Platzhalter für Profilbild

m_curie

Lesejury Star
offline

m_curie ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit m_curie über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2025

Perfekte Reisebegleitung

Nice to meet you, Dresden!
0

Ich war gerade in Dresden unterwegs – und Nice to meet you, Dresden! war mein ständiger Begleiter. Kein klassischer Reiseführer, sondern eine charmante, persönliche Einladung, die Stadt durch die Augen ...

Ich war gerade in Dresden unterwegs – und Nice to meet you, Dresden! war mein ständiger Begleiter. Kein klassischer Reiseführer, sondern eine charmante, persönliche Einladung, die Stadt durch die Augen von Martin Brambach zu entdecken.

Was mir besonders gefallen hat: Brambach verbindet eigene Erinnerungen, kleine Anekdoten und echte Lieblingsorte mit bekannten Sehenswürdigkeiten. Das macht das Buch sehr lebendig und irgendwie auch nahbar – man hat das Gefühl, man bekommt eine Stadtführung von einem Freund, nicht von einem Tourguide.

Seine Spaziergänge durch die Altstadt, entlang der Elbe oder in die Neustadt lassen sich wunderbar nacherleben. Besonders schön fand ich, dass er mit seinem Vater – einem Architekten – Orte seiner Kindheit besucht und auch seine Leser mitnimmt. Gerade wenn man selbst vor Ort ist, gewinnen diese Erzählungen an Tiefe: Ich habe beim Lesen an manchen Stellen innegehalten, mich umgesehen – und die Stadt mit ganz neuen Augen betrachtet.

Am Ende jedes Kapitels gibt es hilfreiche Tipps und Adressen – die Mischung aus persönlichem Ton und praktischen Infos hat für mich einfach perfekt gepasst.

Nice to meet you, Dresden! ist ein liebevolles, informatives und unterhaltsames Buch, das Lust macht, die Stadt zu erkunden – egal ob man zum ersten Mal dort ist oder schon öfter war. Für mich war es genau der richtige Reisebegleiter.

Veröffentlicht am 13.06.2025

Poetisch, lebensklug und zutiefst mensclich

Das Licht in den Wellen
0

Das Licht in den Wellen ist eines dieser Bücher, das still beginnt - und dann ein ganzes Leben erzählt. Die Rahmenhandlung bildet eine Schiffsreise: Inge Martensen, fast hundert Jahre alt, fährt mit ihrer ...

Das Licht in den Wellen ist eines dieser Bücher, das still beginnt - und dann ein ganzes Leben erzählt. Die Rahmenhandlung bildet eine Schiffsreise: Inge Martensen, fast hundert Jahre alt, fährt mit ihrer Urenkelin Swantje nach New York, um dort noch einmal die Freiheitsstatue zu sehen.

Inge war als junge Frau allein in die USA ausgewandert – voller Hoffnung, aber auch mit Angst im Gepäck. Ihre Erlebnisse in der Stadt, die Begegnungen, Wendepunkte und ihr Alltag werden von der Autorin mit so viel Wärme, Tiefe und Liebe zum Detail geschildert, dass ein lebendiges Bild von New York und der jungen Auswanderin entsteht. Die Erzählung thematisiert nicht nur äußere Ereignisse, sondern auch die inneren Konflikte und Entscheidungen, die Inge im Laufe ihres Lebens treffen musste. Dabei wird deutlich, wie sehr sie diese Zeit geprägt hat – und wie weit ihre Erfahrungen in ihr späteres Leben hineinwirken.

Das Licht in den Wellen ist ein berührender Roman über eine starke Frau, die ihren eigenen Weg geht und dabei die Höhen und Tiefen des Lebens meistert. Die Mischung aus persönlichen Erinnerungen und zeitgeschichtlichem Hintergrund macht das Buch zu einer fesselnden und nachdenklich stimmenden Lektüre.

Der Schreibstil ist angenehm zurückhaltend, gleichzeitig bildhaft und feinfühlig. Es ist ein stilles Buch, das lange nachhallt. Für mich war Das Licht in den Wellen Highlight und eine ganz besondere Lektüre: poetisch, lebensklug und zutiefst menschlich.

Veröffentlicht am 13.06.2025

Wohlfühlroman

Unter den Sternen von Paris
0

"Unter den Sternen von Paris" erzählt die Geschichte von Sophia, die nach ihrer Scheidung und einem längeren Zwangsurlaub ziemlich am Boden ist. Als ihre Großmutter stirbt, reist sie nach Paris, um sich ...

"Unter den Sternen von Paris" erzählt die Geschichte von Sophia, die nach ihrer Scheidung und einem längeren Zwangsurlaub ziemlich am Boden ist. Als ihre Großmutter stirbt, reist sie nach Paris, um sich um deren Nachlass zu kümmern – und entdeckt, dass sie die kleine Bar „Le Lulu“ im Quartier Latin geerbt hat. Zunächst zögert sie, doch schnell merkt sie, dass hinter der Bar mehr steckt als nur ein Familienbetrieb: Erinnerungen, Geheimnisse und vor allem die Chance, wieder bei sich selbst anzukommen.

