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Veröffentlicht am 06.05.2025

Gut, mehr wäre aber drin gewesen

Eternal Ending
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Bei Merit Niemeitz weiß ich eine Sache immer zu schätzen: Sie wird mich immer mit ihrer Sprache einfangen, begeistern, berühren und weich betten. Umgekehrt weiß ich aber auch, dass ihre Paarungen jeweils ...

Bei Merit Niemeitz weiß ich eine Sache immer zu schätzen: Sie wird mich immer mit ihrer Sprache einfangen, begeistern, berühren und weich betten. Umgekehrt weiß ich aber auch, dass ihre Paarungen jeweils sehr unterschiedliche Qualitäten haben. Das ist bei solchen Reihen eigentlich auch völlig normal, aber bei ihr ist es schon immer sehr augenscheinlich, wenn sofort ein Funke da ist und wenn umgekehrt das Drumherum alles stützt, während die Paarung selbst vielleicht etwas zu brav ist (alles natürlich sehr subjektiv!). Odell und Emmeline waren etwas zäher für mich, Mari und Benedict waren direkt Feuer und Explosion, so ist das manchmal einfach.

Auf Keaton war ich nun sehr gespannt. Auch wenn wir Kenna im Grunde noch weniger kannten als ihn, aber so war er trotz vieler Szenen ein Buch mit sieben Siegeln und ich wollte es einfach lösen. Ich wollte verstehen, wer Keaton ist und warum er ist, wer er ist. Mit einer solchen Erwartungshaltung an ein Buch zu gehen, kann Fluch oder Segen sein, aber ich glaube nicht, dass es meine Erwartungshaltung war, die gerade den Anfang sehr schwierig gemacht hat. Es fällt mir umgekehrt aber auch schwierig, richtig auf den Punkt zu kommen, warum ich diese Gefühle beim Einstieg hatte. Wir lernen Keaton und Kenna beide durch erste Kapitel kennen. Dabei erfahren wir auch von ihrer ersten Begegnung, aber ich weiß nicht, da kam nichts rüber. Auch wenn sie in ihrer Konsequenz viel über die spätere Entwicklung verrät, aber es war eine anstrengende Begegnung, die wir von beiden Charakteren mit viel Denken, aber wenig Dialog gefüllt bekommen. Niemeitz‘ Stil sieht immer mehr Gedankenbeschreibungen als Dialoge vor, das ist so, aber es gibt Momente, da wirkt es fast unnatürlich, das so auszusparen und das war hier definitiv der Fall.

Abseits dieser Begegnung passiert zunächst relativ wenig, denn die Kapitel werden erstmal genutzt, um Keaton und Kenna in ihren jeweiligen Lebenssituationen und Gefühlswelten vorzustellen. Bei Keaton war ich wie erwähnt sehr gespannt. So interessant viele Puzzleteile waren, aber das große Geheimnis, das enthüllt wird, ich weiß nicht, es hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Es hat für mich in die bisherige Geschichte einfach nicht gepasst. Auch wenn es damit eine Geschichte mitten aus dem Leben ist, aber ich habe bis zum Ende keinen wirklichen Frieden machen können, auch wenn es in allen Konsequenzen beleuchtet wurde und für Keaton und Kenna in ihrer gemeinsamen Geschichte Sinn ergeben hat. Zudem hat es speziell bei ihm auch dafür gesorgt, dass ich ihn einerseits total, aber dann auch wieder gar nicht verstehen konnte. Kenna umgekehrt ist aber eine Protagonistin, die mich angezogen hat. Ich fand sie von Emmeline und Mari gesehen genau in der Mitte. Ich fand ihre Geschichte sehr berührend, ich fand es sehr nachvollziehbar, warum sie ihren Beruf gewählt hat, aber dass es sie auch nicht glücklich gemacht hat, weil sie nach ganz anderen Antworten sucht. Kenna war wirklich der Herzschlag des Buchs.

