Ein guter gesellschaftskritischer Roman
Die FerienEin wunderbares Feriencover, aber keine klassische Feriengeschichte, sondern eine gesellschaftskritische Satire ist dieser Roman von Weike Wang. Für Nate und Keru werden die Ferien zum Stressfaktor, aber ...
Ein wunderbares Feriencover, aber keine klassische Feriengeschichte, sondern eine gesellschaftskritische Satire ist dieser Roman von Weike Wang. Für Nate und Keru werden die Ferien zum Stressfaktor, aber so ist das vielleicht auch, wenn man die Eltern einlädt ???
Die beiden haben sich an der Universität kennengelernt und geheiratet. Nate stammt aus einer weißen Arbeiterfamilie (Trump-Anhänger). Nate wird Wissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Fruchtfliegen. Keru arbeitet als Unternehmensberaterin. Sie ist mit sechs Jahren mit ihren Eltern aus China in Amerika eingewandert. Nate und Keru führen ein glückliches Leben in New York, Kinder sind nicht vorgesehen, dafür haben sie die Hirtenhündin Mantou.
Zu ihren Eltern haben beide einen distanzierten Kontakt, doch nach der Pandemie haben sie vielleicht ein schlechtes Gewissen und laden ihre Eltern nacheinander zu einem gemeinsamen Urlaub am Meer ein. Und hier wird die Geschichte richtig lustig. Die chinesischen Eltern sind extrem überkorrekt und ängstlich. Sie wollen das Haus nicht verlassen und erwarten eine klinisch saubere Umgebung. Selbst der Hund muss sich die Pfoten vor der Haustür spülen lassen. Und dann das ewige Thema mit den Enkelkindern. Die amerikanische Familie ist zwar locker, aber ebenso engstirnig und rassistisch. Im zweiten Teil kommt noch eine extrem übergriffige Nachbarfamilie mit Kindern ins Boot, die das Paar als Dinky bezeichnet (Double income no kids). Vor allem Keru ist verärgert darüber, dass ihr Lebenskonzept, kinderlos zu bleiben, von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Und dann taucht plötzlich Nates Bruder mit seiner Freundin auf.
Mir hat die kluge Auseinandersetzung mit Kultur, Identität und Liebe gefallen. Es werden unbequeme Fragen gestellt. Der Roman folgt ihren Wegen durch Konflikte, Missverständnisse und kleinen Alltagsmomenten. Die Geschichte ist kein klassischer Roman, sondern zeigt, was passiert, wenn Vorurteile sichtbar werden und überwunden werden müssen. Es gibt keinen Spannungsbogen im eigentlichen Sinne. Die Sprache ist nüchtern, die Figuren sind vielschichtig. Keru wird nicht als „chinesische Kultur“, Nate nicht als „der Westen“ reduziert; beide werden als komplexe Individuen gezeigt, deren Wünsche und Ängste sich mit ihren Identitäten verankern. Der Humor ist manchmal sehr scharf und dann wieder heilend.
Mir hat dieser gesellschaftskritische Roman gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter.