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Veröffentlicht am 11.02.2026

»Seis drum. Nun, da die Freiheit rief, würde er nicht Nein sagen.«

Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit
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»Seis drum. Nun, da die Freiheit rief, würde er nicht Nein sagen.«

Alles beginnt damit, dass Seft – vom Beruf Feuersteinhauer – bei der Sommersonnenwende Neen, die der Gemeinschaft der Hirten angehört, ...

»Seis drum. Nun, da die Freiheit rief, würde er nicht Nein sagen.«

Alles beginnt damit, dass Seft – vom Beruf Feuersteinhauer – bei der Sommersonnenwende Neen, die der Gemeinschaft der Hirten angehört, wiedersehen möchte. Er begreift, dass andere Familien im Umgang miteinander liebevoll sein können, nicht so wie sein machtgieriger und aggressiver Vater sowie seine Brüder. Er träumt von einem Leben mit ihr und beschließt, als er während des Marktes von seinem Vater übel zugerichtet wird, seine Familie zu verlassen.
Joia, Neens kleine, anfangs unscheinbare Schwester, belauscht die Priesterinnen am Monument und wird von eben diesen erwischt. Daraufhin erwartet sie jedoch keine Strafe, sondern sie wird in das Geheimnis des Zählens eingeweiht und beschließt, selbst Priesterin zu werden. Nachdem das Monument aus Holz zerstört wurde, nimmt in ihr die Vision Gestalt an, dieses, mithilfe von Seft, aus riesigen Steinen nachzubauen, damit es von nun an unzerstörbar sei. Ein Projekt, das so gut wie unmöglich erscheint.
Im Laufe des Romans begegnen wir den Verstrickungen der Völker der Hirten, der Bauern sowie des Waldes. Diese werden hinsichtlich ihres Zusammenlebens, Rivalitäten und Freundschaften detailreich beschrieben. Auch die Liebe kommt dabei nicht zu kurz, die in vielerlei Hinsicht einen großen Stellenwert in diesem Roman einnimmt.

Wie bei jedem umfangreichen Buch, bin ich anfangs skeptisch, ob mich die Story abholen kann. Doch auch diesmal hat Ken Follett es wieder geschafft. Da ich dieses Buch fast überwiegend auf Bus- oder Zugfahrten las, wünschte ich mir jedes Mal, dass die Fahrt noch länger dauern würde. Einfach, weil man schon nach kürzester Zeit wieder mitten im Geschehen gefangen war und trotz im Laufe des Buchs verlagernder Perspektiven immer mit einzelnen Figuren mitgefühlt und mitgelitten hat.
Ausschließlich das titelgebende Thema Stonehenge hätte noch etwas mehr Raum einnehmen können und wurde zwischenzeitlich eher nebensächlich.

Wer mal wieder Lust hat, sich in einem dicken historischen Roman zu verlieren, liegt hiermit komplett richtig!

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Ein neuer Blick auf Kästners Epigramme!

Sprüche und Widersprüche
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»STIMME VON DER GALERIE

Die Welt ist ein Theaterstück.
Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben.
Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt
Glück!
Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, ...

»STIMME VON DER GALERIE

Die Welt ist ein Theaterstück.
Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben.
Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt
Glück!
Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, die bloß zuschaun,
geben.
Und wenn das Stück mißfällt, so laßt mich
schließen,
ist das noch längst kein Grund, aufs Publikum
zu schießen.«

Die hier in diesem Band „Sprüche und Widersprüche“ versammelten Epigramme von Erich Kästner sind nicht neu. Manche wurden bereits 1936 in „Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke“ veröffentlicht, die meisten 1950 unter dem prägnanten Titel „Kurz und bündig“ gesammelt herausgeben und einige erstmals ein knappes halbes Jahrhundert später in der Gesamtausgabe.
Dabei hätten sie bereits 1943 erscheinen sollen!

Doch auch wenn die Texte manch einem bereits bekannt erscheinen, sind sie es nicht unbedingt. Schließlich wurden der Wortlaut einzelner Verse sowie die Titel von Kästner nachträglich teilweise umgeändert und finden sich nun hier erstmals in ihrer ursprünglichen, von ihm brillant camouflierten Fassung.

