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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.11.2018

Eine andere Interpretation von Shakespeares Werk

Ich, Ophelia
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Die US-Amerikanische Autorin Lisa Klein gilt als Shakespeare-Spezialistin. Diesem Roman Ich, Ophelia, liegt sein Werk Hamlet zugrunde. Kenner des Stücks wissen, dass es in Dänemark spielt und es sich ...


Die US-Amerikanische Autorin Lisa Klein gilt als Shakespeare-Spezialistin. Diesem Roman Ich, Ophelia, liegt sein Werk Hamlet zugrunde. Kenner des Stücks wissen, dass es in Dänemark spielt und es sich bei Hamlet um einen König handelt. Dieser wird getötet und sowohl sein Sohn, der auch Hamlet heißt, als auch dessen Freundin sterben kurz danach. In diesem Roman entwickelt sich die die Geschichte anders.

Die junge Ophelia ist als Gouvernante der Königin von Dänemark tätig und verliebt sich in deren Sohn Hamlet. Die Liebe wird von dem Jungen erwidert und die beiden treffen sich heimlich. Als Hamlets Vater stirbt, sind alle, sowohl Familie als auch Gesinde, sehr betroffen. Bis hierhin ähnelt das Buch jenem Stück, welches Shakespeare vor einigen hundert Jahren schrieb. Danach muss der Leser aber davon Abschied nehmen und sich ganz auf die neue Situation einstellen.

Mir gefiel das Buch sehr gut, weil es in einer feinen Sprache geschrieben wurde. Die Autorin versteht auch, die Spannung langsam aufzubauen und gleichmäßig zu halten. Das Ende war für mich überraschend und keineswegs vorhersehbar. Ein Roman, der nicht nur für Fans von Shakespeare eine gelungene Lektüre ist.

Veröffentlicht am 28.11.2018

Historisch einwandfrei und lehrreich

Die Melodie der Schatten
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Vor wenigen Wochen wurde der Autorin Maria W. Peter ein besonderer Preis übergeben. Der Homer Literaturpreis für ihren Roman über die Festung Ehrenbreitstein. Keine Auszeichnung geschieht ohne Grund und ...

Vor wenigen Wochen wurde der Autorin Maria W. Peter ein besonderer Preis übergeben. Der Homer Literaturpreis für ihren Roman über die Festung Ehrenbreitstein. Keine Auszeichnung geschieht ohne Grund und das ist auch an ihrem aktuellen Werk zu spüren. Die Melodie der Schatten ist akribisch recherchiert und mit viel Herzblut geschrieben. Das fällt jedem Leser bereits bei den ersten Seiten auf.

Doch, worum geht es in der Melodie der Schatten? Der Roman beschreibt das Leben in Schottland und zwar im Jahr 1837. Die Highlands waren damals ein Ort für mystische Geschichten und die Bewohner erholten sich nur schwer von der Knechtschaft der Adeligen. Die Hauptperson Fiona wird durch unglückliche Umstände in die raue Welt diese Landstrichs geführt. Sie erlebt, wie schwer es ist, die misstrauischen Menschen für sich zu gewinnen. Auch gefährliche Abenteuer gehören zu ihrem Alltag. Grundlage des Romans von Maria W. Peter sind die Highland Clearances. Das waren Ereignisse, welche die ursprünglichen Bewohner vertrieben. Unter ihnen gab es hauptsächlich Kleinbauern und gälisch sprechende Menschen. Die Ermordung und Vertreibung der Bewohner wird heute hin und wieder sogar als Völkermord gekennzeichnet. Daran trafen nicht nur die Briten, sondern alle Europäer eine Mitschuld.

Mir gefiel das Buch sehr gut, weil es Tatsachen beschreibt, die jederzeit nachzuprüfen sind. Ich habe viel über schottische Geschichte und auch über die Dogmen verschiedener Religionen gelernt. Die Liebesgeschichte nimmt dabei nur wenig Raum ein. Viel aufwendiger sind die Beschreibungen der Lebenssituationen damaliger Einwohner der sagenumwobenen Highlands. Die gehobene Sprache ist bildhaft und die Dialoge anschaulich dargestellt. Kurzum, ein Buch welches ich nicht so schnell vergesse und jedem historisch Interessierten gerne empfehle.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Wunderschön und sehr tiefgründig

Das Weihnachtscafé in Manhattan
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„Das Weihnachtscafé in Manhattan“ ist mehr als „nur“ ein schöner Liebesroman. Hier werden Probleme beschrieben, die nicht alltäglich sind. Eine der Hauptpersonen leidet auch noch 2 Jahre nach dem Tod ihres ...

„Das Weihnachtscafé in Manhattan“ ist mehr als „nur“ ein schöner Liebesroman. Hier werden Probleme beschrieben, die nicht alltäglich sind. Eine der Hauptpersonen leidet auch noch 2 Jahre nach dem Tod ihres Vaters unter seiner Strenge und den Ansichten, die sie nie teilte. Ein kleines Mädchen trauert der Mutter nach, welche viel zu früh verstarb. Sie hoffte auf ein Wunder und dass ihre Mama gesund würde. Da das nicht eintrat, mag sie weder Weihnachten noch den Nikolaus. Ein junger Witwer, der Vater des Mädchens, traut sich nicht, wieder an das Glück zu glauben und darauf hinzuarbeiten. Drei Menschen, die tief verletzt sind und immer mal wieder gemeinsam die Vorweihnachtszeit erleben.

