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Veröffentlicht am 03.01.2025

"Seasons"-Reihe bleibt auch mit Band 3 speziell

A Spring to Hope
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Die „Seasons“-Reihe von Morgane Moncomble ist echt etwas für sich. Die Geschichten sind untereinander echt extrem unterschiedlich. Verschiedene Länder, verschiedene Stile, unterschiedliche Atmosphäre. ...

Die „Seasons“-Reihe von Morgane Moncomble ist echt etwas für sich. Die Geschichten sind untereinander echt extrem unterschiedlich. Verschiedene Länder, verschiedene Stile, unterschiedliche Atmosphäre. Das hat durchaus seinen Reiz, weil es auch zeigt, was die junge Französin als Autorin drauf hat, aber es macht umgekehrt auch die Gefahr größer, dass einzelne Bände den individuellen Geschmack nicht treffen mögen. Band 1 gefiel mir zum Beispiel überhaupt nicht, während Band 2 mit dem Eiskunstlaufen gleich etwas anderes zu bieten hatte, was mich am Haken hatte. Wie ist es nun bei Band 3?

Während Band 1 für mich abgedreht war, Band 2 eher süß-romantisch, ist Band 3 in der Konsequenz sicherlich der erwachsenste Band. „A Spring to Hope“ fängt schon ungewöhnlich an, indem das zentrale Pärchen, Cam und Nolia in einem gewaltigen Missverständnis aufeinandertreffen. Es war erst etwas schwer, sich in dem Chaos zu orientieren, auch weil Cams erstes Kapitel erst relativ spät kommt. Aber auch so fand ich die Figuren erst sehr schwer greifbar. Beide haben bis dato auch sehr ungewöhnliche Lebensgeschichten hinter sich, was sie von mir auch eher entfernt haben. Während es bei Cam schnell durchsichtig war, was seine Mutter mal war und wie er aufgewachsen ist, sind Nolias Familienverhältnisse etwas seltsam. Sie hat mit der Geburt ihrer Tochter mit ihnen gebrochen, aber was genau mit den Schwestern ist, wie da was zusammenkommt, alles undurchsichtig und leider auch nicht richtig ausgearbeitet. Man kann sich dazu was denken, wissen tut man es eher nicht.

Irgendwann kommt der zentrale Zug in die Geschichte, indem Cam und Nolia ein Abkommen schließen. Die beiden Charaktere blühen miteinander auf, auch wenn sie das beide so nicht wollen, aber die Verbindung der beiden funktioniert doch sehr gut, so dass ich an ihnen als Paar immer mehr Spaß gefunden habe. Man hat auch schnell gemerkt, dass Cam mit ganz anderen Gefühlen an alles rangegangen ist, während sich Nolia wegen des Vaters ihres Kindes vieles verboten hat. Dennoch war es echt sehr überraschend, als dann ein großes Geheimnis aufgedeckt wird. Während es für mich zu Cam gepasst hat, ist es auf Nolia gemünzt aber doch arg seltsam. Natürlich könnte ich mir jetzt ganz tiefsinnige Gedanken machen, aber ich finde es nicht tiefsinnig, weil es nicht romantisch ist. Ich halte es für sehr logisch, dass Menschen, die genau richtig für sich sind, immer aneinander vorbeilaufen, weil sie noch nicht füreinander bereit ist, aber auf eine gewisse Art kann man bei Nolia und Cam so nicht argumentieren. Dementsprechend hat mir dieser Kniff in der Handlung wieder etwas vom Zauber genommen.

Ein Kritikpunkt bleibt auch erhalten, weil er sich schon durch die ganze Reihe zieht. Die vier Blumenmädchen sind Freundinnen, das war immer gegeben, aber für mich kommt einfach zu wenig rüber, warum es genau die vier sind. Auch wenn die drei anderen in diesem Band auch wieder ihren Auftritt haben, aber es wirkt nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Sie sind Teil vom Leben der anderen, aber irgendwie doch nicht. Umgekehrt hat mir aber gefallen, dass Nolias kulturelles Erbe eine so große Rolle spielen durfte. Das passiert doch viel zu selten, weil man es sich einfach macht, alles weiß zu machen oder die Hautfarbe/Kultur einfach keine Rolle spielt. Aber Nolia kommt aus einer stark hinduistisch geprägten Familie. Sie hat zwar ihren eigenen Weg gefunden, aber man merkt, wie sehr ihr Glaube sie auch zu der macht, die sie ist.

