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Veröffentlicht am 27.07.2026

Abschied von Charlie & Nick

Heartstopper Volume 6 (deutsche Hardcover-Ausgabe)
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Während der Abschlussfilm zu „Heartstopper“ auf Netflix am 17. Juli veröffentlicht wurde, wurde zum Glück zeitnah auch mit der abschließenden Graphic Novel nach Alice Oseman eine Woche später auf dem deutschen ...

Während der Abschlussfilm zu „Heartstopper“ auf Netflix am 17. Juli veröffentlicht wurde, wurde zum Glück zeitnah auch mit der abschließenden Graphic Novel nach Alice Oseman eine Woche später auf dem deutschen Buchmarkt nachgelegt. Dementsprechend habe ich beides sehr nah aneinander genießen können und es ist beides absolut würdig zu einem Ende geführt worden.

In einem kurzen Absatz will ich loben, dass Oseman, die für den Film auch das Drehbuch geschrieben hat, beiden Medien treu geblieben ist. So finden sich viele übereinstimmende Szenen, aber es gibt auch genug, was die jeweilige Tradition fortführt und da bin ich doch sehr dankbar, dass die Autorin immer im Kopf behalten hat, dass es zwei Welten sind, teilweise auch mit sich unterscheidenden Fanbases, dementsprechend ist die Separation schon wichtig.

Die Unterscheidung hat dann zur Folge, dass Volume 6 von „Heartstopper“ sich deutlich leichter anfühlt als der Film und vor allem wenn man bedenkt, welche Themen wie intensiv in den Volumes davor angesprochen wurden. Trotzdem behält Oseman im Auge, dass Charlie und Nick noch jeweils große Herausforderungen zu meistern haben. Aber es war schön zu sehen, wie sich die Dynamik im Paar auch gewandelt hat. Charlie hat zwar noch Rückschläge mit seiner mentalen Gesundheit, aber er findet Kraft darin, sich für andere einzusetzen, die eine ähnliche Kindheit/Jugend wie er haben. Nick wiederum wird erdrückt von Entscheidungen, die seine Zukunft betreffen, was für die Zielgruppe ein wirklich sehr passendes Thema ist. Gleichzeitig wird bei ihm ausgearbeitet, warum er ist, wie er ist und welche Gedankenspiralen er überwinden muss. Das sorgt natürlich für Konflikte zwischen dem Paar, weil Nick lieber für sich Antworten finden würde, während Charlie darauf beharrt, dass er seine Last mit schultern will. Die Rollen vertauscht zu sehen, sorgt für ein angenehmes Gleichgewicht und es wird auch gut unterstrichen, wie die Lektionen für Nick ihn auch für die Freundesgruppe öffnet.

Besonders toll war natürlich auch, dass Volume 6 eine Hommage an so viele wichtige Meilensteine aus den ersten Ausgaben ist. Wir finden viele Szenen, die uns bekannt vorkommen und über die Charlie und Nick reflektieren können. Man merkt auch, wie viel abgeschlossen werden soll. Auch wenn wir am Ende alle in eine ungewisse Zukunft gehen lassen, aber es fühlte sich dennoch an, als ob die Familienkonflikte, aber auch die Fragezeichen innerhalb der Clique einen Punkt erreicht haben, an dem zwar nicht alles, aber das richtige gesagt ist. Die Graphic Novels lebten nie so sehr von den anderen Beziehungen, dementsprechend habe ich hier nicht viel vermisst, aber ich fand es gut, dass Darcys Geschichte auch nochmal aktualisiert wurde.

