Mehr erwartet
SpielverderberinSchon auf den ersten Seiten wird die angespannte Dynamik innerhalb der Gruppe deutlich. Unterschwelliger Unmut liegt spürbar in der Luft und prägt die gesamte Atmosphäre der Geschichte. Besonders bei Sophie ...
Schon auf den ersten Seiten wird die angespannte Dynamik innerhalb der Gruppe deutlich. Unterschwelliger Unmut liegt spürbar in der Luft und prägt die gesamte Atmosphäre der Geschichte. Besonders bei Sophie merkt man die Stimmung. Ihre innere Zerrissenheit und das Gefühl, als Dorfkind in der Großstadt fehl am Platz zu sein, werden von der Autorin sehr greifbar und authentisch vermittelt. Ich hab mich da sehr drinnen gesehen.
Allerdings fiel es mir schwer, eine wirkliche Sympathie für die Figuren zu entwickeln. Ich hatte zunächst erwartet, dass das zentrale Ereignis früher aufgelöst wird. Als es dann schließlich thematisiert wurde, wurde klar, dass es sich – ohne zu spoilern – um eine wirklich einschneidende und belastende Situation handelt. Nach und nach tun sich weitere Abgründe auf, wodurch die Geschichte immer wieder neue überraschende Wendungen nimmt.
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass viel aufgestaute Wut und vor allem mangelnde Kommunikation die Eskalation der Ereignisse begünstigt haben.
Sprachlich bin ich stellenweise über die Satzkonstruktionen gestolpert, was meinen Lesefluss gestört hat. Dadurch ließ ich mich häufiger ablenken, was für mich eher ein negativer Aspekt war.
Auch Sophies Verhalten konnte ich nicht immer nachvollziehen – insbesondere ihr Wunsch, die Freundschaft unbedingt aufrechtzuerhalten, erschien mir nicht ganz schlüssig. Gleichzeitig wurde für mich im Verlauf verständlich, warum Romy sich letztlich abgewendet und den Kontakt abgebrochen hat. Es ist einfach zu viel vorgefallen, und manchmal ist es besser, etwas Zerbrochenes loszulassen, anstatt daran festzuhalten.