Das schöne Cover zeigt zwei Tassen, die wohl mit Kakao gefüllt sind. Weil es im Geschäft von Iona (einer Hauptperson) häufig um Schokolade in allen Variationen geht. Zwei Plätzchen lehnen an den Tassen und der Hintergrund wird von verschwommenen Lichtern gebildet. Für mich ein perfektes Cover, da es die weihnachtliche Stimmung gut rüber bringt.

Das Buch gefiel mir, weil es keinen „Kitsch“ vermittelt. Die Autorin schreibt abwechslungsreich und in bildhafter Sprache. Sie vergisst dabei nicht, auf die Ernsthaftigkeit der Emotionen einzugehen. Freud und Leid sind oft unmittelbar verbunden und das zeigt sich auch in diesem Buch. Weihnachten ist nun mal das Fest der Gefühle und die Monate November und Dezember fallen allen Trauernden besonders schwer. Ob sich das Blatt für die drei Hauptpersonen noch wendet, das verrate ich hier nicht. Aber ich gebe eine ganz klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.11.2018

Ungewöhnlich und gut

Bad Girls
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Die Autorin Emily Lockhart studierte das Schreiben an der Columbia Universität. Sie geht bei ihren Werken neue Wege, die sich stark von jenen ihrer Kollegen unterscheiden. Bad Girls wird nicht wie sonst ...

Die Autorin Emily Lockhart studierte das Schreiben an der Columbia Universität. Sie geht bei ihren Werken neue Wege, die sich stark von jenen ihrer Kollegen unterscheiden. Bad Girls wird nicht wie sonst üblich als Story vom Anfang zum Ende erzählt. Sie beginnt am Ende und geht bis zum Anfang zurück. Eigenwillig aber keineswegs überspannt.

Mir gefiel Bad Girls gut. Anfangs hatte ich allerdings Probleme, in die Story hineinzukommen. Es ist schwierig diese ungewohnte Erzählweise anzunehmen. Als mir das gelang, wurde ich bestens unterhalten. Die Hauptperson Jule gibt sich gerne als eine andere Person aus. Sie liebt ihre Freundin Immi sehr, aber diese hat nun mal einen Freund. Imogen (Immi) ist manipulativ und hat viel Geld, welches sie gerne für ihre Irreführungen einsetzt. Interessant war für mich, dass trotz des rückwärts gerichteten Erzählens eine anhaltende Spannung vorhanden war.

Das Cover ist schlicht aber dennoch ausdrucksstark gestaltet. Die kräftige gründe Farbe steht im guten Kontrast zu den auffallend und schwarz geschminkten Lippen im Hintergrund. Bad Girls ist in meinen Augen keineswegs ein Buch nur für Jugendliche. Es kann getrost in den Bereich „guter Thriller“ angesiedelt werden.

Veröffentlicht am 25.11.2018

Außergewöhnlich und spannend

Mörderische Renovierung
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Der junge Autor Edgar Cantero stammt aus Spanien. Spanische Schriftsteller, die ich bisher kennenlernen durfte haben die Eigenart, dass sie tatsächlich außergewöhnliche Bücher schreiben können. Das ist ...

Der junge Autor Edgar Cantero stammt aus Spanien. Spanische Schriftsteller, die ich bisher kennenlernen durfte haben die Eigenart, dass sie tatsächlich außergewöhnliche Bücher schreiben können. Das ist auch Herrn Cantero perfekt gelungen. Leser des Romans dürfen keinen sonst üblichen Ablauf erwarten. Der Autor „spielt“ mit unterschiedlichen Medien. Das sind Eintragungen ins Tagebuch, detaillierte Abschriften von mit Diktiergeräten aufgezeichnete Dialoge und Briefe. Hin und wieder schreibt die Hauptperson auch selbst.

Zur Story gibt es nicht viel zu schreiben. Ein junger Mann erbt ein großes Haus. Er zieht dort mit seiner Freundin ein und erlebt was es heißt, wenn Spukgeschichten wahr werden. Die Freundin ist stumm und sie kommuniziert in den meisten Fällen durch Nachrichten, die sie auf einen Block schreibt. Diesen hat sie stets dabei und auch ein Bleistift gehört zur üblichen Ausrüstung. Ein Tagebuch über die Träume des Erben gibt es ebenfalls in diesem besonderen Buch.

Die Aufmachung ist einzigartig. Schon das Cover lässt sich mit keinem anderen vergleichen. Aber auch die unterschiedlichen Schreibweisen der Tagebücher, Briefe und Notizen gehören zu den Besonderheiten des Buches. Der verstorbene Besitzer pflegte Freundschaften mit Männern, die einem Geheimbund angehörten. Zudem nahm er sich das Leben und der Leser fragt sich, ob diese Tatsachen zusammen hängen.

Mir gefiel das Buch sehr gut. Es ist außergewöhnlich gestaltet und entspricht in keiner Weise den „normalen“ Werk. In meinen Augen gehört es zur anspruchsvollen Literatur, die nicht zwingend für den „Mainstream“ geschrieben wurde.