Reality versprochen, Versprechen gebrochen
Fever DreamNachdem die letzten Jahre von so vielen Elsie Silver-Büchern begleitet waren, war doch absolut logisch, dass ich bei der neuen Reihe „Emerald Lake“ mit dem Auftakt „Fever Dream“ am Start sein würde. Es ...
Nachdem die letzten Jahre von so vielen Elsie Silver-Büchern begleitet waren, war doch absolut logisch, dass ich bei der neuen Reihe „Emerald Lake“ mit dem Auftakt „Fever Dream“ am Start sein würde. Es ist auch mega, dass sie zeitgleich mit der Originalversion erscheint. Auch wenn ich auf Englisch lesen könnte, aber es ist wie bei Serien oder Filmen, es ist schon cool, wenn alle zeitgleich ins Vergnügen kommen, gerade in Zeiten von fiesen Spoilern dank Social Media.
Ich hatte vorab bei Lyx ein Interview mit Silver gelesen und als ich die Autorin dort „UnREAL“ erwähnen sah, da war ich erst recht richtig gespannt. Aber ehrlich: Ich hätte das Buch ohne dieses Wissen gelesen, denn auch wenn ich wohl nie ein Fan von Silvers Stil bei den intimen Szenen werden, aber alles drum herum ist immer so fürs Herz, gerade auch weil alle Reihen irgendwie miteinander verwoben sind. Emmett Bush bzw. Brandt ist wie Theo Silva aus der Welt der Bullenreiter und wir haben mit Julia auch gleich dessen Schwester als weibliche Protagonistin. Ich konnte gut damit leben, dass Silver uns nicht noch eine Bullenreiter-Geschichte gegeben hat. Es gab natürlich ein paar Ausflüge, aber das Thema ist in der gemeinsamen Geschichte von Theo und Winter deutlich prominenter gewesen und es gehört auch zu ihnen, weswegen eine billige Kopie wahrlich nicht der richtige Schritt gewesen wäre.
Deswegen war für mich schnell klar, dass „Fever Dream“ sich mit dem Reality-Format seine Nische sucht. Aber leider, leider, das hat Silver für mich einfach nicht so gut rübergebracht. Und weil ich mich am meisten darauf gefreut habe und dann eher enttäuscht war, habe ich doch gemerkt, dass ein gewisser Schatten über dem Lesen lag. Also erkläre ich erstmal ausführlich, warum es mich nicht überzeugen konnte. Unabhängig von der tollen Serie „UnREAL“ waren die letzten Jahre von einigen großen Skandalen begleitet, die die Reality-Welt betreffen. Man muss in den Welten nicht zuhause sein, ich kenne auch wahrlich nicht alle Formate, in denen es hochkocht, aber ich schaue auch gerne meinen Anteil an Reality-Formaten. Also habe ich ein gewisses Gespür für die Welt und ich finde, dass die Autorin viel zu viel Potenzial liegen gelassen hat. Nach Beendigung von „Fever Dream“ hatte ich den einen zentralen Gedanken, dass ich Julia lieber nicht als Location Managerin sondern als Kandidatin des „Bachelor“-Verschnitts erlebt hätte. Mit ihrer Rolle war nämlich alles so ernst. Natürlich hat sie ihren Job großartig gemacht, aber sie war eigentlich in die Produktion nicht entscheidend eingebunden und so stand es in einigen Szenen dann ja auch immer wieder, dass sie sich am Set aufhalten wollte, aber nicht musste.
Mit der Rolle des Produzenten und den eingestreuten Memos haben wir sicherlich Aspekte gehabt, die die kritische Seite von Reality beleuchten, aber ich fand Dick Wad einfach auch zu klischeehaft und zu vorhersehbar, um diese Teile fühlen zu können. Letztlich haben wir dann auch von dem klassischen Reality-Format nur wenig mitbekommen, denn Emmett hatte auf nichts Lust. Das hat natürlich seine Verbindung zu Julia gestärkt, aber ich fand es so schade, dass wir da nicht mehr erreichen konnte. Wenn Julia wie gesagt Kandidatin gewesen wäre, das Buch wäre unweigerlich besser geworden, da bin ich fest von überzeugt. Unterm Strich passierte die Action neben dem Reality-Format und das hatte ich mir einfach sehr, sehr anders ausgemalt.
Durch diesen riesigen Kritikpunkt ist es dann schon so, dass die Liebesgeschichte mich nicht umgehauen hat. Ich fand sie keinesfalls schlecht und ich kann auch zu den Figuren nichts Schlechtes sagen, aber es kam einfach nicht das auf, was ich von anderen Liebespaaren von Silver kenne. Trotzdem macht die eingeführte Welt schon richtig Lust auf mehr. Sicherlich finden noch die anderen Brandt-Geschwister ihr Happyend, sodass wir auf der Ranch verweilen werden. Da ist mit den Großeltern schon ein süßes Vorbildpärchen parat, aber auch die drei Halbgeschwister von Emmett haben mich schon neugierig gemacht. Da werden auch sehr unterschiedliche Geschichten erzählt werden können, was immer gut ist. Da so wenig Reality im Vordergrund stand, ist das Heimische der Brandt-Familie schon gut rübergekommen. Die komplexe Familiensituation hat auch schon für emotionale Momente gesorgt. Natürlich war die Einbindung von Theo, Winter und der Silva-Mama auch ein großes Highlight. Da merkt man dann wieder ganz deutlich, dass Silver ein Händchen für familiäre Bande hat, in die man immer gerne wieder zurückkehrt.
Fazit: „Fever Dream“ wollte mir Reality-Portion geben und hat die Aufgabe für mich leider nicht erfüllt. Es war so eine coole Idee, aber die Umsetzung war mir einfach zu lahm, gerade angesichts des Potenzials, was mir vorab schon in den Sinn kam. Dadurch hat die Liebesgeschichte auch nicht strahlen können. Aber übertrieben enttäuscht bin ich nicht, denn ich habe schon die Lust auf die anderen Bände geweckt bekommen, denn das kann Silver immer: direkt ein heimisches und verheißungsvolles Gefühl zu erzeugen.