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Veröffentlicht am 28.04.2026

Ein weiterer wilder Ritt

Royal Fake
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Da Lena Kiefer die Queen of Cliffhanger ist, ist es gut, dass ihre Bücher doch immer relativ schnell hintereinander erscheinen. Nach „Royal Heist“ geht es jetzt also mit „Royal Fake“ weiter und wir tauchen ...

Da Lena Kiefer die Queen of Cliffhanger ist, ist es gut, dass ihre Bücher doch immer relativ schnell hintereinander erscheinen. Nach „Royal Heist“ geht es jetzt also mit „Royal Fake“ weiter und wir tauchen wieder in die fiktive britische Monarchie und die Diebesgang Robbin Hood ein.

Ich war ein riesiger Fan vom ersten Band, was natürlich bedeuten kann, dass in Band 2 die Fallhöhe eintreten könnte. Ich muss aber sagen, dass Kiefer für mich wieder einen wilden Gefühlsmix angeboten hat. Das hat mir schon im ersten Band so sehr gefallen, sodass ich froh bin, dass wir dieselbe Erfolgsmischung wieder haben. Gleichzeitig kann man die Bände aber dennoch nicht miteinander vergleichen, weil sie völlig unterschiedliche Strukturen haben. Das liegt schon daran, wie die einzelnen Figuren fühlen, es liegt daran, wann Linus und die anderen eingebunden werden, es ist auch der Settingwechsel und dass wir so viele neue Charaktere kennenlernen. Dementsprechend bleibt zwar die Erfolgsformel gleich, aber alles andere war ein neuer Ausflug, mit neuen Überraschungen und Wendungen.

Ich hatte in Band 1 als kleinen Kritikpunkt angebracht, dass ich gerne mehr von der Dynamik von Robbin Hood mitbekommen würde, um vor allem neben Linus und Darcy auch die anderen besser kennenzulernen. Da hat mir „Royal Fake“ lange keinen Gefallen getan und da habe ich schon zwischendurch vermehrt kritische Gedanken gehabt. Es ist vor allem eine Liebesgeschichte, das ist mir klar, aber ich gehöre einfach zu dem Teil der Leserschaft, der gerne ein pralles Gerüst drum herum hat. Indem sich Darcy zunächst von allem fernhält und indem Tristan auch eine Mitarbeit ablehnt, ist die Crew mir zu lange außen vorgewesen. Nur gut, dass Kiefer sie als Ass jederzeit aus dem Ärmel ziehen kann. Am Ende war es da genau die richtige Mischung. Zwar geht immer noch mehr, aber ich habe viel Neues kennengelernt und gerade die gemeinsame Planung war voll von coolen Szenen. Gleichzeitig muss ich auch den Hut vor der Autorin ziehen, denn das letzte Fünftel war ein echter Actionfilm. Wenn man schon ein paar Heist-Serien oder -Filme gesehen hat, dann weiß man, das ist das Herzstück und Kiefer hat es wie ein Drehbuch angeboten. Vielleicht war es mir ein Ticken zu lang, weil ich gerne mal durchgeatmet hätte, aber mein Respekt ist echt riesig.

Nachdem ich jetzt schon so viel über das Ende angedeutet habe, kehren wir aber mal wieder zu davor zurück. Ich fand den Handlungsaufbau eigentlich fast noch besser als im ersten Band. Ich hatte mir im Auftakt einiges etwas anders vorgestellt, hier habe ich schon gar keine Vorstellungen mehr entwickelt und war deswegen durchgängig überzeugt. Am besten hat mir natürlich die Zusammenarbeit zwischen Darcy und Tristan gefallen, weil es auf Augenhöhe war und nur noch wenig Geheimnisse gab. Das hat alles zwischen ihnen auch echter erscheinen lassen. Aber auch die Idee, warum Tristan Darcy um Hilfe bittet, hat sich für mich sehr organisch angefühlt und hat viele Figuren ideal eingebunden. Aber auch der Handlungsortwechsel nach Mallorca passte für mich echt ideal und ich fand die Geschehnisse vor Ort romantisch und spannend gleichermaßen. So haben wir zwar einige Charaktere zurückgelassen, die dann im finalen Teil noch einmal wichtiger werden müssen, aber es ist schon richtig, denn bei den ganzen Figuren, die sich Kiefer da gestaltet hat, die kann man nicht alle gleichzeitig bedienen.

