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Veröffentlicht am 02.08.2019

Stockholm im Sumpf von Korruption und Bestechung

1793
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Es ist Nacht und Cardell schläft tief und fest. Als Veteran, der im letzten Krieg gegen Russland verletzt wurde, lebt er am Rande der Gesellschaft in Stockholm. Zwei Kinder wecken ihn recht unsanft und ...

Es ist Nacht und Cardell schläft tief und fest. Als Veteran, der im letzten Krieg gegen Russland verletzt wurde, lebt er am Rande der Gesellschaft in Stockholm. Zwei Kinder wecken ihn recht unsanft und berichten ihm von einer Leiche, die in Fatburen herumschwimmt. Es ist die Kloake Stockholms und Cardell glaubt nicht wirklich, dass die Kinder eine Leiche entdeckten. Trotzdem macht er sich auf und folgt ihnen zur Fundstelle.

Cecil Winge, lebt ebenfalls in Stockholm bei Roselius auf Gut Spens. Er trennte sich von seiner Frau und arbeitet als Jurist bei der Stockholmer Polizei. Winge wird vornehmlich dann gerufen, wenn ein besonderer Fall zu ermitteln ist. Beide Männer trennt mehr als sie verbindet und trotzdem ermitteln sie gemeinsam. Denn es gibt tatsächlich einen Toten in der Kloake Stockholms. Ihm wurden nicht nur die Gliedmaßen entfernt. Und nicht nur das. Er hat weder Zunge noch Zähne und dort, wo die Augen waren, gibt es nur noch zwei Löcher im Schädel. Es ist also ein grausames Bild, welches sich den Ermittlern bietet.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt:

- Die Suche nach dem Mörder
- Briefe des Kristofer Blix an seine Schwester
- Anna Stina, die im dritten Teil auf Kristofer Blix trifft

Niklas Natt och Dag gelang mit seinem Roman 1793 ein Abbild der schwedischen Gesellschaft zur damaligen Zeit. Recht hatte jeder, der genug Geld für Bestechungen besaß. Korrupte Beamte gab es zuhauf und Kriegsversehrte, die mittellos und ohne Unterstützung ihr Leben fristen mussten, ebenfalls.

Ja, es ist spannend und auch die Sprache treffend. Trotzdem konnte mich das Buch nicht richtig fesseln. Es sind die plastischen Schilderungen von Grausamkeit, die mir nicht gefielen. Spannend ist es aber bis zum Schluss und das Motiv des Täters niemals vorhersehbar. Was mir sehr gut gefiel, das war die Beschreibung der Charaktere. Das ist dem Autor meiner Meinung nach perfekt gelungen.

Veröffentlicht am 02.08.2019

Theodor Fontane perfekt vorgetragen

Effi Briest
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Effi Briest ist ein Roman von Theodor Fontane, einem berühmten deutschen Schriftsteller. Er wurde zunächst in der Zeitung „Deutsche Rundschau“ abgedruckt und erschien erst danach, im Jahr 1896, als Buch. ...

Effi Briest ist ein Roman von Theodor Fontane, einem berühmten deutschen Schriftsteller. Er wurde zunächst in der Zeitung „Deutsche Rundschau“ abgedruckt und erschien erst danach, im Jahr 1896, als Buch. Effi Briest ist einer der ersten Gesellschaftsromane und Fontane gilt als Vordenker von Thomas Mann.

In dem Roman geht es um ein junges Mädchen, das einen wesentlich älteren Mann heiratet. Wie zur damaligen Zeit besonders in wohlhabenden Haushalten üblich, war Effi kindlich und sich ihrer Situation nicht bewusst. Anfangs empfand sie Stolz, dass der ältere Mann überhaupt Interesse an ihr zeigte. Später dann ging sie zunehmend ihre eigenen Wege.

Das Schicksal Effis ist in der heutigen Zeit unvorstellbar. Trotzdem birgt der Roman viel Lebensweisheit in sich und zeugt von dem typischen Denken der Wilhelminischen Ära. Scheuklappen und nicht nachzuvollziehende Dogmen bestimmten das damalige Leben.

