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Veröffentlicht am 24.04.2026

»Eigentlich schade, dass man seine Vorfahren nicht besuchen kann«

Lara, Viktor und der Zauberbaum – Zu allen Zeiten Abenteuer
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»Eigentlich schade, dass man seine Vorfahren nicht besuchen kann«, seufzte Lara. »Das wäre doch spannend, was die so erzählen. Von ihrer Zeit und so.«

Die beiden Geschwister Lara und Viktor sind traurig, ...

»Eigentlich schade, dass man seine Vorfahren nicht besuchen kann«, seufzte Lara. »Das wäre doch spannend, was die so erzählen. Von ihrer Zeit und so.«

Die beiden Geschwister Lara und Viktor sind traurig, dass sie nicht wie so viele ihrer Freund*innen ihre Ferien in fernen Ländern verbringen. Stattdessen müssen sie zu ihrem Großonkel! Wie langweilig. Doch schon bald stoßen sie in dessen Garten auf einen Baum, der alle ihre Urahnen abbildet und somit ein wahrhafter Stammbaum ist und nicht nur auf Papier. Sie klettern auf diesen Baum und finden für jeden ihrer Vorfahren Schilder mit deren Namen. Sobald sie eines davon drücken, reisen sie in die Vergangenheit und können ihre Vorfahren treffen. So begeben sich Lara und Viktor auf abenteuerliche Reise in das Mittelalter, zu James Cook, der eben Australien entdeckt und auf den ersten Passagierflug mit ihrer Ururgroßmutter.

Wer mich kennt, weiß, dass ich die Bücher von Oliver Pötzsch immer sehr gerne lese. Dieses hier war mein erstes Buch von ihm für Kinder.
Ich habe gleich die Gelegenheit genutzt und es in einer zweiten Klasse vorgelesen. Und was soll ich sagen? Selbst Kinder, die sich sonst von anderen Geschichten nicht wirklich begeistern lassen, lauschten gespannt und freuten sich immer, wenn ich ihnen weiter vorlas und bereits nach wenigen Seiten wussten alle, was ein Stammbaum ist.

Oliver Pötzsch beweist mit diesem Buch, wie spannend sich Geschichte – auch oder vielmehr besonders für Kinder – erzählen lässt. Durch die Lektüre – ganz egal, ob dieses Buch vor- oder selbst gelesen wird – können sich zudem in vielerlei Hinsicht Interessen (weiter-)entwickeln oder angestoßen werden. Noch dazu bietet es viel Anlass, um anschließend mit Kindern darüber zu reden und manches vertiefter zu thematisieren.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«

Das schönste aller Leben
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»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«

Ein Wechselspiel aus drei – genau genommen vier – Perspektiven, erzählt ...

»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«

Ein Wechselspiel aus drei – genau genommen vier – Perspektiven, erzählt die Geschichte einer Familie.

Heimat, als Ort des Ankommens und die Unwissenheit, wo dieser Platz wirklich zu sein scheint. In Deutschland oder Rumänien? Diese Fragen stellen sich Vio und ihre Eltern, nachdem sie aus dem rumänischen Banat nach Deutschland geflohen sind.

Wie sehr der äußere Eindruck und die Meinung fremder Leute zu wiegt, weiß Vio aus ihrer Kindheit. Nachdem ihre Tochter, nach einem Unfall, Verbrennungsnarben davonträgt, wird sie daran erinnert und gibt sich die Schuld, das schöne Gesicht ihres Kindes für immer genommen zu haben.

Etwa drei Jahrhunderte früher verlieben sich Theresia und der neue Diakon Ferdinand ineinander. Als die Keuschheitskommission davon erfährt, steht außer Frage, dass sie ihn verführt hat und dafür büßen muss.

Was macht Schönheit aus, wenn auch die positive Seite Negatives mit sich ziehen kann?
Wir lassen zu, dass andere über uns oder Menschen, die uns wichtig sind, bestimmen und sich Einfluss nehmen, der ihnen eigentlich gar nicht zusteht. Was schön ist und was nicht, bestimmen wir selbst. Dafür plädiert dieser Roman, auch wenn er noch viel mehr ist und ihr ihn deshalb schlichtweg selbst lesen müsst!

Was hatte ich erwartet?
Ehrlich gesagt etwas ganz anderes …

Was Betty Boras mit ihrem ersten Roman geschafft hat, ist keineswegs nur ein lobenswertes Debüt, sondern ein Buch, das von so vielen Themen, Schicksalen und dem Leben als Ganzes erzählt und das auf so eindringliche, bewegende und nahegehende Art, die keine simple Erzählweise, sondern ausschließlich eine komplexe, wahnsinnig gut durchdachte Sprache hervorrufen kann.
Ein Roman als Kunstwerk, der sich während des Lesens immer weiter entfaltet und welchen man mehrmals lesen muss.