Am Ende haben wir wieder einen bodenlosen Cliffhanger, aber das war zu erwarten. Ich finde, dass er sehr an die „Westwell“-Reihe erinnert, aber ich kann auch verstehen, dass so ein Ende eine große Signalwirkung hat. In den dritten Band gehe ich auf jeden Fall auch wieder mit der Einstellung, dass ich wenig erwarten werden. Wenn das so aufgeht, wie hier in Band 2, dann ist meine Taktik ideal.

Fazit: „Royal Fake“ hat definitiv die Erfolgszutaten vom ersten Band im Gepäck und ist trotzdem eine ganz eigene Geschichte. Lena Kiefer spricht im Dank selbst davon, dass sie Mittelbände meist am liebsten schreibt. Mittelbände sind aber oft eher verschrien, aber das kann man hier keineswegs behaupten. Die Handlung hat sich unerwartet entwickelt, die Gefühle waren wieder intensiv und gerade das Ende war filmreif. Ab in die letzte Wartephase!

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Lahmer Ausflug nach Quincy

Garnet Flats | Die Edens 3 |
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Im deutschen Sprachraum ist mit „Garnet Flats“ nun der dritte Band rund um die Eden-Familie erschienen und bei drei Büchern vertieft sich das Fazit, dass der Suspense-Anteil aus dem Auftakt wohl nur eine ...

Im deutschen Sprachraum ist mit „Garnet Flats“ nun der dritte Band rund um die Eden-Familie erschienen und bei drei Büchern vertieft sich das Fazit, dass der Suspense-Anteil aus dem Auftakt wohl nur eine Ausnahme war. Da Band 2 mich dennoch überzeugen konnte, war mir der gravierende Unterschied auch egal. Doch hier in „Garnet Flats“ habe ich mir dann doch manches Mal erhofft, dass wir doch wieder zurückkehren könnten, um die Geschichte mehr anreichern zu können.

Mich hat an diesem dritten Band wohl am meisten gestört, was für eine relativ absurde Geschichte sich ausgedacht wurde, um die zweite Chance für Talia und Foster erzählen zu können. Es gibt sicherlich einiges auf der Welt, was man nicht genauer durchdenken möchte, aber hier kam es für mich einfach zu dicke zusammen, vor allem vor dem Hintergrund, dass gleich mehrere Figuren sich so zum Spielball haben machen lassen, ohne aktiv mal einen Weg heraus zu suchen. Second Chance ist in der Buchbubble auch ein Trope, der nicht unbedingt zu den beliebtesten gehört. Für mich ist das eigentlich nicht so, aber das Buch hat mich sehr zweigeteilt darüber denken lassen. Anfänglich fand ich Foster echt abstoßend. Er hat keine Grenzen respektiert, er war sehr aufdringlich und stellenweise fühlte es sich an, als wolle er runterspielen, was Talia erlebt hat und dadurch fühlt. Auch wenn es natürlich Szenen geben musste, in denen die nach wie vor vorhandene Anziehung präsent wurde, aber da hätte ich mir dann Talia aktiver gewünscht, gerade wegen der Vorgeschichte.

Auch wenn ich als Leserin irgendwann genau wusste, was passiert ist, aber ich konnte auch in der Nachschau Fosters Verhalten nicht rechtfertigen. Er hätte definitiv mehr Geduld und Verständnis haben können. Gleichzeitig wird die gemeinsame Liebesgeschichte irgendwann natürlicher und gerade durch die Ergänzung um Cadence hat Foster noch andere Seiten bekommen, die ihn immer sympathischer gemacht haben. Auch sein Respekt vor der Eden-Familie hat mich berührt. Erst später kamen dann wieder Momente, wo ein Tritt nicht schlecht gewesen wäre, weil Foster echt stur und dabei auch schon mal ungerecht ist. Aber ich habe mich definitiv mehr für ihn erwärmen können, als ich das zwischendurch erwartet hätte.

Talia mochte ich eigentlich echt sehr. Ich fand ihr Gefühlsleben sehr nachvollziehbar. Ich fand ihre Präsenz in der verrückten Familie sehr ausgleichend und ich habe ihr einfach durchgängig das Beste gewünscht. Da wir schon vorher wussten, dass Talia Ärztin ist, hatte ich mir schon ausgemalt, wie man das sinnvoll einbinden kann und muss da echt sagen, dass Perry da einiges hat liegen lassen. Während Fosters Beruf sehr präsent war, haben wir bei Talia einen größeren Szenenverlauf, aber auch nicht richtig aktiv. Hätte man Talia zur Hausärztin gemacht, dann hätte man es wieder anders gestalten können, aber wir haben sie an der vordersten Front im Krankenhaus und da hätte ich mir einfach mehr Spannung gewünscht. Gerade weil bei Talia ein großes Thema ist, dass sie sich wegen den Einflusses ihrer Familie nicht richtig ernst genommen fühlt, hätte ich gerne mitverfolgt, wie sie sich richtig beweist. Und man hätte ja doch etwas verweben können, um Talia an die Grenzen zu treiben. So war das einfach echt verschenkt.

