Bewegender Familienroman zwischen Hoffnung und Schuld
Maikäferjahre„Maikäferjahre“ von Sarah Höflich ist ein beeindruckender Familienroman über die Nachkriegszeit und das Leben, die Liebe und die Schuld in einer zerrütteten Welt.
Die Zwillingsgeschwister Anni und Tristan ...
„Maikäferjahre“ von Sarah Höflich ist ein beeindruckender Familienroman über die Nachkriegszeit und das Leben, die Liebe und die Schuld in einer zerrütteten Welt.
Die Zwillingsgeschwister Anni und Tristan haben seit jüngster Kindheit eine tiefe innere Verbundenheit zueinander. Als der 2. Weltkrieg in den Jahren 1944/45 immer gnadenloser voranschreitet, finden sie sich in unterschiedlichen Situationen wieder, in denen sie allein mit den Widrigkeiten des Krieges zurechtkommen müssen.
Anni muss mit ihrer kleinen Tochter Clara aus dem von Bomben zerstörten Dresden fliehen. Begleitet wird sie dabei vom halbjüdischen Geiger Adam, der ihr auf ihrem Weg nach einer sicheren Zuflucht zu einer unerwarteten Stütze wird.
Tristan hingegen kämpft als Luftwaffenpilot über der britischen Küste und stürzt ab. Schwerverletzt kommt er in britische Kriegsgefangenschaft, bei der er der Krankenschwester Rosalie begegnet, die sich trotz heftiger Anfeindungen aufopferungsvoll um den jungen Mann kümmert.
Der Autorin gelingt durch eine sehr einfühlsame und doch authentische Schreibweise, dass man zu den Protagonisten eine tiefe Verbundenheit spürt.
Man verfolgt auf der einen Seite Anni auf ihrer Flucht durch Deutschland, ihre Angst vor Übergriffen und ihre aufkommenden Gefühle für Adam, obwohl ihr Ehemann Fritz womöglich noch am Leben ist und von der Ostfront zurückkehren könnte. Hoffnung und Schuld sind hier jederzeit präsent.
Die Erlebnisse von Anni und Adam zeigen sehr eindrucksvoll, wie es Menschen nach dem offiziellen Ende des Krieges einerseits gelang, sich als Kriegsgewinnler immer wieder den Hals aus der Schlinge zu ziehen und auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, was mich beim Lesen richtig wütend gemacht hat. Auf der anderen Seite ist es der Autorin sehr gut gelungen, zu zeigen, dass Gedankengut, welches jahrelang verbreitet wurde nicht einfach so aus den Köpfen der Menschen verschwindet.
Der zweite Erzählstrang um Tristan im britischen Königreich hat mich genauso berührt. Dieser zeigte sehr eindrucksvoll, wie tief Feindschaft sitzt, aber auch wie Menschen über diese Dinge hinwegsehen können und den Menschen, nicht die Politik sehen und verzeihen können. Eine sehr wichtige Botschaft – gerade auch in der heutigen Zeit!
Für mich war Maikäferjahre ein sehr emotionales und beeindruckendes Buch, welches authentisch und sehr anschaulich die Zeit zum Ende und nach dem 2. Weltkrieg veranschaulicht und dabei mehrere Seiten beleuchtet.
Das Ende hat mir sehr gut gefallen, denn es ist kein kitschiges Happy End, welches in so einem Roman einfach nicht gepasst hätte. Trotzdem bin ich mit dem Ende sehr zufrieden und es lässt Platz für Spekulationen und vielleicht für eine Fortsetzung.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!