Ich fand auch die ganze Gestaltung wieder sehr gut, weil Oseman mit wenig immer so viel aussagen kann. Bei ausgeschriebenen Romanen würde ich immer argumentieren, dass sie mehr beinhalten als jede mögliche Adoption, aber bei Graphic Novels wird das schon komplexer. Aber Oseman (und dann auch die Übersetzung) findet immer einen Weg, um genau auf den Punkt die Gefühle zu offenbaren. Dann verfolgen wir zwar keinen Gedankenfluss, aber es ist dennoch einnehmend, bei welchen Konflikten wir gerade Zeugen werden. Und gerade der Zusammenhalt von allen, obwohl die Zukunft die als Gruppe herausfordern wird, war sehr berührend, bis ganz zum Ende.

Fazit: Alice Oseman wird schweren Herzens das Kapitel „Heartstopper“ abgeschlossen haben, aber sie hat das abgeliefert, was wir uns wohl alle gewünscht haben. Volume 6 steckt voller Easter Eggs an die glorreiche Vergangenheit und erzählt dennoch noch ein neues Kapitel, bei dem die Rollen von Charlie und Nick diesmal vertauscht sind. Am Ende lasse ich alles gerne gehen, weil man schließlich aufhören soll, wenn es am schönsten ist.

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Veröffentlicht am 27.07.2026

Karlas Happyend

Wie das Schweigen vor der Flut
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Ich lese die Bücher von Brittainy Cherry wirklich gerne, aber sie hat doch oft sehr ähnliche Strukturen, weswegen es mir bei ihr extrem schwer fällt, die einzelnen Paare einem Titel zuzuordnen oder dann ...

Ich lese die Bücher von Brittainy Cherry wirklich gerne, aber sie hat doch oft sehr ähnliche Strukturen, weswegen es mir bei ihr extrem schwer fällt, die einzelnen Paare einem Titel zuzuordnen oder dann sofort den Inhalt nacherzählen zu können. Dementsprechend hat die Ankündigung, dass „Wie die Ruhe vor dem Sturm“ fortgesetzt wird, eher Fragezeichen bei mir ausgelöst als sofortige Vorfreude. Also habe ich ein wenig in meinen Rezensionen gestöbert und dann meine eigene Einschätzung gelesen und dann kamen doch einzelne Erinnerungen hoch. Ich habe zwar keine intensiven Details ausgraben können und konnte mich beispielsweise an Ash nicht mehr erinnern, aber ich war doch nun gespannt auf Karlas Geschichte.

Wenn ich wenig Abstand zwischen zusammenhängenden Büchern habe, dann bin ich kein großer Fan davon, wenn viele wiederholende Elemente dabei sind, das ist einfach langweilig. Da aber zwischen dem ersten Band und „Wie das Schweigen vor der Flut“ bei mir so ein großer Abstand war, war es dann ein Geschenk. Ich konnte mich durch Karlas Perspektive wieder an einige Momente erinnern, aber es war eher dieser schöne Wiedererkennungseffekt, kein monotones Lesen, weil ich schon alles kannte. Das hat sich also gut zusammengefügt, zumal es auch sehr einnehmend war, nach all den Jahren in Karlas Gefühle einsteigen zu können. In dem Alter die Mutter zu verlieren, ist ein schweres Schicksal und gerade im Kontrast zu ihrer viel jüngeren Schwester wurde das sehr gut ausgearbeitet. Ich finde auch immer wieder, dass Cherry ein Händchen dafür hat, dass sie einen Unterschied zwischen den jugendlichen und erwachsenen Versionen erzeugt. Ich kann zwar nicht mehr beurteilen, ob Karla exakt wie eine 15-Jährige fühlt. Aber ich habe gemerkt, dass es einige junge Figur ist und gerade auch ihr Sehnen nach sozialer Integration war sehr gut nachzuvollziehen. Das Thema Mobbing war für mich teilweise schlimmer zu ertragen als ihren Trauerprozess zu verfolgen. Auch wenn es wirklich schlimmes Mobbing gibt, aber ich fand es fast ein wenig zu übertrieben dargestellt, gerade wenn es sich dann fast schlimmer anfühlt als die eigene Mutter zu verlieren.

