Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2022

Lehrreiche Lektüre

The Other Black Girl
0

Auf „The Other Black Girl“ bin ich aufmerksam geworden, weil hierzu eine Serienadaption entwickelt wird. Kurz darauf entdeckte ich dann auch die deutsche Übersetzung und es kam mir wie ein Zeichen vor. ...

Auf „The Other Black Girl“ bin ich aufmerksam geworden, weil hierzu eine Serienadaption entwickelt wird. Kurz darauf entdeckte ich dann auch die deutsche Übersetzung und es kam mir wie ein Zeichen vor. Zudem muss ich auch sagen, dass mich das Thema sofort gereizt hat, denn wir erleben hier nicht nur das Thema von systemischem Rassismus, sondern dass es auch innerhalb einer Rasse eben ein intensives Ellbogendenken gibt, was gerne schon einmal unter den Tisch gekehrt wird und deswegen habe ich hier gespannt zugegriffen.

Insgesamt habe ich mich durch „The Other Black Girl“ etwas durchkämpfen müssen zwischenzeitig. Während ich einerseits von der Thematik immer eingefangen wurde, so war es eher der Erzählstil, der mir gewisse Hürden beschert hat. Natürlich sollten die Kapitel, die von anderen Frauen als Nella handeln, mysteriös sein, damit die Zusammenhänge spekulativ und spannend bleiben, aber es war manchmal für die Relevanz und die zeitliche Einordnung schwierig. Weiterhin war der Erzählstil aber auch in Nellas Kapiteln herausfordernd, denn es wird selten stringent erzählt. Nella schweift aber nicht nur gedanklich immer ab, sondern sie springt dabei auch munter in der Zeit zurück. So sind wir mit Nella eigentlich immer live an ihrem Arbeitsplatz. Aber die Treffen mit ihrer besten Freundin sind oft in Rückblenden erzählt. Diese sind inhaltlich zwar auch wichtig, aber das sorgt innerhalb eines Kapitel oft für eine fehlende Orientierung.

Während also der Erzählstil durchaus eine Herausforderung war, so hat mich der Inhalt durchaus fasziniert, denn es gab genug Ebenen zu entdecken. Am Anfang geht es vor allem um Nellas Arbeitsalltag, die schon eher wie ein Wunder überhaupt ihre Stelle als Assistentin in einem großen Verlagshaus in New York bekommen hat, denn sie ist die einzige Schwarze Frau weit und breit. Während sie zwar nicht offensichtlich deswegen rassistisch ausgegrenzt wird, so sind es die kleinen Nadelstiche, die Nella in der Summe belasten und die sie darüber nachdenken lassen, wie sehr sie diesen Traum will. Während nach außen alle um Diversität bemüht sind, so ist aber niemand an der tatsächlichen Wahrheit interessiert, denn auch wenn ein bekannter Autor eine Schwarze Frau in sein Skript einarbeitet, die Art und Weise, wie er es tut, das ist ignorant, doch das will in den oberen Positionen schon niemand mehr hören, denn Hauptsache sie taucht überhaupt auf. Genauso ist auch Nellas Position in dem Unternehmen zu charakterisieren, Hauptsache sie ist da, mehr aber auch nicht.

Eine weitere Ebene kommt dann schließlich mit der neuen Kollegin Hazel hinzu, denn automatisch erhofft sich Nella, eine Verbündete zu haben und zunächst wirkt auch alles nett, denn die beiden einzig Schwarzen Frauen, die sowieso auch nur miteinander verwechselt werden, sollten doch eigentlich aus Nellas Perspektive zusammenhalten. Aber sie merkt schnell, dass sie ausgestochen wird. Hier beginnt dann für mich der spannendste Konflikt, denn Schwarzsein wird hier auch gegen Schwarzsein ausgespielt. Nella ist auf ihre Hautfarbe stolz und will das auch repräsentativ nach außen tragen, aber sie hadert auch mit sich, weil sie einen weißen Freund hat, weil ihre Familie schon in einer weißen Gegend gewohnt hat und sie auch jetzt in einer typisch weißen Gegend mit ihrem Freund lebt. Sie hat das Gefühl, ihre Rasse in bestimmten Aspekten zu verraten, während Hazel wiederum durch und durch wie eine Schwarze Frau wirkt, weil sie die richtigen Haarpflegeprodukte etc. benutzt. Nur der Unterschied ist, dass sie die Mikroaggressionen gerne in Kauf nimmt, um ihre Ziele zu erreichen und es ihr auch völlig egal ist, dafür Nella unter den Bus zu werfen. Letztlich wird hier doch beleuchtet, dass es gar nicht das perfekte Schwarzsein gibt, sondern alle ihren eigenen Weg gehen müssen.

Am Ende wird durch die Vergangenheit auch noch eine Ebene aufgemacht, die mir persönlich dann etwas drüber war, denn mit dem manipulierten Haarmittelt steht am Ende, dass der alte, weiße Mann die Kontrolle hat. Das ist sicherlich sinnbildlich richtig, aber in der Geschichte, die bis dato sehr, sehr realistisch war, ist es eine etwas übertriebene Metapher, aber eben doch auch eine, die zeigt, wie weit die Reise noch ist.

