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Veröffentlicht am 26.04.2025

Ein Buch, das Sehnsucht macht

Über den Wolken wohnen die Träume
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„Über den Wolken wohnen die Träume“ -
schon der achte Roman von Meike Werkmeister und ich habe sie alle gelesen. Ich liebe ihren Stil einfach. Und dieser hier hat mich von der ersten Seite an wieder komplett ...

„Über den Wolken wohnen die Träume“ -
schon der achte Roman von Meike Werkmeister und ich habe sie alle gelesen. Ich liebe ihren Stil einfach. Und dieser hier hat mich von der ersten Seite an wieder komplett abgeholt.

Diesmal geht es um die 17-jährige Morleen, die mit ihrer Familie auf Norderney lebt. Wer „Sterne sieht man nicht im Dunkeln“ oder „Über dem Meer tanzt das Licht“ gelesen hat, wird sich an sie und ihre Mutter Marie erinnern. Nun erzählt Meike Morleens eigene Geschichte - und nimmt uns mit an die Westküste der USA.

Heather, eine alte Freundin von Marie, braucht dringend Unterstützung, weil ihr Au-pair abgesprungen ist, und bietet Morleen an, für einige Wochen bei ihr und ihrer Familie in Cardiff-by-the-Sea zu wohnen. Für Morleen ist es eine riesige Chance: raus aus dem kleinen Inselalltag, hinein in eine völlig neue Welt voller Sonne, Strand und Abenteuer.

Ich war sofort mittendrin – beim Surfen am Beach, bei den Treffen mit neuen Freunden, aber auch zuhause bei Heather, ihrem Mann und den drei Kindern, wo nicht alles so rund läuft.
Das Schöne ist: Es geht nicht nur um Morleens Erlebnisse, sondern auch um Heathers Alltag, ihre Sorgen und den Spagat zwischen Familie, Job und eigenen Wünschen.

672 Seiten – aber ich hätte noch viel länger weiterlesen können. Meike Werkmeister schafft es einfach immer wieder, dass man komplett in ihren Geschichten versinkt.
Ob Nordsee, England oder wie hier Kalifornien – man hat wirklich das Gefühl, mit dabei zu sein.
Für mich sind die Romane absolute Wohlfühlbücher: warmherzig, leicht, aber nie belanglos oder kitschig.
Daher gibt’s von mir wieder eine ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Wie weit geht man aus Liebe?

Wut und Liebe
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Noah ist ein junger Künstler, der sich gerade so über Wasser hält. Seine Freundin Camilla – ehrgeizig und voller Zukunftspläne – trennt sich von ihm, nicht aus Mangel an Gefühlen, sondern weil sie sich ...

Noah ist ein junger Künstler, der sich gerade so über Wasser hält. Seine Freundin Camilla – ehrgeizig und voller Zukunftspläne – trennt sich von ihm, nicht aus Mangel an Gefühlen, sondern weil sie sich nach einem verlässlichen, finanziell stabilen Leben sehnt. Für Noah gerät alles aus dem Gleichgewicht. Um sie zurückzugewinnen, ist er zu allem bereit.
Als ihm eine wohlhabende ältere Dame ein zweifelhaftes Angebot macht, nimmt er es an – nicht ahnend, dass er sich damit in ein gefährliches Spiel aus Abhängigkeit, Moral und Selbstverlust verstrickt.

Wie immer schreibt Martin Suter mit Eleganz und feinem Gespür für Zwischentöne. Seine Figuren sind lebendig, glaubwürdig und mit psychologischer Tiefe gezeichnet. Ein fein gesponnener Roman über emotionale Abgründe, stille Manipulation und die Frage, wie weit man für die Liebe – oder die Angst, sie zu verlieren – zu gehen bereit ist.
Auch wenn „Wut und Liebe“ nicht die Wucht und Extravaganz früherer Romane besitzt, ist es doch ein unverkennbarer Suter – fein, durchdacht und präzise komponiert.
Ein Lesegenuss – klug, atmosphärisch und voller leiser Dramatik.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Stürmisch und mitreißend

Wild wuchern
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Wow - was für eine mitreißende, wuchtige Geschichte!
Da ist Marie, die Goldmarie sozusagen, immer anständig und hilfsbereit.
Sie lässt das Luxusleben in der Stadt hinter sich und flüchtet vor ihrem gewalttätigen ...