Ash hat ebenfalls wie ein Jugendlicher gewirkt, aber er hatte im Gegensatz zu Karla mehr den Eindruck, als wäre er eine alte Seele. Es wurde gut dargestellt, dass der Tod seines jüngeren Bruders sein großer Aha-Moment war, sodass er völlig anders auf die Welt blickt und er schaut tief in alle Menschen herein. Ich habe Ash sehr gemocht und fand ihn als Ausgleich zu Karla sehr gelungen. Trotzdem hatte auch er seine Momente, wo er einfach ein Kind ist, das in die Arme genommen werden müsste. Ich fand die Annäherungen der beiden sehr, sehr gut gemacht. Es war süß und es war so angenehm, dass es nicht gleich intim aufgeladen war. Stattdessen war es sehr angemessen für das Alter und vor allem für die Situation, dass die beiden ganz andere Sorgen haben und einfach jeweils jemanden brauchten, der sie verstehen kann und der mit ihnen die Herausforderungen des Lebens angeht. In all dem waren die Stärken des ersten Buchs dann auch clever eingebaut, denn Eleanor als Kindermädchen, die tollen Momente kamen wieder durch, aber auch die Wiederannäherung von Karla und ihrem Vater war nochmal schön mitzuverfolgen.

Für mich hatte die Geschichte dann einen Bruch, bevor wir den Zeitsprung erreichen. Ich fand das neuerliche Schicksal für Ash einfach zu viel und ich fand dann auch seine Reaktion, hmm, unnötig. Da war mir einfach zu deutlich zu merken, dass Cherry hier einen Grund für einen Zeitsprung brauchte. Vielleicht hätte ihr da noch etwas anderes einfallen können. Trotzdem war danach deutlich zu erkennen, wir sehr Karla und Ash jeweils gereift sind. Es war schön zu sehen, wie weit Karla gekommen ist, wie sie ihren Weg gemacht hat und durch sie auch zu erleben, wie es ihren Eltern seitdem ergangen ist. Bei Ash war es natürlich auch schön, dass er wieder Freude am Leben gefunden hat, aber ich fand es trotzdem schwierig, ihn noch so unbelastet wie vor dem Zeitsprung wahrzunehmen. Trotzdem ist es Cherry gelungen, dass ich die neue Annäherung der beiden fühlen konnte. Karla hat sich zurecht erst gesperrt, aber durch den Blick anderer auf Ash konnte sie sich wieder öffnen und gerade eine Szene war auch extrem lustig, zumal sie Dynamik der beiden als Paar auch mal umgekehrt hat, was eine schöne Abwechslung war. So habe ich das typische Happyend dann auch richtig genießen können.

Fazit: Es hat sich in jedem Fall gelohnt, dass Brittainy Cherry nach all den Jahren mit „Wie das Schweigen vor der Flut“ Karlas Geschichte nachgelegt hat. Sie passte stilistisch sehr gut zum Vorgänger „Wie die Ruhe vor dem Sturm“ und hat auch vieles ergänzt, um dann eine ganz neue Geschichte zu erzählen. Es war thematisch zwar sehr schwer und der Trennungsgrund war mir zu künstlich forciert, aber alles in allem habe ich das bekommen, was ich von Cherry immer wieder gerne bekomme.

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Veröffentlicht am 14.07.2026

Das war John Logan?!

The Mistake – Niemand ist perfekt
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Die „Off Campus“-Adaption von Prime Video ist wirklich sehr gut angekommen und das auch bei mir, der Hype war hier wirklich zurecht gegeben. Die Vorlage habe ich aber nicht gelesen. Dafür habe ich ein ...