Fazit: „A Spring to Hope“ ist als dritter Band der “Seasons”-Reihe wieder ein wildes Abenteuer, bei dem es schwer ist, einen richtig konstanten Eindruck zu gewinnen. Cam und Nolia haben sich mir als Paar ins Herz geschlichen, aber die große Wendung des Buchs fand ich seltsam, auch weil sie zu meinem Eindruck der beiden nicht gepasst hat. Die „Seasons“-Reihe bleibt so unterm Strich sehr speziell und ist sicherlich nicht Moncombles bestes Werk.

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Veröffentlicht am 31.12.2024

Spannung in völliger Abgeschiedenheit

One Perfect Couple
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Wenn ich bedenke, wie viele Bücher von Ruth Ware auf dem deutschen Buchmarkt erschienen sind, dann ist es schon etwas überraschend, dass ich bislang von ihr nur „Woman in Cabin 10“ gelesen habe. Zumal ...

Wenn ich bedenke, wie viele Bücher von Ruth Ware auf dem deutschen Buchmarkt erschienen sind, dann ist es schon etwas überraschend, dass ich bislang von ihr nur „Woman in Cabin 10“ gelesen habe. Zumal ich dieses auch nicht negativ in Erinnerung habe. Vielleicht ist es auch der unscheinbare Name, der mir etwas durchgerutscht ist. Umso besser, dass das Cover von „One Perfect Couple“ so knallig gestaltet wurde, denn es fällt sofort ins Auge und da habe ich dann doch mal genauer hingesehen.

Ich musste ein wenig an „Murder in the Family“ von Cara Hunter denken, das mir sehr gut gefallen hat. Dort wurde ein True-Crime-Format sehr anschaulich aufgebaut und spannend für uns Leser zum Mitverfolgen gestaltet. „One Perfect Couple“ nimmt sich nun Reality-TV vor. Es war etwas schwierig ins Geschehen hineinzufinden, was überhaupt nicht am Schreibstil lag, sondern eher an gewissen Puzzleteilen. Während Nico perfekt für Reality-TV wirkt, erweckt Lyla ganz andere Eindrücke. Dazu ist es absolut verwunderlich, dass sie es überhaupt mit jemandem wie Nico aushält. Man merkt ihre Zweifel auch, aber danach handeln tut sie (noch) nicht. Dementsprechend war es alles etwas seltsam und mir war nicht ganz klar, wie sich von diesen seltsamen Voraussetzungen eine Geschichte entwickeln soll. Doch diese anfänglichen Irritationen legen sich sehr schnell. Spätestens als die Paare aufeinandertreffen und es dann auf die Insel geht, da wurde es immer spannender. Anfänglich ist auch deutlich zu erkennen, wie sich Ware bemüht hat, die inszenierten Seiten vom Reality-TV zu beleuchten und zu entlarven. Es ist aber nicht das Hauptansinnen des Buchs, was dann spätestens nach dem Sturm zu merken ist.

Danach hat Reality-TV gar keinen Raum mehr in der Geschichte, was auch überhaupt nicht schlimm war, denn es hat sich so tatsächlich ein klassischer Thriller entwickeln können. Und wie gut, dass Lyla ist, wie sie ist. Da die anderen Paare tatsächlich eher dem üblichen Beuteschema von Reality-TV entsprechen, sticht Lyla völlig heraus und das erweist sich im Verlauf der Handlung auch immer wieder als wichtig. Umgekehrt muss man positiv aber auch sagen, dass die anderen Charaktere sich vom oberflächlichen Eindruck auch lösen muss, denn wenn es ums nackte Überleben geht, da geht es nicht mehr um Äußerlichkeiten. Das habe ich gut erkennen können, weil jede Figur über sich hinauswachsen musste. Es wurden auch weniger schöne Seiten aufgedeckt, aber unterm Strich zählte für mich, dass alle involvierten Figuren ambivalent gestaltet waren, so dass die Spannung auch nie ausging.