Auch wenn ich Keaton ebenfalls mochte, weil er genauso echte Highlight-Momente hatte, aber er ist trotzdem eine Figur geblieben, die irgendwie tragisch ist und zu der man emotional unweigerlich etwas Abstand sucht. Dennoch haben die beiden als Paar irgendwann sehr gut funktioniert. Auch wenn ich finde, dass ein Teil der Handlung sehr an den zweiten Band erinnerte, siehe heimlicher Pakt, aber es ist dennoch eine ganz eigene Geschichte. Es ging holprig los, aber es wurde immer besser. Das ist sicherlich auch was sehr Positives, denn wenn etwas so bruchstückhaft losgeht, dann ist es echt kompliziert, den Funken irgendwann noch zu spüren. Aber das ist hier passiert, auch weil ich inmitten des ganzen Schmerzes einfach wieder Kenna hervorheben muss, die in sich so viel Vergebung trägt. Sie hat so viel getragen und sie hat mich echt begeistert. Das Gute war dann auch, dass Keaton das ab einem bestimmten Punkt nicht mehr von sich gestoßen hat. Das hat nicht sofort für ein Happy End gesorgt, aber zumindest für die Erkenntnis, dass sie nun auf einem emotionalen Level sind und begriffen haben, dass sie sich verdienen. In all dem war Niemeitz‘ Schreibstil wieder ein echtes Highlight. Wie sie all diese Sprachspiele immer findet. Für jedes Paar ist wieder was Neues dabei und das ist echt wunderschön.

Fazit: Bei „Eternal Ending“ habe ich echt gedacht, dass ich es mehr mögen würde. Alles vom Marketing vorab hat mich gereizt und gehypt. Auch wenn die Geschichte immer besser wurde und damit aus der Reihe bei mir auf Platz 2 landet, aber Keaton hatte mehr Stolperfallen als gedacht und auch die Handlung hat mich an einem Punkt etwas negativ überrascht. Aber es wurde mit beidem bewusst gearbeitet. Ich kann als Individuum nicht alles von einer Autorin lieben, aber ich respektiere es sehr, wenn dahinter ein konkreter Plan steckt, der bis zum Ende konsequent durchgeführt wird. Und Kenna war ein echter Schatz, das war genau der Ausgleich, den ich brauchte, weswegen es keine Enttäuschung ist, aber ich hätte Keaton und Kenna gerne so wie Mari und Benedict geliebt.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Qualitativ zweigeteilter Eindruck

Ashen Throne
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„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. ...

„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. Dazu war die Geschichte dicht und intensiv erzählt, sodass „Ashen Throne“ von mir sehr ersehnt wurde.

Da ich Band 1 schon als Hörbuch hatte, war es sehr passend, dass es auch bei Band 2 möglich war, denn so konnte ich wieder mit Leonie Landa und Sven Macht in die Welt von Yessa und Cassim eintauchen. Es hat mir auch erneut gut gefallen. Ich bin dieser Reihe wohl auch maßgeblich durch die Stimmen verfallen, sodass es wenig verwunderlich auch hier wieder sehr rund war. Dennoch muss ich sagen, dass „Ashen Throne“ für mich leider erst in der zweiten Hälfte inhaltlich das angeboten hat, was ich vom ersten Teil lieben gelernt habe. Zunächst bin ich aber gut in die Geschichte gestartet. Wir setzen unmittelbar am Cliffhanger aus Band 1 ein. Da auch nicht zu viel Zeit beim Hören vergangen ist, war ich sofort wieder im Geschehen drin. Zumal auch das Figurenrepertoire nicht übermäßig groß war und das World Building noch bewusst eng gehalten. Das hat es in jedem Fall erleichtert, auch ohne wiederholende Elemente sofort wieder gefesselt zu sein. Nach dem starken ersten Kapitel zum Einstieg, da hat mich die Geschichte dann aber etwas verloren. Ich hatte den Eindruck, dass alles etwas zu sehr auf der Stelle verharrte und dass es vor allem um die Vertiefung der Beziehung von Cassim und Yessa ging.

Die Liebegeschichte ist sehr wichtig für alles, auf jeden Fall, aber ich merke gerade bei Fantasy in letzter Zeit, dass es ein echter Spagat für viele Autoren ist. Wie viel soll es sein und wann ist es vielleicht zu viel? Eigentlich mochte ich das Tempo und wie viel Raum es einnimmt, bislang sehr gerne, aber die erste Hälfte von Band 2, da war es viel zu viel. Wenn ich die gesamte Handlung kenne, dann sehe ich natürlich, dass es auch auf etwas hingearbeitet hat und das in mehrfacher Hinsicht. Aber auch wenn ich immer ein Gesamtbild schätze und hinterher immer noch anders denken kann, so ist das konkrete Hörerlebnis in dem einen Moment damit nicht gleich vergessen und ich habe echt oft gedacht, wie bekloppt die beiden gerade sind. Es ging nur die ganze Zeit um Intimität und die Gefahr, was passieren könnte, aber es hat dennoch nicht interessiert.

Umgekehrt finde ich aber auch, dass die Spannungselemente, die wir in der ersten Hälfte haben, auf jeden Fall moralisch grenzwertig waren. Fantasy soll brutal, echt und schonungslos sein dürfen, auf jeden Fall! Aber gerade Romantasy, da fangen für mich schon die Einschränkungen an, zumal die Zielgruppe auch durchaus jüngere sein werden. Dementsprechend gab es zwei zusammenhängende Handlungselemente, die mich doch etwas skeptisch gemacht haben. In einem Krieg und wenn es ums Überleben geht, dann ist Moral nicht unbedingt das, auf was man gucken kann, aber ich weiß nicht, mir war es etwas zu heftig und vor allem im Nachhinein mit zu wenig Gedankengängen und Aufarbeitung.

Als wir dann aber in die zweite Hälfte gekommen sind, da passte für mich wieder viel, viel mehr und ich bin echt froh, dass sich nach den Enttäuschungen das Gefühl wieder einstellen konnte. Nachdem Cassims Geheimnis einmal heraus ist und wir vor allem die Welt von „Dragenbound“ noch einmal enorm erweitern, da gab es wieder so viel zu entdecken, da habe ich mich wieder besser mit Yessa identifizieren können und da wurde durch Cassims Perspektive auch viel besser deutlich, was er empfindet. Seine Geschichte wird überhaupt entschieden um Informationen ergänzt und somit gab es viele neue Puzzleteile, die neue Facetten ermöglichen. Damit ist dann das Potenzial für Band 3 auch wieder sehr hoch, weil man jetzt auch wirklich sieht, was der Plan sein wird und das wir an genau den Punkt kommen, den Cassim und Yessa beide beeinflusst haben und auf den sie, ohne persönliche Anwesenheit des Antagonisten, immer hingearbeitet haben.

Fazit: „Ashen Throne“ hat mich Nerven gekostet. Auch wenn es insgesamt wieder ein echtes Erlebnis war, aber ich fand die erste Hälfte echt zäh, teilweise fragwürdig und damit auch als Enttäuschung nach meiner Begeisterung für Band 1. Aber am Ball bleiben, lohnt sich auch schon mal und so war die zweite Hälfte dann wieder all das, was ich mir versprochen habe. Ich bin sehr hoffnungsvoll für einen explosiven Abschluss, aber trotzdem schade um das schwache 2.1.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Man merkt die Drehbuchautorin

How To End A Love Story
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Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, ...

Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, dass Kuang für eine kommende Emily Henry-Adaption das Drehbuch anfertigen wird. Eben diese Autorin war eine große Überraschung der letzten zwei Jahre für mich, dementsprechend klang alles wie ein Kreis, der sich schließen musste und gleichzeitig ist das Thema Hollywood, Serienproduktionen etc. immer etwas, was mich anzieht.

Aufgrund der Verbindung zu Henry habe ich bei Kuang vor allem einen sehr ähnlichen Stil vermutet, das bedeutet, eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit, ohne aber den Dramen des Lebens den Raum zu nehmen oder sie lächerlich zu machen. Dadurch war der Anfang von „How to End a Love Story“ schon ein gewisser Schock. Alles geht mit einem schweren Schicksalsschlag für unsere Protagonistin Helen los. Auch wenn da eine gehörige Portion Sarkasmus rauszulesen war, aber gleichzeitig ist es schon sehr echt und ein sehr komplizierter Start, der aber auch neugierig macht. Im Verlauf wurde dann aber auch deutlich, dass vielleicht ein gewisser übertriebener Ton anfangs Helens Schutzmechanismus auf die Welt ist, aber das verliert sich auch schnell. Danach würde ich Kuangs Stil als sehr ernst und sehr persönlich beschreiben. Aufgrund der großen Parallelen zwischen der Autorin und Helen, sowohl beruflich als auch kulturell, habe ich immer wieder gemerkt, dass es viel, viel Verarbeitung offensichtlich war. Aber keinesfalls als Abrechnung, sondern einfach als Bedürfnis, eine sehr echte Geschichte zu erzählen.

Helen ist keine Figur, die man sofort und bedingungslos ins Herz schließen kann. Ihre Ablehnung Grant gegenüber ist lange hart und sie ist sich mit ihren Unsicherheiten selbst ihr größter Feind. Umgekehrt ist er eigentlich gleich die Figur, die einem näher ist, weil er insgesamt stabiler und mehr mit sich im Einklang wirkt. Umso überraschter war ich eigentlich, dass sich dieser Eindruck durch beide angebotenen Perspektiven verändert hat. Helen ist Kuang so nah, dass man ihr auch immer näher kommt. Helen ist auch am Ende keinesfalls die Figur, bei der man weiß, es gelingt alles leicht, nein, sie wird immer alles zerdenken, aber sie ist mir einfach sehr nahe, weil ich sie verstehe. Bei Grant waren die Ansätze sehr interessant, aber ich finde, dass seine Ausgestaltung irgendwann etwas abfällt. Da merkt man schon bald, dass es mehr um Helen und sie und Grant als Paar geht, aber sein Weg wird nicht mehr so konsequent dargestellt. Das Ungleichgewicht ist für mich definitiv ein Kritikpunkt. Hätte Kuang sich nur für Helens Perspektive entschieden, es wäre gar nicht so aufgefallen.

Auch wenn die Handlung schon mal von übertreibenden Momenten geprägt ist, aber wie gesagt, Humor war nicht mehr das Erste, an was ich bei dieser Geschichte denken musste. Der Kampf in Hollywood, Helens persönliche Situation mit ihrer Schwester, das angespannte Verhältnis zu den Eltern, all das hat der Geschichte viel mehr Tiefe gegeben, als ich anfangs gedacht hätte. Aber ich muss auch gestehen, dass „How to End a Love Story” nicht immer überall die Konsequenz zeigt, die ich mir intuitiv gewünscht hätte. Das gilt vor allem bei der Gestaltung der Adaption von Helens Bestsellerreihe. Die Sequenzen im Writer’s Room waren vielversprechend, aber die genauen Abläufe fielen dann irgendwann ab. Die Handlung entfernte sich davon und ich habe es echt vermisst. Beispielhaft kann ich das an einem Moment aufzeigen, den ich auch nicht als wesentlichen Spoiler empfinde. Grant schreibt eine der Episoden und Helen scheut sich, das dazu gehörende Drehbuch zu lesen, weil sie etwas gespiegelt bekommen könnte. Das ist okay, aber letztlich wirkt es so, als hätte sie es nie gelesen, wobei das nicht sein kann. Da hat mir einfach eine logische Erklärung gefehlt. Da war also öfters etwas aufgebaut, was dann aber nicht erfüllt wurde. Denn die ganzen Ideen, die waren alle super.

Zuletzt will ich auch noch ein paar Worte zur Liebesgeschichte verlieren. Für mich war es ein ziemliches Auf und Ab. Erst wirkte es etwas wie Frenemies to Lovers, dann passte auch das Spielchen. Aber es löste sich dann auf, aber nicht auf eine Art, bei der ich gut mitgekommen bin. Dann gab es echt tiefe, innige Momente, dann wieder viel Tempo, ausgelassene Momente, um die beiden besser zu verstehen. Unterm Strich hat mich dennoch alles mitgerissen, aber es war keine komplett weghauende Liebesgeschichte, dafür fehlte leider etwas Chemie.

