Flucht, Vertreibung, Schuld, Schuldgefühle und Vergebung
Heimat aus Eis und AscheDer historische Roman „Heimat aus Eis und Asche“ von Annette Oppenlander beschreibt auf zwei Zeitebenen die Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1945 und fast 50 Jahre später, wie das Suchkind Lena ihre leibhaftige ...
Der historische Roman „Heimat aus Eis und Asche“ von Annette Oppenlander beschreibt auf zwei Zeitebenen die Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1945 und fast 50 Jahre später, wie das Suchkind Lena ihre leibhaftige Familie finden möchte.
Das Buch beginnt mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950 und weckte in mir Erwartungen, die meinen Ansprüchen leider nicht gerecht wurde. Auch hatte ich einen anderen Romanschwerpunkt erwartet.
Man springt sofort in die Geschichte, beginnend mit Lena (im Jahr 1993) und dann mit Ellie und ihrer Mutter Margarete (ab dem Jahr 1944) und mir haben anfänglich beide Zeitebenen sehr gut gefallen. Die Autorin schafft es sehr geschickt mit dem ständigen Perspektiv- und vor allem Zeitebenenwechsel die Spannung sehr lange zu halten. Da die Kapiteln eine angenehme Leselänge haben, wurden beide Zeitebenen bis zu einem gewissen Seitenzahl gleichmäßig weiterentwickelt. Danach befinden wir uns vor allem in der aktuellen Zeitebene und die ursprüngliche Thematik wurde stetig und für mich persönlich zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Ich persönlich hätte viel mehr von Ellie (aus der Vergangenheit) erfahren wollen.
Mich haben die Passagen aus der Vergangenheit im Buch emotional sehr berührt und ich fühlte mich immer mittendrin in der Geschichte, in den Dialogen und den Handlungen. Ich spürte beim Lesen direkt die eisige Kälte, die Unsicherheit, die Angst und die Hoffnungslosigkeit der Flüchtlinge. Ich habe vor allem mit Ellie mitgelitten, die schuldlos ihre Tochter Lenchen bei der Flucht verloren hat.
Die aktuelle Zeitebene um Lena nimmt die „Schwere“ der ersten Zeitebene und hat mir bis zu einer gewissen Seitenzahl ganz gut gefallen. Da es meines Erachtens immer mehr ins Kitschige abrutschte, war ich am Ende etwas enttäuscht.
Manche Szenen hätten ausführlicher beschrieben werden können und manche Nebenstränge fand ich eher überflüssig, da sie meiner Meinung nach die Thematik nicht weiterentwickelten.
Mir hat die bildhafte Sprache der Autorin sehr gut gefallen. 'Ein unsichtbarer Stachel, der nie gezogen worden war und deren Wunde nie heilte' (S. 129).
Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen. Das Buch ist durchgehend sehr gut strukturiert.
Es gibt noch ein Nachwort mit interessanten historischen Informationen.
Ich rate dem Lektorat noch einmal sehr kritisch den Roman auf grammatikalische und sonstige Schreibfehler durchzulesen.
Fazit:
Für die historische Zeitebene vergebe ich 4 Sterne, für die aktuelle Zeitebene 2,5 Sterne; dann ziehe ich noch etwas aufgrund der vielen Schreibfehler ab, so dass es insgesamt noch gnädige 3 Sterne werden.
Es ist ein Buch für Leser, die sich an einem kitschigen Happy-End nicht stören