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Veröffentlicht am 17.10.2024

Ungewöhnliche Ermittlungen in Taiwan

Das Parfüm des Todes
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Zunächst hat mich zu „Das Parfüm des Todes“ der Titel mitsamt Cover gezogen und dann tatsächlich auch der Verlag, denn ich habe von Suhrkamp schon einige ungewöhnliche Thriller bekommen, die vielleicht ...

Zunächst hat mich zu „Das Parfüm des Todes“ der Titel mitsamt Cover gezogen und dann tatsächlich auch der Verlag, denn ich habe von Suhrkamp schon einige ungewöhnliche Thriller bekommen, die vielleicht nicht alle ein Kassenschlager sind, für mich aber unterstreichen, dass es spezielle Geschichten sind und dass es nicht für ordinären Ermittler X immer der 50. Fall schon sein muss. Erst im nächsten Gedanken fand ich dann interessant, dass mit Autorin Katniss Hsiao eine taiwanische Identität vorliegt. Ich lese viel zu wenig aus dem asiatischen Raum, was sicherlich auch daran liegt, dass es am deutschen Buchmarkt auch einen geringeren Anteil ausmacht, aber es liegt sicherlich auch an mir. Von daher war ich sehr gespannt.

Ich habe in „Das Parfüm des Todes“ sehr schlecht reingefunden. Es lag sicherlich auch an kulturellen Unterschieden, indem ich mit asiatischen Namen und dass hier Nachname und Vorname oft zusammengesprochen werden und in der unterschiedlichen Reihenfolge stehen, keinen regulären Umgang war. Aber nein, das war es nicht, was mir den Einstieg erschwert hat. Es war eher das Hineingeworfen werden in eine relativ bizarre Ausgangssituation. Yang Ning ist als Figur sehr schwer zu packen und sie ist auch wahrlich niemand, die einen sofort mit Sympathien einfängt. Es war eher das Gegenteil und das Gefühl, dass es über sie noch viel zu erfahren gibt, bis sich überhaupt etwas bei mir angesichts von Sympathien tun wird. Aber hier schwankte auch mit, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe, weil ich Gewöhnliches nicht wollte und dementsprechend auch nicht erwartet habe. Demnach war klar, dass ich auf jeden Fall durchhalten würde. Was aber eindeutig nicht hätte sein müssen, dass war das Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten. Zumal es auch optisch kein Warnsignal gab. Wären die Rückblenden jeweils in die Kapitel integriert worden, dann hätte es sich wahrscheinlich alleine schon die Erzähltechnik erklärt. So aber fange ich ein neues Kapitel an und denke auf einmal: Wo sind wir denn jetzt? Irgendwann macht es natürlich klick, aber das sind für mich auch Erzählweisen, die gar nicht so einfach sind und vielleicht sollen sie die Leserschaft auch wach halten, aber ich empfinde es eher als Schikanen.

Das Einzige, was sich optisch deutlich absetzt, das ist eine Perspektive, die kursiv geschrieben und eingerückt ist. Hier gab es immer deutlich das Signal, hier geht es um jemand anderen als Yang Ning und es ist eine der Rätsel herauszufinden, wer sich dahinter verbirgt. Wenn ich diese Kritikpunkte zum Anfang bedenke, dann ist es sehr erleichternd, dass „Das Parfüm des Todes“ in meinen Augen immer besser wurde. Je mehr Zeit verging, desto mehr habe ich Ning verstehen können. Sympathien bleibt ein schwieriges Wort, aber es war auf jeden Fall Verständnis da, denn ich habe sie als Figur immer besser greifen können. Wie war sie als Kind, was hat sich anschließend getan, warum ist sie traumatisiert, wie ist ihr Verhältnis zu Gerüchen und warum hat sie so bizarre Praktiken an Tatorten? Mehr und mehr setzen sich die Puzzleteile zusammen. Dazu ist top, dass mit ihr wirklich ein ganz normaler Mensch quasi zur Ermittlerin wird. Anders kann man das auch nicht bezeichnen, denn sie löst so einige Rätsel, die den richtigen Polizisten verborgen bleiben und das sicherlich mit Köpfchen, aber auch ihrer Beziehung zum Geruchssinn. Um sie herum gibt es weitere Charaktere. Die Anzahl ist überschaubar gehalten, was hier gut passt, aber es sind alles auf ihre Weise Unikate und es ist auch cool, wie Ning ihnen aufgrund ihrer eigenen Art begegnet und das ist vor allem vorurteilsfrei.

