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Veröffentlicht am 08.03.2026

Leider bleiben zu viele Fragen offen

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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Es war der 1.Juli 2002 als ihre Mutter starb. Hanna blieb eine lange Leidenszeit erspart. Und trotzdem. Sie war gerade mal 70 Jahre alt und viel zu jung. Anne blieb bis zum letzten Atemzug bei ihr. Auch ...

Es war der 1.Juli 2002 als ihre Mutter starb. Hanna blieb eine lange Leidenszeit erspart. Und trotzdem. Sie war gerade mal 70 Jahre alt und viel zu jung. Anne blieb bis zum letzten Atemzug bei ihr. Auch um die Durchsicht ihrer privaten Dinge kümmerte sie sich. Im Nachtschrank fand sie ein Tagebuch und ein Foto. Auf der Aufnahme ist die Mutter mit ihren Eltern und Brüdern zu sehen. Alle befinden sich vor einem Bauernhaus in Westpommern. Leider mussten sie von dort aus fliehen. Nach Deutschland, da die Russen das Land für sich beanspruchten. Dabei waren sie doch erst vor wenigen Jahren als Siedler aus dem Norden Deutschlands nach Westpommern gezogen.

Hanna wuchs behütet auf. Der Bauernhof ihrer Eltern war für sie das Paradies und ihr Großvater der beste Freund. In der Schule wurde sie mit der Einstellung von Nationalsozialisten konfrontiert und nicht nur sie konnte damit wenig anfangen. Der Vater wurde im ersten Weltkrieg verletzt und war seitdem „wunderlich“. Nur einer ihrer Brüder fühlte sich zur Partei Hitlers hingezogen. Hannas Eltern und ihr Großvater kamen mit den treuen Anhängern des „Führers“ überhaupt nicht zurecht. Auch ihre beiden Brüder nicht. Nur ein Bruder verinnerlichte die Ansichten der NSDAP.

Als dann die kleine Rosa auf die Welt kam, übernahm Hanna Verantwortung. Sie kümmerte sich rührend um die Kleine. Wickelte und fütterte sie. Wollte sie vor allem Ungemach beschützen. Den Schutz hatte Rosa nötig, denn sie war anders als andere Kinder. Warum das besonders zu jener Zeit gefährlich war wissen alle, die sich mit unserer Geschichte beschäftigen.

Das sehr ausführlich verfasste Buch über die Kindheit der Hauptperson las sich für mich so, als sei es für Kinder geschrieben. Die Flucht und das Leben danach fand leider keinen Platz in dem Roman und für mich blieben viele Fragen offen. Das Ende ist sehr stark komprimiert und daher nicht wirklich realistisch.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Hier spricht die Liebe zur See aus jeder Zeile

Der Gesang der See
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Kristiane will es nicht wahrhaben. Ihr geliebter Mann ist tot. Er starb auf dem Meer. Und er lässt sie alleine. Wo sie doch sein Kind unter dem Herzen trägt. Wie grausam kann das Leben nur sein? Aber ihre ...

Kristiane will es nicht wahrhaben. Ihr geliebter Mann ist tot. Er starb auf dem Meer. Und er lässt sie alleine. Wo sie doch sein Kind unter dem Herzen trägt. Wie grausam kann das Leben nur sein? Aber ihre Verzweiflung währt nicht lange. Sie ist sich ihrer Stärke bewusst und will, nein muss, nach vorne schauen. Das ist sie ihrem Mann und auch ihrem Vater schuldig. Weder von ihrer Mutter noch von der Schwester kann sie Hilfe erwarten. Und trotzdem ist sie völlig am Ende und bereit aus dem Leben zu scheiden. Wie gut, dass ihr Freund aus Kindertagen Kristiane findet und sie vor dem sicheren Tod rettet.

Alle Bücher von Trude Teige las ich und auch "Der Gesang der See" gefiel mir ausgesprochen gut. Erneut geht es um eine starke Frau, die dem Schicksal die Stirn bietet. Die Geschichte spielt in Norwegen und erzählt vom rauen Alltag der Fischer. Sie leben vom Kabeljau und sind wie kaum ein anderer Beruf von der Natur abhängig. Um sich gegen die Männer zu behaupten, muss Kristiane heiraten. Dann hätte ihr Baby auch einen Vater und sie könnte mutig in die Zukunft schauen.

Die Autorin versteht es immer wieder, mich mit ihren Büchern in den Bann zu ziehen. Die Liebe zu Norwegen und dem Meer ist jederzeit spürbar. Klare Empfehlung gibt es daher von mir.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Spannend und niemals vorhersehbar

The Exes
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Natalie hat Pech mit ihren Männern. Sobald eine Beziehung länger dauert, stirbt ihr Freund. Dabei träumt sie doch von einem dauerhaften Glück. Von Ehe, Kindern und einem kleinen Häuschen. Mit James hat ...

Natalie hat Pech mit ihren Männern. Sobald eine Beziehung länger dauert, stirbt ihr Freund. Dabei träumt sie doch von einem dauerhaften Glück. Von Ehe, Kindern und einem kleinen Häuschen. Mit James hat sie nun endlich ihren Traummann gefunden. Bis, ja bis er von einem gemeinsamen Bekannten erfährt, was mit Natalies Ex-Freunden geschah. Er wird misstrauisch und fragt sich, ob er Natalie vertrauen kann oder sie doch etwas mit den Todesfällen zu tun hat.

