und belastete Vergangenheit den Roman prägen.

Die Handlung setzt mit dem spektakulären Tod des steinreichen ehemaligen Fußballers Jesús Martinez ein, der sein Vermögen vor allem mit Nahrungsergänzungsmitteln aufgebaut hat. Was zunächst wie ein Unfall erscheint, entwickelt sich rasch zu einem vielschichtigen Fall. Colomba, die dem Polizeidienst eigentlich den Rücken gekehrt hat, beginnt als Privat Detektivin zu ermitteln. Unterstützung erhält sie dabei von Dante, der aufgrund traumatischer Erlebnisse unter schwerer Klaustrophobie leidet. Diese psychische Belastung macht ihn zu einer besonders interessanten, wenn auch verletzlichen Figur.

Ein zentrales Thema des Romans ist die Welt der Superreichen und deren Verhältnis zu Macht, Gerechtigkeit und Gesetz. Dazieri zeichnet ein kritisches Bild einer Elite, die sich scheinbar alles erlauben kann und deren Einfluss weit über moralische und rechtliche Grenzen hinausreicht. Diese gesellschaftliche Dimension verleiht dem Krimi zusätzliche Tiefe.

Die Spannung wird über weite Strecken konstant hochgehalten. Immer wieder sorgen neue Enthüllungen und unerwartete Wendungen dafür, dass sich die Perspektive auf die Ereignisse verschiebt und der Leser zum Mitdenken angeregt wird. Allerdings bleibt die persönliche Geschichte der beiden Hauptfiguren stellenweise nur angedeutet, was etwas unbefriedigend wirken kann, da hier durchaus Potenzial für mehr Tiefe vorhanden wäre.

Zudem hätte dem Roman an einigen Stellen eine Straffung gutgetan. Einige Passagen wirken etwas zu ausführlich, was den Lesefluss und die Dynamik der Handlung gelegentlich bremst. Eine kompaktere Erzählweise hätte die ohnehin starke Spannung noch wirkungsvoller zur Geltung gebracht.

Insgesamt ist Das Gesetz der Elite jedoch ein packender Krimi mit interessanten Figuren und einer relevanten Thematik, der vor allem durch seine überraschenden Wendungen und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Macht Strukturen überzeugt.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Außergewöhnlich

Noch fünf Tage
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Ein außergewöhnlicher Plot: Die Spitzenköchin Lis Castrop steht im Dienst der äußerst wohlhabenden Familie Hartmann. Doch das Silvestermenü im Hause der Hartmanns endet in einer Katastrophe – ein Anschlag ...

Ein außergewöhnlicher Plot: Die Spitzenköchin Lis Castrop steht im Dienst der äußerst wohlhabenden Familie Hartmann. Doch das Silvestermenü im Hause der Hartmanns endet in einer Katastrophe – ein Anschlag mit einem radioaktiven Gift tötet das Ehepaar und seine beiden Kinder. Lis gerät dabei gewissermaßen als „Beifang“ ebenfalls in den tödlichen Strudel.

Im Gegensatz zu den anderen Opfern stirbt sie jedoch nicht sofort. Ihr bleiben noch fünf Tage – eine letzte Gnadenfrist, bevor auch sie dem Gift erliegen wird. In dieser kurzen Zeit versucht Lis verzweifelt herauszufinden, wer hinter dem Anschlag steckt. Nach und nach erfährt man dabei auch mehr über ihre Vergangenheit: wie sie zur gefeierten Köchin wurde und schließlich ihre Anstellung bei den Hartmanns erhielt.

Gleichzeitig treibt sie eine zweite, sehr persönliche Sorge um: Was wird aus ihrer Tochter Cosima, wenn sie selbst nicht mehr da ist? Lis möchte unbedingt sicherstellen, dass für ihr Kind gesorgt ist.

Einen Thriller mit einer derart ungewöhnlichen Ausgangssituation habe ich bislang noch nicht gelesen. Als Ich-Erzählerin lässt Lis die Leserinnen und Leser unmittelbar an ihrem Schicksal teilhaben – man fiebert unweigerlich mit ihr mit. Kaum vorstellbar erscheint es, dass sie unter diesen Umständen den Fall tatsächlich aufklären kann. Ob ihr das gelingt, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Die Autorin, die unter dem Pseudonym Helena Falke schreibt, hat mit diesem Roman in jedem Fall ein spannendes und lesenswertes Werk vorgelegt.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Lustig und nachdenklich

Mirabellentage
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Der Roman beginnt leicht und beinahe episodenhaft. Nach dem ersten Drittel gewinnt man den Eindruck, es handle sich vor allem um eine lose Abfolge humorvoller Szenen, zusammengehalten durch eine einfache ...

