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Veröffentlicht am 28.03.2025

Herzschlagspannung in Marokko

The Surf House
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Während dtv die neuen Bücher von Lucy Clarke veröffentlicht, war Piper sehr clever, die älteren auf den deutschen Buchmarkt zu bringen und das hat sich als echt gute Überbrückung erwiesen, um die Wartezeit, ...

Während dtv die neuen Bücher von Lucy Clarke veröffentlicht, war Piper sehr clever, die älteren auf den deutschen Buchmarkt zu bringen und das hat sich als echt gute Überbrückung erwiesen, um die Wartezeit, wie beispielsweise jetzt auf „The Surf House“ zu überstehen. Auch wenn man natürlich merkt, dass der Stil der früheren Werke noch etwas anders ist, hat es mir jetzt auch geholfen, eine Parallele zwischen „Last Seen“ und der Neuerscheinung zu ziehen, weil man da gut sehen kann, wo Clarke den Dreh nochmal viel besser rausbekommen hat.

Wie bei „Last Seen“ haben wir bei „The Surf House“ wenig Perspektiven, was für die Autorin fast schon ungewöhnlich ist. Aber es ist keinesfalls eine Einschränkung. Auch wenn ich es beispielsweise bei „One of the Girls“ geliebt habe, so viele verschiedene Frauenfiguren kennenzulernen, so lese ich die Bücher doch noch viel mehr für die Spannung und die verschiedenen Theorien, die man sich zusammenspinnen kann und da ist die Anzahl der Perspektiven völlig egal für. Bei „Last Seen“ war aber ein großer Kritikpunkt von mir die Sympathie eine Protagonistin, weil sie mich durch den größten Teil der Handlung begleitet hat und ich fand sie anstrengend und das lässt einen Leseprozess automatisch mehr wie ein Kaugummi erschienen. Hier haben wir nun Bea, die uns fast durchgängig begleitet und wir haben Rückblenden von Savannah. Letztere ist eher die Figur, die ein bisschen aufstößt, aber bei den wenigen Einblicken war das nicht entscheidend, zumal um ihr vermutliches Schicksal zu wissen, auch die Perspektive verändert. Bea wiederum ist keine klassische Sympathieträgerin, aber sie war schüchtern-naiv und es war doch eine echte Reise mit ihr, sie wachsen zu sehen, sie als ‚Ermittlerin‘ zu erleben und dabei oft genug über sich hinauszuwachsen. Dementsprechend, um den Vergleich zu „Last Seen“ abzuschließen, passen die zwei Perspektiven hier sehr ideal.

Bei solchen Spannungsromanen (Thriller finde ich als Bezeichnung immer etwas schwierig) ist immer die Krux, dass die Handlung eher langsamer losgeht, um dann am Ende richtig anzuziehen, weil sich dort die Geheimnisse und Wendungen dann stapeln. Hier muss ich dann auch den Hut vor Clarke ziehen, die „The Surf House“ gleich mit einem Ausrufezeichen beginnt und Bea in eine Überfallsituation bringt. Da schießt gleich das Adrenalin hoch und man ist entsetzt, was sich alleine auf den ersten 30 Seiten schon getan hat und das hält einen unweigerlich bei der Stange. Auch wenn danach die Phase, als sich Bea erst im Surf House einfinden muss, eher unspektakulär ist, aber spätestens mit dem Auftauchen von Savannahs Bruder kommt dann endgültig der Punkt, wo man wieder einen kontinuierlichen Spannungsaufbau bezeugen kann. Ich habe das Buch also insgesamt sehr flott und zügig gelesen, was schon als fettes Plus stehen bleibt.