Auch wenn die Erzählweise bis zum Schluss eine gewisse Herausforderung bleibt, weil die Autorin auch gar nicht geschmeidig, simpler erzählen wollte, aber ich habe einen Gewöhnungseffekt bemerkt und mich trotz einiger Kreisel trotzdem nicht verführt gefühlt, etwas zu überfliegen. Denn es gab bis zum Schluss auch noch genug zu entdecken. Hsiao hat die Spannung und die Komplexität bis zum letzten Satz hochgehalten. Auch wenn es in der Gesamtsicht vielleicht etwas absurd ist, was Ning alles aufgedeckt hat, aber es hat sich dennoch organisch in die Gesamtgeschichte eingefügt. Auch wenn sich alles auf einen kleinen Personenkreis bezieht, aber dennoch hatte ich Überraschungseffekte, die aber auch nicht nur in den Tätern lagen, sondern auch auf die Art, wie Ning Aspekte herausfand, was sie dafür auf sich genommen hat und dabei ihr stetes Gefühlschaos.

Fazit: „Das Parfüm des Todes“ ist für Suhrkamp ein wirklich typischer Thriller. Er ist mit nichts anderem zu vergleichen, weil Katniss Hsiao etwas erschaffen hat, was raussticht. Auch wenn es am Anfang echt schwierig war, aber einmal mit Packan, dann habe ich immer mehr Gefallen an Yang Ning und ihren Erlebnissen gefunden. Dabei war es auch spannend bis zum Schluss. Für Liebhaber von ungewöhnlichen Thrillern auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Verbessert, aber auch mit Gefahrenquelle

Aschezeichen
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Katrine Engberg ist mir 2023 erstmals intensiver begegnet und da ihr Krimi in Dänemark spielend, „Glutspur“, genau im Herbst erschien, erschien es mir wie die ideale Gelegenheit, weil ich in den düsteren ...

Katrine Engberg ist mir 2023 erstmals intensiver begegnet und da ihr Krimi in Dänemark spielend, „Glutspur“, genau im Herbst erschien, erschien es mir wie die ideale Gelegenheit, weil ich in den düsteren Jahreszeiten mehr Krimis lese. Ich fand den Auftakt auch recht gelungen und mir war klar, dass ich gerne erstmal dran bleiben werden.

Nun ist „Aschezeichen“ draußen und nachdem ich den ersten Band noch als Hörbuch hatte, habe ich diesmal selbst gelesen. Das hat an der Wahrnehmung der Reihe aber wenig geändert. Da es für „Glutspur“ auch nur eine Erzählstimme für drei Perspektiven gab, kam für mich wirklich dasselbe raus. Auch weil Engberg an einem Punkt auch nichts geändert hat und das hat mich doch echt überrascht. Der erste Band wurde durch die Perspektive von Liv, Nima und Hannah erzählt. Aber für „Aschezeichen“ gilt das immer noch. Das habe ich so wirklich nicht erwartet, auch weil die Perspektiven mein zentraler Kritikpunkt war. Speziell Hannah fand ich völlig unwichtig für den ersten Band, während Nima als Verdächtiger durchaus seinen Reiz hatte. Warum also jetzt wieder diese drei Perspektiven? Zumal es auch diesmal nicht DEN Mehrwert hat. Ich würde Hannah immer noch als überflüssig beschreiben und bei Nima hatte ich diesmal sehr den Eindruck, dass die Autorin es sich auch etwas zurechtgebogen hat, um die Perspektiven behalten zu können. Auch wenn es mit der erneuten Verwicklung wieder aufgegangen ist, aber ich sehe in diesem sturen Erzählen dennoch eine große Gefahr, weil in Krimis verschiedene Perspektiven eigentlich Frische bedeuten und nicht Rückwärtsgewandtheit. Wenn Nima und Hannah, die beide nicht konkret mit Ermittlungsarbeiten zu tun haben, immer wieder in Fälle gequetscht werden, dann wirkt das irgendwann künstlich.