Es war schon verrückt, welcher Überlebenskampf sich entwickelt hat. Ich hatte auch mehrfach den Gedanken, wie genial dieser Inhalt wohl als Serie oder Film wirken würde. Auch wenn es das Genre nicht neu erfindet, aber ich fand die Stimmung, die Überraschungen und die verschiedenen Botschaften wirklich gut. Zum Schluss war es auch nochmal richtig aus dem Nichts, warum diese Figuren alle zusammen waren. Da hat man also deutlich gemerkt, dass dieses Buch – wie man es sich auch wünscht – von vorne bis hinten sorgfältig erdacht war. Für mich hat Ware damit einen mehr als soliden Thriller hingezaubert.

Fazit: „One Perfect Couple“ hat mit dem Reality-TV-Bezug einen sicherlich funktionierenden Aufhänger, aber es ist nur ein kleiner Anteil, weil es ansonsten ein Thriller mit spannendem Überlebenskampf ist. Die feministische Botschaft habe ich auch wahrgenommen und ich habe mich so nach anfänglichen kleinen Stolperstellen sehr gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 17.12.2024

Mit kleineren Turbulenzen gelandet

Coldhart - Right & Wrong
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Mit der Veröffentlichung des finalen Bands von „Coldhart“ war ich jetzt natürlich richtig gespannt, wie es wohl ausgeht und ich muss sagen, dass Lena Kiefer das Flugzeug gut landet, aber ein paar Turbulenzen ...

Mit der Veröffentlichung des finalen Bands von „Coldhart“ war ich jetzt natürlich richtig gespannt, wie es wohl ausgeht und ich muss sagen, dass Lena Kiefer das Flugzeug gut landet, aber ein paar Turbulenzen wurden doch noch mitgenommen.

Band 1 hat für mich vor allem wegen der tollen Chemie zwischen Eli und Felicity funktioniert. Band 2 war dann eigentlich ein typischer Zwischenband: Es hat sich natürlich inhaltlich etwas getan, aber es gab auch zähere Phasen und ich fand manche Details auch eher unlogisch. Da war Logik das Opfer von Spannung. Aber ich habe mir auch immer wieder gesagt, dass ich die Reihe nicht bewerten kann, als sei sie ein reiner Thriller, weil das wäre unfair. Daran musste ich mich in Band 3 dann auch manchmal erinnern. Insgesamt war er aber mit deutlich mehr spannenden Höhepunkten ausgestattet, so dass der Leseprozess wirklich zügig war, denn ich wollte immer mehr Antworten haben. Was auch ein großes Plus war, wie groß die Gruppe war, die an einer Lösung gearbeitet hat. Auch wenn es in der Hauptsache immer noch die Geschichte von Eli und Felicity war, aber auch alle anderen hatten eine Wichtigkeit. Es fühlte sich so also echt nach Familie an und nach jetzt insgesamt sechs Bänden in dieser Welt ist das auch echt eine schöne Bestätigung.