Ich mochte das Setting sehr. Clarke erfindet sich in dem Bereich auch immer neu. Neue Gegenden, aber immer nah an der rauen Natur, weil sie ideal widerspiegelt, was auch in den menschlichen Abgründen so tobt. Marokko ist kulturell natürlich auch nochmal eine eigene Nummer. Auch wenn der Strandabschnitt davon etwas abgeschnitten ist und wie eine eigene kleine Multikuli-Welt wirkt, aber es hat mich auf jeden Fall gereizt, auch das Surfen so prominent eingebunden zu sehen. Es wäre niemals mein Sport, aber man hat die Liebe dafür gemerkt, die Gefühle, die bei den Betreibenden ausgelöst werden und es erklärt auch viel über die jeweiligen Persönlichkeiten. Zurück zur Geschichte: Ich würde sagen, dass die Handlung insofern vorhersehbar ist, als dass man sich schon irgendwann denken kann, welche Figuren in irgendeiner Weise beteiligt sein müssen. Es ist offensichtlich, dass es nicht um eine Figur geht, sondern um mehrere. Gleichzeitig ist es natürlich so, dass Clarke inzwischen erfahren genug ist, dass man sich keinesfalls alles denken kann. Deswegen kann ich auch wieder sagen, dass die Unterhaltung top war, denn die ganzen Zusammenhänge, die am Ende aufgedeckt wurden, davon habe ich vieles nicht geahnt.

An genau dem Punkt habe ich dann aber auch etwas Bedauern empfunden, nicht etwas mehr von anderen Perspektiven erhalten zu haben. Bea war wie gesagt genau perfekt, wie sich alles entwickelt hat, aber es ist doch immer irgendwie reizvoller, denen hinter die Stirn zu gucken, die die Geheimnisse haben. Das macht es umgekehrt schwieriger, aus deren Sicht zu erzählen, ohne alles zu verraten, aber Clarke hat den Balanceakt schon bewiesen. In dem Sinne würde ich wohl resultieren, dass etwas mehr andere Perspektiven-Kapitel „The Surf House“ zur Fünf-Sterne-Lektüre gemacht hätte.

Fazit: „The Surf House“ bekommt von mir nicht die volle Punktzahl, ist aber sehr nah dran. Toller Auftakt, wieder viel Spannung, interessantes, freies Setting, eine inspirierende Reise mit Bea und am Ende Wendungen und Twists. Man bekommt das, was man von Lucy Clarke kennt und erwartet, aber das Tüpfelchen mehr wäre noch drin gewesen.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Highlight: Gesunde Beziehung

Purple Clouds - Honeymoon
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Von Mounia Jayawanth habe ich bislang alle Bücher gelesen und auch wenn ich keine Sekunde davon bereue, so gab es immer so einzelne Elemente, mit denen ich mich etwas an ihr gestoßen habe. Aber dieses ...

Von Mounia Jayawanth habe ich bislang alle Bücher gelesen und auch wenn ich keine Sekunde davon bereue, so gab es immer so einzelne Elemente, mit denen ich mich etwas an ihr gestoßen habe. Aber dieses Gefühl bedeutet umgekehrt auch immer, dass ich das Potenzial in ihrer Art zu schreiben sehe und ihr das Optimum wünsche. Perfekte Geschichten für jeden einzelnen gibt es ohnehin nicht, aber es gibt immer einen Punkt, an dem man sagen kann, yes!