Die „Off Campus“-Adaption von Prime Video ist wirklich sehr gut angekommen und das auch bei mir, der Hype war hier wirklich zurecht gegeben. Die Vorlage habe ich aber nicht gelesen. Dafür habe ich ein anderes Buch von Elle Kennedy gelesen, was mir einfach nicht so zugesagt hat, dementsprechend habe ich dadurch der Autorin wohl abgeschworen. Aber nach Staffel 1 kribbelt es jetzt natürlich doch. Da ich vielfach gelesen habe, dass die Serie gewisse Schwächen der Buchreihe ausmerzt, habe ich mir gedacht, von „The Deal“ lasse ich die Finger und lasse es als Serie perfekt stehen, aber die anderen Bände werde ich nun mir zu Gemüte fügen und so geht es los mit „The Mistake“ (wenn es wohl auch erst Staffel 3 werden wird).

„The Mistake“ hatte ich als Hörbuch, so wurde ich mit der Stimme von Sarah Dorsel durch die Geschichte geschickt. Das Hörbuch ist schon drei Jahre alt, aber das ist ja eigentlich keine Welt. Zum Glück gibt es im Romance-Genre eigentlich immer zwei Sprecher, wenn es beide Perspektiven gibt, das ist hier leider nicht der Fall. Auch wenn man der Sprecherin angemerkt hat, dass sie bemüht war, Logans Kapiteln mehr stimmliche Tiefe zu geben, aber es war doch eine Frauenstimme und so war das immer etwas irritierend. Es wird zu Anfang immer der Charakter angesagt, das war auf jeden Fall wichtig, aber alleine aufgrund der fehlenden männlichen Stimme wird dieses Hörbuch nicht als Highlight einzustufen sein.

Aber es ist es leider auch inhaltlich nicht. Ich kann leider hypothetisch nicht schlussfolgern, ob ich das Buch anders bewertet hätte, wenn ich Serien-Logan noch nicht gekannt hätte, aber für mich war dieses Buch so schwierig, weil ich den Serien-Logan zwar vor Augen hatte, ihn aber null im Buch-Logan entdeckt habe. Ich fand es in der Serie sehr gut ausgearbeitet, dass John Logan ein Gegengewicht zu Garrett und Dean ist, also viel einfühlsamer und empathischer. Aber hier im Buch habe ich diesen Unterschied nicht gemerkt. Ich fand ihn gerade im ersten Drittel auch eher unsympathisch. Vielleicht lag es auch daran, dass ihm mit Grace eine Figur an die Seite gestellt wird, die im ersten Drittel auch so unfassbar naiv wirkt. Dementsprechend mochte ich die Szenen zwischen ihnen auch nur bedingt. Ihre erste richtige Begegnung hatte etwas, auf jeden Fall, aber was sich von dort aus entwickelt hat, war mir dann zu sehr einseitig. Auch wenn Logan seine gewissen Helden-Momente hatte, aber ihm in den Kopf zu schauen, war nicht immer angenehm.

Charakterlich wurden beide aber immer besser. Gerade der Sommer-Break hat Grace unheimlich gut getan, die viel mehr für sich einsteht, die klarere Grenzen setzt, auch ihren Freunden gegenüber. Und Logan wiederum kam in die Position, richtig etwas tun zu müssen. Da habe ich dann etwas mehr erkennen können, restlos aber leider nie. Trotzdem hat Kennedy mich an manchen Stellen auch echt überraschen können, Stichwort Morris. Langweilig wurde die Lektüre so zum Glück nicht. Aber ich stimme auch anderen kritischen Stimmen zu, dass diesem Band hier die emotionale Schwere der ersten Staffel fehlt. Logans Familienleben wurde für die Serie etwas umgemodelt; im Kern ist sie aber geblieben und das ist hier auch der emotionale Anker. Aber Grace hatte für mich kaum etwas zu bieten, da fehlten mir bei ihr die Konflikte, denn so wirkt es leider zu einseitig.