Als Paar mussten Eli und Felicity in diesem Band nicht mehr viele gemeinsame Schritte gehen. Am Anfang war kurz Sand im Getriebe, aber ansonsten hat man gemerkt, dass die beiden sich als Einheit definieren und um ihr gemeinsames Glück kämpfen und das fand ich sehr angenehm, weil sie nicht mehr gegeneinander gearbeitet haben. Dennoch ist Felicity als Figur für mich etwas anstrengend gewesen, wenn es sich in dem Charakter selbst auch logisch fortgesetzt hat, denn sie ist ein Mensch, der völlig aus dem Bauch heraus agiert. Deswegen hat sie in meinen Augen den Plan gegen Grant auch am meisten gefährdet. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mir genauso schwer gefallen wäre, in seiner Gegenwart zu agieren, aber sie hat gewisse Dinge auch echt eingeladen und sich dadurch so auffällig verhalten, dass es nie einen Plan gab. Aber damit hat Lena Kiefer auch aktiv gespielt. Sie hatte nicht das Vorhaben, einen clever ausgeklügelten Plan zu einem Ende zu bringen, was ich zwar cool gefunden hätte, weil ich durch Krimis/Thriller es einfach liebe, wenn so ein Bösewicht richtig ausgespielt wird, aber ich habe es auch verstanden, dass das kein Schwerpunkt gewesen ist. So wirkte es tatsächlich etwas einfach aufgelöst. Das lasse ich auch als Kritikpunkt stehen, aber in die Geschichte hat es sich schon gut eingefügt.

An diesem Punkt der Handlung hatten wir aber noch etwa 100 Seiten offen und ich dachte, was kommt denn jetzt noch? Der zweite Kniff war dann nochmal richtig etwas zum Mitfiebern, wenn das Geheimnis um die Person dahinter schon sehr durchschaubar war. Aber auch hier: Es sollte vielleicht nicht direkt genannt werden, aber ein Top Secret-Geheimnis sollte es eben auch nicht sein. So war es für die Intention aber nochmal der richtige Schwerpunkt. Ich fand es auch wichtig, dass wir bei Helena und Jess große Schritte live mitbekommen habe. So fühlte sich das Ende dann auch richtig friedlich an, auch weil es sich speziell für Felicity dann zu einem echten Kreis zusammengeschlossen hat. Kiefer sagt in den Dankesworten selbst, dass diese Welt jetzt erstmal zurückstehen muss. Auch wenn genug weitere Geschichten angedeutet wurden, aber ich kann sie da sehr gut verstehen, weil es zwischendurch für die eigene Fantasie auch mal Abwechslung braucht. Aber für mich ist auch klar, sollte es nochmal eine neue Trilogie in dieser Welt geben, ich wäre in jedem Fall dabei.

Fazit: Der dritte Band von „Coldhart“ war nicht perfekt, gerade weil ich mir in der Erzählweise noch mehr Cleverness gewünscht hätte, aber es war für die Absicht und in Anbetracht der beteiligten Charaktere auch schlüssig. Richtig schön war der Zusammenhalt diesmal, was trotz der auch ernsten Themen immer etwas von Heimat ausstrahlt. Auch wenn es das für Kiefer erstmal in dieser Welt war, aber sie hat damit echt etwas geschaffen!

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Veröffentlicht am 12.12.2024

Saum-tastischer Abschied!

Vergissmeinnicht – Was die Welt zusammenhält
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Kerstin Gier und ihre „Vergissmeinnicht“-Trilogie war für mich ganz eindeutig eine Reise, von eher unten nach oben. Wirkte im ersten Band noch alles sehr ziellos und zu gigantisch in der Dimension, hat ...

Kerstin Gier und ihre „Vergissmeinnicht“-Trilogie war für mich ganz eindeutig eine Reise, von eher unten nach oben. Wirkte im ersten Band noch alles sehr ziellos und zu gigantisch in der Dimension, hat sich das im zweiten Band schon ganz anders entwickelt. Der dritte wurde nun tatsächlich als Finale angekündigt. Im zweiten Teil hatte ich stellenweise noch das Gefühl, Gier könnte sich da ewig austoben, weswegen mich die Botschaft doch erleichtert hat, denn alles Schöne muss mal enden.