Da ich die Buchpräsentation zu „Honeymoon“ aus der Purple Clouds-Reihe gesehen habe, war ich tatsächlich auch sehr angefixt, denn Fake Dating, klar, aber Fake Honeymooner? Mal was Neues. Jayawanth hat auch ein Faible dafür, ihr Figurenrepertoire immer wieder auftauchen zu lassen, sodass es trotz neuer Reihe mit Emory und Deb zwei Figuren sind, die wir schon bestens aus der Van Day-Reihe kennen. Ich war erst etwas skeptisch, denn eine ganz neue Reihe und dann sollte man aber eine andere dafür kennen, um das beste Leseerlebnis zu haben? Durchaus gewagt. Rein menschlich war es aber kein Problem, weil ich schon gemerkt habe, dass Deb und Emory schnell einen Zauber entwickelt haben. Das liegt auch an den Rückblenden zur besagten Nacht, in der sie die Entscheidung der Heirat getroffen haben, aber auch im Hier und Jetzt merkt man wirklich deutlich, wie viel zwischen ihnen ist, sodass man tatsächlich von etwas Magischem sprechen kann. Da hat es Jayawanth für mich echt toll geschafft, ohne viel Tamtam etwas zu kreieren, was nachwirkt. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass das Hotel und damit Emorys Berufsfeld ein kleines Tabu war. Wir erleben ihn wirklich extrem wenig in diesem Kontext, weswegen ich zwischendurch auch den Gedanken hatte, ob er sich wohl noch anders orientiert. Das bedeutet keinesfalls, dass der Job nicht zu Emory passen würde, aber ich hatte bei ihm – gerade im Vergleich zu Deb – nicht den erfüllenden Charakter wahrgenommen. Es sollte eine neue Geschichte sein, auf jeden Fall, weswegen auch Ellis‘ und Ryans Auftritte sehr runtergefahren sind, aber ich hatte etwas den Eindruck, dass damit quasi ein Teil amputiert wurde, der aber dazu gehört hätte.

Umgekehrt muss ich aber auch sagen, dass mich auch Debs Berufsalltag nicht restlos überzeugt hat. Wir haben hier deutlich mehr bekommen, wäre angesichts des Reihentitels auch sehr seltsam gewesen, wenn es nicht so gewesen wäre. Aber es hat mich doch etwas geärgert, wie es gestaltet wurde, weil es so an exakt einem Punkt etwas Lächerliches bekommen hat. Bleibe ich aber zunächst bei dem Positiven, denn die Diskussionen über gesellschaftlich relevante Themen haben mir extrem gut gefallen. Das war immer schon Jayawanths große Stärke. Sie erinnert mich da sehr an Anabelle Stehl, weil beide einfach etwas zu sagen haben und vor allem nicht einseitig, sondern es immer zur Diskussion stehen. Ihre eigenen Positionen mögen dann klar sein, aber die anderen sind dennoch drin. Generell hat mich das ganze Setting mit der Redaktion auch sehr an „The Bold Type“ erinnert, was, wenn ich mich recht erinnere, auch eine Inspirationsquelle war. Das wurde also toll und überzeugend erfüllt. Wie sich letztlich alles mit Debs Artikel entwickelt hat, das war zwar rund, aber ich musste doch mehrfach denken, dass doch inzwischen so viel Zeit vergangen ist, dass es so unlogisch erscheint, dass Jamie Deb das Trödeln beim Artikel durchgehen lässt. Es gibt immer die großen Coverstories, die mehr Zeit und Recherche verlangen, aber im Grunde schreibt und produziert man doch ständig und das hat mir bei Deb total gefehlt. Was hat sie sonst so gemacht, außer andere zu unterstützen? Das war eine riesige Lücke. Und wenn man sagt, der Artikel ist fast fertig, und dann wird akzeptiert, dass weitere Wochen (!!!) vergehen, häh?

Jetzt können wir nach diesem Abschnitt die Kritikpunkte aber links liegen lassen, weil mir die Geschichte deutlich mehr gefallen hat, als dass mich etwas gestört hat. Die Idee der WG, super! Ich fand die gemeinsamen Momente sehr wohlfühlend. Auch wenn es speziell zu Rileys Entwicklung einige Diskussionen untereinander gab, aber auch das fand ich realistisch. Xander macht schnell Lust auf mehr. Dann haben wir diese ganzen Insider, die sich entwickeln, es war echt schnell eine eingespielte Truppe. Dazu haben wir eben nochmal Deb und Emory für sich. Auch wenn beruflich für mich die Kritikpunkte sind, aber in der Persönlichkeit waren sie offene Bücher für mich. Debs ADHS war toll dargestellt. Es war auch gut erklärt und man hat es in ihrer Figurengestaltung auch gemerkt, ohne dass es übertrieben war. Umgekehrt haben wir Emorys Trauma, das zwar nicht extrem spezifiziert wird, aber das musste es auch gar nicht, weil man die Vergangenheit und was dann aus ihm geworden ist, in einem guten Kontext hat. Dass es noch nicht harmonisiert ist, war dann genau der Punkt, mit dem sich seine Geschichte überzeugend erzählen ließ. Mir gefiel tatsächlich auch die Rolle von Kayla, selbst wenn ich das zwischendurch nicht gedacht hätte. Abschließend kommen wir nochmal auf Deb und Emory als Paar, denn ich mochte auch ihre Konfliktaustragung. Da war immer sehr viel Verständnis, selbst wenn es mal nicht ideal lief. Es war eine gesunde Beziehung, die uns präsentiert wurde und die für mich am meisten heraussticht.

