Lahmer Ausflug nach Quincy
Garnet Flats | Die Edens 3 |Im deutschen Sprachraum ist mit „Garnet Flats“ nun der dritte Band rund um die Eden-Familie erschienen und bei drei Büchern vertieft sich das Fazit, dass der Suspense-Anteil aus dem Auftakt wohl nur eine ...
Im deutschen Sprachraum ist mit „Garnet Flats“ nun der dritte Band rund um die Eden-Familie erschienen und bei drei Büchern vertieft sich das Fazit, dass der Suspense-Anteil aus dem Auftakt wohl nur eine Ausnahme war. Da Band 2 mich dennoch überzeugen konnte, war mir der gravierende Unterschied auch egal. Doch hier in „Garnet Flats“ habe ich mir dann doch manches Mal erhofft, dass wir doch wieder zurückkehren könnten, um die Geschichte mehr anreichern zu können.
Mich hat an diesem dritten Band wohl am meisten gestört, was für eine relativ absurde Geschichte sich ausgedacht wurde, um die zweite Chance für Talia und Foster erzählen zu können. Es gibt sicherlich einiges auf der Welt, was man nicht genauer durchdenken möchte, aber hier kam es für mich einfach zu dicke zusammen, vor allem vor dem Hintergrund, dass gleich mehrere Figuren sich so zum Spielball haben machen lassen, ohne aktiv mal einen Weg heraus zu suchen. Second Chance ist in der Buchbubble auch ein Trope, der nicht unbedingt zu den beliebtesten gehört. Für mich ist das eigentlich nicht so, aber das Buch hat mich sehr zweigeteilt darüber denken lassen. Anfänglich fand ich Foster echt abstoßend. Er hat keine Grenzen respektiert, er war sehr aufdringlich und stellenweise fühlte es sich an, als wolle er runterspielen, was Talia erlebt hat und dadurch fühlt. Auch wenn es natürlich Szenen geben musste, in denen die nach wie vor vorhandene Anziehung präsent wurde, aber da hätte ich mir dann Talia aktiver gewünscht, gerade wegen der Vorgeschichte.
Auch wenn ich als Leserin irgendwann genau wusste, was passiert ist, aber ich konnte auch in der Nachschau Fosters Verhalten nicht rechtfertigen. Er hätte definitiv mehr Geduld und Verständnis haben können. Gleichzeitig wird die gemeinsame Liebesgeschichte irgendwann natürlicher und gerade durch die Ergänzung um Cadence hat Foster noch andere Seiten bekommen, die ihn immer sympathischer gemacht haben. Auch sein Respekt vor der Eden-Familie hat mich berührt. Erst später kamen dann wieder Momente, wo ein Tritt nicht schlecht gewesen wäre, weil Foster echt stur und dabei auch schon mal ungerecht ist. Aber ich habe mich definitiv mehr für ihn erwärmen können, als ich das zwischendurch erwartet hätte.
Talia mochte ich eigentlich echt sehr. Ich fand ihr Gefühlsleben sehr nachvollziehbar. Ich fand ihre Präsenz in der verrückten Familie sehr ausgleichend und ich habe ihr einfach durchgängig das Beste gewünscht. Da wir schon vorher wussten, dass Talia Ärztin ist, hatte ich mir schon ausgemalt, wie man das sinnvoll einbinden kann und muss da echt sagen, dass Perry da einiges hat liegen lassen. Während Fosters Beruf sehr präsent war, haben wir bei Talia einen größeren Szenenverlauf, aber auch nicht richtig aktiv. Hätte man Talia zur Hausärztin gemacht, dann hätte man es wieder anders gestalten können, aber wir haben sie an der vordersten Front im Krankenhaus und da hätte ich mir einfach mehr Spannung gewünscht. Gerade weil bei Talia ein großes Thema ist, dass sie sich wegen den Einflusses ihrer Familie nicht richtig ernst genommen fühlt, hätte ich gerne mitverfolgt, wie sie sich richtig beweist. Und man hätte ja doch etwas verweben können, um Talia an die Grenzen zu treiben. So war das einfach echt verschenkt.
Zumal Band 3 für mich nach hinten raus auch kein Ausrufezeichen mehr hat. Band 1 war am Ende ein einziges wildes Spektakel und auch Band 2 hat es geschafft, einen klaren inhaltlichen Höhepunkt aufzubauen. Das war hier aber nicht. Es hätte noch spannend werden können, aber es gab nur einen kleinen Puff. Man merkt also deutlich, dass Perry sich bei dieser Reihe viele Freiheiten nimmt und das kann dann einfach nach hinten losgehen. Die gemeinsame Geschichte von Talia und Foster wird mir jedenfalls nicht bedeutend lange in Erinnerung bleiben.
Fazit: „Garnet Flats“ erführt uns bereits zum dritten Mal nach Quincy, doch diesmal war der Ausflug nicht so schön oder spannend wie zuvor. Der Aufbau der Second Chance-Romance war doch arg übertrieben und hat der Figurenzeichnung nicht gut getan. Es geht zwar danach aufwärts, aber am Ende wird es kaum spannend. Also ein durchschnittlicher Eden-Ausflug.