1943 wurde Kästner ein wiederholtes und verschärftes Schreibverbot auferlegt und an die Veröffentlichung dieser Epigramme war nun nicht mehr zu denken. Gefährlich genug war es, sie verfasst zu haben und die drohende Gefahr, dass dieses Manuskript in falsche Hände geraten könnte. Schließlich wirken diese Texte auf dem ersten Blick – besonders aus heutiger Sicht – gar nicht so kritisierend gegenüber dem damaligen Regime. Betrachtet man diese jedoch genauer im Hinblick des 1943 vorherrschenden Zweiten Weltkriegs und der Herrschaft der Nationalsozialisten, liest sich jedes einzelne dieser Epigramme ganz anders und bekommt eine tiefere, weitaus bedrückendere Bedeutung. Inwiefern diese Texte kritisierend geschrieben wurden und auch gedeutet werden können, zeigt der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering aufs Eindrücklichste in seinem etwa zwanzig Seiten umfassenden Nachwort.

Dieses kleine Büchlein bietet einen ganz neuen Blick auf diese Epigramme sowie Kästner allgemein und ist für jeden Fan ein Muss!

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Veröffentlicht am 03.02.2026

»Erwachsene sind manchmal nicht so klug, wie sie glauben.«

Alexander
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»Erwachsene sind manchmal nicht so klug, wie sie glauben.«

In Alexanders Heimatstadt Kaliste herrscht ein unerbittlicher Tyrann. Sein Vater musste bereits in den Krieg ziehen und ihm wurde sein Leben ...

»Erwachsene sind manchmal nicht so klug, wie sie glauben.«

In Alexanders Heimatstadt Kaliste herrscht ein unerbittlicher Tyrann. Sein Vater musste bereits in den Krieg ziehen und ihm wurde sein Leben genommen.
Nachdem dieser Tyrann besiegt wurde, möchte das benachbarte Reich versichert bekommen, dass so eine Herrschaft nie mehr passieren wird. Daraufhin entscheiden sich die Bewohner*innen Kalistes dafür, dass jemand sämtlich geltende Rechte für alle Menschen herausfindet. Dieser jemand soll ein Kind sein, da nur Kinder gerechte unvoreingenommene Gesetze bestimmen könnten. Als Alexander als einziges Kind das dafür qualifizierende Rätsel lösen kann, macht er sich auf den Weg. Innerhalb von sieben Tagen trifft er die verschiedensten Leute, die er nach ihrem jeweils wichtigstem Gesetz befragt und sich so den Grundzügen unserer Demokratie nähert.

Ein Kinderbuch von Ferdinand von Schirach, das Kindern Demokratie erklärt?
Als ich zum ersten Mal von diesem Buch hörte, war ich neugierig und zugleich sehr gespannt auf dessen inhaltliche Umsetzung sowie die Illustrationen des Autors.

Dieses Buch liest man als Erwachsener schnell durch und eignet sich für Kinder sowohl zum selbstständigen Lesen als auch zum Vorlesen, da es nicht nur eine schöne Geschichte, sondern noch viel mehr eine philosophische Reise zum Nachdenken ist.
Besonders eindrücklich fand ich, dass in diesem Text die Dinge – auch wenn Kinder die Zielgruppe sind – nicht verschönert wurden, z.B. dass Alexanders Vater sein Leben nicht verlor, sondern es ihm genommen wurde, weil er als Soldat in den Krieg ziehen musste, obwohl er seit jeher für ein friedliches Miteinander war.

Wie erklärt man nun Kindern Demokratie?
Mit diesem Buch wird einem gut geholfen, die wichtigsten Prinzipien und Rechte zu veranschaulichen und zu erklären.
Eine Umsetzung, die mich sehr begeistert und immer wieder an „Der kleine Prinz“ erinnert hat!

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Ein Buch, das alle gelesen haben sollten!

Rettet die Kindheit
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»Kindern schadet es, wenn sie nicht spielen. Doch die Kinder von heute haben keine Zeit mehr. Als wir ihr Leben mit digitalen Geräten gefüllt haben, haben wir ihnen gleichzeitig den Raum für das Wichtigste ...

»Kindern schadet es, wenn sie nicht spielen. Doch die Kinder von heute haben keine Zeit mehr. Als wir ihr Leben mit digitalen Geräten gefüllt haben, haben wir ihnen gleichzeitig den Raum für das Wichtigste genommen, was Kinder machen sollten: ihre eigene Ausdrucksform finden, ihre eigene Sprache.«

Alles beginnt mit Michael Endes „Momo“. Eine Konstante, die sich durch das ganze Buch zieht, denn dieser Text handelt – wie bekannt – von der Zeit, die auch uns abhandengekommen ist.
Heute ist Zeit immer Mangelware.
„Ich muss nur mal kurz…“ Wer kennt ihn nicht, von sich selbst oder von anderen? Diesen kleinen harmlos daherkommenden Satz, der doch den Teufelkreis erneut ankurbelt.