Hier ging es nun noch, obwohl es dabei bleibt: Hannahs Perspektive ist echt unsinnig. Ich finde ihre Figur gähnend langweilig. Auch wenn es wieder kleinere Überschneidungen gibt, aber über die Tage hinweg gab es da kaum Bewegung und deswegen wird auch kein Interesse geweckt. Für Nima war es sicherlich nochmal gelungen, um auch mehr über seiner Vergangenheit zu lernen und ihn auch durch die Verantwortung mehr herauszufordern. Aber im Zentrum bleibt sonst Liv. Sie ist speziell, das steht für mich außer Frage, aber Krimireihen funktionieren immer besser, wenn wenig aalglatte Charaktere vorausgehen. Bei Liv ist oft auch fast schon humorvoll, mit welchem Mut und welcher Dreistigkeit sie vorangeht. Sie kennt nur wenig Angst und das lässt sich auch mal wahnsinnig erscheinen, aber es verdient auch Respekt, auch weil sie so ein Gespür für alles hat. Dafür, dass sie nicht bei der Polizei angestellt hat, bekommt sie aber alle Tricks durch und ich habe auch den Eindruck, dass sie wie jemand agiert, der nichts zu verlieren hat. Es war auch spannend, dass mit diesen Fieberschüben ein psychosomatischer Schwerpunkt gesetzt wurde. Auch weil sie durch den sexuellen Übergriff auf sich sicherlich viel verdrängt. Dementsprechend war diese unterschwellige Wut auch interessant und könnte auch in weiteren Bänden noch spannend werden.

Kommen wir nun zum Fall. Ich habe in der Mitte der Ermittlungen schon echtes Bauchgrummeln gehabt, denn es geht in einem erheblichen Ausmaß um die Einwanderungsthematik. Das Opfer ist ein Iraner, der in einem Auffanglager kurz nach seiner Flucht nach Dänemark gelandet ist. Liv hat gleich ein Gespür dafür, dass etwas aus der Vergangenheit mit seinem Tod zu tun haben könnte, weswegen sie in der Unterkunft und in der iranisch-muslimischen Gemeinschaft herumschnüffelt. Zunächst fand ich das sehr spannend, aber irgendwann dachte ich, nun haben wir in vielen Ländern auf der Welt einen unter der Oberfläche brodelnden Konflikt in der Ausländerthematik und jetzt facht es das Buch auch noch an? Ich denke, die Gedanken zeigen, in welche Richtung es ging und ich war wirklich besorgt, dass es so einseitig zur Aufhetzung beiträgt. Der Krimi schafft dann aber nochmal die Wende und bietet eine andere Auflösung als zwischendurch gedacht. Damit ist dieser Themenkomplex nicht auf einmal weg, er bleibt auch in seinen Andeutungen wahr, aber es wirkt nicht mehr so einseitig. Deswegen konnte ich damit auch meinen Frieden machen. Ich finde nämlich auch, dass Engberg auf jeden Fall erzählerisch eine Schippe draufgelegt hat, weil alles gut ineinanderfließt und ich so Leerstellen wie in Band 1 nicht so wahrgenommen habe.

Fazit: „Aschzeichen“ stellt auf eine Weise eine Steigerung von Engberg dar, wenn es um Privatermittlerin Liv geht. Es ist alles flüssiger und noch kompakter im Aufbau. Doch es bleibt ein großer Schwachpunkt. Die Autorin klebt an drei Perspektiven, was erneut Fragezeichen aufwirft und spätestens für einen dritten Band fände ich es sehr fatal. Daher Obacht!

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Zwei Bände wären hier drin gewesen

A thousand heartbeats - Der Ruf des Schicksals
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Kiera Cass hat mich einige Jahre als Autorin doch sehr intensiv begleitet, weil ihre „Selection“-Reihe damals bei vielen in aller Munde war, aber es passte damals auch ideal in das hinein, was ich gerne ...