Neu war für mich, den dritten Band nun als Hörbuch zu erleben. Jasna Fritzi Bauer und Timmo Niesner lesen in der Hauptsache als Matilda und Quinn. Sind nun beides keine Jugendliche, aber sie haben beide sehr junge Stimmen, weswegen die Besetzung sinnig ist. Bei Niesner war es tatsächlich etwas seltsam, weil hier zusammengekommen ist, dass ich „The Day of the Jackal“ als Sky-Co-Produktion mit Eddie Redmayne gerade schaue, so dass ich eine Stimme in völlig unterschiedlichen Kontexten erlebt habe. Das war dann schon mal irritierend, aber unterm Strich habe ich Niesner irgendwann gut als Stimme von Quinn verordnen können. Zudem ist das Lob auch dahingehend, dass der humoristische Stil von Gier durch beide Erzähler sehr gut rübergekommen ist. Es wirkte nicht lächerlich, sondern genauso lustig-authentisch, wie es sein soll.

Kommen wir aber nun zum eigentlichen Inhalt und der gewählten Stilistik von Gier. Es war sehr gut zu merken, dass es das große Finale ist. Denn es war durchgängig Zug drin. Nach einer wiederholt genialen Zusammenfassung durch unseren Lieblingsdämon zu Beginn des Buchs wird mit der Entführung von Lieblingscousinchen gleich eine Hausnummer gesetzt. Auch im weiteren Verlauf habe ich durch die Prozentzahl des Hörbuchs immer wieder gedacht, dass die erzählerischen Höhepunkte sehr regelmäßig gesetzt. Zur Mitte ist neben dem Ende dann ein großer Höhepunkt gesetzt, aber auch zwischendurch gibt es immer mal wieder Vollgas-Erlebnisse. Das hat angesichts der Laufzeit gut bei Laune gehalten. Zudem muss ich gerade mit meiner Kritik an Band 1 auch sagen, dass es sich zwischen Quinn und Matilda wirklich sehr gerecht aufgeteilt hat, dass sie beide ihre eigenen und gemeinsame Erlebnisse haben. Auch wenn Quinn die meiste Zeit der drei Bände der Auserwählte war, so hat es sich zum Finale wunderbar aufgelöst, dass ohne Matilda gar nichts gelaufen wäre.

Über die zwei Bände hinweg sind einige Fragen aufgeworfen worden und im Finale war es jetzt löblich, dass Gier nicht noch zig weitere aufgeworfen hat, sondern dass sie sich an die Antworten gemacht hat. So sind nach und nach Puzzleteile zusammengesetzt worden. Es war auch herrlich, dass das wirklich große Figurenensemble in der Gesamtschau noch jeweils seine Momente hatte. Da merkt man dann doch sehr deutlich, dass Gier als Erzählerin erstens erfahren ist, sie zweitens aber schon Reihen geschrieben hat, weswegen sie weiß, was die Leserschaft will. Ich fand es jedenfalls toll, dass neben Matilda und Quinn deutlich wurde, dass es auf viele Figuren ankam, die ihr Herz für den Saum und alles drum herum gegeben haben. Das ist auch insofern so löblich, weil Gier sehr spezielle Figuren geschaffen hat und es ist einfach cool, wenn eben diese trotzdem funktionieren und man mit ihnen fiebert. Man merkt also, obwohl ich lange bei dieser Reihe brauchte, um richtig drin zu sein, ich bin erleichtert, dass es irgendwann Klick gemacht hat und ich so jetzt dieses würdige Ende miterlebt habe.

Fazit: „Vergissmeinnicht – Was die Welt zusammenhält“ ist ein sehr empfehlenswerter Abschlussband, um von Saum Lebewohl zu nehmen. Ich musste mich in die Reihe reinfuchsen, aber das hat sich gelohnt. Tolle Höhepunkte nochmal, weitere Heldenmomente und viel, viel Sympathisches, das den Abschied bittersüß macht.

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Viele richtige Zutaten, aber eine Sarah

Last Seen
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Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu ...

Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu aufgelegt. Da ich bislang noch von keinem Buch von Clarke enttäuscht worden bin, entdecke ich jetzt auch gerne ihre früheren Geschichten.

