Sog durch erzählerische Mischung
Masked by NightfallIch habe von Kim Nina Ocker die „One of Six“-Reihe gelesen und auch in Romance hatte ich von ihr mal reingelesen. Meine Wahrnehmung war da immer sehr ambivalent und angesichts des Angebots des Markts gehen ...
Ich habe von Kim Nina Ocker die „One of Six“-Reihe gelesen und auch in Romance hatte ich von ihr mal reingelesen. Meine Wahrnehmung war da immer sehr ambivalent und angesichts des Angebots des Markts gehen manche dann auch einfach verloren. Als ich dann aber über die Reveal Week von Lyx die Ankündigung von Ocker für ihre erste Fantasy-Reihe mitbekommen habe, da hat sie mich so angesteckt, gerade weil die erste Vision so schnell geschrieben war von „Maskes by Nightfall“, da hat mich der Auftakt einfach nicht mehr losgelassen und jetzt konnte ich endlich reinlesen.
Da bald der zweite Teil von „Silver Elite“ nach Dani Francis erscheint, worauf ich auch schon sehr hinfiebere, muss ich schon sagen, dass sich gewisse Parallelen ergeben haben, wobei man auch ohnehin betonen muss, wie hart es ist, ein Genre neu zu erfinden. Aber so Themen wie harte Ausbildung, entweder der Ausbilder oder ein Mitstreiter als Love Interest, das gibt es schon öfters zu lesen und trotzdem muss ich sagen, dass Ocker mich wahnsinnig schnell am Haken hatte. Denn auch wenn sich vieles vertraut anfühlte, so gab es immer Aspekte, die wieder neu waren und vor allem die mich unbedingt weiterlesen lassen wollte. Die Seitenzahl ist echt nicht gering und trotzdem bin ich hindurchgerast, weil ich immer nur wieder wissen wollte, was jetzt als Nächstes passiert. Was ich aber gleich als Kritikpunkt erwähnen möchte. Ocker erzählt den ersten Band extrem eng. Das ist mir im Fantasy-Bereich zuletzt öfters aufgefallen, birgt aber das Risiko, dass die weiteren Bände sich ganz anders lesen lassen, weil die Welt auf einmal geöffnet wird.
Hier wissen wir wirklich extrem wenig. Es gibt einen Bruch, für dort wird ausgebildet. Dazu wissen wir, dass es Erben gibt, die magische Fähigkeiten gibt, ob nun Elementarmagie, aber auch andere Aspekte sind möglich. Es ist aber kein Muss für die Ausbildung. Wie so meistens gibt es verschiedene Schichten in der Gesellschaft, aber das war es dann auch schon wieder. Jetzt haben wir nur die Perspektive von Protagonistin Elodie, das heißt, wir sind auf jeden Fall auf eine Art beschränkt und erkunden mit ihr live vieles. Trotzdem war auch ersichtlich, dass Elodie vieles auch als absurd abgetan und nicht näher hinterfragt hat. Die Welt der „Last Shadows“-Reihe ist nämlich voll von Mythen und Sagen, aber Elodie gibt sich mit einem ganz kleinen Rahmen zufrieden, dementsprechend ist sie nicht die neugierige Figur, die man gerne schon mal hat, um mit ihr alles entdecken zu können. So stellen sich für mich nach dem Auftakt extrem viele Fragen. Ich will Ocker nicht unterstellen, die nicht noch in den Folgebänden (offenbar sind gleich vier geplant) zu beantworten, aber ein bisschen mehr Antworten wären nicht schlecht gewesen. Das war dann nämlich so meine Reise mit dem ersten Band. Erst war ich richtig drin und ich wollte immer mehr und gerade im letzten Drittel schaltete sich mehr die Logik ein und die Erkenntnis, dass ich aber wahrlich nicht alles bekommen habe, woran ich zwischendurch gedacht habe.
Abseits des großen Kontextes muss ich aber echt sagen, dass der erzählerische Sog extrem stark von der Autorin war. Anfangs hat die Mysteriösität gezogen, weil wir so wenig wussten. Wer sind die ganzen Gestalten in der Auslese. Wer sind die Guten, wer die Schlechten? Zudem gab es extrem viele extrem brutale Szenen. Ich mochte das überraschend gerne, weil es den Eindruck erweckte, dass ständig alles passieren kann und dass der Preis für alles sehr hoch ist. In diese brutale Welt passte dann auch, dass Elodie genau recht zwischen erfahren, mutig und hingebungsvoll schwankte. Ihr hat vieles gefehlt, um sie sofort als geeignet für eine Schattensoldatin zu empfinden, aber sie hat Verstand. Sie hat nicht immer die richtigen Schlüsse gezogen, aber sie war keinesfalls kopflos und deswegen mochte ich sie alles in allem gerne. Gerade wenn man wirklich jede einzelne Szene mit einer Figur verbringt, kann es doch schnell passieren, dass es irgendwann zu viel ist, aber es hielt sich bei Elodie echt zurück.
Mir hat auch sehr gefallen, dass die Liebesgeschichte zwar ein präsenter Teil war, aber keinen abrupten Aufbau hatte. Stattdessen war das Hin und Her anfangs frei von intimeren Gedanken. Es hat sich so immer mehr aufbauen können und das hat der Chemie gut getan. Jax gibt auch ein ähnlich ambivalentes Bild wie Elodie ab. Einerseits ist er manchmal einfach süß und unterstützend, dann wiederum spielt er regelrecht mit seiner Macht, weil er jeden Moment alles sein kann. Weil wir ihm nicht in den Kopf gucken können, bleibt er ein ungeschriebeneres Blatt, aber das macht ganz klar neugierig. Auch die zwischengeschalteten Lyrik-Passagen, Handbücher-Auszüge oder Schriftwechsel geben uns einen Blick in die Zukunft. Hier schafft es Ocker als auch, über den Cliffhanger hinaus Neugier zu erzeugen. Generell ist der Handlungsaufbau vorbildlich. Ja, es hätte hinten noch mehr World Building geben dürfen, aber ansonsten ist die Mischung aus ruhigen und aufregenden Szenen genau richtig.
Fazit: „Masked by Nightfall“ ist eine neue Möglichkeit, mich der Autorin Kim Nina Ocker zu nähern und ich finde, dass ihr dieser Fantasy-Ausflug gut steht. Wobei Fantasy schränken wir etwas ein, weil viel World Building war noch nicht drin, aber die Mischung aus Spannung, Action und Ruhigem, die saß ideal. Interessante Figuren und einige Hoffnungen für die Fortsetzungen runden das deutlich positiv überwiegende Bild ab.