Fazit: „How to End a Love Story” ist das Debüt von Yulin Kuang als Romanautorin. Drehbücher und Romane sind einfach nicht dasselbe, das wird auch sie wissen, aber es wird sicherlich auch nicht einfach sein, diese eine Seite in sich abzustellen. Denn mein Eindruck war schon, dass es Brüche in der Handlung gibt. Man kann sich den Roman wunderbar als Film vorstellen, aber Bücher und Adaptionen sind oft sehr unterschiedlich, weil es nicht eins zu eins zu kopieren ist. Dementsprechend war es inhaltlich sehr interessant, es war überraschend ernst, mit wenigen lustigen Momenten, aber es war auch an manchen Stellen zu sehr an der Oberfläche verharrt. Jetzt bin ich gespannt auf Kuangs Adaption von „Kein Sommer ohne dich“.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Zu wenig nordische Mythologie

A Fate inked in Blood (Skaland-Saga 1)
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Als Fan von Matthias Hirst, der sich schon vielfältig mit den Wikingern und damit auch den nordischen Göttern auseinandergesetzt hat, habe ich dann mal einen genaueren Blick auf „A Fate Inked in Blood“ ...

Als Fan von Matthias Hirst, der sich schon vielfältig mit den Wikingern und damit auch den nordischen Göttern auseinandergesetzt hat, habe ich dann mal einen genaueren Blick auf „A Fate Inked in Blood“ von Danielle L. Jensen geworfen. Das Cover zog natürlich auch an, aber wenn ich zuletzt vor allem Drachen und der griechischen Mythologie begegnet bin, so schien mir etwas im hohen Norden als Abwechslung.

Ich habe den ersten Band als Hörbuch gehabt und damit hatte ich Leonie Landa im Ohr. Sie habe ich jetzt wohl mit am häufigsten gehabt und sie hat die ideale Stimmfarbe für die Altersgruppe. Alles in allem eine clevere Wahl und ich würde mit ihr nahezu alles hören. Auch wenn sie sehr ähnliche Frauenrollen zu Freya spricht, aber dennoch ist jede Figur immer für sich zu identifizieren. Doch diesmal hat Landa mit Freya eine Rolle gesprochen, die es mir leider einfach nicht angetan hat. Wir lernen sie in einer zugegeben schwierigen Situation kennen. Ihre Ehe wäre auch für mich total weit weg von einem Ideal. Dementsprechend habe ich sie zunächst auch bewundert. Dann brauchte es aber nur die erste Begegnung mit Bjorn und ich merkte direkt einen Widerstand: nicht nur gegen die Rolle, sondern auch den Schwerpunkt, den Jensen offenbar für ihre Dilogie gewählt hat. Wenn ich Fantasy lese, dann möchte ich auch in erster Linie Fantasy haben und nicht eine Liebesgeschichte, dafür greife ich zu NA. Bitte nicht falsch verstehen, ich mag Liebesgeschichten in Fantasy-Geschichten, aber keinesfalls als Schwerpunkt, denn dann brauche ich Fantasy nicht.

