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Veröffentlicht am 27.01.2020

"Brich alle Regeln, mach Worte zu Waffen"

Das Spiel der Nachtigall
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Walther von der Vogelweide war ein Mann, dessen Name wohl den meisten Deutschen bekannt ist. War er doch einer der bedeutendsten Minnesänger des Mittelalters. Was ihn besonders auszeichnete, das war seine ...

Walther von der Vogelweide war ein Mann, dessen Name wohl den meisten Deutschen bekannt ist. War er doch einer der bedeutendsten Minnesänger des Mittelalters. Was ihn besonders auszeichnete, das war seine Geradlinigkeit. Er verbog sich nicht für irgendwelche Herrscher, an deren Hof er singen sollte. Im Gegenteil, oft verpackte er die Kritik an ihnen so dezent in seinen Liedern, dass so manch einer von ihnen darauf einging. Tanja Kinkel hat den Charakter des Mannes in ihrem Roman Das Spiel der Nachtigall sehr gut beschrieben. Und nicht nur ihn, sondern gleichzeitig die Kaiser und Könige, die zur Zeit Walthers stets auf Kriegsfuß mit irgendjemandem standen.

Neben Walther ist Judith ebenfalls eine Hauptperson in dem Buch. Sie ist Jüdin und schon damals wurde nicht nur sie wegen ihres Glaubens verfolgt und gedemütigt. Und selbst vor Mord schreckten die Widersacher nicht zurück. Beide, Judith und Walther, waren selbstbewusst und starke Persönlichkeiten. Kein Wunder, dass es zwischen ihnen immer mal wieder zu Streitgesprächen kam.

Das Hörbuch wird von zwei markanten Stimmen gesprochen. Das ist Katrin Fröhlich, die die Reisen der Ärztin liest und Uve Teschner, der das bei den Ausführungen über Walther macht. Es war für mich ein besonderes Erlebnis, diesen beiden zuzuhören. Aber auch die Ausführungen über die Zeit der Intrigen und dem Machtstreben in Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation sind einprägsam geschrieben. Ja, das Buch gefiel mir ausgesprochen gut und ich gebe fünf Sterne dafür. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Sprechern dieses guten Buches zu folgen.

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Veröffentlicht am 25.01.2020

Weinen lasst mich, bitter weinen ...

Rückkehr nach Birkenau
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Am 27.01.1945 wurde die Gefangenen des Konzentrationslagers in Auschwitz befreit. Auch in diesem Jahr gibt es wieder Gedenkfeiern und die Politikprominenz fliegt nach Israel. Das ist auch gut so. Was mich ...

Am 27.01.1945 wurde die Gefangenen des Konzentrationslagers in Auschwitz befreit. Auch in diesem Jahr gibt es wieder Gedenkfeiern und die Politikprominenz fliegt nach Israel. Das ist auch gut so. Was mich stört und ja, sogar abstößt, das sind die Aussagen etlicher meiner Landsleute. Sie meinen doch tatsächlich, dass es nun endlich mal genug sein solle, mit dem „Erinnerungskult“. Schließlich träfe sie keine Schuld an der damaligen Tragödie. Oder, was noch schlimmer ist, einige leugnen gar die Gräuel der Mörder. Was ist los in der Welt? Gibt es keine Empathie mehr?

Rückkehr nach Birkenau ist ein Buch, welches berührt und entsetzt. Gilette Kolinka gab sich nach vielen Jahren einen Ruck und schrieb ihre Erlebnisse nieder, die sie in Birkenau machen musste. Den Ausschlag dafür gab der Regisseur des Films „Schindlers Liste“. Er suchte nach Zeitzeugen und wollte sie befragen. Und erst durch Herrn Spielberg konnte Frau Kolinka darüber sprechen. Und zum Glück hielt sie ihre Traumen in diesem wertvollen Buch fest.