Fazit: Auch wenn „Honeymoon“ aus der Purple Clouds-Reihe auch wieder nicht das Buch von Mounia Jayawanth ist, bei dem ich restlos Yes! schreien kann, so stechen für mich abseits des Berufsalltags von beiden Figuren sehr viele Highlights heraus. Die Autorin hat etwas zu sagen und das hallt immer nach und das ist das Wichtigste.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

War der Wurm drin

Lessons in Forgiving
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Nach „Lessons in Faking“ habe ich Selina Mae sofort auf die Liste meiner Autorinnen gepackt, die ich fortan genauer beobachten und verfolgen werde. Auf „Lessons in Forgiving“ musste ich nun auch gar nicht ...

Nach „Lessons in Faking“ habe ich Selina Mae sofort auf die Liste meiner Autorinnen gepackt, die ich fortan genauer beobachten und verfolgen werde. Auf „Lessons in Forgiving“ musste ich nun auch gar nicht lange warten. Ich hatte davon gesprochen, dass da noch mehr bei der Autorin geht, ob der zweite Band das schon bewiesen hat?

Ich würde insgesamt wohl sagen, dass ich ein sehr zwiespältiges Bild von „Lessons in Forgiving“ erhalten habe. Es gab wieder genug Stellen, die mich sehr verzaubert haben. Maes Stärke bleibt, wenn das Paar ganz von sich ist, dass immer eine intime und intensive Atmosphäre entsteht und man den beiden gerne bei allem weiteren folgt. Umgekehrt ergab sich für mich durch die fehlende männliche Perspektive (ich hatte nicht erwartet, dass sich das mitten in der Reihe noch ändert) ein großer Nachteil. Dieser Band hat echt deutlich bewiesen, warum so eine GEMEINSAME Liebesgeschichte auch beide Perspektiven braucht. Als ich in New Adult angefangen habe, war die weibliche Perspektive üblich und es hat mir damals gereicht, aber inzwischen habe ich so viele Reihen mit beiden Perspektiven gelesen und es ist immer besser, sodass ich nur eine Sichtweise immer bedauere und vergleiche. Warum war es jetzt hier so gravierend? Wahrscheinlich hat den Startschuss schon die Widmung von Mae gegeben. Diese schließt mit den Dankesworten nachher einen Kreis und die Autorin hat dabei etwas sehr Persönliches geteilt. Und ich stimme ihrer Aussage sogar oft genug zu, gleichzeitig ist es doch etwas seltsam, dass bei einem Buch zu lesen, dass den Trope ‚Second Chance‘ bedient. New Adult steht oft auch in der Kritik, Mädchen und jungen Frau falsche Vorstellungen zu geben, vielleicht kommt daher auch diese Betonung, dass manche Ex aus dem richtigen Grund der Ex sind. Aber gerade wegen dieser vorangestellten ‚Warnung‘ habe ich für mich bemerkt, Henry mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen.

