Platzhalter für Profilbild

pajo47

Lesejury-Mitglied
offline

pajo47 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit pajo47 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2019

Zeitbild

1793
0

Ein Krimi, der ein Zeitbild ist. Es beginnt mit dem Fund einer Leiche im Jahr 1798 in Stockholm. Es ist die Leiche eines jungen Mannes, dem man einige Zeit vor seinem Tode alle Gliedmaßen, die Augen und ...

Ein Krimi, der ein Zeitbild ist. Es beginnt mit dem Fund einer Leiche im Jahr 1798 in Stockholm. Es ist die Leiche eines jungen Mannes, dem man einige Zeit vor seinem Tode alle Gliedmaßen, die Augen und die Zunge entfernt hat. Stadtknecht Mickel Cardel und der Jurist Cecil Winge sollen den Fall aufklären.

In mehreren Erzählsträngen wird im Rückgriff auf die Vergangenheit, genauer auf das Jahr 1793, erzählt, was vorher geschehen ist. Da ist die Geschichte von Christoffer Blix, der als ehemaliger Feldscherlehrling zu einer grausigen Tat gezwungen wird. Und da ist die Geschichte von Anna Stina, die unmenschliches durchmachen muss.

Am Ende werden alle Erzählstränge zusammengeführt und es kommt zu einer etwas überraschenden aber schlüssigen Aufklärung.

Ich hatte zunächst etwas Schwierigkeiten, die Namen der handelnden Personen nicht zu verwechseln, Das wurde im Laufe der Geschichte immer einfacher.

Was dieses Buch vor allem ausmacht, ist die Vermittlung eines Zeitbildes, das von einer enormen Recherchearbeit zeugt, die sich aber auf jeden Fall gelohnt hat.

Veröffentlicht am 17.06.2019

Alte Bekannte

All die unbewohnten Zimmer
0

Polonius Fischer, Jakob Franck, Fariza Nasri und Tabor Süden, die Hauptpersonen des Krimis. Man fühlt sich an andere Krimis von Friedrich Ani erinnert. In diesem Buch gibt es also ein Wiedersehen mit alten ...

Polonius Fischer, Jakob Franck, Fariza Nasri und Tabor Süden, die Hauptpersonen des Krimis. Man fühlt sich an andere Krimis von Friedrich Ani erinnert. In diesem Buch gibt es also ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Es geht etwas verworren zu. Ein Streifenpolizist und eine Frau. Dabei weiß man bei beiden nicht, sind sie gezielt getötet worden oder war es jeweils nur eine Art Zufall? Beschreibungen der Geschehnisse und Geständnisse. Aber war es tatsächlich so, wie es auf den ersten oder auch zweiten Blick aussah? Oder waren es ganz andere zunächst unvermutete Ursachen und Motive, die den Taten zugrunde liegen?

Ich fühlte mich an ein Gewebe oder eine Strickarbeit mit mehreren verschieden farbigen Fäden erinnert. In meisterlicher Weise verarbeitet Ani diese Fäden zu einem rundum gelungenen Werk. Dabei sind die verschiedenen Erzählstränge so angeordnet, dass man Geschehnisse, die man bereits kannte oder zu kennen glaubte, aus einem anderen Blickwinkel noch einmal angeboten bekommt. Und aus diesem anderen Blickwinkel sieht alles dann wieder ganz anders aus.

Zunächst ist das Vorgehen Anis etwas ungewohnt. Es stiftet auch unter Umständen etwas Verwirrung beim Leser. Aber man muss sich auf dieses "Strickmuster" einlassen. Man sollte nichts als Tatsache annehmen, denn meistens entwickelt es sich doch anders als gedacht. So kommt es zu einem überraschenden aber logischen Ende.

Ani schreibt in seiner üblichen, leicht lesbaren Form. Man merkt den versierten Schriftsteller. Und ich kann nur sagen: Immer wieder gern.

Veröffentlicht am 25.05.2019

Komplizierte Zusammenhänge

Auris
0

Forensische Phonetik war mir neu. Aber eine interessante Neuerung, Matthias Hegel erkennt allein an Stimme Wortwahl und Sprechweise seines Gegenüber viele Dinge über diesen und kann z.B. auch leicht Unwahrheiten ...

Forensische Phonetik war mir neu. Aber eine interessante Neuerung, Matthias Hegel erkennt allein an Stimme Wortwahl und Sprechweise seines Gegenüber viele Dinge über diesen und kann z.B. auch leicht Unwahrheiten erkennen.

Dieser Matthias Hegel bekennt sich zu einem Mord und wird dafür verurteilt. Da kommt als zweite Protagonistin die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge ins Spiel. Sie glaubt nicht an Hegels Schuld und will ihn rehabilitieren.

Komplizierte Zusammenhänge tun sich auf. Hegel will nicht rehabilitiert werden, obwohl Jula Hinweise für seine Unschuld findet. Es entwickelt sich ein Spiel mit der Wahrheit. Ist das, was Jula herausgefunden hat, eigentlich wahr oder nur etwas, was wahr zu sein scheint? Da wird es manchmal etwas kompliziert, weil sich immer wieder neue Seiten auftun und neue Interpretationen des Geschehens möglich sind. Manchmal bleibt etwas auch nur vollkommen rätselhaft.

Es hilft, dass Kliesch sehr stringent erzählt, ohne groß zwischen verschiedenen Orten oder Zeitebenen hin und her zu springen. Er ist leicht zu lesen, was Satzbau und Wortwahl angeht. Zum Schluss ergibt sich eine interessante Wendung, oder doch nicht? Es bleibt auch am Schluss alles etwas im Unklaren. Dazu ein Cliffhanger, was ich gar nicht mag. Hier soll wohl zum Kauf des nächsten Buches verführt werden.

Veröffentlicht am 22.05.2019

Liebenswert

Bell und Harry
0

Jane Gardam hat 9 Geschichten geschrieben. Es sind immer wieder dieselben Personen, um die es in diesen Geschichten geht. Die Geschichten erstrecken sich über einen Zeitraum von über 20 Jahren. Es geht ...

Jane Gardam hat 9 Geschichten geschrieben. Es sind immer wieder dieselben Personen, um die es in diesen Geschichten geht. Die Geschichten erstrecken sich über einen Zeitraum von über 20 Jahren. Es geht um den Farmersohn Bell und seine Familie und um seinen Freund Harry und dessen Familie. Harrys Familie verlebt über 20 Jahre regelmäßig ihre Ferien auf einer Farm in der Nachbarschaft von Bell. Ihre kleinen und großen Abenteuer und die Besonderheiten des Lebens im Dorf und seiner Bewohner sind es, die uns erzählt werden. Dabei werden Harry die Farm, das Dorf und seine Bewohner zu einer zweiten wichtigeren Heimat, wichtiger als London, wo die Familie normalerweise wohnt.

An dieser Stelle komme ich auf meine Überschrift "Liebenswert" zurück: In zweierlei Weise trifft diese Bezeichnung zu. Liebenswert sind sie, die Personen, auch mal etwas schrullig und seltsam. Aber selbst die sogenannte "Eierhexe" entpuppt sich als liebenswert und umgänglich. Und das Zweite ist die Art, wie Gardam die Geschehnisse beschreibt. Auch das kann man nur liebenswert nennen.

Viele alte Geschichten und Mythen bestimmen das Leben im Dorf. Krisen sind zu bewältigen. Alles wird auf eine amüsante Art erzählt. An vielen Stellen muss man einfach schmunzeln. Spannung, im Sinne von Krimispannung, kommt nicht auf. Selbst an Stellen, wo Bell und Harry gefährliche Abenteuer erleben, ist man von vorn herein gewiss, dass Gardam ihre Protagonisten schon wieder sicher nach Hause bringen wird.

In der letzten Geschichte wird es etwas dramatisch. Aber ich will natürlich nichts verraten. Zusammengefasst lässt sich sagen: Ein liebenswertes Buch, das ich gern gelesen habe. Unbedingt empfehlenswert.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Viel Krimi mit Spannung

10 Stunden tot
0

Viel zu lesen, viel zu merken, viele Personen und viele Handlungsstränge, das ist hier, gleich zu Beginn, die Zusammenfassung.

Fabian Risk ermittelt mit seinen Kollegen und Kolleginnen in einem sehr ...

Viel zu lesen, viel zu merken, viele Personen und viele Handlungsstränge, das ist hier, gleich zu Beginn, die Zusammenfassung.

Fabian Risk ermittelt mit seinen Kollegen und Kolleginnen in einem sehr außergewöhnlichen Fall. Das Außergewöhnliche ist, dass der Mörder seine Morde mit Hilfe verschiedener Würfel plant, nach deren Würfelergebnis er sich bei seinen Morden richtet. Das weiß aber nur der Leser und ist damit gewissermaßen gegenüber Risk im Vorteil. Für Risk und seine Kollegen/innen ergibt sich kein System oder auch nur der Schimmer eines Motivs.

Viele verschiedene Handlungsstränge, viele Namen stellen hohe Ansprüche an den Leser. Da sind zum Beispiel private Schwierigkeiten bei Risk und seiner Familie oder die Bedrohung einer Kollegin durch eine Nazi-Gruppe. Da ist der Tod eines Kollegen unter rätselhaften Umständen, der Verdacht gegen einen anderen Kollegen und ... Also, wie gesagt, viele Personen und viele Handlungsstränge, eigentlich Fehler, wie man sie bei Anfängern findet. Dass Anhem kein Anfänger ist, merkt man daran, dass man dennoch die Übersicht behält. Anhem hat einen spannenden Krimi geschrieben.