Maja Lunde präsentiert mit diesem Buch kein Plädoyer, das einer alten, längst vergangen Zeit hinterher trauert, sondern einen wohl durchdachten Weckruf, dem man nicht zustimmen muss, aber unbedingt gelesen haben sollte, besonders wenn man eigene Kinder hat oder mit ihnen zusammenarbeitet.

Und auch wenn sich das Buch auf Kinder und Jugendliche beschränkt, wirkt das alles auch auf die erwachsenen Leser*innen, die sich kopfnickend vor dem Buch wiederfinden und ihr, bei nostalgischen Erinnerungen an die Kindheit, nur zustimmen können.
Denn unsere Kindheit war ebenfalls geprägt von einer gewissen Langeweile, die keine verschwendete Zeit war, sondern Kreativität und Interessen in jeglicher Hinsicht förderte sowie wirkliche, reale Kontakte.

Und wenn ich schreibe, dass sich dieses Buch wie ein Thriller oder wie ein spannender Instagram-Feed liest, von dem man nicht genug bekommt, ist das nicht übertrieben, denn es spiegelt uns gegenwärtiges Dasein auf schockierende Weise und doch ignorieren wir es gekonnt.
Täglich vier Stunden am Handy, bedeutet auf ein Leben hochgerechnet, ganze 14 Jahre! Ganz zu schweigen davon, dass viele Jugendliche weit über diesen vier Stunden liegen. Oder die Tatsache, dass Eltern Schlafproblemen ihrer Kinder mit Melatonin entgegenwirken, anstatt den wahren Auslöser – sämtliche Bildschirme – aus deren Schlafzimmern zu verbannen.

Dieses Buch ist wahrlich eine Konfrontationstherapie mit der eigenen Sucht, die wir wahrscheinlich alle haben, sich aber keiner eingestehen möchte.
Zum Abschluss der Lektüre schlägt Maja Lunde mögliche Verhaltensregeln gegen diese Bildschirmsucht vor.

Selten hat mich ein Buch so sehr zum Nach- und Umdenken angeregt! Eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.01.2026

»Jetzt ist es so weit, dachte Erich, jetzt herrscht die verkehrte Welt.«

Und ohne Tabu explodiert die Welt
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Als die beiden Freunde Erich Kästner und Erich Ohser ihre Anstellung bei der Neuen Leipziger Zeitung, aufgrund des illustrieren Gedichts „Nachtgesang eines Kammervirtuosen“, verlieren, entschließen sie ...


Als die beiden Freunde Erich Kästner und Erich Ohser ihre Anstellung bei der Neuen Leipziger Zeitung, aufgrund des illustrieren Gedichts „Nachtgesang eines Kammervirtuosen“, verlieren, entschließen sie sich nach Berlin aufzubrechen. Dort begleiten wir die drei Erichs – denn Erich Knauf zählt ebenfalls zu diesem Dreigestirn –, auf ihren Wegen, die immer wieder zueinander finden. Kästner schreibt sein erstes Kinderbuch „Emil und die Detektive“ und es wird ein voller Erfolg. Dabei und bei vielen anderen Projekten wird er von seiner neuen Sekretärin Elfriede Mechnig unterstützt. Auch sonst spielen verschiedenste Frauen, die mal kürzer oder länger auftauchen, in seinem Leben keine geringe Rolle.
Doch seine Berliner Zeit wirft schon kurz darauf seine Schatten. Die Nationalsozialisten nehmen, nicht nur im öffentlichen, kulturellen Leben, immer mehr Macht ein. Kästner wird Zeuge, wie seine Bücher verbrannt werden und alle drei Erichs wissen, dass keine leichten Zeiten auf sie zusteuern und nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihr Privatleben aufgrund politischer Äußerungen nicht mehr sicher sein werden.

Da ich Tilman Röhrigs Romanbiografie „Und morgen eine neue Welt“ über Friedrich Engels, die vor einigen Jahren erschienen ist, schon sehr mochte, war ich auf diese über Kästners Berliner Jahre sehr gespannt und wurde nicht enttäuscht.
Röhrig erzählt eindrücklich, nah am Geschehen und so, als würde man als Leserin all diese Perspektiven und Geschehnisse selbst durchleben.
Das Aufkommen der Nationalsozialisten und ihrer Ideologie sowie das Leben von Künstler
innen während dieser Zeit wirkt dabei zugleich als eindringliche Warnung.
Auch wenn die geschilderten Ereignisse hinsichtlich der drei Erichs in diesem Roman mir nicht unbekannt waren, habe ich dennoch immer wieder gehofft, ihre Schicksale würden einen anderen – besseren – Verlauf nehmen.

Bei Romanbiografien bin ich mittlerweile skeptisch, aber von dieser bin ich hellauf begeistert!

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