Ein weiterer wilder Ritt
Royal FakeDa Lena Kiefer die Queen of Cliffhanger ist, ist es gut, dass ihre Bücher doch immer relativ schnell hintereinander erscheinen. Nach „Royal Heist“ geht es jetzt also mit „Royal Fake“ weiter und wir tauchen ...
Da Lena Kiefer die Queen of Cliffhanger ist, ist es gut, dass ihre Bücher doch immer relativ schnell hintereinander erscheinen. Nach „Royal Heist“ geht es jetzt also mit „Royal Fake“ weiter und wir tauchen wieder in die fiktive britische Monarchie und die Diebesgang Robbin Hood ein.
Ich war ein riesiger Fan vom ersten Band, was natürlich bedeuten kann, dass in Band 2 die Fallhöhe eintreten könnte. Ich muss aber sagen, dass Kiefer für mich wieder einen wilden Gefühlsmix angeboten hat. Das hat mir schon im ersten Band so sehr gefallen, sodass ich froh bin, dass wir dieselbe Erfolgsmischung wieder haben. Gleichzeitig kann man die Bände aber dennoch nicht miteinander vergleichen, weil sie völlig unterschiedliche Strukturen haben. Das liegt schon daran, wie die einzelnen Figuren fühlen, es liegt daran, wann Linus und die anderen eingebunden werden, es ist auch der Settingwechsel und dass wir so viele neue Charaktere kennenlernen. Dementsprechend bleibt zwar die Erfolgsformel gleich, aber alles andere war ein neuer Ausflug, mit neuen Überraschungen und Wendungen.
Ich hatte in Band 1 als kleinen Kritikpunkt angebracht, dass ich gerne mehr von der Dynamik von Robbin Hood mitbekommen würde, um vor allem neben Linus und Darcy auch die anderen besser kennenzulernen. Da hat mir „Royal Fake“ lange keinen Gefallen getan und da habe ich schon zwischendurch vermehrt kritische Gedanken gehabt. Es ist vor allem eine Liebesgeschichte, das ist mir klar, aber ich gehöre einfach zu dem Teil der Leserschaft, der gerne ein pralles Gerüst drum herum hat. Indem sich Darcy zunächst von allem fernhält und indem Tristan auch eine Mitarbeit ablehnt, ist die Crew mir zu lange außen vorgewesen. Nur gut, dass Kiefer sie als Ass jederzeit aus dem Ärmel ziehen kann. Am Ende war es da genau die richtige Mischung. Zwar geht immer noch mehr, aber ich habe viel Neues kennengelernt und gerade die gemeinsame Planung war voll von coolen Szenen. Gleichzeitig muss ich auch den Hut vor der Autorin ziehen, denn das letzte Fünftel war ein echter Actionfilm. Wenn man schon ein paar Heist-Serien oder -Filme gesehen hat, dann weiß man, das ist das Herzstück und Kiefer hat es wie ein Drehbuch angeboten. Vielleicht war es mir ein Ticken zu lang, weil ich gerne mal durchgeatmet hätte, aber mein Respekt ist echt riesig.
Nachdem ich jetzt schon so viel über das Ende angedeutet habe, kehren wir aber mal wieder zu davor zurück. Ich fand den Handlungsaufbau eigentlich fast noch besser als im ersten Band. Ich hatte mir im Auftakt einiges etwas anders vorgestellt, hier habe ich schon gar keine Vorstellungen mehr entwickelt und war deswegen durchgängig überzeugt. Am besten hat mir natürlich die Zusammenarbeit zwischen Darcy und Tristan gefallen, weil es auf Augenhöhe war und nur noch wenig Geheimnisse gab. Das hat alles zwischen ihnen auch echter erscheinen lassen. Aber auch die Idee, warum Tristan Darcy um Hilfe bittet, hat sich für mich sehr organisch angefühlt und hat viele Figuren ideal eingebunden. Aber auch der Handlungsortwechsel nach Mallorca passte für mich echt ideal und ich fand die Geschehnisse vor Ort romantisch und spannend gleichermaßen. So haben wir zwar einige Charaktere zurückgelassen, die dann im finalen Teil noch einmal wichtiger werden müssen, aber es ist schon richtig, denn bei den ganzen Figuren, die sich Kiefer da gestaltet hat, die kann man nicht alle gleichzeitig bedienen.
Am Ende haben wir wieder einen bodenlosen Cliffhanger, aber das war zu erwarten. Ich finde, dass er sehr an die „Westwell“-Reihe erinnert, aber ich kann auch verstehen, dass so ein Ende eine große Signalwirkung hat. In den dritten Band gehe ich auf jeden Fall auch wieder mit der Einstellung, dass ich wenig erwarten werden. Wenn das so aufgeht, wie hier in Band 2, dann ist meine Taktik ideal.
Fazit: „Royal Fake“ hat definitiv die Erfolgszutaten vom ersten Band im Gepäck und ist trotzdem eine ganz eigene Geschichte. Lena Kiefer spricht im Dank selbst davon, dass sie Mittelbände meist am liebsten schreibt. Mittelbände sind aber oft eher verschrien, aber das kann man hier keineswegs behaupten. Die Handlung hat sich unerwartet entwickelt, die Gefühle waren wieder intensiv und gerade das Ende war filmreif. Ab in die letzte Wartephase!