Fontane gilt bis heute als Größe seines Fachs und wird immer wieder gerne zitiert. Auch mir hat die Sprache wieder bestens gefallen. Es war für mich eine Wohltat, da es heute kaum noch so sprachgewaltige Autoren und Schriftsteller gibt. Das ungekürzte Hörbuch wird von Oliver Rohrbeck gelesen und das wiederum war ebenfalls ein Genuss. Er versteht es, den Hörer in den Bann zu ziehen und mit seiner Stimme den Anschein zu erwecken, als seien mehrere Leser vor dem Mikrofon.

Es sind 2 MP3-CD´s mit einer Länge von 653 Minuten, die der Audiobuch Verlag anbietet. Dieses Vergnügen sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 02.08.2019

Wie der "Führer" die Menschen belog

Funkenflug
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NetGalleyDE
Funkenflug
AufbauVerlag

„Wären nicht Zeitungen und unzählige Briefe, käme es mir gar nicht zum Bewusstsein, dass ich in einer Zeit lebe, in der menschliche Unzulänglichkeit und Grausamkeit ...

NetGalleyDE

Funkenflug

AufbauVerlag

„Wären nicht Zeitungen und unzählige Briefe, käme es mir gar nicht zum Bewusstsein, dass ich in einer Zeit lebe, in der menschliche Unzulänglichkeit und Grausamkeit beängstigend überhand nimmt.“ Nein, dieses Zitat stammt nicht aus dem Jahr 2019. Es stand in einem Brief von Albert Einstein an seine Freundin der Königin Elisabeth von Belgien. Das Zitat stamme aus dem Jahr 1939. Einstein musste vor den Nazis flüchten, weil er Jude war. Katja und Thomas Mann machen Urlaub in Holland an der Nordsee. Auch sie flüchteten vor Hitlers Schergen und ihr Sohn Golo hofft darauf, dass er eine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz bekommt. Die wird ihm anfangs nur für zwei Wochen gewährt, denn hier sind die Flüchtlinge nicht willkommen.

Sophie Scholl, anfangs noch in der HJ, gründet mit ihrem Bruder die „Weiße Rose“ und wird später von den Nazis ermordet. Adolf Hitler schwärmt für Richard Wagner und ist in Bayreuth in der Villa Wahnfried stets ein gern gesehener Gast. Rienzi ist Hitlers liebste Oper und die Ouvertüre leitete die Reichsparteitage in Nürnberg ein. Minutiös und ausführlich schreibt der Autor Hauke Friederichs in dem Buch

Funkenflug was im August 1939 hinter den Kulissen geschah. Warum zum Beispiel Hitler so ganz plötzlich einen Pakt mit Stalin einging und wie die Medien zu Propagandazwecke Hitlers und Konsorten missbraucht wurden. Ja, damals konnten die Journalisten sich kaum wehren, ohne in Lebensgefahr zu geraten.

Jüdische Mitbürger mussten viel Geld aufbringen, um Deutschland verlassen zu können. Die Eltern von Katja Mann waren Millionäre, bis der „Führer“ ihrem Vermögen habhaft wurde.

Funkenflug, das ist mehr als „nur“ ein Sachbuch. Der Autor beschreibt die Tage im August 1939 sowohl aus Sicht der „Mächtigen“ als auch der Kritiker und Verfolgten. Wie alle getäuscht wurden, damit am 01. September 1939 „zurückgeschossen“ werden konnte. Was Churchill zu all den Lügen meinte und in welchem Luxus nicht nur der „Führer“ damals lebte.

Funkenflug zeigt auch, welche Charaktere hinter den bekannten Namen der Nazigrößen standen. Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung und ist in 10 Kapitel aufgeteilt. Start ist am 01.August 1939 und es endet am 01.09.1939. Das 10. Kapitel, der Epilog, vermittelt das Schicksal einiger im Buch beschriebenen Menschen.

Interessant für mich waren auch die 14 Fotos am Schluss von #Funkenflug. Albert Einstein auf einem Boot zu sehen, das hat was. Es folgen noch die Erklärung von Abkürzungen sowie eine Auswahl an weiter führender Literatur. Personenregister und Bildnachweis fehlen ebenfalls nicht.

Für mich erschreckend, sind die Parallelen zur heutigen Zeit. Leider gibt es wieder vermehrt Populisten, die einzelne Schicksale ausschlachten, um den Menschen ihre Politik schmackhaft zu machen.

