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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2025

Zwischen Stille und Sturm

Die Hummerfrauen
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Ann, Anfang 70, schweigsam, kantig, lebt allein mit einem Hummer als Haustier.
Julie, Mitte 50, laut, direkt, körperlich gezeichnet, innerlich nicht weniger verletzt.
Mina, Ende 20, still, wach, auf der ...

Ann, Anfang 70, schweigsam, kantig, lebt allein mit einem Hummer als Haustier.
Julie, Mitte 50, laut, direkt, körperlich gezeichnet, innerlich nicht weniger verletzt.
Mina, Ende 20, still, wach, auf der Suche nach einem Platz, der sich wie ihrer anfühlt.

Drei Frauen, drei Leben, ein Ort an der rauen Küste von Maine in den USA. Sie treffen aufeinander in einem Moment der Umbrüche. Was entsteht, ist keine große Freundschaft, kein Lebenswandel mit Knalleffekt. Aber etwas Echtes. Etwas, das bleibt.

Beatrix Gerstberger erzählt zurückhaltend, mit großer Nähe zu ihren Figuren und einem tiefen Gespür für das, was Menschen mit sich herumtragen, ohne es auszusprechen. Die Sätze sind klar, ohne Schnörkel. Vieles bleibt zwischen den Zeilen – genau dort wirkt es nach.

Ich mochte die drei Protagonistinnen, aber es hat ein wenig gedauert, bis ich mit ihnen warm wurde. Ich mochte die Sprache, das Tempo, die Landschaft in dem Roman.
Aber ich habe auch gemerkt: Manches zieht sich. Einige Passagen verlieren sich, werden beinahe zu langsam. Aber vielleicht ist das genau so gewollt.

Am Ende kann ich sagen, dass ich das Buch gerne gelesen habe, auch wenn ich dafür relativ lange gebraucht habe und mir das Ende ein wenig zu offen erscheint.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Ein richtiger Wohlfühlroman

Der alte Apfelgarten
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Ein neuer Wohlfühlroman von Sharon Gosling:

Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Beth, genannt Bette, und Nina, die nach vielen Jahren der Entfremdung wieder aufeinandertreffen. Der Tod ihres Vaters führt ...

Ein neuer Wohlfühlroman von Sharon Gosling:

Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Beth, genannt Bette, und Nina, die nach vielen Jahren der Entfremdung wieder aufeinandertreffen. Der Tod ihres Vaters führt Bette zurück in ihr schottisches Heimatdorf. Nina lebt bereits wieder dort, gemeinsam mit ihrem Sohn, nachdem ihre Ehe gescheitert ist, und hat zuletzt mit dem Vater den Hof geführt.

Die Beziehung der beiden Schwestern ist angespannt, und zwischen ihnen liegen noch viele unausgesprochene Dinge. Auf dem Familiengrundstück entdecken sie einen alten Apfelgarten, an den weder Nina noch Bette Erinnerungen haben. Er war für sie nie ein vertrauter Ort. Dennoch gewinnt der Garten nach und nach an Bedeutung, weil er etwas in ihrer Beziehung bewegt. Dabei kommen auch lang verborgene Wahrheiten ans Licht, die einiges verändern können.

Ja, vieles ist vorhersehbar – aber was soll’s? Es tut gut, sich einfach mal berieseln zu lassen und in eine ruhige Geschichte einzutauchen. Ich habe das Buch im Garten gelesen, in der Hängematte zwischen Obstbäumen – ein perfekter Ort für diese Lektüre.

„Der alte Apfelgarten“ ist ein atmosphärischer Roman über Familie und die Kraft eines Neuanfangs – warmherzig und genau richtig für entspannte Lesestunden. Hat mir viel Spaß gemacht!

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Veröffentlicht am 14.06.2025

Zwischen den Möglichkeiten

Im Leben nebenan
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„Im Leben nebenan” von Anne Sauer ist ein stiller, feinfühliger Roman über Entscheidungen, Verzicht und die Frage, wie viele mögliche Leben in einem Menschen stecken.
Erzählt wird von Antonia, deren Leben ...