Da ich inzwischen schon bei fünf Büchern von ihr bin, ist es doch einfach zu sagen, dass man Clarke als Autorin immer gut erkennen kann. Es geht immer irgendwie in die Natur hinein und das in dem Sinne, dass es nicht darum geht, Figuren auf engstem Raum einzupferchen und alles explodieren zu lassen, sondern dass sie den Gewalten der Natur auf eine Art und Weise begegnen müssen. Hier gibt es im Vergleich nur überraschend wenig Perspektiven, indem wir Sarah und Isla haben, aber letztlich hat das auch gereicht, wenn man die Handlung rekapituliert. Während Sarah vor allem für die Gegenwart zuständig ist, ist Isla diejenige, mit der wir die Vergangenheit ergründen. Bei ihr war es anfangs etwas irritierend, dass es zunächst scheinbar einen Kommentar von Sarah gab, ehe sie dann in die Vergangenheit abgetaucht ist. Das erklärt sich letztlich als logisch hinaus, ist vielleicht aber auch etwas zu offensichtlich gewählt worden? Ich finde in jedem Fall, dass Clarke inzwischen etwas cleverer schreibt. Dennoch würde ich die Gestaltung von Islas Perspektive jetzt nicht als Fauxpas beschreiben, weil es genug weitere Ebenen gab, um den Verlauf spannend und mysteriös zu halten.

Bislang war es in Clarkes Büchern durch die verschiedenen Perspektiven immer so, dass ich mich einigen Figuren näher fühlte als anderen. Hier ist schon auffällig, dass Sarah in allem etwas dominanter ist, nur leider ist sie auch die unsympathischere von beiden. Dementsprechend schwer war es oft, alles durch ihre Linse zu sehen, weil es mir doch schwer fiel, Empathie für sie aufzubringen. Ich finde zwar absolut, dass sie in sich sehr konsequent gestaltet worden ist und die Puzzlestücke sich dementsprechend sinnig zusammenfügen lassen, aber es wird zwischendurch auch ganz schön emotional und Sarah stellte da die Barriere da, es auch wirklich alles fühlen zu können. Mein Eindruck war letztlich, dass Sarah ohne Frage ein Trauma erlitten hat, was aber in der Folge dazu geführt hat, dass sie ihre eigenen Fehler immer anderen anlastet und so war sie eigentlich für alle um sich herum eine sehr toxische Persönlichkeit. Man hat nämlich angesichts der ganzen Figuren, die Sarah mit ihren Entscheidungen beeinflusst hat, gemerkt, dass sie für diese keine eigene Empathie aufbringen konnte.

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass Isla die Sauberfrau ist Sie macht auch Fehler und wirkt sich mit ihren Handlungen auf andere aus, aber es wurde doch auch immer deutlich, dass für sie ein Gemeinschaftsgedanken immer über dem eigenen Ansinnen stand. Deswegen war sie nicht perfekt, aber es war deutlich leichter, sich in sie hineinzuversetzen. Wenn ich jetzt von den Figuren einmal abkehre, dann hat der Handlungsverlauf durch den vermissten Jacob gleich am Anfang einen Sog. Zudem wird in angemessenen Abständen immer wieder mit mysteriösen Andeutungen gearbeitet. Dann gibt es vereinzelt Antworten, ehe wieder neue Fragen aufgeworfen werden. Das sorgt dafür, dass man „Last Seen“ wirklich zügig lesen kann. Es gibt am Ende auch viele Enthüllungen, manche überraschender als andere. Gerade bei so Büchern ist immer die Gefahr, wie viel ist noch realistisch und ab wann ist es nur noch übertrieben? Clarke ist für mich haarscharf an der Linie entlang geschrammt, indem sie dann noch eine weitere Figure entscheidend einbindet.

Fazit: „Last Seen“ mag eines der früheren Werke von Lucy Clarke sein, aber es zeigt sich, dass sie ihre Stilistik schon lange ausarbeitet. Es ist also an Spannung und Figurenzeichnungen viel wiederzuerkennen, was ich als Leserin zu schätzen weiß. Einzige Stolperfalle war hier eigentlich Hauptfigur Sarah, die sehr dominant ist, die ich als Figur aber nicht packen konnte, so dass sie eine gewisse Bremse zur Emotionalität der Handlung darstellte.

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