Von Jo Nesbø kennt man ja schon einige Werke und auch mit Minnesota enttäucht er uns nicht.
Im Wechselspiel zwischen mehreren Characteren werden wir mitgenommen in eine Geschichte aus grausigen Morden. ...
Von Jo Nesbø kennt man ja schon einige Werke und auch mit Minnesota enttäucht er uns nicht.
Im Wechselspiel zwischen mehreren Characteren werden wir mitgenommen in eine Geschichte aus grausigen Morden. Allerdings liegt der Mordserie eine ethische Agenda zugrunde die einen schon zum Nachdenken bringt.
Hauptsächlich durch die Augen des geknickten "Anti-Hero" Ermittlers Bob Oz erleben wir den Fall mit. Aber nicht nur Bob hat eine Vergangenheit und persönliche Geschichte, sondern auch der Täter.
Ich finde es beeindruckend, wie Nesbø gleichzeitig eine spannende Mordserie verfolgt aber auch beiden Seiten der Ermittlung persönlichen Tiefgang und eine Character-Entwicklung zukommen lässt.
Mir persönlich waren die Verstrickungen zwischen Ermittler und Serienmörder eine Spur zu dick. Leider hat zwischendurch auch mein Audioplayer auf shuffle geschaltet und mir dadurch einen dicken Spoiler verpasst, der mir viel von der Spannung genommen hat.
Ein schönes kleines Abenteuer für kleine Ohren an dem aber auch große Ohren ihre Freude finden können.
Die Illustrationen sind richtig schön - simpel aber doch farbenfroh und passen sehr gut zur Geschichte.
Das ...
Ein schönes kleines Abenteuer für kleine Ohren an dem aber auch große Ohren ihre Freude finden können.
Die Illustrationen sind richtig schön - simpel aber doch farbenfroh und passen sehr gut zur Geschichte.
Das Abenteuer an sich ist gar nicht so spektakulär; was unser kleiner Protagonist unterwegs erlebt und welche Gespräche er führt stehen im Fordergrund.
Als der Junge eines morgens aufwacht ist er sehr frustriert von den ganzen scheinbar willkürlichen Regeln, die seine Eltern (bzw. vorallem seine Mutter) ihm auferlegen. Kurzerhand schnappt er sich seinen Teddybär und büchst aus. Ab ins hohe Gras, das verheisungsvoll hinter dem Haus auf ihn wartet.
Unterwegs trifft er einen Gnom, der ihm zeigt wie man eine Sache aus der Perspektive von anderen sehen kann.
Er trifft 2 Schnecken, die es schaffen sich harmonisch zu streiten und danach zu sehen womit der andere vielleicht doch Recht hatte.
Und er trifft eine Hand voll Münzen, die ihm zeigen, wie sie Entscheidungen treffen mit denen sie alle einverstanden sind.
Und natürlich trifft er auch seine eigenen Gedanken und Gefühle.
Diese kleinen Begegnungen helfen nicht nur dem Jungen im Buch dabei seine Frustration zu bewältigen. Der ein oder andere Satz ist auch bei mir als erwachsener Leserin hängen geblieben. Denn sind wir mal ehrlich - im Alltag vergessen wir alle viel zu oft empathisch mit unseren Mitmenschen umzugehen.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich am Anfang des Buches etwas zu sehr das Gefühl hatte, dass dem kleinen Jungen die Verantwortung auferlegt wurde seine Mutter verstehen zu müssen. Durch seine Begegnungen im Laufe der Geschichte fällt ihm das auch irgendwann leichter, aber ich denke nicht dass es in der Verantwortung von Kindern liegt von sich das Verhalten ihrer Eltern verstehen zu müssen.
Ich hatte die Möglichkeit, über vorablesen.de kostenlos eine Vorabkopie dieses Buches [ARC] zu lesen, und hinterlasse diese ehrliche Rezension freiwillig.
Hier ein paar meiner Lieblings-Zitate aus dem Buch:
Jeden Tag muss ich machen, was meine Mutter möchte, auch ewnn ich es nicht will. Und wer sagt überhaupt, dass sie alles am besten weiß? [...] Was versteht sie davon, wie's ist, ein Kind zu sein?
Jeder Mensch wird zum Hindernis, wenn man nich versucht, sie oder ihn zu verstehen.
Wenn wir uns nciht einigen können, streiten wir nicht lange herum, dann macht sie es einfach so, wie ich's für richtig halte. / Und sie macht's so, wie ich es für richtig halte. // Aber wenn ihr beide überzeugt seid, dass ihr recht habt, wieso macht ihr dann das Gegenteil davon? // Weil alle immer denken, dass sie recht haben ... bis sie feststellen, dass sie sich irren.