„Im Leben nebenan” von Anne Sauer ist ein stiller, feinfühliger Roman über Entscheidungen, Verzicht und die Frage, wie viele mögliche Leben in einem Menschen stecken.
Erzählt wird von Antonia, deren Leben sich in zwei Richtungen entfaltet: als Mutter auf dem Land und als kinderlose Frau in der Stadt. Beide Varianten stehen nebeneinander, gleichwertig, ohne Bewertung – ein literarisches Gedankenspiel über die Vielschichtigkeit von Identität.

Der Schreibstil ist einfach und klar. Das Buch lässt sich schnell und leicht lesen. Anne Sauer findet genau die richtigen Worte, um die Stimmung und Gefühle der Figuren zu beschreiben, ohne zu viele Schnörkel. Dadurch ist die Geschichte ruhig, aber trotzdem spannend genug, um dran zu bleiben.

Was mich besonders beschäftigt hat, war die Frage: Was wäre gewesen, wenn? Obwohl ich Antonias Gedanken gut verstehen konnte, fiel es mir schwer, wirklich mit ihr mitzufühlen. Vielleicht soll das so sein. Der Roman zeigt eher, wie schwer es ist, sich selbst zu finden, wenn man zwischen verschiedenen Lebenswegen steht. Beide Leben sind nicht perfekt, sondern voller Zweifel und kleiner Verluste.

Wer eine klare Antwort oder ein eindeutiges Ende erwartet, wird hier nicht fündig. Der Roman lässt viel offen und regt zum Nachdenken an. Genau das macht ihn besonders und lässt ihn lange im Kopf bleiben.

“Im Leben nebenan” ist kein leichtes Wohlfühlbuch. Es stellt Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind – und genau deshalb bleibt es im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Poetisch und schmerzlich schön

Perlen
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„Perlen“ von Siân Hughes ist ein stilles und doch kraftvolles Buch, das mich tief berührt hat.
In zarten, poetischen Bildern erzählt die Autorin die Geschichte von Marianne, deren Mutter eines Tages spurlos ...

„Perlen“ von Siân Hughes ist ein stilles und doch kraftvolles Buch, das mich tief berührt hat.
In zarten, poetischen Bildern erzählt die Autorin die Geschichte von Marianne, deren Mutter eines Tages spurlos verschwindet. Der Roman begleitet Marianne auf ihrem Weg durchs Leben – durch Verlust, Trauer und die Suche nach einem Platz in der Welt. Dabei geht es weniger um das Finden eindeutiger Antworten als um das Verstehen der eigenen Gefühle und Erinnerungen.
Die Autorin schafft es meisterhaft, schwere Themen mit Leichtigkeit und Wärme zu erzählen. „Perlen“ ist ein bewegender Roman über Kindheit, Verlust und Hoffnung – und ein stiller Schatz für alle, die Geschichten lieben, die lange nachklingen.

Die Lektüre wurde 2023 auf die Longlist des Booker Prize gesetzt und 2024 für den Authors’ Club Best First Novel Award nominiert.

Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Hannas Jahrhundert

Schwebende Lasten
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Hanna Krause wächst im 20. Jahrhundert in Magdeburg auf. Ihr Leben ist geprägt von zwei Weltkriegen, dem Nationalsozialismus, der DDR und der Wende. Sie erlebt Zerstörung, Neuanfang, Verluste und große ...

Hanna Krause wächst im 20. Jahrhundert in Magdeburg auf. Ihr Leben ist geprägt von zwei Weltkriegen, dem Nationalsozialismus, der DDR und der Wende. Sie erlebt Zerstörung, Neuanfang, Verluste und große Veränderungen. Aus der Blumenbinderin wird eine Kranfahrerin im Schwermaschinenbau – ein ungewöhnlicher Weg, der viel über die Rolle der Frauen in dieser Zeit erzählt.

Annett Gröschner beschreibt Hannas Leben klar, einfühlsam und sehr genau. Sie verbindet persönliche Erlebnisse mit deutscher Geschichte und schafft ein Bild, das berührt und im Gedächtnis bleibt.

Mir hat besonders gefallen, wie feinfühlig und zugleich kraftvoll der Roman erzählt wird. Die Geschichte ist nah dran an den Menschen, ehrlich und bewegend. Themen wie Verantwortung, Erinnerung, Stärke und Solidarität ziehen sich durch das ganze Buch.
Ein stiller, eindrucksvoller Roman, der lange nachklingt und den ich sehr gerne weiterempfehle.

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