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Veröffentlicht am 15.06.2023

Origineller Krimiplot mit leider etwas anstrengender Protagonistin

30 Tage Dunkelheit
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Da Jenny Lund Madsens Buch als bester dänischer Krimi ausgezeichnet wurde, waren meine Erwartungen entsprechend hoch! Im Mittelpunkt steht eine mäßig erfolgreiche Schriftstellerin, die eigentlich auf anspruchsvolle ...

Da Jenny Lund Madsens Buch als bester dänischer Krimi ausgezeichnet wurde, waren meine Erwartungen entsprechend hoch! Im Mittelpunkt steht eine mäßig erfolgreiche Schriftstellerin, die eigentlich auf anspruchsvolle Literatur festgelegt ist. Als sie sich auf einer Buchmesse mit einem Bestsellerautor auf eine Wette einlässt, muss sie innerhalb von einem Monat einen Krimi verfassen. Zu diesem Zweck schickt sie ihr Lektor in ein abgelegenes isländisches Dörfchen, wo sie bei Bekannten von ihm unterkommt, und sich dort in der düsteren Abgeschiedenheit inspirieren lassen soll. Dies gelingt hervorragend, zumal kurz nach Hannas Ankunft tatsächlich ein Motd passiert, und die Schriftstellerin in die Ermittlungen involviert wird. Der Plot ist wirklich originell und hat mir gut gefallen, auch die Idee, eine dänische Autorin nach Island zu schicken und das Setting dort zu entwickeln fand ich gelungen. Nicht überzeugt hat mich leider die stellenweise und im Laufe der Geschichte immer unsympathischer werdende Hanna, die mich mit ihrem Egoismus einfach nur noch genervt hat. Auch wirkte die Handlung trotz originellem Plot teilweise etwas konstruiert. Dass man Hanna sofort nach ihrer Ankunft in einem kleinen Dorf als Fremde derart akzeptiert hat, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Zusätzlich anstrengend fand ich die Angewohnheit der Protagonistin, permanent Kraftausdrücke zu gebrauchen, das Wort Sch....kommt einfach inflationär häufig vor, so etwas ist wirklich unnötig und schadet dem ansonsten sehr angenehmen Schreibstil von Jenny Lund Madsen. In meinen Augen hatte dieser Krimi mehr Potential, das nicht vollständig genutzt wurde.

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Veröffentlicht am 13.06.2023

Gelungene Mischung aus realer deutsch-deutscher Geschichte und spannender Fiktion

Der letzte Auftrag
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Der letzte Teil der Trilogie von Titus Müller spielt in den letzten Monaten und Wochen vor der großen Wende in Deutschland im Jahr 1989. Im Mittelpunkt steht die junge Krankenschwester Annie, deren Mutter ...

Der letzte Teil der Trilogie von Titus Müller spielt in den letzten Monaten und Wochen vor der großen Wende in Deutschland im Jahr 1989. Im Mittelpunkt steht die junge Krankenschwester Annie, deren Mutter Ria in der Vergangenheit bereits in den Weststeil des Landes geflohen ist. Nun schließt sich Annie der Bürgerrechtsbewegung an und beweist durch ihr Engagement für Freiheit und Menschenrechte viel Mut, der mir sehr imponiert hat. Zwar kannte ich die ersten beiden Teile der Reihe noch nicht, was vielleicht ein wenig geholfen hätte, um einige Details der Handlung einzuordnen, trotzdem bin ich aber gut klar gekommen, und die Lektüre konnte mich gut und spannend unterhalten. Der Autor hat großartig recherchiert und eine in meinen Augen sehr gekonnte und gut gelungene Mischung aus realen Ereignissen und Fiktion hin bekommen. Viele Personen, deren Namen man aus der damaligen Zeit kannte, findet man hier wieder, allen voran Erich Honecker, Egon Krenz, Hans Modrow und viele andere. Auch wenn ich mir noch ein kleines mehr Einblicke in das Privatleben von Annie und ihren Weggenossen gewünscht hätte, auch wenn diese natürlich fiktional waren, bin ich gespannt durch die Seiten geflogen und wurde einmal mehr an die damaligen Ereignisse erinnert, die sich quasi für mich als Westberlinerin direkt vor meiner Haustür abgespielt haben. Ich finde es sehr gut und wichtig, dass der Autor an das Unrecht und die Menschenrechtsverletzungen erinnert, die in einem deutschen Staat damals an der Tagesordnung waren. So etwas darf nicht vergessen werden, u. leider habe ich den Eindruck, dass die DDR mittlerweile manchmal verklärt rückblickend wahrgenommen wird. Dem entgegen zu wirken hat Titus Müller mit seiner Trilogie ein großes Stück beigetragen. Dafür und natürlich für ein paar spannende Stunden Leseunterhaltung möchte ich danke sagen und spreche natürlich eine absolute Leseempfehlung aus!