Wir sind schon so weit gekommen. Vielleicht sollten wir einfach noch weiter gehen. // [...] Aber willst du denn weiter gehen? // Ich... Ich weiß nicht mehr.
Freunde streiten miteinander. Eltern streiten mit Kindern. Hunde mit Katzen. Und wozu? Wir haben festgestellt, dass wir lieber gemeinsam Kompromisse schließen, als ganz allein zu bekommen, was wir wollen.
Wir können nicht immer entscheiden, was im Leben passiert. Aber wir können entscheiden, mit wem es passiert.
Auf eine ganz eigene, einfühlsame Weise, nimmt uns V. V. Ganeshananthan mit in die Zeit des Bürgerkriegs auf Sri Lanka.
Doch es geht nicht "nur einfach" um den Bürgerkrieg, wie er entstand und wie er ...
Auf eine ganz eigene, einfühlsame Weise, nimmt uns V. V. Ganeshananthan mit in die Zeit des Bürgerkriegs auf Sri Lanka.
Doch es geht nicht "nur einfach" um den Bürgerkrieg, wie er entstand und wie er ablief. Wir begleiten die Protagonistin Sashi ab ihrer Jugend durch ihr Leben. Wir lernen ihren Alltag und den ihrer Familie vor den Konflikten kennen, sehen durch ihre Augen wie sich die Lage der tamilischen Bevölkerung zuspitzt, wie alles außer Kontrolle gerät - und zwar nicht unbedingt aus politischer Sicht, sondern ganz praktisch von und für die Menschen. Durch Sashis Brüder, Freunde, Schul- und später Universitäts-Freunde, Professoren und Kollegen sehen wir aber noch so viel mehr Perspektiven als die einer jungen Hernwachsenden.
Ich bin beeindruckt, wie natürlich sich die vielen Sichtweisen und Erfahrungen der Charactere in diesem Buch zusammenfügen. Über Brüder, die sich dem Kampf gegen die politische Unterdrückung voll und ganz verschreiben, Familienmitglieder, die einfach nur überleben wollen und Rebellen, die weder die Gräueltaten der Regierung noch der Tamil Tigers dulden können lernen wir die vielen Facetten dieses Kriegs kennen.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen! Die Handlung über den Bürgerkrieg ist sowohl interessant als auch lehrreich. Die vielen verschiedenen Charactere sind sehr gut ausgearbeitet und zeigen den Krieg in all seinen Facetten. Wir sehen nicht nur die Brutalität und das Leid des Krieges, sondern auch die Paranoia in der Bevölkerung aber auch die Stärke, die Freundschaft und Familie mit sich bringt und wie dadurch Hoffnung die Kraft zum Widerstand liefert.
[Ich durfte ein Vorabexemplar dieses Buches [ARC] über vorablesen.de lesen – unbezahlt und im Gegenzug für diese ehrliche Rezension.]
Lieblingszitate:
Ein Krieg wird nicht an einem Tag begonnen. Der Konflikt baut sich allmählich auf, wie Aasvögel, die sich um ein schwaches Tier versammeln, bis es so viele sind, dass
man vor lauter Geiern das Aas nicht mehr sieht. In der wachsenden Menge derer, die dich töten würden, siehst du dich irgendwann selbst nicht mehr.
Ich wollte die Geschichte nicht hören. Ich wollte eine simplere Geschichte, eine, in der wir alle gut waren.
Meine Mutter hätte argumentiert, dass Rituale ein Weg seien, mit der Trauer umzugehen. Ich weiß nur, dass wir mit oder ohne Rituale die Zeit markieren, dass wir lernen, dass die Zeit weitergeht, auch wenn wir sie am liebsten anhalten würden.
Niranjan hatte mich immer ermahnt, mir selbst ein Bild von der Welt zu machen. Und ich wollte mehr, als die Welt nur zu sehen – ich wollte etwas tun.
Wir dachten, die Regierung wäre unser Gegner und das ist sie auch. Aber das hier sind unsere eigenen Leute. Sie wissen, wo wir wohnen und was wir machen; sie sind in unseren Tempeln und unseren Schulen. Sie beobachten uns. Bald wird je-
mand wissen, was ich zu meinen Brüdern gesagt habe, in unseren eigenen vier Wänden. Wahrscheinlich sind es meine Brüder, die mich verraten. Vielleicht sind es meine Brüder, die sie schicken, um mich zu töten, oder schlimmer, um mich mitzunehmen.