Karolina Schützer beschreibt Paris authentisch und mit einem Hauch Nostalgie und schafft es auf diese Weise, die Atmosphäre der Stadt so einzufangen, dass man beim Lesen fast das Gefühl hat, selbst durch die Straßen zu schlendern. Man erwartet, gleich, wennn man um die nächste Ecke biegt, auf "Le Lulu" zu stoßen. Man sieht die Seine mit den wundervollen Brücken vor sich, den Eiffelturm und die vielen kleinen, netten Cafés und Restaurants.

Diese Szenerie wird komplettiert durch die schnell entstandenen Freundschaften mit Hayley und Olivier, die Beziehung zwischen Sophia und Louis, einem alten Freund der Großmutter. Ihre Gespräche über das Leben, über verpasste Chancen und alte Gefühle verleihen dem Buch Tiefe, ohne zu kitschig zu wirken.

Dass man ein paar Wendungen kommen sieht, tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch und machen das Buch zu einem Wohlfühlroman – manchmal ist es einfach schön, von einer Geschichte mit einem guten Gefühl zurückgelassen zu werden.

Unter den Sternen von Paris ist ein warmherziger Roman über Neuanfänge, über das Festhalten an Erinnerungen und darüber, dass es manchmal einen Umweg - und eine Stadt wie Paris - braucht, um wieder bei sich selbst anzukommen.

Veröffentlicht am 13.06.2025

Leise Töne und starke Fragen

Wie du mich ansiehst
0

In "Wie du mich ansiehst" erzählt Eva Lohmann von Johanna, die mit ihrer Tochter Rosa und ihrem Mann Hendrik, der Marinekapitän ist und die Hälfte des Jahres auf See verbringt. Das Buch hat mich ehrlich ...

In "Wie du mich ansiehst" erzählt Eva Lohmann von Johanna, die mit ihrer Tochter Rosa und ihrem Mann Hendrik, der Marinekapitän ist und die Hälfte des Jahres auf See verbringt. Das Buch hat mich ehrlich überrascht. Es ist nur oberflächlich betrachtet ein Familienroman und geht noch viel tiefer. Es geht ums Älterwerden, um Schönheitsideale, um Mutter-Tochter-Beziehungen – und um die Frage, wie ehrlich wir eigentlich mit uns selbst und den Menschen um uns herum sind.

Ich mochte die Hauptfigur Johanna sehr. Ihre Unsicherheit, ihre Widersprüche, ihre Gedanken über ihr Aussehen und das Älterwerden wirkten auf mich total nachvollziehbar. Besonders der Konflikt mit ihrer Tochter, die sie immer zur Selbstakzeptanz ermutigt hat, und dann doch selbst heimlich zur Schönheitsklinik geht – das war emotional richtig stark und gut erzählt.

Der Schreibstil ist angenehm unaufgeregt, aber trotzdem klar und manchmal auch sehr direkt. Nichts wird überdramatisiert, aber vieles bleibt hängen. Ich habe beim Lesen oft genickt, weil ich mich oder Freundinnen in manchen Gedanken wiedererkannt habe.

Nicht jede Figur war mir gleich nah, und ein paar Szenen wirkten auf mich etwas konstruiert – aber insgesamt ist das ein Buch, das nachwirkt. Gerade weil es so ehrlich über Themen spricht, über die man im Alltag vielleicht nicht so offen redet.

Ich würde es vor allem Leserinnen empfehlen, die Geschichten mögen, die mitten aus dem Leben kommen – mit leisen Tönen, aber starken Fragen.

Veröffentlicht am 13.06.2025

Mehr als eine Rezeptsammlung

Aromen der Sonne - Deutscher Kochbuchpreis 2025 - Bronze
0

Ich liebe Kochbücher, die mehr sind als bloße Rezeptsammlungen – Aromen der Sonne ist genau so ein Buch. Schon beim ersten Durchblättern hatte ich das Gefühl, eine kulinarische Reise zu unternehmen. Die ...

Ich liebe Kochbücher, die mehr sind als bloße Rezeptsammlungen – Aromen der Sonne ist genau so ein Buch. Schon beim ersten Durchblättern hatte ich das Gefühl, eine kulinarische Reise zu unternehmen. Die Kombination aus orientalischen, mediterranen und nordafrikanischen Aromen hat mich total angesprochen. Ich konnte fast den Duft von gegrillten Zitronen, Kräutern und Gewürzen riechen, während ich gelesen habe.

Viele der Rezepte sind unkompliziert und gut erklärt, was mir wichtig ist, gerade wenn man mal etwas Neues ausprobieren möchte. Gleichzeitig bringt Diana Henry immer wieder Zutaten ins Spiel, die nicht alltäglich sind. Das macht schon die Zutatensuche zum Abenteuer und eröffnet neue Horizonte. An mancher Stelle reicht aber durchaus der übliche Vorratsschrank, z. B. für die Kartoffeln in Salzkruste mit Crème fraiche und jungem Knocblauch - ein Gedicht.

Die Gestaltung des Buches ist wunderschön: tolle Food-Fotografie, klare Struktur, und man merkt, wie viel Herzblut in jedem Rezept steckt. Es gibt sowohl leichte Gerichte für den Sommer als auch herzhaftere für kühlere Tage – ein echtes Ganzjahresbuch.

Aromen der Sonne ist für mich kein Kochbuch, das man nach einmaligem Kochen ins Regal stellt – ich werde sicher noch oft darin blättern, neue Gerichte ausprobieren und mich dabei immer ein bisschen wie im Urlaub fühlen.