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Veröffentlicht am 06.06.2023

Ernüchterndes Bild von Hollywoods Glamour-Industrie

Komplizin
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In ihrem Roman "Komplizin" erstellt die Autorin Winnie M Li ein ernüchterndes hemmungsloses und oft schockierendes Bild der Glamourindustrie, die in Hollywood Filme produziert. Protagonistin Sarah, eine ...

In ihrem Roman "Komplizin" erstellt die Autorin Winnie M Li ein ernüchterndes hemmungsloses und oft schockierendes Bild der Glamourindustrie, die in Hollywood Filme produziert. Protagonistin Sarah, eine junge Frau, Tochter von emigrierten Hongkong-Chinesen, die in New York ein Restaurant betreiben, hat es sich in sehr frühen Jahren ihres Lebens in den Kopf gesetzt, Karriere in der Filmindustrie zu machen. Arbeiten möchte sie aber nicht, wie so viele Altersgenossen als Schauspielerin oder Model, sondern eher hinter den Kulissen. Als sie an ihrem College eine Annonce am schwarzen Brett entdeckt, die für einen Praktikumsplatz in einer Produktionsfirma wirbt, sieht Sarah dies als Chance, und wird prompt eingestellt. Ihren Eltern gefällt dies nicht wirklich, sie brauchen die Tochter als Arbeitskraft im Restaurant, zumal die neue Aufgabe der jungen Frau anfangs schlecht bis gar nicht finanziell honoriert wird. Als Sarah längst nicht mehr in ihrem eigentlichen Traumberuf tätig ist, wird sie von einem Investigativjournalisten der New York Times aufgespürt, Tom Galagher möchte die Geschichte der mittlerweile als Dozentin arbeitenden aufdecken. In Sarahs Erzählungen und Rückblicken erfahren auch wir als Leser, wie sich die Protagonistin von Anfang an durch Talent, Fleiß und überdurchschnittliche Intelligenz ausgezeichnet und hochgearbeitet hat. Als ein Milliardär in die Produktionsfirma mit einsteigt, in der Sarah hoch engagiert ist, wird die junge sonst sehr zurückhaltende Frau von ihm nicht nur aber auch körperlich bedrängt. Beim Lesen der Schilderungen von Sarah wird einem als Leser überdeutlich, was man eigentlich schon im Hinterkopf wusste oder geahnt hat, aber beim Ansehen von dem fertigen Produkt "Film" oft verdrängt. Hollywood Glamourindustrie ist ein skrupelloses Machtgefüge, das von oft ausschließlich gewinnorientierten Männern dominiert wird. Diese betrachten Frauen ausschließlich als Mittel zum Zweck, nutzen sie selbst und ihre Abhängigkeit aus und/oder missbrauchen sie. Dass die oft ansonsten in den Medien recht anonym geführte "Metoo-Debatte" hier ein konkretes Gesicht, nämlich das der Protagonistin Sarah Lai bekommt, mit der man als Leser fühlt und leidet, hat das Problem für mich besonders anschaulich, greifbar und dadurch berührend gemacht. Ein Buch, das zwar die eine oder andere Länge aufweist, trotzdem aber durch soghaften Schreibstil besticht und unbedingt gelesen werden sollte. Aus diesem Grund gibt es von mir natürlich eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.05.2023

Schwiecker und Tsokos schlagen ein weiteres Mal zu

Die letzte Lügnerin
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Bei der "letzten Lügnerin" handelt es sich um den dritten Band der Justiz-Krimireihe aus der Feder der Autoren Florian Schwiecker und Michael Tsokos. Dies lässt sich sofort am Cover erkennen, das einen ...