Zumal Band 3 für mich nach hinten raus auch kein Ausrufezeichen mehr hat. Band 1 war am Ende ein einziges wildes Spektakel und auch Band 2 hat es geschafft, einen klaren inhaltlichen Höhepunkt aufzubauen. Das war hier aber nicht. Es hätte noch spannend werden können, aber es gab nur einen kleinen Puff. Man merkt also deutlich, dass Perry sich bei dieser Reihe viele Freiheiten nimmt und das kann dann einfach nach hinten losgehen. Die gemeinsame Geschichte von Talia und Foster wird mir jedenfalls nicht bedeutend lange in Erinnerung bleiben.

Fazit: „Garnet Flats“ erführt uns bereits zum dritten Mal nach Quincy, doch diesmal war der Ausflug nicht so schön oder spannend wie zuvor. Der Aufbau der Second Chance-Romance war doch arg übertrieben und hat der Figurenzeichnung nicht gut getan. Es geht zwar danach aufwärts, aber am Ende wird es kaum spannend. Also ein durchschnittlicher Eden-Ausflug.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Erfolgsformeln kopiert

Summer Heat
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Willkommen zu „Summer Heat“ von Solveig-Marie Kastner. Es ist das Debüt der deutschen Autorin, das als geeignet für White Lotus-Fans beworben wurde. Ich habe die preisgekrönte HBO-Serie noch nie gesehen, ...

Willkommen zu „Summer Heat“ von Solveig-Marie Kastner. Es ist das Debüt der deutschen Autorin, das als geeignet für White Lotus-Fans beworben wurde. Ich habe die preisgekrönte HBO-Serie noch nie gesehen, aber ich habe natürlich schon viel über sie mitbekommen. Aber das war für mich ohnehin nicht das Verkaufsargument, es war eher das Cover, das wirklich gut zum Titel passt. Auch wenn der Sommer noch nicht unmittelbar vor der Tür steht, aber die einzelnen schon schönen Tagen haben definitiv Lust darauf gemacht, sodass ich gerne mal reingelesen habe.

Nachdem ich „Summer Heat“ nun beendet habe, bin ich etwas konsterniert. Obwohl ich doch einige Kritikpunkte habe, muss ich dem Buch doch zugute halten, dass ich es fix gelesen habe. Das hätte auch sehr zäh werden können, war es aber nicht. Das mag aber auch daran liegen, dass sich Kastner sehr viel woanders abgeguckt hat, sodass sie viele gut funktionierende Stile zwar parat hat, die aber nicht richtig zueinander passten, sodass eine löchrige Handlung zusammengekommen ist. Für mich sind am meisten Anleihen an Freida McFadden zu erkennen. Da geht es vor allem um die Entscheidung, zunächst nur eine Perspektive anzubieten, um es dann später auszuweiten. Und natürlich würde ich generell die Motivation von Protagonistin Mia sowie die Darstellung der Geschlechter noch nennen, die starke Parallelen evozieren. Das Setting wiederum passt dann eher zu anderen Thrillerautoren, da würde ich vor allem an Lucy Clarke denken. Man sieht also, hier sind einige gute Erfolgsformeln im Blick, aber durch verschiedene Aspekte hat sich die Geschichte von Kastner so nicht nach einer eigenen Erzählstimme angehört.

Ihre eigene Stimme hätte die Autorin vor allem in der Gestaltung der Figuren finden können. Aber es ist schon etwas stressig mit Mia in die Handlung zu starten. Ich fand sie zwar nicht unsympathisch, zumal wir mit ihr in einem Boot sitzen und so das Mobbing und andere Rückschläge mitbekommen, was Empathie erzeugt, aber sie war auch auf eine Art sehr anstrengend. Gleichzeitig hat sich Kastner natürlich bemüht, nicht alles über Mia zu teilen. So gab es erstmal nur Andeutungen, die auch tatsächlich gewisse falsche Annahmen bei mir ausgelöst haben (das war gut!). Aber es war kein Bild, was in der Darstellung von Mia geholfen hätte. Irgendwann ließ dann auch die Empathie nach, denn das was Mia widerfahren hat, so ging sie selbst durch die Welt. Sie war an vielen Stellen sehr voreingenommen und so wurde eine sehr toxische Atmosphäre erzeugt. Das kann sogar genau Kastners Absicht gewesen sein, aber ich brauche gerade für das Nachhallen und Mitfiebern etwas Emotionales, Familiäres und da gab es hier nichts von.