Sie hatte Angst, genau wie du. Sie war enttäuscht, verunsichert. Und dann hat sie sich vorgenommen, beim nächsten Versuch nicht die Prüfer, sondern ihre Angst zu besiegen.
Obwohl ich zu denen gehörte, die für die Tigers arbeiteten, hatte ich Angst vor ihnen. Wir wurden überall beobachtet, und schlimmer noch, sie brachten uns bei, uns gegenseitig zu beobachten.
"Was hier zählt, sind ihre eigene Stimme und ihre eigenen Worte."
Was für ein kraftvolles, wichtiges, schönes, erschütterndes, tragisches Buch.
30 Jahre nach dem Femizid an ihrer Schwester Liliana Rivera ...
"Was hier zählt, sind ihre eigene Stimme und ihre eigenen Worte."
Was für ein kraftvolles, wichtiges, schönes, erschütterndes, tragisches Buch.
30 Jahre nach dem Femizid an ihrer Schwester Liliana Rivera Garza überwindet Cristina ihre lähmende Trauer und macht sich auf die Suche nach der Vergangenheit, nach Gerechtigkeit.
Schon bald folgend wir nicht mehr Cristina im Hier und Jetzt - aus Lilianas eigenen Notizen und Tagebüchern hat sie liebevoll Lilianas Leben rekonstruiert. Das gibt einen einmaligen Einblick in ihr Leben, ihre Gefühle, ihre Entscheidungen, ihre Empfindungen. Das ist so wichtig, denn sonst kann kaum ein Opfer von Femizid ihre eigene Perspektive darstellen. Ihre eigene Stimme, ihre eigenen Worte kommen hier zum Tragen.
Wie ergeht es jungen, aufgeschlossenen, interessierten Frauen in einer Welt von Patriarchat, Besitzansprüchen und Gewalt? Und noch viel wichtiger: Wie ergeht es ihnen, wenn sie nie gelernt haben psychische und physische Gewalt in Beziehungen als solche zu erkennunen und nicht als romatische Zeichen von Innbrunst oder Hingabe? Wie geht es Liliana, die nur nach ihrem persönlichen Glück strebt, sich selbst zu einer Erwachsenen entwickeln will und so durstig nach dem Leben ist, und die dabei viel zu früh, viel zu naiv, auf einen viel zu kaputten Jungen trifft, der ihre Freiheit nicht akzeptieren kann?
Ein absolut wichtiges Werk, gerade in aktuellen Zeiten in denen so viel über Frauenrechte und körperliche Selbstbestimmung diskutiert wird. Ein absolut berührendes Werk, in dem ein strahlendes junges Mädchen voller Liebe sich in patriarchal romatischen Besitzansprüchen verheddert und so nicht nur ihre Freude sondern auch ihr Leben einbüst.
Das hier ist sicher kein einfaches Buch zu lesen, aber dennoch um so wichtiger, dass man es tut.
Lieblingszitate:
Wir sind andere und doch immer dieselben. Frauen, die sterben und dennoch lebendig sind. Frauen, die Gerechtigkeit fordern. Erschöpfte Frauen, die zusammenhalten und füreinander einstehen. Empörte Frauen mit jahrhundertealter Geduld. Unendlich wütende Frauen.
»Artikel 325: Ein Femizid ist die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts.« Vor diesem Datum wurden Femizide als »Verbrechen aus Leidenschaft« bezeichnet. Die Opfer waren leichte Mädchen und ungezogene, gotteslästernde Frauen. Femizide hatten viele Namen: Warum muss sie sich auch so anziehen? Oder: Frauen müssen sich erst einmal selbst respektieren lernen. Sie wird schon irgendwas gemacht haben, um so zu enden. Ihre Eltern sind schuld. Sie hat eine schlechte Entscheidung getroffen. Sie hat es verdient.
Angesichts des Unfassbaren wussten wir nicht, was wir tun konnten. Also sind wir verstummt. Und dich wickelten wir in unser Schweigen ein, um dich zu schützen, machtlos angesichts der Straflosigkeit, der Korruption, der mangelnden Gerechtigkeit. Wir waren einsam und geschlagen. Erledigt. Wir waren so tot wie du. So atemlos wie du. Und während wir uns durch die Schatten der Tage schleppten, vermehrten sich die getöteten Frauen. Immer mehr Frauen wurden von der Welle der Gewalt mitgerissen, junge wie alte, aus Arbeiterhaushalten wie aus wohlhabenden.