Der Roman beginnt leicht und beinahe episodenhaft. Nach dem ersten Drittel gewinnt man den Eindruck, es handle sich vor allem um eine lose Abfolge humorvoller Szenen, zusammengehalten durch eine einfache Rahmenhandlung. Im Zentrum steht dabei Anna Nass, die resolute und einfallsreiche Haushälterin des verstorbenen Pastors Josef. Als dieser überraschend stirbt und ein sehr junger Nachfolger direkt aus Rom in das bayerische Dorf geschickt wird, prallen Welten aufeinander. Fridtjof, auf einer Hallig aufgewachsen, muss sich in der ungewohnten Umgebung erst zurechtfinden. Dabei steht ihm Anna mit unkonventionellen, oft amüsanten Methoden zur Seite und sorgt so für viele heitere Momente.

Doch im weiteren Verlauf wandelt sich der Ton des Romans spürbar. Ab dem zweiten Drittel treten die eher flachen Anekdoten in den Hintergrund, und die Geschichte gewinnt an Tiefe. Zwischenmenschliche Beziehungen rücken stärker in den Fokus, Konflikte werden differenzierter dargestellt, und auch existenzielle Fragen nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Rolle treten hervor. Diese Entwicklung verleiht dem Roman eine unerwartete Ernsthaftigkeit, ohne jedoch seine Leichtigkeit vollständig zu verlieren.

Besonders gelungen ist die Balance zwischen Humor und Nachdenklichkeit. Die Figuren entwickeln sich glaubwürdig weiter, und gerade die Dynamik zwischen Fridtjof und Anna bleibt durchgehend lebendig und berührend. Trotz der ernsteren Themen bewahrt der Roman seine positive Grundstimmung.

Insgesamt überzeugt das Buch durch seinen gelungenen Wandel von einer unterhaltsamen, beinahe skizzenhaften Erzählweise hin zu einer tiefergehenden Geschichte über Gemeinschaft, Sinnsuche und menschliche Nähe.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Beklemmend

Unter dem Strand
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Turid Müller verknüpft in ihrem Roman zwei unterschiedliche Erzählstränge miteinander. Der erste spielt im Jahr 2025 und begleitet Cay, eine Journalistin, die für ein kleines Provinzblatt arbeitet. Sie ...

Turid Müller verknüpft in ihrem Roman zwei unterschiedliche Erzählstränge miteinander. Der erste spielt im Jahr 2025 und begleitet Cay, eine Journalistin, die für ein kleines Provinzblatt arbeitet. Sie erhält den Auftrag, über die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Cap-Arcona-Katastrophe zu berichten. Noch bevor die Veranstaltung stattfindet, besucht sie den Schauplatz der Tragödie. Dabei entdeckt sie am Strand die Leiche einer Frau, fotografiert diese, informiert anonym die Polizei und verlässt anschließend den Ort. Kurz darauf hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden.

Der zweite Erzählstrang führt ins Jahr 1945. Hier steht Leon im Mittelpunkt, ein Häftling in einem Konzentrationslager. Als Ich-Erzähler schildert er eindringlich die unmenschlichen Zustände und das Leid der Gefangenen, wodurch seine Perspektive besonders unmittelbar und eindrucksvoll wirkt.

Die beiden Zeitebenen wechseln sich kapitelweise ab und sind jeweils durch die Namen der Hauptfiguren sowie durch Zeitangaben gekennzeichnet. Während Leons Geschichte durch die Ich-Perspektive eine große Nähe erzeugt, wird Cays Handlung aus einer eher distanzierten Erzählerperspektive geschildert.

Die Verbindung dieser beiden sehr unterschiedlichen Erzählstränge erscheint zunächst problematisch. Im Nachwort erklärt die Autorin jedoch, dass sie bewusst eine moderne Krimihandlung mit der historischen Thematik verknüpft hat, um mehr Leserinnen und Leser zu erreichen. Ihr Anliegen ist es, die Erinnerung an die Ereignisse in den Konzentrationslagern und deren Aufarbeitung wachzuhalten.

Allerdings wirkt der Erzählstrang um Cay stellenweise etwas langatmig, wodurch die Spannung nachlässt. Im Gegensatz dazu erscheint Leons Geschichte umso eindringlicher und fesselnder, was letztlich den stärkeren Teil des Romans ausmacht.

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