Ein neuer Blick auf Kästners Epigramme!
»STIMME VON DER GALERIE
Die Welt ist ein Theaterstück.
Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben.
Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt
Glück!
Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, ...
»STIMME VON DER GALERIE
Die Welt ist ein Theaterstück.
Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben.
Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt
Glück!
Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, die bloß zuschaun,
geben.
Und wenn das Stück mißfällt, so laßt mich
schließen,
ist das noch längst kein Grund, aufs Publikum
zu schießen.«
Die hier in diesem Band „Sprüche und Widersprüche“ versammelten Epigramme von Erich Kästner sind nicht neu. Manche wurden bereits 1936 in „Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke“ veröffentlicht, die meisten 1950 unter dem prägnanten Titel „Kurz und bündig“ gesammelt herausgeben und einige erstmals ein knappes halbes Jahrhundert später in der Gesamtausgabe.
Dabei hätten sie bereits 1943 erscheinen sollen!
Doch auch wenn die Texte manch einem bereits bekannt erscheinen, sind sie es nicht unbedingt. Schließlich wurden der Wortlaut einzelner Verse sowie die Titel von Kästner nachträglich teilweise umgeändert und finden sich nun hier erstmals in ihrer ursprünglichen, von ihm brillant camouflierten Fassung.
1943 wurde Kästner ein wiederholtes und verschärftes Schreibverbot auferlegt und an die Veröffentlichung dieser Epigramme war nun nicht mehr zu denken. Gefährlich genug war es, sie verfasst zu haben und die drohende Gefahr, dass dieses Manuskript in falsche Hände geraten könnte. Schließlich wirken diese Texte auf dem ersten Blick – besonders aus heutiger Sicht – gar nicht so kritisierend gegenüber dem damaligen Regime. Betrachtet man diese jedoch genauer im Hinblick des 1943 vorherrschenden Zweiten Weltkriegs und der Herrschaft der Nationalsozialisten, liest sich jedes einzelne dieser Epigramme ganz anders und bekommt eine tiefere, weitaus bedrückendere Bedeutung. Inwiefern diese Texte kritisierend geschrieben wurden und auch gedeutet werden können, zeigt der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering aufs Eindrücklichste in seinem etwa zwanzig Seiten umfassenden Nachwort.
Dieses kleine Büchlein bietet einen ganz neuen Blick auf diese Epigramme sowie Kästner allgemein und ist für jeden Fan ein Muss!