Kiera Cass hat mich einige Jahre als Autorin doch sehr intensiv begleitet, weil ihre „Selection“-Reihe damals bei vielen in aller Munde war, aber es passte damals auch ideal in das hinein, was ich gerne gelesen habe. Danach hat sie auch weiterhin veröffentlicht, doch ich muss zugeben, dass mir die Klappentexte dann schon wieder zu ähnlich klangen, weswegen ich es lieber gelassen habe, weil ich keine Kopie wollte, aber auch umgekehrt die tollen Erinnerungen an die Reihe nicht überdecken wollte. Nun sind aber echt schon einige Jahre vergangen, weswegen mich „A Thousand Heartbeats“ doch gereizt hat, aber tatsächlich klang der Klappentext auch anders, so dass ich Cass gerne nochmal eine Chance gebe.

Zunächst hat mir gefallen, dass es ein Einzelband ist, denn man liest so viele Reihen und wartet dann immer auf den nächsten Band und vergisst bis dahin die Hälfte wieder. Auch wenn ich Reihen liebe, da bin ich über einen Einzelband doch auch schon mal richtig glücklich. Hier hat mir aber auch inhaltlich gefallen, dass Cass ein bisschen was gewagt hat. Der erste Aspekt ist dabei sicherlich, dass die beiden Protagonisten Annika und Lennox eine längere Zeit jeweils für sich agieren. Wir haben aus ihren Perspektiven jeweils die Kapitel und das ist auch wirklich nacheinander geregelt, so dass ich die beiden als sehr gleichberechtigt für die Geschichte empfunden habe. Positiv! Aber es ist klar, sie sind das Pärchen, für das man hinterher mitfiebern soll, weswegen eine so lang anhaltende räumliche Trennung natürlich ein Wagnis ist. Mir hat es aber gefallen, weil ich so in das jeweilige Leben der beiden gut einsteigen konnte, ohne wieder zig Nebenschauplätze zu haben und möglicherweise eine Liebesgeschichte, in der zu viel Gas gegeben wird. Das zweite Wagnis ist Lennox. Er wird uns düster präsentiert und wir wissen, dass er gefürchtet ist, weil er kompromisslos tötet. Das ist mal eine Hausnummer. Aber umgekehrt wurde auch bei Annikas Vorstellung deutlich, dass da noch ein paar Aspekte verheimlicht werden. Sauberleute waren sie in dem Sinne sowieso nicht.

Allgemein war der Ausgangspunkt so, dass wir eher in die Handlung geworfen werden. Es ist kein langsamer Aufbau, denn Annika steht vor einer Verlobung, sie erholt sich offensichtlich von einer Verletzung, deren Ursache wir nicht kennen. Umgekehrt versucht sich Lennox zu beweisen, aber man weiß gar nicht so genau, warum ihm eigentlich Steine in den Weg gelegt werden und auch das Verhältnis zu seiner Mutter ist ein verwunderlicher Aspekt. Nur seine treue Begleiterin, eine Füchsin, ist gleich der Punkt, der ihm eine weiche Seite gibt. So bauen sich nach und nach die Handlungen auf und wir können immer mehr Puzzleteile zusammensetzen. Schließlich überkreuzen sich die Geschichten dann und ich muss sagen, dass ab da doch eine andere Spannung hinzugekommen ist. Nun war mehr Zug drin. Auch wenn der Einstieg abrupt ist, aber dadurch merkt man im Nachklang, dass es doch aufbauend auf mehr war. Der wichtigste Teil der Handlung ist aber nahezu genau in der Mitte. Es dient dazu, die Beziehung zwischen Annika und Lennox intensiv auszubauen. Das hat für mich auch funktioniert, wenn ich auch sagen muss, dass mir da zu viel als Schicksal zusammenkam. Unterm Strich ist es auch eine schnell erzählte Liebesgeschichte, die vielleicht noch ein paar Schleifen mehr vertragen hätte.