Fazit: Es war auf jeden Fall richtig, jetzt zu „The Mistake“ zu greifen, um die Wartezeit auf die zweite Staffel von „Off Campus“ zu überbrücken. Zudem habe ich mir keine großen Hoffnungen gemacht und wollte nur die grundlegende Storyline mitnehmen. Aber hier war speziell schade, dass ich Logan nicht wiedererkannt habe. Umso schöner, dass ihm die Serie mehr Tiefe gibt. Dafür gab es überraschende Highlights am Buch. Als Highlight werde ich es aber sicherlich nicht verbuchen können.

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Veröffentlicht am 13.07.2026

Reife und zarte Liebesgeschichte

Mornings in Boston - The Games We Play
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Mit „The Games We Play“ findet die “Mornings in Boston”-Reihe bereits wieder ihr Ende. Während sich manche Reihen von den Veröffentlichungsdaten sehr ziehen, war hier richtig Zug drin und das war auf jeden ...

Mit „The Games We Play“ findet die “Mornings in Boston”-Reihe bereits wieder ihr Ende. Während sich manche Reihen von den Veröffentlichungsdaten sehr ziehen, war hier richtig Zug drin und das war auf jeden Fall gut. Die Reihe hat mich mit den ersten beiden Bänden nicht restlos abholen können, aber durch die Veröffentlichungsspanne war ich gerne dabei, weil so nicht viel Zeit verging und für mich alles präsent war.

Für den finalen Band, der sich um Harper und Everett dreht, hat sich Anna Lane ein bisschen Anleihen bei Alicia Sommer genommen. Das wird auch in den Dankesworten bewusst angesprochen und da auch die LA Vipers angesprochen wurden, war die Verbindung auch sehr augenscheinlich. Ich finde es ja ohnehin immer süß, wenn sich Kolleginnen dann so verstehen, dass sie sich auch eine gemeinsame fiktive Welt teilen. Jetzt ist Football hier kein extrem dominantes Thema, speziell weil Everett durch seinen Unfall gar nicht mehr spielen kann, aber durch das neu geschaffene Format geht es um Football und ich fand das gut rübergebracht. Es geht vor allem darum, in der Preseason die Zuschauer schon mit dem Team vertraut zu machen, es geht also weniger um die Leidenschaft der Spiele, sondern viel mehr Analysen, persönliche Porträts, also das, was wir durch die aktuelle WM im Fußball an allen Ecken und Kanten finden. Dieses Format im Rahmen von Mornings in Boston zu haben, war auf jeden Fall eine clevere Idee, weil es sich organisch ergeben hat. So konnten die Welten gut verschmelzen, weil eigentlich Harper und Everett nicht intuitiv in die Welt von Penelope, Scarlett und Co. gepasst haben.

Ich fand, dass für mich die Handlung zu lange brauchte, um zu starten. Die Frage, ob sich Harper überreden lässt, für das Interview-Format zu arbeiten, hat sich gezogen. Auch wenn es rüberkam, warum sich Harper so lange gewunden hat, aber gleichzeitig wäre es clevrer gewesen, sie regelrecht dort hinein zu zwingen, dann wäre die eigentliche Handlung schneller los gegangen und man hätte über den Verlauf des Buchs hinweg auch mehr Arbeitsplatz-Situationen bringen können. Denn das war für mich wieder das Problem: Es gab tolle Ansätze, gerade wenn die beiden auf dem Gelände der Kingfishers waren, aber dann gab es wieder so lange Passagen abseits davon. Gerade in diesem Band hätte ich mir dann da auch mehr gewünscht, weil Harper sowohl für ihr eigenes Projekt als auch für den Job bei der Morningsshow als kritische Stimme inszeniert wird. Das ist doch so spannend. Ich habe da auch ein wenig an den Stil von Mounia Jayawanth denken müssen, die über das fiktive Magazin Purple Cloud viel dazu abwickeln konnte. Die Plattform hat sich Anna Lane auch geschaffen, hat sie dann aber nicht konsequent genug genutzt. Dass Harper beispielsweise mit Cherry in einen wichtigen Dialog kam, super, aber warum nicht mehr. Die Welt rund um Football hat sicherlich sehr viel dazu zu bieten.