Genau das wurde hier aber zum Problem. Wenn schon die erste Begegnung von Freya und Bjorn rein von Oberflächlichkeiten geprägt ist, dann verrät mir das leider auch früh, dass es auch die restliche Geschichte viel Raum einnehmen wird. Und das Ergebnis war auch so. Auch wenn Jensen sich prinzipiell kein kompliziertes World Building ausgedacht hat, weil es um einige Kinder mit einem göttlichen Tropfen Blut, ansonsten aber um typische Machtkämpfe geht, hätte man es trotzdem viel größer aufziehen können. Ich weiß nicht, wie das ganze gelesen auf mich gewirkt hätte, aber speziell angesichts des Hörerlebnisses habe ich gedacht, dass es alles etwas dünn ist. Wir haben liebestrunkene Szenen, wir haben ein bisschen Kampf und wir haben Freya, die völlig ausflippt. Das ist die durchgängige Struktur der Geschichte und wiederholt sich dabei mehrfach. Auch wenn ich Bjorn von Kern her sehr interessant finde, gerade angesichts der Enthüllungen gegen Ende, aber Freya ist so dominant und dabei leider einfach anstrengend. Sie ist auf der einen Seite sehr naiv und dann wiederum ist sie unglaublich im Einklang mit ihren Gefühlen, was viel impulsives Verhalten zur Folge hat. Wenn man beispielsweise „Vikings“ gesehen hat, dann weiß man, dass die Schildmaiden extrem wichtig waren. Ohnehin sind Frauen in dieser Zeit sehr angesehen gewesen, weil sie nicht nur zuhause die Kinder erzogen haben. Dementsprechend habe ich mir für Freya eine Persönlichkeit versprochen, die dazu passt, aber nein, das kann ich nicht bejahen.

Wenn es nicht gerade nur um das Eine ging, was Freya das Denken erschwert hat, dann hat sie einige undenkbare Dinge getan und war dann auch noch so stur. Aber auch abseits von ihr gab es einige unsympathische Figuren. Manche sollten bewusst suspekt wirken, das war klar, aber es fiel mir in dieser Handlung echt sehr schwer, jemanden zum Andocken zu finden. Bjorn setze ich wie gesagt etwas in Klammern, aber angesichts des Handlungsverlaufs fällt es schon schwer, ihn richtig individuell zu betrachten. Ich war nach dem ersten Band schon sehr enttäuscht und werde die Reihe daher nicht weiterverfolgen.

Fazit: Auch wenn die Ausgangssituation von „Fate Inked in Blood“ vielversprechend wirkte, so bleibe ich enttäuscht zurück. Ich bin durch Leonie Landas Stimme zwar wunderbar durch die Handlung geleitet worden, aber ich habe mich schon sehr an Hauptfigur Freya gestört. Angesichts der Mythologie und den Legenden rund um Schildmaide hätte ich mir etwas anderes ausgemalt. Es war mir auch zu einseitig in der Handlung, auch weil die Liebesgeschichte zu dominant war. Für mich ist die Reihe damit abgeschlossen.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Abgründe im NYFD

Devil's Kitchen
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Wenn ich außergewöhnliche Thriller-Literatur brauche, dann ist Candice Fox für mich immer schon eine Bank gewesen. Ich erkenne ihren Stil immer wieder, aber gleichzeitig erfindet sie sich doch immer wieder ...

Wenn ich außergewöhnliche Thriller-Literatur brauche, dann ist Candice Fox für mich immer schon eine Bank gewesen. Ich erkenne ihren Stil immer wieder, aber gleichzeitig erfindet sie sich doch immer wieder neu, sodass jede Geschichte wieder völlig unvorhersehbar für mich ist und das ist der Gewinn.

Hätte mich nicht der Autorinnenname schon angelächelt, dann wäre es sicherlich „Devil’s Kitchen“ als Titel gewesen. Da vor Kurzem erst das Revival „Daredevil: Born Again“ bei Streamingdienst Disney+ gestartet ist, das bekanntlich Hell’s Kitchen als Handlungsort nutzt, war der Reiz sofort da. „Devil’s Kitchen“ ist zunächst als Standalone angekündigt, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich Fox hier noch weiter austoben könnte. Sollte es nicht so sein, dann steht dieser Band auch wunderbar für sich selbst. Ich musste bei Andy und Ben, aus deren Perspektive das Geschehen erzählt wird, daran denken, was bei Fox oft immer gleich ist. Wir haben eigentlich immer eine sehr abgedrehte Frauenrolle (im besten Sinne gemeint) und dazu eine Männerrolle, bei der man immer das Herz am rechten Fleck meint, auch wenn er wahrlich kein Saubermann ist. Genau das trifft auch diesmal auf die Protagonisten zu.