Da wir nicht genau wissen, was einst zwischen Henry und Paula vorgefallen ist, haben wir ein Mysterium und ich habe mich immer gefragt, was hat er wohl getan? Und dann habe ich mich wieder geärgert, dass ich es so einseitig bei ihm gesucht habe. Denn man muss echt sagen, dass Henry weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Skepsis verdient hätte. Im ersten Band hat er schon eine Rolle gespielt. Er war mir dort nicht übermäßig sympathisch, weil seine Fehde mit Dylan schon etwas anstrengend war, aber da wir dort auch nur die Perspektive von Athelia hatten, waren wir gefangen in ihrer belasteten Wahrnehmung. Aber es war schon ersichtlich, dass wir dort zwei Geschwister haben, die sich alles bedeuten, aber durch einen schlimmen Schicksalsschlag viel aufgebürdet bekommen haben, was gegen sie gespielt hat. Nun erlaubt uns dieser zweite Band nicht, Henry richtig hinter die Birne zu gucken. Und auch wenn er sehr strukturiert, wenig flexibel ist (aber das bin ich selbst auch und ich mag es an mir oft genug auch), so ist das schnell viel mehr. Schon alleine die erste Begegnung hat sofort ein Bild von ihm gezeichnet, was sich immer weiter verdichtet. Deswegen hat mich stellenweise dann ein wenig geärgert, dass immer wieder Bemerkungen zu Henry kamen, die nicht passten. An einer Stelle heißt es konkret, er wäre nicht empathisch. Reden wir vom selben Henry? Sooft wie er Paula priorisiert hat, wie er für sie etwas getan hat, weil er für sie mitgedacht hat, da passt es einfach nicht. Und jeder muss und sollte mal egoistische Momente haben und gerade in stressigen Phasen ist es auch nachvollziehbar, aber die Charakterisierung passt als Gesamtfazit überhaupt nicht.

Letztlich mündet das dann auch in der Enthüllung, was in der Vergangenheit genau passiert ist und auch hier hat mich dann gestört, dass es immer darum ging, wie Paula ihm verziehen kann? Dabei hatte ich angesichts des Konflikts das Gefühl, dass es weniger um individuelle Fehler ging, sondern um fehlende Kommunikation. Ich bin sicher, dass Henry und Paula es geklärt bekommen hätten, wenn sie nur einmal mit etwas zeitlichem Abstand miteinander geredet hätten. Und gerade angesichts dieser Gesamtperspektive waren manche Tendenzen schon fast ärgerlich. Das bedeutet keinesfalls, dass ich das Gefühl hatte, dass Mae etwas gegen Henry hatte, keinesfalls. Er wird ihr auch ein lieber Bookboyfriend gewesen sein, aber es wurden zu viele Chancen vertan, Henry wesentlich mehr Raum zu geben und dadurch die gemeinsame Geschichte ausgeglichener zu machen. In dem Kontext war Paulas stellenweise sehr naive Art auch schwierig, weil ich anfangs auch Alarmglocken hatte, in was sie sich da wohl noch reiten wird. Kommen wir aber nochmal zu den Basics zurück. Mae kann für mich schreiben und sie hat auch an sich eine gute Entwicklung der gemeinsamen Geschichte präsentiert. Deswegen, es war keinesfalls ein Reinfall. Vielleicht könnte ich „Lessons in Forgiving“ auch nochmal anders lesen, wenn ich jetzt weiß, was passiert. Denn die beiden funktionieren miteinander, wenn sie alleine sind, wird das wieder und wieder bewiesen. Doch das Lesen war für mich beeinflusst und nur das kann ich gerade bewerten.

Fazit: Selina Mae hat mich mit „Lessons in Forgiving“ doch sehr herausgefordert. Durch die Widmung wurde dem Buch eine Vorhersehung mitgegeben, die mich zu sehr beeinflusst hat. Es war wahrscheinlich alles nicht beabsichtigt, aber es ist passiert. Aber für mich war die Darstellung von Henry viel zu dürftig. Dabei hat er wohl den Green Flag-Pokal verdient. Für mich hätte es echt eine Highlight-Paarung werden können, aber gewisse Entscheidungen haben das verhindert.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

IT steht drauf und ist auch drin

Make IT Real
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Angesichts von „Make IT Real“ von Ally Crowe musste ich ein wenig an Susannah Nix denken, von der ich „The Love Code“ gelesen habe. Dort war die Protagonistin in der IT-Branche tätig und ich hatte mich ...