Jetzt muss ich nochmal an den Anfang springen: Dafür dass der vermeintliche Verrat an Aiden, Harpers Bruder, so viele Jahre Funkstille verursacht hat, da ging es mir zu einfach, dass sie ihm auf einmal bereit war zu glauben, dass Everett ihren Bruder nicht verpfiffen hat und dass sie gemeinsam recherchieren wollten, wer es eigentlich gewesen sein könnte. Wenn es so schnell ging, dann ist für mich die Gewichtung des Dramas nicht nachzuvollziehen. Denn angeblich waren sie als Jugendliche enge Freunde und da wäre es doch viel sinniger gewesen, wenn Harper Everett dort geglaubt hätte, als nun all die Jahre später. Das waren zusammengenommen ein paar Sachen gleich zu Anfang, die nicht ideal waren, denn man will doch gut ins Leseerlebnis starten. Dann wiederum will ich aber auch festhalten, dass sich die Geschichte danach gefangen hat. Harper und Everett haben mir als Charaktere gut gefallen. Sie hatten beide genug Ballast, aber sie sind menschlich doch immer fair geblieben. Gerade bei Everett ist es mir extrem positiv aufgefallen. Zumal er auch trotz seines Rufs bei Frauen nie als Macho inszeniert wurde. Stattdessen hat er riesigen Respekt vor Harper gehabt und ihr jede Bühne gegönnt und er hat sie auch nicht ständig bevormundet, wie es andere männliche Protagonisten gerne tun. Deswegen fand ich die Liebesgeschichte sehr auf Augenhöhe. Es war zwar keine Geschichte mit übertriebener Chemie, aber es war eine sehr innige Entwicklung, bei der man doch gemerkt hat, dass sie sich vor langer Zeit schon mal kannten und daher auch flott eine andere Basis hatten.

Ein wiederkehrendes Thema ist auch die Einbindung von älteren Figuren. Harper hat quasi zwei ältere Mitbewohnerinnen und Everett bekommt in seinem Komplex eine neue Nachbarin. Das waren jeweils sehr schöne Szenen fürs Herz. Ich komme mit älteren Menschen auch immer gut klar und ich finde, dass man aus dem Miteinander so viel ziehen kann und das wurde hier rübergebracht. Ich fand auch Harpers Familiendrama sehr einnehmend. Ich habe richtig mit ihr gelitten. Auch wenn für mich offensichtlich war, was die Auflösung mit dem Verrat war, aber das war richtig aufgebaut, dass es einen belasten konnte, weil es so authentisch gemacht war. Daher fand ich es auch super, dass Lane uns hier keine Romantisierung am Ende aufgedrückt hat. Da habe ich dann auch wieder das gesehen, was ich mir für Harpers Arbeitsstimme mehr gewünscht hätte. Anna Lane kann authentisch und echt schreiben und will es nicht immer nur rosarot. Aber das kann sie noch konsequenter gestalten.

Fazit: „The Games We Play“ startete für mich nicht ideal, weil die Schwächen des Abschlussbandes ausgerechnet dort platziert waren. Gut, dass es schon der dritte Band war, da bin ich selbstverständlich dran geblieben. Anna Lane bringt die Reihe dann auch sauber über die Ziellinie. Ich habe viele Highlights bekommen, aber insgesamt lässt sich auch sagen, das sichtbare Entwicklungspotenzial wird sich hoffentlich in kommenden Reihen richtig entfalten.

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Veröffentlicht am 09.07.2026

Hoffnungsstiftend mit realen Schicksalen

Pina fällt aus
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„Pina fällt aus“ wäre wohl nie auf meiner Leseliste gelandet, wenn ich nicht eine begeisterte Lesestimme dazu gehört hätte. Da das Buch zudem nicht viele Hörstunden hat, wollte ich doch gerne mal selbst ...

„Pina fällt aus“ wäre wohl nie auf meiner Leseliste gelandet, wenn ich nicht eine begeisterte Lesestimme dazu gehört hätte. Da das Buch zudem nicht viele Hörstunden hat, wollte ich doch gerne mal selbst eintauchen.

Das Hörbuch wird von Elisabeth Günther gelesen und das war für mich schon ein erster Aha-Effekt, weil sie auch eine sehr bekannte Synchronsprecherin ist, die schon viele Größe gesprochen hat. Als Hörbuchstimme hatte ich sie noch nicht, deswegen war es schön, so eine vertraute Stimme im Ohr zu haben. Dennoch fand ich das Hörbuch von „Pina fällt aus“ nicht ideal produziert. Wer ansonsten vor der Wahl steht, dem würde ich wohl zum gedruckten Buch oder zum Ebook raten. Auch wenn es gut gelesen war, aber die Geschichte wird aus der Perspektive vieler Figuren erzählt und die Übergänge waren oft so fließend, dass es mit nur einer Hörbuchsprecherin nicht immer einfach war. Mal kurz abdriften wird hier schnell fatal, aber auch konzentriert bei der Sache war es definitiv eine Herausforderung. Ich empfinde Hörbücher lieber als entspannt.

Kommen wir jetzt zum Inhalt und auf der Ebene hat mich „Pina fällt aus“ in jedem Fall überzeugt. Ich habe und hatte im eigenen Umfeld auch Fälle, wo ein Kind eine Behinderung hat und es viel um akute und zukünftige Sorgen geht. Daher fand ich die Situation von Pina und ihrem Sohn Leo sehr nahbar und einnehmend. Da wir am Anfang so eng am Lebensalltag von den beiden sind, waren die Sympathien schnell geweckt. Es wird deutlich, wie beschwerlich Pinas Alltag als alleinerziehende Mutter ist und gleichzeitig wird aber auch ein Eindruck erzeugt, wie eingespielt die beiden sind und wie viel Liebe füreinander existiert. Mit dem Schicksalsschlag für Pina geht dann der nächste Teil des Buchs los, denn auf einmal ist die ganze Nachbarschaft involviert, denn Leo kann sich alleine nicht versorgen, ist aufgrund seines Alters aber ein Fall im System, der nicht reinpasst und für den nichts vorgesehen ist.

Auch die dargestellten Nachbarn sind höchst unterschiedliche Figuren. Es sind sehr echte Menschen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und die alle auf ihre Art im Haus aneinander vorbei gelebt haben. Bis sie eben in die Situation kommen, dass einfach Wegschauen kaum noch möglich ist. Wir haben auch im Krankenhaus bei Pina noch Charaktere und all das läuft parallel. Wir haben dann eben die Nachbarschaft, die irgendwann alles tut, um Leo zu helfen und wir haben Pina im Krankenhaus, der eine andere Perspektive geliefert wird, sodass sie sich mehr Hilfe von außen öffnen kann. Auch wenn „Pina fällt aus“ Spannungsmomente fehlen, so überzeugt der Roman umgekehrt mit der erzeugten Botschaft. Trotz der Tragik der Situation und so mancher Lebenssituationen, die einen nachhaltig beschäftigen, hat für mich die ganze Entwicklung echt Hoffnung erzeugt. Denn das Thema war letztlich gewählte Familie und wie ein Verbund an Menschen zusammenwachsen kann und das ist das schönste an sozialen Beziehungen.

Fazit: „Pina fällt aus“ hätte mir als gedrucktes Buch wohl nochmal etwas besser gefallen, aber auch so bin ich froh, dass ich dieses Experiment gewagt habe, denn die Geschichte war sehr authentisch, nachdenklich und am Ende mit einer hoffnungsstiftenden Botschaft, die man in diesen Zeiten gut gebrauchen kann.

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