Nachdem sich die Geschichte mit den Perspektiven geweitet hat, wurde es aber auch nicht reicher, denn Yanis ist als Figur schwer zu ertragen. An der Stelle hat dann sehr geholfen, dass die Autorin zunehmend auf kurze Kapitel setzt. Damit war der Schrecken zu ihm dann wenigstens auch schnell vorbei. Zudem setzen aber hier dann für mich auch gewisse logische Lücken ein. Gerade bei vielen Nebenfiguren war überhaupt nicht ersichtlich, warum sie was tun, warum sie was fühlen. Zumal auch keine Person richtig aktiv ist, die man hinter alles vermutet. Manches wirkt einfach nur zufällig, aber da bin ich mir nicht sicher, ob es überhaupt so beabsichtigt war. Irgendwann offenbart sich dann endlich das Hauptanliegen der Geschichte, aber da hat mich die Handlung dann leider endgültig verloren. Denn warum Mia sich in solche Gefahr begeben hat, warum sie generell manche Sichtweisen hatte und warum so ein Himmelfahrtskommando uns logisch erscheinen sollte, alles unklar. Dass quasi am Ende noch alles ‚gut‘ ausgeht, das wirkt dann unrealistisch.

Fazit: Ich hatte wirklich Lust auf „Summer Heat“ und ich gebe neuen Autoren, gerade aus Deutschland, gerne eine Chance. Aber hier hat sich das nicht gelohnt. Es war ein wilder Mischmasch gut funktionierender Stile, aber die passten nicht ideal zusammen und Solveig-Marie Kastner hat es in meinen Augen verpasst, ihre eigene Stimme zu finden. Mir ist bewusst, dass der Buchmarkt oft nach Trends abläuft und man nur so Verträge bekommt, aber auch einem Trend kann man seinen eigenen Stempel aufdrücken.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Komplexe Verwicklungen von fünf Fremden

Fünf Fremde
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Romy Fölck ist eine Autorin, an der man eigentlich nicht vorbeikommt, gerade weil sie in ihrem Schreiben sehr flexibel ist, siehe verschiedene Genres, und doch habe ich es geschafft, bislang noch gar nichts ...

Romy Fölck ist eine Autorin, an der man eigentlich nicht vorbeikommt, gerade weil sie in ihrem Schreiben sehr flexibel ist, siehe verschiedene Genres, und doch habe ich es geschafft, bislang noch gar nichts von ihr gelesen zu haben. „Fünf Fremde“ ist nun ihr erster Thriller und ich musste doch bei dem Klappentext sehr an Lucy Clarke denken. Ich mag es in dem Genre doch echt gerne, viele verschiedene Perspektiven zu haben und deswegen dachte ich, dass der Zeitpunkt ideal ist, Fölcks Erzählstimme nun endlich mal kennenzulernen.

Ich habe „Fünf Fremde“ als Hörbuch gehabt und wie ein wenig erhofft, gibt es gleich sechs Erzählstimmen. Die fünf Fremden, aber auch eine Vergangenheitsperspektive musste noch vertont werden, sodass wir dann eben auf sechs Beteiligte kommen. Es war mir gleich fünf Frauenstimmen schon herausfordernd, gerade weil die ‚älteren‘ und die ‚jüngeren‘ Stimmen sich dann auch ähnelten, aber da immer fix klar wird, von wem gerade erzählt wird, war es nicht schlimm. Zumal ich viele Erzählstimmen eh immer gegenüber nur einer Stimme bevorzugen würde, weil es sich dann mehr wie ein Schauspiel anfühlt und dafür greife ich gerne zu einem Hörbuch. Jetzt ist noch der Hinweis entscheidend, dass ich die gekürzte Version des Hörbuchs hatte. Da bin ich eigentlich kein Fan von, weil ich auch nie abschätzen kann, was gekürzt wird. Ich gehe anhand meiner Eindrücke von Fölcks Schreibstil davon aus, dass es vor allem beschreibende Elemente und Momente, die der Atmosphäre dienen, sind, das ist für mich dann auch zu verkraften. Zumal ich am Ende auch sagen kann, dass ich alles verstanden und keine Lücken entdeckt habe.