„Das Schönste aller Leben“ ist – und damit lehne ich mich sicher nicht bereits zu Beginn des Jahres zu weit aus dem Fenster –, eines der besten Debüts dieses Jahres.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

»Ach ist das Leben seltsam ... «

Wenn ich eine Wolke wäre
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»Ach ist das Leben seltsam ... Ich denke immer noch, es muss ein Traum sein, besonders da alles sich so eins ins andre fuegt, – – vom Kleinsten begonnen, wie einst. Wunder.? Wunder/Zufall?«

Mascha Kaléko, ...

»Ach ist das Leben seltsam ... Ich denke immer noch, es muss ein Traum sein, besonders da alles sich so eins ins andre fuegt, – – vom Kleinsten begonnen, wie einst. Wunder.? Wunder/Zufall?«

Mascha Kaléko, die Getriebene. Verfasserin von Lyrik, die Gefühle und Wahrnehmung ohne Umschweife schildert und dadurch unzählige Menschen berührt. Immer auf der Suche, ihren Traum – als Dichterin – zu erfüllen und als das möglich schien, wurde er abrupt zunichte gemacht. Nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Lyrik-Bänden, floh sie mit ihrem zweiten Mann Chemjo Vinaver und dem gemeinsamen Sohn Evjatar – später Steven genannt – nach Amerika.
Nach siebzehn Jahren, in denen sie ihr geliebtes Deutschland nicht besucht hat, wird es 1956 Zeit, wieder mal ihre Heimat zu besuchen. Es folgt ein Jahr, das sie emotional aufleben lässt als wären diese siebzehn Jahre nie geschehen. Als könnte sie da weitermachen, wo sie vor dem Krieg aufgehört hat. Als wäre nichts passiert. In unzähligen Briefen schildert sie ihrem Mann, der in New York geblieben ist, was sich verändert hat und was sie erlebt. Mal direkt und manchmal nur zwischen den Zeilen bringt sie ihren Wunsch zum Ausdruck, wieder nach Berlin zurückzukehren, in der Hoffnung nochmal neu anfangen und an ihren Erfolg anknüpfen zu können.

Neu war für mich, neben Einblicken in das Leben Mascha Kalékos, Ernst Rowohlts Haltung während der NS-Diktatur.

Auch wenn ich Volker Weidermanns Erzählstil – leider! – oft etwas trocken und langatmig empfinde, obwohl die Themen seiner Bücher für mich gar nicht ansprechender sein könnten, hat mich dieses Buch etwa ab der Hälfte begeistert. Insbesondere das Verlorensein Kalékos innerhalb des Exils und noch viel mehr nach ihrer Reise 1956 nach Berlin – ihrem Sehnsuchtsort.

Durch dieses Buch erfährt man nicht nur von ihrem Leben – zerrissen hinsichtlich ihrer deutsch-jüdischen Identität –, sondern bekommt auch Lust, mehr von ihr zu lesen und sich ausführlicher mit ihrer Biografie zu beschäftigen. Denn ihre Lyrik wird bis heute – nicht ohne Grund und völlig zurecht – von vielen geschätzt und geliebt.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

»Wenn man Chaos im Kopf hat, neigt man dazu, das Äußere aufzuräumen. Denn auf das Äußere hat man mehr Einfluss.«

Mama & Sam
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Die Mutter der Ich-Erzählerin ist tot.
Und ihr Tod wurde zuerst gar nicht bemerkt. Schließlich war die Beziehung zwischen den beiden schon immer kompliziert.
Sie denkt wieder vermehrt an ihre Kindheit ...

Die Mutter der Ich-Erzählerin ist tot.
Und ihr Tod wurde zuerst gar nicht bemerkt. Schließlich war die Beziehung zwischen den beiden schon immer kompliziert.
Sie denkt wieder vermehrt an ihre Kindheit und findet ihre Vermutung bestätigt – da war wenig Liebe.
Umso überraschter ist sie, als den Chat ihrer Mutter mit ihrem Partner von Anfang an bis zu ihrem Tod nachliest. Sie stößt auf ernst gemeinte Liebesbekundungen und Zärtlichkeit. Etwas, was sie von ihrer Mutter nicht kannte.
Dabei hat sich das Pärchen nie getroffen. Kein Wunder, ihr Freund ist kein geringerer als Sam Heughan. Und er ist es wirklich!
Zumindest bestätigt er ihr das immer wieder, z.B. durch schlecht bearbeitete Selfies. Zuerst ist die Mutter der Protagonistin auch skeptisch, doch sie lässt sich von ihm stets überzeugen und genießt einfach das Gefühl, geliebt zu werden und das um jedem Preis.
Der Preis ist hoch.
Bereits nach einigen Nachrichten bitter der Love Scammer, um die erste von unzähligen weiteren Apple Karten, da sein Internet angeblich aufgebraucht sei.
Und sie willigt ein – immer.
Bis sie über 100.000€ und ihr Leben verloren hat.