Im Grunde ist dieser intensive Teil dann auch Ausgangspunkt einer Entwicklung, bei der ich nicht so richtig zu einem Fazit komme, wie es mir gefallen hat. Zunächst mal: Es war am Ende schon verdammt spannend. Es passierte nochmal viel, es gab viele Enthüllungen und viele Konflikte, aber es war auch in der Art sehr viel und alles sehr überstürzend. An dem Punkt habe ich wohl am deutlichsten gemerkt, dass Cass hier sich eine Geschichte ausgedacht hat, die mit zwei Bänden am besten aufgebaut worden wäre. Dann hätte man zwischendurch noch mehr Raum zum Atmen gehabt, aber man hätte auch die größeren Kampfhandlungen noch gewaltiger aufziehen können. So war es am Ende sich vielleicht etwas einfach gemacht. Dennoch ist der Schlusspunkt für mich ideal. Es war nämlich zwischendurch schwer abzuschätzen, wie sich alles entwickeln soll und kann, um zufriedenstellend zu wirken und da hat Cass Lösungen gefunden, die passen und die mich trotz gewisser Kritikpunkte zufrieden gehen lassen.

Fazit: „A Thousand Heartbeats“ ist ein insgesamt gelungener Einzelband. Ich fand toll, dass ich Cass zwar wiedererkannt habe, aber dennoch hat sie mir etwas ganz Neues erzählt. Sie hat auch Wagnisse gewählt, die funktioniert haben. Aber sie hat auch eine Idee erschaffen, die Potenzial für mehr hatte. Zwei Bände wären hierfür sicherlich der ideale Umfang gewesen. So ist es an einigen Stellen einfach oberflächlicher, als ich es mir gewünscht hätte.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Kleinstadt-Setting perfekt ausgenutzt

Was wir im Stillen fühlten
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Brittainy Cherry hat zwar schon genug Reihen veröffentlicht, jedoch bedeuten bei ihr Reihen doch oft etwas anderes als bei anderen Autoren. Während bei vielen aufbauende Handlung und ein Figurenrepertoire ...

Brittainy Cherry hat zwar schon genug Reihen veröffentlicht, jedoch bedeuten bei ihr Reihen doch oft etwas anderes als bei anderen Autoren. Während bei vielen aufbauende Handlung und ein Figurenrepertoire die Stichworte sind, hat Cherry oft mit inhaltlichem Rahmen, aber doch ganz eigenen Figurenwelten gearbeitet. Mit der „Problems“-Reihe ist nun etwas anderes geplant, denn es soll um die Kingsley-Schwestern und die Kleinstadt Honey Creek gehen. Auch wenn ich ohnehin alles von ihr lese, aber das klingt doch vielversprechend, denn Cherry kann schließlich besondere Beziehungen, die man gerne weiterverfolgt.

Da die Weihnachtszeit wahrlich nicht mehr fern ist und in den entsprechenden Filmen Kleinstädte immer an der Tagesordnung sind, ist es die perfekte Vorbereitung, denn ich hatte bei Honey Creek auch sofort die passende Atmosphäre vor Augen. Das liegt vor allem an den Kingsley-Schwestern, speziell natürlich Yara, weil wir mit ihr in die Umgebung und in die Dynamiken eintauchen. Es war natürlich furchtbar, wie durch Coles Einfluss die Menschen teilweise mit ihr umgegangen sind, aber trotz allem hatte ich sofort den Eindruck, dass sie alleine durch ihre Familie einen Zirkel hat, der auf sie aufpasst, der sie so nimmt, wie sie ist, so dass sie sich auch voll ausleben darf. Yara ist für mich auch eine typische Cherry-Protagonistin. People-Pleaser, lebensfroh, im Einklang mit ihren Emotionen, lustig und hart kämpfend für die, die sie liebt. Ich habe diese Figuren immer bildlich vor Augen, weil Cherry diese Mischung wie kaum jemand sonst schreibt. Nun könnte man argumentieren, dass es vielleicht auch etwas langweilig ist, wenn es immer sehr ähnliche Frauen sind, aber auch wenn Cherry einen klarer Stil hat, so gelingt es ihr doch immer, jeder Geschichte ihren eigen Stempel aufzudrücken.