Ein raffinierter Thriller, der mit gut gefiel. Die Ereignisse werden zunächst aus der Sicht Natalies erzählt und sie klingen schlüssig. Im weiteren Verlauf der Story gibt es Rückblicke auf die Vergangenheit der Frau und schon hatte ich meine Zweifel. "The Exes" überzeugte mich durch einen eigensinnigen Plot. Zudem lassen sich die Charaktere nicht fassen, da es immer wieder andere Perspektiven ihres Naturells gibt. Das Zuhören war mir ein Genuss. Die drei Vortragenden konnten mich durch ihre kompetente Wiedergabe absolut überzeugen.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Kein Buch für Zwischendurch

Mischka
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So viele Jahre musste "Mischka" in der Verbannung leben. Und trotzdem brachte sie nach ihrer Freilassung so viele Menschen zusammen. Die Autorin Barbara Honigmann sagt, dass sie unter anderem durch den ...

So viele Jahre musste "Mischka" in der Verbannung leben. Und trotzdem brachte sie nach ihrer Freilassung so viele Menschen zusammen. Die Autorin Barbara Honigmann sagt, dass sie unter anderem durch den Krieg in der Ukraine erkannte, dass die Vergangenheit eine neue Aktualität erhielt. Sie dachte zurück an die Zeit in Moskau als dort der Zusammenbruch des riesigen Sowjetreichs spürbar war. Sie erinnert an ihre Freunde, die sich gegen das Regime wehrten und sogar den Verlust ihrer Freiheit in Kauf nahmen.

Es waren Freunde ihrer Eltern, die Frau Honigmann in diesem Buch porträtiert. Obwohl sie sowohl Verluste als auch Verfolgung erduldeten, ihren Humor behielten sie. Nein, nicht alle. Und das macht dieses Buch so einzigartig. Es berichtet auch von Menschen, die mit den geerbten Traumata nicht leben konnten. Auf welche Weise leiden Kriegskinder und -enkel bis heute unter den Verletzungen ihrer Vorfahren? Es ist unglaublich und doch so realistisch, wenn man das Buch aufmerksam liest.

Nein, es ist keine Lektüre für Zwischendurch. Dieses Werk verdient Aufmerksamkeit. Vielleicht muss es auch ein zweites oder drittes Mal gelesen werden, um seinen Wert zu erkennen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle, die auch vor tiefgreifender Lektüre nicht haltmachen.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Ein Buch, das lange nachhallt

Genau so fängt es an
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Sie war erst zwei Jahre alt, als sie eine Nummer auf den Arm tätowiert bekam. Nur durch unglaubliches Glück überlebte sie Auschwitz. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die mit der kleinen Schwester schwanger ...

Sie war erst zwei Jahre alt, als sie eine Nummer auf den Arm tätowiert bekam. Nur durch unglaubliches Glück überlebte sie Auschwitz. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die mit der kleinen Schwester schwanger war. Die Nazis sprengten nämlich alle Gasöfen, weil sie den Rettern keine Spuren ihrer Gräueltaten hinterlassen wollten. Das geschah kurz vor der Ankunft Eva Umlaufs. Niemand kann nachvollziehen, mit welchen Erinnerungen diese Frau seitdem lebt. Was mag in ihr vorgehen wenn sie sieht, dass erneut eine rechtsextreme Partei im Deutschen Bundestag sitzt.

In einem Punkt muss ich der Autorin des Buches "Genau so fängt es an" widersprechen. Nein, leider ist diese zeit nicht seit 80 Jahren Unterrichtsstoff. Die Aufarbeitung fand erst später statt und ich bin überzeugt davon, dass es in Deutschland keine adäquate Entnazifizierung gab. Welche Gelegenheiten ließen die Lehrpläne aus? Warum wurde erst Jahre später das „Dritte Reich“ in den Schulen thematisiert? Bei uns endete der Geschichtsunterricht kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs. Zufall? Ich denke nicht.

Frau Umlauf zeigt ihn ihrem Buch auf, wo die Wurzeln des Antisemitismus liegen. Bereits im römischen Reich wurden Juden verfolgt und getötet. Warum hält diese Unart bis heute an? Warum wird ihr Leid bis heute verharmlost? Selbst von Menschen, die sie kennt und schätzt gibt es nur Klagen über ihr Los. Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben und das war schlimm. Aber mal ehrlich, wo lag denn die Ursache der Vertreibung? Mit Sicherheit nicht bei den Juden. Wer jubelte denn dem Führer so richtig enthusiastisch zu?

Ein Zitat des F.J. Strauß darf in dieser Rezension nicht fehlen. Im Jahr 1987, also kurz vor seinem Tod, sagte er: „Rechst neben der CDU/CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“. Bis heute denkt Frau Umlauf mit Schrecken und Abscheu an den 29. Januar 2025 zurück. Was Herr Merz damals veranstaltete, werde auch ich niemals vergessen. Gemeinsam mit der AfD brachte er einen Antrag ins Rollen, der Zurückweisungen und konsequente Abschiebungen von Hilfesuchenden legitimierte. Und dieser Mann wurde später Kanzler der BRD.

Noch ein Gedanke aus dem Buch beschäftigt mich. Das ist die Frage, warum nicht zwischen Regierung und der Bevölkerung Israels unterschieden wird. So viele Menschen gehen dort auf die Straße und protestieren gegen Netanjahu und seine Koalitionspartner. Juden, die in der Diaspora also in Deutschland leben, werden angegriffen? Warum?

Welch ein berührendes Buch. Bemerkenswert auch, dass Frau Umlauf am 29.Januar 2025 einen Brandbrief an Herrn Merz schrieb. Darin formulierte sie ihre Sorge um den Rechtsdruck im Parlament. Leider hatte Herr Merz keine Zeit, diesen Brief zu beantworten. Wurde er für seinen Wahlkampf über die Maßen beansprucht?

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