Bei der "letzten Lügnerin" handelt es sich um den dritten Band der Justiz-Krimireihe aus der Feder der Autoren Florian Schwiecker und Michael Tsokos. Dies lässt sich sofort am Cover erkennen, das einen hohen Wiedererkennungswert aufweist und sich auffällig in die Reihe einfügt. So etwas finde ich für mich als Leser auf jeden Fall hilfreich! Auch diesmal fühlte ich mich perfekt unterhalten, das Autorenduo hat in gewohnt flüssigem und angenehmem Schreibstil an seine beiden vorherigen Bücher angeknüpft. Die Geschichte ist recht politisch, was mir persönlich sehr gut gefällt. Ein Immobilienskandal steht im Vordergrund, aktuelle brisante Themen stehen im Mittelpunt, Grundstücksspekulation, steigende Mieten bzw. Wohnungsknappheit und Korruption sind an der Tagesordnung. Die Protagonisten Strafverteidiger Rocco Eberhard, dessen eigener Vater diesmal mit im Fokus steht und Gerichtsmediziner Justus Harmer müssen sich mit all den besagten Dingen auseinander setzen, denn es gibt bei all den Skandalen sogar eine Leiche. Bei all dem spielt viel Berliner Lokalkolorit mit hinein, was mir besonders gut gefällt, da es sich bei dem Handlungsort um meine Heimat- und Lieblingsstadt handelt, u. die Lektüre großen Spaß macht, wenn man all die Plätze gut kennt! Nach einem Drittel nimmt das Ganze ordentlich an Fahrt auf, der Plot ist mega spannend, u. ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Auf jeden Fall gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 20.05.2023

Mein bisheriges Jahreshighlight - nicht mehr und nicht weniger

So weit der Fluss uns trägt
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Zugegebenermaßen waren meine Erwartungen recht hoch an dieses Buch, wurde doch bereits mit Vorschusslorbeeren bei der Marketingkampagne gearbeitet, Ähnlichkeiten mit dem "Gesang der Flusskrebse " sollte ...

Zugegebenermaßen waren meine Erwartungen recht hoch an dieses Buch, wurde doch bereits mit Vorschusslorbeeren bei der Marketingkampagne gearbeitet, Ähnlichkeiten mit dem "Gesang der Flusskrebse " sollte es geben. Oftmals geht so etwas ja nach hinten los, doch war dies hier Gott sei Dank nicht so, ganz im Gegenteil! Meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen, ja ich würde sagen, der Debütroman "So weit der Fluss uns trägt" von Shelley Read ist tatsächlich mein bisheriges Jahreshighlight! Lange ist mir keine Geschichte mehr so ans Herz gegangen, hat mich eine Protagonistin derart berührt wie Victoria Nash, in den Tagen ihrer Jugend bis zum großen Wendepunkt in ihrem Leben Torie genannt. Das Mädchen, das im Mittelpunkt des Buches steht, muss schnell erwachsen werden, muss die Pflichten der früh verstorbenen Mutter übernehmen. Als einziges weibliches Familienmitglied sorgt sie für die Brüder und den Vater, kocht, putzt und wäscht. Doch keiner kümmert sich um Torie, sie wächst fast unbemerkt auf. Als sie 17 Jahre alt ist, kommt ein junger Außenseiter in ihre Gegend in Colorado. Wilson Moon, geheimnisvoller Halbblutindianer treibt sich im Ort rum. Torie und Wilson verlieben sich, und das Drama nimmt seinen Lauf. Viel mehr will ich nicht verraten, um nicht zu spoilern. Shelley Reads Buch lässt sich für mich recht schwer einem bestimmtes Genre zuordnen. Die Autorin bedient so vieles, zum einen besticht der Roman durch einzigartige Naturschilderungen, die ihresgleichen suchen, dann ist es natürlich eine Liebesgeschichte, stellenweise ein bisschen Krimi, ein Familiendrama. Der flüssige angenehme Schreibstil ist sehr oft geradezu poetisch, entwickelte für mich eine Soghaftigkeit, ich bin nur so durch die Seiten geflogen, konnte das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen. Bis zum Ende habe ich gefiebert, wie sich Tories Schicksal entwickelt, Shelley Read hat das Ganze zu einem grandiosen Finale gebracht, ich empfehle zur Lektüre auf jeden Fall ein Paket Taschentücher bereit zu legen! Wie bereits Eingangs erwähnt, für mich ist "So weit der Fluss uns trägt" mein bisheriges Jahreshighlight, eine absolutes Leseempfehlung empfiehlt sich da von selbst! Ich hoffe, so sehr, dass wir recht bald wieder etwas von der Autorin zu lesen bekommen!

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