Bei Alex wiederum war ich erst etwas irritiert. Nicht charakterlich, weil Brummbären hat es bei Cherry auch immer schon mal gegeben. Für mich war es anfangs aber echt schwer, genau bei ihm zu kategorisieren, in welcher Lebensphase er gerade ist, wer mit ihm was ist, also die zeitliche Einordnung mit seiner Teresa etc., das war doch etwas kompliziert. Da ich auch nicht denke, dass das wirklich geheimniswürdig war/ist, hätte Cherry hier etwas mehr Ordnung finden können. Aber ansonsten habe ich nicht wirklich etwas zu meckern, weil die Art von Geschichte, die ich von ihr kenne, die habe ich bekommen. Zwischen Yara und Alex hat es sich wirklich wunderbar entwickelt. Für mich war eine tolle Chemie da, die zuerst über Hass sich schnell zu mehr entwickelte. Ich fand es hintenraus auch schön, wie einige Fäden gesponnen wurden, was perfekt zur Kleinstadt passte. Genauso war es aber schön, wie so eine typische Kleinstadt-Fehde drum herum erzählt wurde. Da wurden für mich die Vor- und Nachteile gleichermaßen betont. Es kann eben Fluch und Segen zugleich sein. Gleichzeitig versprechen die Ansätze aber schon, dass es mit Avery und Willow genug Potenzial gibt. Gerade auf die Geschichte von Avery bin ich sehr gespannt, da für sie auch schon einiges getan wurde und da gleich zwei Kerle sind, was einigen Herzschmerz bedeuten könnte.

Aber nochmal zurück zu diesem Roman. Mit dem Restaurant und der Hundebetreuung sind für mich auch so ideale Berufe gefunden worden, um die Dynamiken zu unterstreichen. Denn beide Jobs sind nah am Menschen, so dass man wirklich da viel mit machen kann. Ich fand auch viele Darstellungen von Nebenfiguren echt lustig, gerade weil es so überspitzt war. Unterhaltung war hier sicher. Auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar waren, aber auch das ist für mich ein Aspekt, dessen ich mir bewusst, wenn ich von dieser Autorin lese. Dementsprechend macht es das für mich hier rund.

Fazit: „Was wir im Stillen fühlten“ ist als Auftakt einer Reihe, in der die einzelnen Bände ineinandergreifen, sehr gut gelungen. Yara und Alex haben mein Herz erobert, aber auch die anderen Schwestern machen schon Lust auf mehr. Die Kleinstadt passte hier bestens als Setting und es ist dann die ideale Mischung aus Klischees, kleinen Ärgern und purer charmanter Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Zu wenig Konsequenz in der Absicht

Für immer und ein Jahr
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Das Gesamtpaket „Für immer und ein Jahr“ hat mich sehr an die diversen Bücher von Cecelia Ahern erinnert, die auch bei Fischer eine Heimat gefunden hat. Inzwischen habe ihre Bücher in den Neuauflagen ein ...

Das Gesamtpaket „Für immer und ein Jahr“ hat mich sehr an die diversen Bücher von Cecelia Ahern erinnert, die auch bei Fischer eine Heimat gefunden hat. Inzwischen habe ihre Bücher in den Neuauflagen ein ganz anderes Design, aber das Bläuliche in verschiedenen Variationen und dann die Stilistik der Titelwahl, da sind wir von Stefanie Hansen und „Für immer und ein Jahr“ nicht weit weg. Mit dem Klappentext speziell musste ich auch sofort an „P.S.: Ich liebe dich“ denken, weswegen ich sofort reinlesen wollte.