Angesichts von „Make IT Real“ von Ally Crowe musste ich ein wenig an Susannah Nix denken, von der ich „The Love Code“ gelesen habe. Dort war die Protagonistin in der IT-Branche tätig und ich hatte mich angesichts der erhofften nerdigen Liebesgeschichte doch gefreut. Letztlich war das aber gar nicht groß ein Thema und deswegen auch eher im Marketing irreführend. Dementsprechend war ich bei Crowe nun gespannt, ob auch drin ist, was drauf steht.

Die deutschsprachige Autorin ist selbst in der Branche tätig und da sie gleich beide Protagonisten, also Fallon und Jesper in einem IT-Unternehmen arbeiten lässt, wurde für mich die volle Dosis bedient. Es gab viele Szenen am Arbeitsplatz und man hat auch gemerkt, dass sich Crowe nicht zurückgehalten hat, typische Begrifflichkeiten einzubauen. Es war aber schon noch so reduziert und logisch schnell zu erfassen, dass ich keine Schwierigkeiten zum Folgen hatte. Auch wenn also kein absolutes Expertenwissen nötig war, aber ich habe definitiv einiges Neues gelernt und das ist genau das, was ich mir auch erhofft habe. Weiterhin ist positiv, dass mit Fallon sehr deutlich die schwierige Arbeitsplatzsituation von Frauen in der Branche beleuchtet wurde. Auch wenn man bei Jesper ebenfalls Herausforderungen merkt und generell das ganze Unternehmen offenbar indiskutabel geführt wird, so kam über Fallon viel deutlicher die Vorurteile und vor allem der Sexismus rüber. Ethan als Figur ist wirklich schauerlich, aber echt wichtig für die Geschichte, weil sein Typus im Kern viele von Fallons Gefühlen und Entscheidungen erklärt.

Dieser Teil war also schon mal ein echtes Plus, aber auch ansonsten muss ich sagen, dass ich mit „Make IT Real“ insgesamt einen empfehlenswerten Liebesroman zu lesen bekommen haben. Ein Plus ist eindeutig auch der Humor. Gerade Jesper und seine Schwester, aber auch Fallon mit ihren Freundinnen waren immer wieder toll aufbrechend für die Stimmung. Auch wenn die Geschichte selten emotional schwer ist, aber wenn richtig locker gelassen wird, weil man merkt, die Figuren kennen sich gut und lange, dann entsteht immer ein Wohlfühlen. Auch wenn Fallons Idee mit der Zwillingsschwester echt eine Schnapsidee ist, aber es gab auch einige sehr lustige Situationen, die sich daraus ergeben haben. Es war auch charakterlich interessant, wie Fallon sich als Rosalie fallen lassen konnte, weil man deutlich gemerkt hat, wie anders sie vor allem auf die Männerwelt gewirkt hat. Umgekehrt haben wir durch die private Fallon mit ihren Freundinnen diese Persönlichkeit immer gesehen. Sie war also kein Fake, aber es war deutlich zu erkennen, dass sie diese Seiten an der Bürotür abgibt. Dementsprechend war es für die Liebesgeschichte auch wichtig, dass sich Jesper immer mehr in sie hineinversetzt hat und damit ein Gleichgewicht der Figuren entstand.