Für mich wäre der Kritikpunkt an „Fünf Fremde“ die Charakterarbeit. Das ist immer ein schmaler Grat, wenn man so viele Perspektiven hat, dass man ihnen allesamt gerecht wird. Ganz ideal ist es nicht gelungen, aber ich hänge das nicht zu hoch, denn ich habe genau das bekommen, was ich mir von so einer Art von Erzählung erhofft habe. Die vielen Perspektiven verwirren ordentlich, man bekommt aber auch genug Hinweise, um selbst zu rätseln, es ist durchgängig spannend und es wird durchaus auch einiges Psychologisches angeboten. Gerade am Ende, wenn sich alle Motiven offenbaren, dann wird es nochmal herausfordernd für die Autoren. Da die Hintergründe stellenweise extrem sein können, ist es für mich gerade dann hilfreich, wenn ich wirklich verstehe, was los ist. Das war jetzt gerade bei „Bachelorette Party“ von Camilla Sten sehr extrem und auch hier hatte ich gewisse Fragezeichen. Dafür hatte ich bei den anderen Figuren aber ein recht gutes Bild, aber letztlich ist es einfach ein Lebensausschnitt und kein ganzes Leben.

Die Insel als Setting ist gut gewählt. Man kommt nur auf bestimmte Art und Weise hin und je nach Wetterbedingungen ist man auch nicht mal eben wieder weg. Durch die Jahreszeit kommt auch kein Urlaubsfeeling auf, stattdessen erzeugt Fölck eine düstere Stimmung, die dann mit dem Inhalt gut zusammenpasst. Wir bekommen dann nach und nach die fünf Fremden vorgestellt und wir bekommen durch die Rückblenden einen Kontext, mit dem immer mehr zu erahnen, was auf der Insel einst passiert ist und warum es so entscheidend ist, dass nun einige Figuren zusammenkommen. Ich fand das Buch gut aufgebaut, weil wir immer in guten, regelmäßigen Abständen neue Infos bekommen haben. Entweder es waren echte Durchbrüche oder es war uns etwas gereicht, womit wir dann arbeiten konnten. Ich muss auch sagen, dass mich das Hörbuch mit einem gewissen Grad an Komplexität auch abgelenkt hat, denn gerade im Nachhinein würde ich sagen, dass die Fährten gut ausgelegt worden sind. Nicht total auffällig, aber mein Hirn hätte an einiges kommen können. So war es für mich bis zum Ende überraschend.

Fazit: Während Camilla Sten jetzt gerade erst scheiterte, das Warten auf einen neuen Lucy Clarke-Thriller zu überbrücken, hat Romy Fölck das für mich geschafft. Es war durch die ganzen Perspektiven nämlich genau das, was ich im Thriller-Bereich gerne lese: Komplex, verwirrend, spannend und mit Tiefgang. Es hätte im Charakterbereich noch einen Ticken mehr sein können, aber ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Charakterlich gruselig

Bachelorette Party
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Camilla Sten, die Tochter von Viveca, ist auf dem deutschen Buchmarkt nicht unbekannt, aber den großen Durchbruch à la Mama hatte sie sicherlich noch nicht. Nun wurde „Bachlorette Party“ angekündigt. Mit ...

Camilla Sten, die Tochter von Viveca, ist auf dem deutschen Buchmarkt nicht unbekannt, aber den großen Durchbruch à la Mama hatte sie sicherlich noch nicht. Nun wurde „Bachlorette Party“ angekündigt. Mit einem Cover, das auf jeden Fall ins Auge sticht. Dazu muss ich auch sagen, dass sich der Klappentext sehr nach Lucy Clarke lesen ließ. Da hatte ich dann zwei Argumente, um Camilla mal kennenzulernen. Hat es sich gelohnt?