Mich hat die Idee mit dem Geburtstagskalender, den der Witwer ein Jahr lang für die Verstorbene mit Anrufen ausführen soll, gleich überzeugt, zumal im Nachwort auch erklärt wird, dass es auf einer wahren Geschichte beruht, für die eine Autorin gesucht wurde. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es für Hinterbliebene eine gute Gelegenheit ist, einen Halt zu haben und es so von Anruf zu Anruf auch einfacher wird. Dementsprechend habe ich mich emotional vorbereitet in die Lektüre gestürzt und muss leider doch sagen, dass ich sehr enttäuscht wurde. Unterm Strich glaube ich, dass das Buch überall sehr gute Ansätze hat, denn die Trauer ist sehr gegenwärtig und ihren verschiedenen Formen deutlich zu spüren. Ich fand es auch total löblich, wie die beiden Kinder, Finn und Lina, dargestellt wurden. Es war sehr altersentsprechend und es wurden auch jeweils unterschiedliche Trauerprozesse dargestellt. Ich mochte auch die weitere Mischung an Nebenfiguren, gerade die Großmütter waren doch zwei sehr spezielle Charaktere, aber es hat gut in diese Geschichte gepackt. Gerade weil sie ein Gegenmodell zueinander darstellten, in dem Jan seinen Weg mit seiner Familie finden muss. Auch das Ende ist für mich vollkommen in Ordnung gelungen, weil es alles in einem Rahmen erfolgt ist, den ich für ein Jahr als angemessen empfunden habe.

Aber inmitten dieser Ansätze habe ich vor allem Konsequenz vermisst. Es war zwar okay, dass Jan zum einen nicht der Telefonierer ist (bin ich auch nicht) und dass er sich gerade anfangs wegen der Trauer auch sehr schwer getan hat und einige Geburtstage hat ausfallen lassen, aber ich hatte es mir im Vorfeld als zentrales Momentum vorgestellt. Das kann man aber nicht wirklich behaupten. Ja, es gibt immer mal wieder Anrufe und einige führen auch zu interessanten Nebengeschichten, wie beispielsweise der Anruf bei der Trauerrednerin Tina, der wahrscheinlich auch der wichtigste des ganzen Buchs ist, aber die Handlung verliert das irgendwann fast völlig aus den Augen. Jan wächst auch so an seinen Aufgaben, das kann ich nicht leugnen, aber ich fand es auch als verbindendes Element zu Kaya schön und weil so viele Anrufe gar nicht stattgefunden haben, brach das auf eine Weise, die ich schade fand. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist für mich auch, dass viele Handlungen mit dem Kapitel auf einmal abzubrechen scheinen. Da backt die Familie Kuchen, es gibt Schwierigkeiten, Cut und vorbei. Ich kann mir als Leserin denken, dass es in einer Katastrophe geendet ist, aber warum so vieles in der Luft hängen lassen? Das passiert nicht einmal, sondern dauernd. Ja, ich kann Lücken füllen, aber durch die Stilistik entstand bei mir verstärkt der Eindruck, dass Jan keinerlei Beziehungen führen kann, weil ihm schnell alles wieder egal schien. Vielleicht bin ich in dem Punkt auch zu weit von Jan weg, aber ich fühlte mich da mehrfach im Stich gelassen.

Ein letzter Punkt, der mich etwas zwiegespalten hinterlässt, das sind die Einschübe von Kaya, als Geist (?). Ich war beim ersten Auftauchen irritiert, habe dann aber auch diverse Gedanken darin gefunden, die für mich Kaya auch aktiv als Figur gestaltet haben und nicht nur die Erinnerungen durch die anderen. Gleichzeitig aber hatte ich den Eindruck, dass Kaya immer betont hat, nun wäre alles egal, weil menschliche Gefühle für sie keine Rolle mehr spielen, als wäre sie ein anderes Dasein. Aber in manchen Passagen hat sie sich dann doch wieder widersprochen. Das hat mir die Einschübe dann wieder verhagelt, denn auch hier, keine Konsequenz.

Fazit: Ich habe mir bei „Für immer und ein Jahr“ ein ganz anderes Buch vorgestellt, leider. Es gab sehr wichtige Ansätze und ich habe insgesamt alle Tendenzen und Entwicklungen auch verstanden und gut geheißen. Aber gerade auf der stilistischen Ebene war es wenig konsequent und wirkte für mich in zu vielen Aspekten wie zusammengewürfelt. Emotionen blieben dadurch viel zu oft auf der Strecke.

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