Was ich jetzt schon etwas kritisieren wollen würde, das ist die Inkonsequenz in manchen Bereichen sowie einfach das Auslassen von mehr Kontext. Ich würde „Make IT Real“ keinesfalls als oberflächlich bezeichnen, aber die Geschichte hätte locker noch reicher sein können. Da ist dann auch weniger wichtig, was Mick alles so erlebt, sondern es ist wichtiger, was Fallon und Jesper betrifft. Speziell bei Jesper hatte ich den Eindruck, dass wir kaum in die Konflikte in seinem Leben eingetaucht sind. Seine Elternbeziehung, man erkennt das Muster, aber es ist schwer nachzuvollziehen, warum Kinsey da so hart ist, während Jesper sich immer noch so quält und dass die beiden da kaum miteinander drüber reden. Umgekehrt haben wir auch Jespers Geschäftsidee mit einem alten Kumpel. Was genau vorgefallen ist, bleibt eher nebulös. Auch hier muss ich die Lücken selbst füllen. Manchmal schadet es auch einfach nicht, die Figuren miteinander reden zu lassen und so alles einzuflechten. Bei Fallon war das nicht ganz so stark zu beobachten, aber ich hätte sie in ihrem Arbeitsalltag als Autorin auch noch gerne mehr begleitet.

Was ich auch noch erwähnen möchte, obwohl es mich selbst wundert, ist die Beurteilung des Spices, weil es auch relativ offensiv beworben wird. Es wurde deutlich, dass Fallon dies als Autorin offenbar sehr auslebt, auch von einer Aufzugszene war immer die Rede. Angesichts dieser Betonung muss ich doch sagen, dass ich „Make IT Real“ eher brav finde. Ich schwanke öfters schon mal in diesem Genre, was für mich genau richtig ist, was zu wenig und was unangenehm zu viel. Wäre die Geschichte anders aufgebaut gewesen, ich hätte wahrscheinlich gar nichts gesagt, aber so entstehen durch Fallons Schreibszenen gewisse Erwartungen und dafür war die knisternde Chemie zwischen Fallon und Jesper etwas schwach. Ich mochte die beiden, aber es fehlte dann einfach ein konstantes Knistern.

Fazit: Ich bin froh, dass „Make IT Real“ mir die Erwartungen bezüglich der IT-Branche und der Frauenrolle darin voll erfüllt hat. Man hat hier sehr gemerkt, dass die Autorin dort zuhause ist, weswegen das gesamte Buch eine echte Spiegelung ihres Lebens ist. Dennoch gibt es Kritikpunkte, was gewisse Lücken und auch die intimeren Momente angeht, aber ich habe das Buch sehr gerne und zügig gelesen, weil es toll geflossen ist.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Zwielichtige Floristin als Hobby-Ermittlerin

The Florist
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Nachdem einige Jahre lang die Spannungsromane in waren, in denen man der weiblichen Hauptrolle kaum vertrauen konnte, weil ordentlich an ihrer Glaubwürdigkeit gesägt wurden, sind sie wieder zurück. So ...

Nachdem einige Jahre lang die Spannungsromane in waren, in denen man der weiblichen Hauptrolle kaum vertrauen konnte, weil ordentlich an ihrer Glaubwürdigkeit gesägt wurden, sind sie wieder zurück. So jedenfalls würde ich auch „The Florist“ von C. L. Pattinson einstufen, das ich als Hörbuch, gelesen von Sarah Liu, konsumiert habe.

Von der Autorin habe ich bislang noch nichts gehört und es scheint tatsächlich auch ihr erstes auf Deutsch veröffentlichte Werk zu sein. Ich fand, dass der Klappentext spannend klang und das dazu passende Cover hat für mich dann den letzten Schub ausgemacht. Da die Geschichte rein aus Amys Perspektive erzählt wird, hat für mich Lius Erzählstimme auch hervorragend gepasst, auch weil sie für mich schnell zu Amy geworden ist. Ich mochte auch den Farbklang ihrer Stimme, der etwas rotziger ist und daher zu einer eher wenig angepassten Frau wie der Protagonistin passt. Gleichzeitig hat mir die Stimme auch geholfen, eine Verbindung zu Amy zu halten, auch wenn das menschlich eher schwierig war, denn Amy ist echt eine Nummer für sich. Das zeigt sich nicht direkt im ersten Kapitel, aber doch relativ früh. Und es passt letztlich auch dazu, dass alle anderen Figuren ihr mit einer gewissen Vorsicht begegnen. Manche Menschen strahlen einfach aus, dass sich Großes hinter ihrer Fassade bewirkt. Bei Amy ist der Hauptgrund, dass sie kaum etwas spontan und intuitiv macht. Stattdessen ist sie von vorne bis hinten durchgeplant und damit ist es echt schwer, sie in ihren Interaktionen als Gefühlsmensch wahrzunehmen.