Jede*r fragt sich, wie man eigentlich auf Love Scammer hereinfallen könnte, so auch die Ich-Erzählerin und Mutter dieses Romans. Es ist nicht so, als hätte sie ihre Mutter, als sie noch lebte, nicht gewarnt. Doch allen Warnungen zum Trotz belügt sie ihre Familie, weil sie trotz dieser extrem toxischen Beziehung glücklich war.
Die Nachrichten des angeblichen Sams sind dreist und immer wieder kommt er auf das Geld zu sprechen, gibt ihr Schuldgefühle oder zweifelt an ihrer Liebe. Und doch wirken die Nachrichten ihrer Mutter immer wieder reflektiert. Dennoch gibt sie nach und fällt erneut auf ihn rein.

Auch wenn ich anfangs skeptisch war, wie die Autorin dieses Thema umsetzen würde, fand ich es ab etwa der Hälfte des Buches sehr bedrückend und die Chat-Verläufe zwischen Mama & Sam kaum auszuhalten. Schließlich analysiert Sarah Kuttner eindrücklich, wie Love Scam funktioniert.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

»Nichts wollte ich lieber, als diese Zeit für immer zu vergessen.«

Lebensbande
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Wie geht man mit Schuld um, die man verspürt, obwohl man eigentlich nur im Sinne der Menschlichkeit gehandelt hat und den Ausgang der eigenen Tat nicht vorhersehen konnte und so auch gar nicht gewollt ...

Wie geht man mit Schuld um, die man verspürt, obwohl man eigentlich nur im Sinne der Menschlichkeit gehandelt hat und den Ausgang der eigenen Tat nicht vorhersehen konnte und so auch gar nicht gewollt hätte?

Als die zuerst namenlose ältere Frau nach der Wiedervereinigung einen Brief von ihrer Rentenversicherung bekommt, um Auskunft über die Beschäftigungsverhältnisse ihrer frühen Jahre zu erlangen, scheint nun – Jahrzehnte später – alles ans Licht zu kommen. Als Konsequenz beschließt sie, ihre eigene, wirkliche Geschichte aufzuschreiben und den Deckmantel der Lügen, unter dem sie so lange gelebt hat, abzulegen.
Zugleich ist da noch Lene, die sich in Joop de Jong verliebt. Eine Liebe die nicht sein darf. Sie wird nach Ratingen geschickt, wartet nach einigen Briefwechseln und Besuchen von Joop auf eine weitere Nachricht und lässt sich enttäuscht darüber auf einen anderen Mann ein und wird schwanger. Schon früh merkt sie, dass ihr Sohn Leo anders ist und für Vieles länger braucht. Als ihm jedoch die Diagnose des „erworbenen Schwachsinns“ diagnostiziert wird, kann sie es nicht fassen.
Durch Leo treffen die beiden Frauen aufeinander und Lene riskiert ihr Leben für das von Noras Sohn.

Damit sind die Handlungsstränge nur gewissermaßen angerissen.
Anfangs fängt der Roman noch langsam an, doch merkt man schnell, dass Nora etwas Unheilvolles bevorsteht. Ihre eigene Vergangenheit, die sie vergessen wollte und mit der sie nun doch noch einmal konfrontiert wird.
Dieser Roman erzählt von Freundschaft und Liebe in dunklen Zeiten des Hasses und der Unterdrückung, klärt über verschiedenste Geschehnisse auf und das, indem sie drei wahre Berichte von Zeitzeuginnen fiktionalisiert in ihren Roman verwebt.

Mechtild Borrmanns Romane – nicht nur dieser – erinnern an Geschehnisse, die so furchtbar sind, dass wir sie nie, niemals vergessen dürfen und genau diese Erinnerungen schafft sie mit ihren Büchern lebendig zu halten. Somit sind ihre Bücher keineswegs Unterhaltungsliteratur, sondern ein Stück Zeitgeschichte.

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