Wow - was für eine mitreißende, wuchtige Geschichte!
Da ist Marie, die Goldmarie sozusagen, immer anständig und hilfsbereit.
Sie lässt das Luxusleben in der Stadt hinter sich und flüchtet vor ihrem gewalttätigen Mann zu ihrer Cousine Johanna auf eine Alm in den Bergen.
Johanna war schon als Kind ganz anders als Marie. Konnte besser mit Tieren als mit Menschen kommunizieren, fühlte sich in der Natur wohler als in der Stadt. Hat kaum mit jemanden geredet. Seit vielen Jahren lebt sie ganz alleine Auf einer Alm in Tirol.
Dass sie nun ihre Cousine bei sich hat, davon ist sie nicht begeistert.

Ob und wie die beiden Frauen miteinander zurechtkommen, wie sie aneinandergeraten, sich zusammenraufen, wie sie sich umkreisen, abstoßen, annähern, wie die Zweisamkeit Johanna verändert und die Einsamkeit Marie, das erfahren wir in Katharina Köllers Roman „Wild wuchern“.

Wie eine Naturgewalt, wie ein Gewitter in den Bergen, so mitreißend ist dieses Buch. Ich habe es innerhalb eines Tages regelrecht verschlungen, konnte nicht mehr aufhören, musste mich zwingen, langsam zu lesen. Der Roman hat nur 200 Seiten und lässt sich sehr leicht lesen. Katharina Köhlers Schreibstil hat mir sehr gut gefallen.
Eindringlich und schnörkellos, aber doch sehr detailliert beschreibt sie das Geschehen. Die Autorin schreibt geradlinig und direkt, wobei der Satzbau stellenweise einen österreichischen, besonders tirolerischen Einfluss aufweist. Das passt gut zur Erzählweise und unterstreicht den realistischen Charakter der Geschichte

Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Herrlich schräg und absolut spannend

Wackelkontakt
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Was für ein irritierendes Cover!
Wie gut, dass man den Schutzumschlag einfach entfernen und weit weg legen kann.

Aber was für eine großartige Geschichte!
Ich bin nur so durch die Seiten gerauscht.
Habe ...

Was für ein irritierendes Cover!
Wie gut, dass man den Schutzumschlag einfach entfernen und weit weg legen kann.

Aber was für eine großartige Geschichte!
Ich bin nur so durch die Seiten gerauscht.
Habe verfolgt, wie Franz Escher auf den Elektriker wertet, weil seine Steckdose einen Wackelkontakt hat. Habe erfahren, dass er währenddessen ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo liest.
Ich habe verfolgt, wie Elio im Gefängnis auf seine Entlassung wartet und um sein Leben fürchtet. Wie er aus Angst nachts wach bleibt und ein Buch liest – über Franz Escher der auf den Elektriker wartet.

Wolf Haas hat mich mit „Wackelkontakt“ richtig begeistert. Die Geschichte ist so crazy und so gut!
Das Buch habe ich spontan ausgeliehen bekommen. Und es war die perfekte Lektüre für mich. Kurzweilig, spannend, verrückt. Richtig gut!
Bisher kannte ich von Wolf Haas nur „Junger Mann“. Aber nun will ich unbedingt noch mehr von ihm lesen.

Wer „Wackelkontakt“ noch nicht kennt - unbedingt lesen! Und nicht vom Cover verrückt machen lassen.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Nähe und Abstand

Halbinsel
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In „Halbinsel“ erzählt Kristine Bilkau von der komplexen Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Linn, Mitte 20, und ihrer alleinerziehenden Mutter Annett, Ende 40.
Nach einem Schwächeanfall zieht Linn zu Annett ...

In „Halbinsel“ erzählt Kristine Bilkau von der komplexen Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Linn, Mitte 20, und ihrer alleinerziehenden Mutter Annett, Ende 40.
Nach einem Schwächeanfall zieht Linn zu Annett an die Nordsee, um sich eine berufliche Auszeit zu nehmen und ihr Leben neu zu ordnen. Aus einer Woche werden Monate. Das Haus am Wattenmeer wird zu einem Rückzugsort für Linn.
In dieser Phase der Unsicherheit fragt sich die junge Frau, was ein erfülltes Leben wirklich ausmacht.

Annett wiederum will das „Beste“ für ihre Tochter – doch was bedeutet das? Für sie sind es die traditionellen Werte: Abitur, Studium, Karriere. Doch könnte das „Beste“ nicht auch in einem einfachen, bodenständigen Job liegen? Annett ringt mit ihrem Drang, Linn zu schützen, und der Erkenntnis, dass sie ihre Tochter nicht kontrollieren kann.

Wie bereits im Buch „Nebenan“, das 2022 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreises stand, hat mich Kristine Bilkau auch hier wieder mit ihrer leisen, aber eindrucksvollen Erzählweise beeindruckt.
„Halbinsel“ ist eine bewegende und nachdenkliche Geschichte.
Das Cover in zarten Farben rundet die Lektüre wunderbar und sehr harmonisch ab.

Absolut empfehlenswert - unbedingt lesen!

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