Ein Roboter ist Amy aber auch nicht und dementsprechend gibt es doch einige Passagen, speziell wenn sie über ihre Abhängigkeit ihrer Beziehung zu Izzy nachdenkt, da merkt man ihre Gedankengänge. Dementsprechend habe ich mir natürlich auch schon Gedanken gemacht, warum ist Amy wer sie ist? Da ähnliche Bücher immer einen Kniff haben, um die Protagonistin nicht sofort zu mögen, war mir schon klar, dass sie trotz ihrer suspekten Methoden und ihrem teilweise ignoranten Verhalten nicht die Antagonistin des Geschehens wird. Dementsprechend wird sie zu einer Art Heldin, die überraschend gute Ermittlungsmethoden für sich entdeckt und daher ihren Moment bekommt. Auch wenn ich Amy niemals als Freundin oder gar Bekannte haben wollen würde, aber in der Gesamtgeschichte war es für mich immerhin so, dass ich ihr das Erfolgserlebnis gegönnt habe.

Kommen wir abseits von Amys Persönlichkeit noch zu anderen Seiten dieses Romans. Wir haben die Gegenwart durch Amys Augen, aber wir haben auch Zeugenaussage, die sich auf einen mysteriösen Vorfall beziehen. Diese dienen natürlich vor allem dazu, Spannung zu erzeugen und in Amy Zweifel zu erzeugen. Es sind schon harte Außenperspektive auf ihren Charakter. Sicherlich subjektiv noch einmal verschärft, aber es ist eine clevere Gesamtkomposition, um alles am Laufen zu halten. Auch abseits dieses Springens hat es für mich die Handlung aber geschafft, dass ich konstant dran geblieben bin. Selbst wenn Amy selbst mich nicht mitreißen konnte, so waren es aber die Geschehnisse um sie herum, die Menschen um sie herum. Ein Tod zwischendurch ist auch strategisch gut platziert, auch weil man sich dann fragt, was kommt wohl danach noch?

Es ist für mich auch gelungen, die Person hinter alldem lange zu verschleiern, sodass es für mich als Überraschung kam. Es hat sicherlich auch geholfen, dass Amy keine dominante Ermittlerin war und dazu auch eine echte Könnerin. Sie hat viel herausgefunden und Puzzleteile zusammengesetzt, was alles vorangebracht hat, aber es war gar nicht ihre Aufgabe zu wissen, wer hinter allem steckt und so kam es dann für uns alle wohl eher überraschend. Danach hat das Buch für mich aber zwei größere Fehler gemacht. Sowohl die Geschichte hinter den Taten sowie gelüftete Geheimnisse aus Amys Vergangenheit werden relativ stoisch hintereinander wegerzählt. Da hat man gemerkt, das große Geheimnis ist jetzt gelüftet und jetzt geben wir noch alle Antworten. Auch wenn ich immer für alle Antworten bin, aber ich will die am Ende nicht lieblos aneinandergereiht haben, weil das erzählerisch lahm ist. Ich habe da also ein extrem zähes Ende bemerkt. Der Knall muss schon so spät wie möglich sein und dann nicht noch 100 Seiten Aufklärung.

Fazit: „The Florist“ ist auf jeden Fall ein interessantes Werk. Ich konnte es sehr gut weghören und es hat für mich auch genug Überraschungseffekte geboten. Es war mit Amy nicht immer leicht und auch das Ende war dann viel zu langgezogen, was die vorher geernteten Früchte wieder faul hat werden lassen. Aber insgesamt würde ich für Fans des Genres eine Empfehlung aussprechen.

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