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Veröffentlicht am 15.08.2024

Ein engagiertes Ermittlerduo rollt eine alten Fall neu auf

Das Dickicht
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Charlotte Kobayashi wird entführt und die Aufregung ist groß. Die Lösegeldforderung liegt zunächst bei 100.000€. Der Vater des Mädchens ist sofort bereit, diese hohe Summe zu zahlen. Es stellt sich aber ...

Charlotte Kobayashi wird entführt und die Aufregung ist groß. Die Lösegeldforderung liegt zunächst bei 100.000€. Der Vater des Mädchens ist sofort bereit, diese hohe Summe zu zahlen. Es stellt sich aber schon bald heraus, dass es nicht bei dieser Forderung bleibt. Dass der Entführer sie erhöht und gleichzeitig Rücksprache mit einem Partner hält, macht die zur Hilfe herbeigeeilten Ermittler stutzig. Zumal die Geldübergabe durch ein Zugfenster erfolgen soll. Das Problem dabei: Das Fenster lässt sich nicht öffnen. Juha Kohonen und Lucas Adisa sind sich sicher, dass es sich niemals um eine Entführung handeln kann. Und trotzdem kommen sie ins Grübeln. Hat dieser Fall in „Das Dickicht“ doch gravierende Übereinstimmungen mit einem ähnlichen Ereignis, das viele Jahre zurückliegt. Sie rollen das Geschehen von damals neu auf.

War es tatsächlich so, dass der Täter Selbstmord beging? Oder wurde der Fall als gelöst archiviert, weil die Ermittler keine Lust auf noch mehr mühevolle Kleinarbeit hatten? Schon nach den ersten Hinweisen stoßen Juha und Lucas auf Ungereimtheiten. Kann es sein, dass der Täter nicht belangt wurde und über die dilettantische Polizeiarbeit lacht?

Viele Verdächtige und noch mehr Wendungen lassen den Spannungsbogen zwischendurch ein wenig erschlaffen. Die Auflösung kann sich aber sehen lassen. Es ist der erste Band einer Reihe und ich bin mir sicher, dass die Autoren auf die Wünsche ihrer Leser eingehen und ihre Kriminalromane schon bald die Bestenlisten erobern.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Solider Krimi für zwischendurch

Todesfalle
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Der neue Auftrag klingt für Philipp nicht ungewöhnlich. Er ist Callboy und gewohnt, dass seine Kundinnen zuweilen recht skurrile Wünsche haben. Doch dieses Mal liegt er falsch. Die Einsicht kommt leider ...

Der neue Auftrag klingt für Philipp nicht ungewöhnlich. Er ist Callboy und gewohnt, dass seine Kundinnen zuweilen recht skurrile Wünsche haben. Doch dieses Mal liegt er falsch. Die Einsicht kommt leider zu spät. Er weiß sofort, dass er diesen Ort nicht lebend verlassen kann.

In „Todesfalle“ ermittelt Emma Klar zum 9. Mal. Hier bittet Staatsanwältin Ulrike Steiner sie um Unterstützung. Die Story beginnt kurzweilig uns spannend. Aber schon bald verliert sich die Autorin in unnötigen Ausschweifungen und das behindert den Lesefluss. Auf die Auflösung wartete ich lange und die war dann für meine Begriffe nicht realistisch.

Die lockere Sprache und eine wendungsreiche Geschichte machen aber die Langatmigkeit fast wett und meine Empfehlung gibt es trotzdem.

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Veröffentlicht am 09.08.2024

Viel mehr als "nur" ein Roman

Wären wir Vögel am Himmel
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Das ausführliche Vorwort weist den Leser auf die historischen Tatsachen hin. Es geht um die teilweise blutigen Unruhen zwischen Polen und Ukrainern. Die Feindschaft zwischen den beiden Völkern. Bis heute ...

Das ausführliche Vorwort weist den Leser auf die historischen Tatsachen hin. Es geht um die teilweise blutigen Unruhen zwischen Polen und Ukrainern. Die Feindschaft zwischen den beiden Völkern. Bis heute können Außenstehende es nicht nachvollziehen. Aber, wer mag beurteilen. was damals geschah? Wenn er selbst noch nicht geboren oder dabei war?

Lilija war erst 15 Jahre alt, als zunächst ihre Brüder und kurz danach ihre Mutter starb. Ermordet von Soldaten. Es waren Deutsche und Sowjets, so hat sie es erlebt. Dabei träumte sie von einer unbeschwerten Zukunft. Davon, dass sie studieren kann. Kunst oder Biologie, das wäre es. Beim Zeichnen träumt sie sich weg von den Grausamkeiten ihres Alltags.