Wenn ich bei den beiden Damen bleibe, die ich für einen Vergleich hinzugezogen habe, dann ergeben sich ganz klare Bilder. Camilla schreibt nicht wie ihre Mutter Viveca. Letztere ist keinesfalls Cozy Crime, aber sie schreibt klassische Krimis, in denen der Schwerpunkt mehr auf den Ermittler und dem Ermittlungsprozess mit allen Wendungen liegt. Dadurch ist der Vergleich zu Clarke schon deutlich besser geeignet, denn beide schreiben Thriller, wobei Clarke für mich auch eher im psychologischen Thrillerbereich zuhause ist, wohingegen Camilla sich gerade zum Ende echt brutal ausgetobt hat. Da musste ich sogar fast etwas an Horror denken. Ich bin da zum Glück nicht empfindlich, aber mit der Härte der Handlung hatte ich nicht gerechnet. Das kann sie also als sehr individuell verbuchen. Aber die anderen Teile von „Bachlorette Party“, da muss ich leider einfach sagen, das war für mich ein schwacher Versuch, die Besten aus dem Genre zu matchen.

Gerade der Klappentext mit dem Junggesellinnenabschied hat mich eher vermuten lassen, dass wir die Handlung durch die Sicht der verschiedenen Gästinnen erleben werde. Damit war aber nichts. Stattdessen haben wir nur zwei Perspektiven, die auf zwei Zeitschienen angeordnet sind. Denn auf der Insel, auf der die Auszeit stattfindet, gab es einen Cold Case vor zehn Jahren. So haben wir dann Matildas Geschichte, die vor zehn Jahren ein traditionelles Wochenende mit ihren engsten Schuldfreundinnen hatte. Hier sprangen die Kapitel für mich sehr in der Zeit hin und her, was ich etwas seltsam fand. Dann haben wir wiederum die Gegenwart, die nur aus Tessas Perspektive erzählt wurde. Gerade weil die Geschichte von extrem vielen Figuren lebt, ist für mich das bedauerlichste, dass aus den Charakteren nicht mehr gemacht wurde. Ich habe weder die Gruppe rund um Matilda, noch Matilda selbst, geschweige denn die ganze Gruppe rund um Tessa richtig zu packen bekommen. Tessa muss ich ausnehmen. Mit ihr verbringen wir sehr viel Zeit, aber keine unbedingt positive.

In solchen Genres ist die Aufgabe nicht, eine total sympathische Rolle zu schaffen, aber auch nicht eine so unsympathische. Sie hat nur in Selbstmitleid gebadet. Sie hat zwar auf eine neue Story gehofft und dabei auch Antrieb gezeigt, aber auch dabei wirkte sie wie ein Gefühlstrampel. Jetzt hat Sten als Autorin auch nicht ausgeholfen, weil sie die Beziehungen zu den anderen nicht ausgeleuchtet hat. Da ist die Schwester mit auf der Reise, aber die Beziehung habe ich null verstanden. Lena hat sie mal verteidigt, aber ansonsten hätten sie auch entfernte Bekannte sein können. Anneliese selbst war die wichtigste Bezugsperson, aber auch da wurde nichts ergründet. Die anderen hatten dann nur eine untergeordnete Rolle, aber es ist schade, dass nichts da richtig definiert wurde. Als Charakterstudie war das Dargebotene so wirklich extrem schwach.

Jetzt haben wir dann noch die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Es war nicht alles durchschaubar, einiges ließ sich aber gut als Puzzleteil zusammensetzen, vielleicht sogar, weil die Vergangenheitskapitel nicht chronologisch waren. So gab es dann Formulierungen, die mir klar gemacht haben, was kommen könnte. Letztlich finde ich die Auflösung zwar nicht schlecht, aber auch nicht konsequent. Spätestens mit der brutalen Ausartung habe ich dann irgendwann auch nicht mehr verstanden, was eigentlich erzählt werden sollte. Im Grunde hat sich in der Täterpsychologie dann die große Schwäche des ganzen Buchs durchgesetzt: Charaktertiefe gleich Null. Die Atmosphäre mag durchgängig gestimmt haben, aber dafür alleine greife ich in dem Genre nicht zu. Ich habe keine Ahnung, wie die ersten Werke von Camilla Sten waren, aber die Charakterarbeit schreckt mich für die Zukunft echt ab.

Fazit: Ich war sehr gespannt, Camilla Sten auch endlich mal zu entdecken und das auffällige und anziehende Cover von „Bachlorette Party“ war nun Argument genug. Aber eigentlich bereue ich es doch. Ich finde es eigentlich gut, dass die Tochter so anders als die große Mutter Viveca schreibt, aber die Atmosphäre und die Brutalität des Endes gleichen nicht aus, dass es ansonsten eine Zusammenstellung schlecht ausgearbeiteter Charaktere ist, deren Psychologie völlig unterging. Ich kann „Bachlorette Party“ leider nicht empfehlen.

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