Gilette Kolinka ist Französin und sie war erst 19 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern und weiteren Familienangehörigen nach Buchenwald deportiert wurde. Sie beschreibt ihre Ankunft, den endgültigen Abschied von Vater und Bruder sowie Erlebnisse, die weit außerhalb meiner Vorstellungskraft liegen. Beim Lesen kam es mir vor, als seien es besonders Frauen gewesen, die das Quälen ihrer Artgenossinnen auskosteten. Waren sie stolz, dass sie Macht hatten? Hatten sie sonst nichts, worauf sie blicken konnten?

Rückkehr nach Birkenau macht sprachlos und traurig. Ja, auch noch so viele Jahre danach weine ich um die Qualen der Betroffenen. Und ich hoffe sehr, dass die Gedenkfeiern weiter stattfinden und stets solche Menschen in der Mehrzahl sind, die so denken wie ich. Dass solche Ereignisse auch heute wieder geschehen können, davon bin ich überzeugt. Ich brauche nicht in der Vergangenheit zu suchen. Es gibt zu viele Diktatoren im Mäntelchen eines Demokraten, denen das Schicksal von Hilfesuchenden egal ist.

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Veröffentlicht am 24.01.2020

Trotz einiger Längen durchaus lesenswert

Die Toten von Marnow
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Stefan Krohn hat nur ein Ziel, er will Beck ermorden. Er dringt in dessen Wohnung ein und was er dort entdeckt, passt ihm so gar nicht. Der Typ ist bereits tot. Zwei Ermittler sollen diesen Mord aufklären: ...

Stefan Krohn hat nur ein Ziel, er will Beck ermorden. Er dringt in dessen Wohnung ein und was er dort entdeckt, passt ihm so gar nicht. Der Typ ist bereits tot. Zwei Ermittler sollen diesen Mord aufklären: Klaus Elling, ein verheirateter Kommissar mit einer 18jährigne Tochter und seine Partnerin Lona Mendel, die in einem Wohnmobil lebt. Am Tatort finden die Ermittler einen Computer, der mit vielen Fotos und Filmen bestückt ist, die auf Aktivitäten eines Pädophilen schließen lassen. Also schließen sowohl Stefan als auch Lona ganz logisch, dass hier das Tatmotiv liegt. Es ist also ein Fall, der wohl recht bald gelöst ist. Wenige Tage danach wird ein Senior getötet, der in einer Einrichtung lebt und das Geld dafür von seinem ehemaligen Arbeitgeber erhält.

Alle Wege führen nach Marnow und das wissen auch die beiden Kommissare. Es gibt etliche Verdächtige und erst mit der Zeit stellt sich heraus, was wirklich hinter den Morden steckt. Der kleine Ort Marnow liegt an einem See und Beck war wenige Tage vor seiner Ermordung hier. Auf einem Campingplatz und das nicht nur dann. Er kam viele Jahre nach Marnow und das immer zur gleichen Zeit. Nur in diesem Jahr war die reduzierte Dauer auffallend.

Zwei Ermittler, die nicht immer streng nach den Regeln des Staates handeln und deren Privatleben keineswegs normal ist. So lassen sich Klaus Elling und Lona Mendel mit einem Satz beschreiben. Ihr Verhalten ist nicht immer realistisch aber durchaus schlüssig. Allerdings gibt es in dem Krimi für meinen Geschmack zu viele Verwicklungen, die das private Leben der beiden betreffen. Darüber hinaus kritisiere ich nichts. Das Buch ist spannend geschrieben und bis zum Schluss wusste ich nicht, wer die Morde beging. Die Motive sind für mich nachvollziehbar und zuweilen siegt ja auch mal die Gerechtigkeit. Auch wenn das wohl nicht mit dem Gesetz vereinbar ist. Vier volle Sterne und eine Leseempfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 23.01.2020

So viel mehr, als "nur" ein Hörbuch

Die Jahre
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Als ich vor vielen Jahren den Song „Money“ von Pink Floyd zum ersten Mal hörte, war ich hin und weg. Das lag an dem ganz besonderen Effekt, den ich nur durch den Kopfhörer so richtig wahr nahm. Die Münzen ...