Wir starten mit einer Vorausschau, an der es für Andy und Ben lebensgefährlich wird, dann springen wir in der Zeit zurück. Fox ist keine Erzählerin, die sich darum kümmert, einen gleich am Anfang mit allen Infos abzuholen, nein, sie verpackt alles nach und nach, sodass man nie müde wird, die einzelnen Geschenke (Informationen) auszupacken. Zunächst war für mich Ben der emotionale Fokus. Inmitten seiner Kollegen fällt es aber auch nicht schwer, ihn als Engel zu sehen, während die anderen drei, besonders Matt und Engo, richtig schlimme Kerle sind. Nach und nach werden uns Infos angereicht. Zum einen erfahren wir viel über Bens Geschichte in der Kindheit/Jugend, dann seine Anfänge beim NYFD und letztlich dann die Involvierung in gefährliche Coups mit den Kollegen. Dazu erfahren wir mehr über Luna und Gabe, die seine Wahlfamilie sind. Speziell die letzten beiden Charaktere sind es dann auch, die sein Herz weiter nach außen tragen. Auch wenn überdeutlich klar ist, dass Ben zwei Seiten in sich trägt, aber er hat es inmitten der anderen Charaktere dieses Buchs leicht, mein Anker zu bleiben.

Die Art, wie Fox Charaktere schreibt, das ist nie die große Liebe, dafür schaut sie viel zu viel in Abgründe, in die man eigentlich nicht viel gucken will, weil man automatisch auch auf sich selbst blickt. Aber sie kann immer Respekt entstehen lassen und das wiederum sorgt für Mitfiebern. Das habe ich bei Ben erlebt, aber auch bei Andy. Sie ist eine Schlange, die sich für ihre Arbeiten immer eine neue Haut zulegt. Sie ist also wirklich zu glitschig, um sie ideal zu packen zu bekommen und trotzdem ist es Fox toll gelungen, dass in der fortschreitenden Ermittlung viel über ihr wahres Ich verraten wird. Dazu ist es einfach genial, wie gewieft Andy ist, was sie alles kann. In Rückblenden erfahren wir nach und nach mehr über ihren Lebensweg, aber es ist schon zu erkennen, dass zunächst Ben der Fokus ist, während danach erst richtig Andys Auftritt kommt. Auch die Beziehung der beiden zueinander ist spannend. Denn sie müssen sich bis zu einem bestimmten Punkt vertrauen, haben aber dennoch große Vertrauensprobleme einander gegenüber. Das ist ein gelungenes Spannungsfeld, weil sie sich so auch gegeneinander richten, um sich im nächsten Moment aus etwas rauszuschlagen. Es ist keine romantische Geschichte, aber in dem Chaos der Ereignisse doch auch sehr echt.

Aber auch wenn wir abseits der beiden echt ekelhafte Exemplare an Charakteren haben, aber so ist hier die richtige Wahl, so wenige zu haben, weil man sich so auch an sie gewöhnt und dennoch immer wieder überrascht wird. Die zahlreichen Wendungen, die waren auf jeden Fall sehr mitreißend. Denn nicht nur Andy beherrscht das Spiel, sondern auch Matt. Es ist viel Pingpong, aber es ist auch spannende Feuerwehrarbeit und interessante Pläne. Man hätte sicherlich aus der Gesamtidee noch richtig viel mehr machen können, aber gerade weil nicht klar ist, ob es noch mehr Abenteuer von Andy geben wird, finde ich es auch angemessen. Wir bekommen am Ende alle Antworten und vieles davon fand ich sehr tragisch, was mir auch gezeigt hat, wie sehr mir diese Welt trotz ihrer Düsterheit ans Herz gewachsen ist. Ein wilder Ritt bis zum Schluss.

Fazit: Candice Fox hat mich mit „Devil’s Kitchen“ voll abgeholt. Das NYFD als Setting, wo die Helden zu Antihelden werden, höchst clever. Dazu zwei Charaktere, die auch nicht ganz koscher sind, die einem aber ans Herz wachsen. Es entwickelt sich ein rasantes Spiel, viele Fragen und auch alle Antworten. Wer die Thriller von ihr liebt, der wird wieder voll auf seine Kosten kommen.

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