Das Buch berührte mich sehr. Diese grausam präzise Darstellung des Feuersturms auf Dresden lässt mich nicht los. So viel Leid mussten Menschen durchleben und warum? Weil ein größenwahnsinniger Despot an die Macht kam.

In angenehmer und bildhafter Sprache schildert die Autorin die Erlebnisse ihrer Vorfahren. Sie wurden in der Ukraine geboren und die Schilderungen in dem Roman beruhen auf Tatsachen. Im Anhang gibt es Hinweise auf weiterführende Literatur, die belegt, dass aus Hass Freundschaft werden konnte. Zwischen Polen und Ukrainern. Das gibt Hoffnung für die Zukunft, die leider nicht immer rosig aussieht.

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Veröffentlicht am 09.08.2024

Die gehobene Sprache gefiel mir ausgesprochen gut

Herrn Petermanns Tanz des Todes und des Glücks
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Leo ist am Boden zerstört. Sein bester Freund Eugen von Blauberg ist tot. Sein Fahrer fand ihn zufällig, als Eugen morgens nicht zum Frühstück erschien. Herr von Blauberg war auf der Suche nach einem alten, ...

Leo ist am Boden zerstört. Sein bester Freund Eugen von Blauberg ist tot. Sein Fahrer fand ihn zufällig, als Eugen morgens nicht zum Frühstück erschien. Herr von Blauberg war auf der Suche nach einem alten, sehr seltenen Buch. Für Trauer hat Leo keine Zeit. Er begibt sich auf die Suche. Er will den Täter bald finden und ihn seiner gerechten Strafe zuführen.

Der Ich-Erzähler Leo Petermann zog sich aus dem Berufsleben zurück und genießt die Ruhe. Als er von dem Tod des Barons Blauberg erfährt, ist es um seine Ruhe geschehen. In gehobener Sprache und mäßiger Spannung nimmt der Autor seine Leser mit auf eine Reise ins Ungewisse. Die Motive des Täters sind bis zum Schluss nicht zu erkennen. Und nicht nur das. Die Verwirrung wird durch häufige Wendungen zusätzlich angeheizt.

Das war mein erstes Buch des Autors Michael Böhm. Obwohl ich beim Lesen der ersten Seiten mit Startschwierigkeiten kämpfen musste bin ich davon überzeugt, dass ich auch die anderen Bände über Leo Petermann lesen werde. Was mir besonders gut gefiel, das war das außergewöhnliche Cover, das perfekt zum Inhalt des Buches passt.

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Veröffentlicht am 31.07.2024

Im Krieg gibt es keine Helden

Frühling 1940
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Es war die sogenannte „Saarabstimmung“ im Jahr 1935, welche die Teilnehmer des 1. Weltkriegs voller Hoffnung in die Zukunft schauen ließ. Sie waren der Ansicht, und das durchaus berechtigt, dass es keine ...

Es war die sogenannte „Saarabstimmung“ im Jahr 1935, welche die Teilnehmer des 1. Weltkriegs voller Hoffnung in die Zukunft schauen ließ. Sie waren der Ansicht, und das durchaus berechtigt, dass es keine Grund geben könnte, jemals wieder Krieg zu führen. Die Streitfragen zwischen Frankreich und Deutschland schienen geklärt. Wie falsch sie damit lagen zeigte sich leider schon bald. Am 01. September 1939 begann mit dem Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg. Wieder waren es die einfachen Soldaten, die ihr Leben für Volk und Vaterland lassen mussten.

Wenn ich mir vor Augen führe, dass der 2. Weltkrieg im Jahr 1945 beendet wurde, fühle ich nur noch Dankbarkeit. Nein, es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir in Deutschland seit 80 Jahren im Frieden leben dürfen. „Frühling 1940“ bestätigt mich noch einmal eindringlich in meiner Meinung. Der Historiker Raffael Scheck gibt Zeitzeugen eine Stimme. Im Frühling 1940 blickten sie zurück auf das Kampfgeschehen. Soldaten erinnerten sich an ihre verwundeten oder gefallen Kameraden und die Zivilbevölkerung fürchtete sich vor den Plünderungen der Deutschen.

Es war 20 Jahre ein „glücklicher Traum“, dass das Leben ohne Blutvergießen weiter geht. Dem war nicht so und Herr Scheck recherchierte und fand teil unveröffentlichte Tagebücher, Briefe und Berichte. Diese waren Grundlage für dieses zuweilen erschütternde Buch, das sich mühelos lesen lässt. Für mich ein Highlight im Jahr 2024 und eine ausdrückliche Leseempfehlung gebe ich ebenfalls.

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