Veröffentlicht am 31.07.2019

Nein, nicht wirklich ein Thriller

ATME!
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Judith Merchant ist die Autorin des Thrillers Atme. Thriller schreibe ich aber nur, weil es so auf dem Cover steht. Dieses ist übrigens für meinen Geschmack sehr gut gewählt. Es zeigt eine Frau, die sich ...

Judith Merchant ist die Autorin des Thrillers

Atme. Thriller schreibe ich aber nur, weil es so auf dem Cover steht. Dieses ist übrigens für meinen Geschmack sehr gut gewählt. Es zeigt eine Frau, die sich umdreht und es wird der Eindruck erweckt, dass sie sich verfolgt fühlt. Ein Spiegelbild von ihr ist ebenfalls zu sehen.

Die Ich-Erzählerin in

Atme heißt Neli und ihr Freund heißt Ben. Beide gehen an einem Tag spontan essen und dann einkaufen. Neli möchte ein Hochzeitskleid aussuchen. Ihr Freund Ben wird in zwei Wochen geschieden und danach wollen sie sofort heiraten. Als sie aus der Umkleidekabine herauskommt, macht sie eine unschöne Entdeckung. Ben ist verschwunden. Sie rennt um die Häuser und telefoniert ihm hinterher. Er reagiert nicht auf ihre Anrufe und sie sieht ihn nirgendwo. Sie geht nach hause aber dort ist er auch nicht. Sie ruft die Polizei an und wird nur vertröstet. Was ist mit ihm geschehen? Hatte er einen Unfall oder wurde er entführt?

Neli ist eine verzweifelte Frau, die sehr an ihrem Ben hängt. In dem Buch driftet sie immer mal wieder in die Vergangenheit ab. Wie sie sich kennenlernten, was ihr so gut an ihm gefiel oder welche Steine die Ex von ihm, Flo, ihnen in den Weg legte. Mir war das Buch zu unruhig. Sicher, eine gewisse Spannung kam wohl auf, aber das ist für mich kein Thriller. Es waren zu viele Ereignisse, die nicht nachvollziehbar sind. Der Schluss von

Atme hält für meinen Geschmack zu viele Fragen offen. Dennoch hoffe ich, dass die Autorin weitere Bücher schreibt.

Ich danke dem Verlag und

NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 29.07.2019

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Die Frau aus Oslo
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DieFrauAusOslo beginnt mit einem Zeitungsbericht im Jahr 2015. Dort wird auf ein Armband aufmerksam gemacht, das versteigert werden soll. Eine Frau namens Turid wird darauf aufmerksam. Das ist der Epilog.

Dann ...

DieFrauAusOslo beginnt mit einem Zeitungsbericht im Jahr 2015. Dort wird auf ein Armband aufmerksam gemacht, das versteigert werden soll. Eine Frau namens Turid wird darauf aufmerksam. Das ist der Epilog.

Dann folgt das Jahr 1942 in Oslo. Ester, eine junge jüdische Frau muss mit ansehen, wie ihr Vater abgeführt und sein Geschäft geschlossen wird. Wie einen Schwerverbrecher behandeln die Männer ihn. Er ist Uhrmacher und nur weil er Jude ist und die Nazis damals bereits Norwegen besetzten, wird er ins Gefängnis gebracht. Ester flieht nach Schweden. Vorher verabschiedet sie sich noch von ihrer Freundin Ase, die mit einem Mann namens Gerhard zusammen lebt. Sie haben eine kleine Tochter, die Turid.

DieFrauAusOslo wechselt immer wieder zwischen den Jahren 1942 und 1967. Hauptthema ist nicht die Verfolgung der Juden oder der 2. Weltkrieg. Es ist eher ein Nebenschauplatz. Sicher, die Gefahr für Menschen, die sich dem Widerstand gegen die Nazis anschlossen, wird gut dargestellt. Aber die ganze Story dreht sich um den Mord an einer jungen Frau, der nie aufgeklärt wurde.

Anfangs hatte ich Probleme mit dem stetigen Wechsel zwischen den Zeiten. Hilfreich waren dabei die Überschriften. Auch fand ich, dass

DieFrauAusOslo nicht so viele Seiten haben müsste. Aber es ist trotzdem ein spannendes Buch. Ein anderer Ansatz, das Thema Gestapo und Hitler darzustellen. Der Übersetzer des Kriminalromans hat ganze Arbeit geleistet.

Ich danke dem

BasteiLübbeVerlag und #NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.