Während die Erwachsenen in ihrem Leben annahmen, dass die Mädchen weder Libido noch Sexualität hatten, oder darauf vertrauten, dass sie sie, falls vorhanden, unterdrücken würden, vor allem diejenigen, die in streng katholischen Familien aufwuchsen, pirschten die Mädchen sich langsam und vorsichtig, aber doch bestimmt, an die Welt der Körper heran.
Gab es in ihrem Umfeld, in unserem Umfeld, eine Sprache, die es ihr ermöglicht hätte, die Warnzeichen zu sehen und zu identifizieren?
Neben dem klugen Mädchen, der guten und manchmal besorgten Freundin, der redegewandten und schlagfertigen jungen Frau, die mit Worten heilen und verletzen konnte, neben der Studentin, die sich mehr und mehr für ihr Fach begeisterte, der Scharfsinnigen, wie sie einer ihrer Freunde beschrieb, der charismatischen Anführerin, neben der Frau, die immer mehr an sich selbst glaubte, war da auch die Liliana, die trotz allem, was sie bewegte, keine Sprache finden konnte für die Gewalt, die ihr auf den Fersen war. [...] Diese Blindheit, die nicht individueller, sondern gesellschaftlicher Natur war, hat zur Ermordung Hunderttausender Frauen beigetragen, in Mexiko und darüber hinaus.
Die Forderung der Grünen Flut ist daher heute so wichtig und aktuell wie bei ihrer Entstehung zu Beginn des 21. Jahrtausends: sexuelle Bildung, um Entscheidungen treffen zu können, Verhütung, um nicht abtreiben zu müssen, legale Abtreibung, um nicht sterben zu müssen.
Wenn du von einem Bären angegriffen wirst, stellst du dich dem Kampf, obwohl du weißt, dass er dich lebensbedrohlich verletzen kann? Oder stellst du dich lieber tot?»Opfer partnerschaftlicher Gewalt bleiben in der Beziehung, weil sie wissen, dass jede plötzliche Bewegung den Bären provoziert.
Wenn du zerbrichst, dann brich aus, nicht ein.
Ich habe Liliana immer viel Freiheit gelassen. Genau wie dir. Ich habe immer an die Freiheit geglaubt, weil wir uns nur in Freiheit selbst erkennen können. Die Freiheit ist auch nicht das Problem. Das Problem sind die Männer.
Dieser Comic erzählt nicht nur, wie sich Videospiele seit ihrer Geburtsstunde entwickelt haben. Es umspannt so viel mehr: technologische Neuerungen von denen das gaming nicht nur profitiert, sondern an ...
Dieser Comic erzählt nicht nur, wie sich Videospiele seit ihrer Geburtsstunde entwickelt haben. Es umspannt so viel mehr: technologische Neuerungen von denen das gaming nicht nur profitiert, sondern an deren Entwicklung gaming mitgewirkt hat. Wirtschaftliche crashs und Lichtblicke. Wie Gaming, Kunst und Kultur unfassbar eng miteinander verwoben sind.
All das ist in einem optisch ansprechenden Comic-Stil verpackt dargestellt, in dem die zwei Autoren miteinander durch die Zeit reisen und Einblicke in die Geschichte der Videospiele offenbaren. Dabei werden interessante Fakten genau so an den Tag gelegt wie random fun facts, witzige Kabbeleien und nicht zuletzt Erklärungen für ales mögliche, sodass nicht nur eingefleischte Gamer verstehen worum es geht, sondern wirklich jeder.
Das Buch spannt einen schönen Bogen und stellt richtig gut dar, dass Videospiele eben auch aber nicht nur Unterhaltung sind. Sie sind Technologie, Spaß, Kunst, Wirtschaft, Politik, Psychologie, Geschichtenerzähler, Lehrer, Perspektivgeber und nicht zuletzt Ausgangspunkt für Freundschaften und soziale Beziehungen.
Das Buch ist super wertig produziert, die Drucke kommen gut raus und das Papier ist schön griffig.
Lieblingszitat: "Schön wie ein Film, pisch wie ein Abenteuerroman, grausam wie der Krieg, sanft wie ein Schlaflied. Romatisch oder voller Action, [das Gaming] wechselt seine Gestalt je nach Genre. Es ist technologisch und künstlerisch, zugänglich und sozial. Es schafft Freundschaften und Beziehungen, es verleiht Ängsten Ausdruck und polemisiert".