Als ich vor vielen Jahren den Song „Money“ von Pink Floyd zum ersten Mal hörte, war ich hin und weg. Das lag an dem ganz besonderen Effekt, den ich nur durch den Kopfhörer so richtig wahr nahm. Die Münzen purzelten vom rechten zum linken Ohr und dieses Erlebnis vergesse ich nie. So erging es mir auch bei diesem Hörbuch „Die Jahre“. Ich hörte das Buch mit dem Kopfhörer und die Stimmen wanderten von einem Ohr zum anderen. Toll. Dazu eine Musik, die das Gesagte perfekt unterstreicht.

Nein, das Buch ist nicht alltäglich, sondern außergewöhnlich. Wichtig ist, dass man sich auf diese Art der Darstellung einlässt. Es sind vier Frauen unterschiedlichen Alters, die hier aktiv sind. Sie reißen das Geschehen kurz an. Das heißt, dass sie nicht nur das Leben der Autorin zusammenfassen. Auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, der Kampf und die Emanzipation und die sexuelle Freiheit der Frauen ist ein Thema. Kurzum ein Hörbuch, das Bilder entstehen lässt, die für mich stimmig und nachvollziehbar sind. Es gibt also eine ausdrückliche Empfehlung für dieses beeindruckende Hörspiel verbunden mit der Hoffnung, dass es einen guten Platz bei der Wahl der Juroren erhält. Es gehört nämlich zur Shortlist des Hörbuchpreises 2020. Meine Stimme hat es auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 21.01.2020

Das Leben geht weiter, aber wie?

Jahre der Veränderung
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Die Not der Kriegsjahre ist vorbei und die Menschen in Berlin hoffen auf bessere Zeiten. So auch die drei Freundinnen, die wir im ersten Band der Hebammensaga bereits kennenlernen durften. Alle drei lieben ...

Die Not der Kriegsjahre ist vorbei und die Menschen in Berlin hoffen auf bessere Zeiten. So auch die drei Freundinnen, die wir im ersten Band der Hebammensaga bereits kennenlernen durften. Alle drei lieben ihren Beruf und privat bleiben sie nicht vor Rückschlägen und Enttäuschungen verschont. Die Klinik erfreut sich bei den werdenden Müttern großer Beliebtheit und Säuglingssterblichkeit nimmt ab. Jetzt sind es andere Problem, die unsere drei Hauptpersonen beschäftigen.

Berlin kommt nicht zur Ruhe. Es gibt immer mehr Arbeitslose und das wiederum bedeutet, dass Geld knapp ist. Auch jetzt herrscht Hunger und Wohnungsnot. Der Frust der Menschen schlägt sich in Aggressivität gegenüber Andersdenkenden nieder. Straßenschlachten werden zum Volkssport und sogar vor dem Schießen scheuen Fanatiker nicht zurück. Es sind vornehmlich die Anhänger von KPD und NSDAP, die sich gegenseitig malträtieren. Schwerverletzte sind keine Seltenheit.

Viele junge Mädchen oder an Geschlechtskrankheiten leidende Schwangere kommen zu den Beratungsstunden der Hebammen. Die Jungen prostituieren sich, weil sie auf schnell und rasch verdientes Geld hoffen. In der Klinik wird neben der Beratung auch die Ausgabe von Kondomen angeboten. Das allerdings ist in der Bevölkerung nicht immer gut angesehen. Abtreibungen sind verboten und wer es trotzdem macht und erwischt wird, muss ins Gefängnis.

Auch dieser zweite Band gefiel mir. Obwohl der erste in meinen Augen die Historie besser und ausführlicher beschrieb. Etliche Probleme der Menschen klingen an und dazu gehört auch die Diskriminierung der Juden. Alles in allem ein lesenswertes Buch, dem ich vier Sterne gebe und es auch als leichte Lektüre empfehle.

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