Fazit: „The Other Black Girl“ war für mich thematisch mal ein ganz anderes Buch, das ich mich auf vielen Ebenen sehr fasziniert, aufgeklärt und nachdenklich gemacht hat. Auf stilistischer Ebene war es dagegen schon sehr herausfordernd und hat den Leseprozess eher unglücklich verlängert, denn ein flüssigerer Stil wäre hier definitiv noch wertschätzender gewesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2022

Gerne willkommen in der Mulberry Mansion

No Longer Yours - Mulberry Mansion
0

Manchmal sind die Wege zur eigenen Veröffentlichungen etwas kurioser und damit einfach nicht dem üblichen Weg entsprechend und das bedeutet für manche auch die echt große Chance und ich denke, dass Merit ...

Manchmal sind die Wege zur eigenen Veröffentlichungen etwas kurioser und damit einfach nicht dem üblichen Weg entsprechend und das bedeutet für manche auch die echt große Chance und ich denke, dass Merit Niemeitz definitiv dazu gehört. Denn sie hat bei einem Wettbewerb von Lyx mitgemacht. Vielleicht waren die Hürden, sich direkt beim Verlag klassisch zu bewerben, zu hoch, was man durchaus auch verstehen kann und dann ist so ein Wettbewerb, bei dem man die eigenen Erfolgschancen eher realistisch niedrig einstuft, der sicherlich entspanntere Weg. Nun hat Merit aber mit ihrer „Mulberry Mansion“ gewonnen und ich muss wirklich sagen, zum Glück! Denn was nach dem ersten Band „No longer Yours“ schon deutlich erkennbar ist, die Dame kann schreiben.

Zunächst einmal ist die Idee zur Mulberry Mansion und ganz ähnlichen anderen Gebäuden auch einfach anders und spannend. Denn so ist es zwar auch College, was für NA üblich ist, aber es ist durch das WG-mäßige, aber dennoch in eher in altmodisch getrimmt etwas Frisches, weil so auch eine Aufgabe entsteht, die sich problemlos über die geplanten drei Bände ziehen lässt. Ich mochte die Mansion wirklich sehr gerne, auch weil man sich vieles dank der Beschreibungen sehr gut vorstellen konnte und ich mochte den Gedanken dahinter, dass es praktisch kostenlos ist, aber verbunden mit einer handwerklichen Renovierung. Dazu dann die Idee, dass eben ganz andere charakterliche Köpfe und unterschiedlich handwerklich begabte Menschen aufeinandertreffen, um sich dann zu ergänzen, da merkte man sogleich, klingt utopisch, macht aber einfach Sinn. Schon früh so einen festen und größeren Figurencast zu haben, ist sicherlich auch von Vorteil, denn so kommt schnell Stimmung rein und die Erzählung klebt nicht zu sehr an dem einen Pärchen, was einseitig werden könnte. Natürlich stehen nicht alle gleich im Fokus, denn man hat doch gemerkt, dass die, die in den Folgebänden noch im Fokus stehen werden, mehr Charakter verpasst bekommen haben. Dennoch sind die anderen nicht einfach nur Schattengestalten, sondern haben auch ihren Beitrag. So ist schnell etwas Familiäres entstanden, was ich sehr genossen habe.

Kommen wir aber nun zum Hauptpärchen, die beide durch eine sehr intensive Charakterarbeit Gestalt angenommen haben. Zwar hat Eden deutlich weniger Kapitel aus seiner Sicht, was auch seinem Geheimnis geschuldet sein mag, aber Avery hatte auch eins und dort ist es auch gelungen. Vielleicht hätte man es also Hälfte-Hälfte gestalten können, aber andere Autorinnen haben da doch größere Probleme, mit mehr Kapiteln auch wirklich mehr Profil zu schaffen. Demnach hat die Autorin hier schon ein Händchen bewiesen, Eden durch Averys Perspektive und seine eigene einheitlich und verständlich zum Leben zu erwecken. Avery ist am Ende sicherlich dennoch vertrauter, aber ich war zufrieden. Bei ihr gibt es dennoch auch eine gewisse Barriere, denn ihr schwarz-weiß-Denken war durchaus etwas anstrengend manchmal. Aber: es ist auch offen angesprochen worden. Wenn so ein Fakt auf dem Tisch liegt und auch reflektiert angegangen wird, dann kann ich damit deutlich besser umgehen, als wenn es einfach im Raum steht und nervt. Aber Avery ist nicht ohne Grund, wie sie ist. Sie muss erst herausgefordert werden, um über den Tellerrand zu schauen. Dennoch hatte sie auch gleich gute Eigenschaften, wie beispielsweise ihr Selbstbewusstsein in eigenen Aspekten und ihre starke Stimme für Gerechtigkeit. Dennoch hatte Eden einfach etwas besonderes, was mich tief berührt hat. Sicherlich ist ganz entscheidend, wie viel Wert er auch auf das geschriebene Wort legt, denn das ging mir mitten ins Herz.

Insgesamt ist es aber auch einfach der Schreibstil, den ich als speziell und damit sehr gut empfinde. Mit ihrer Art zu umschreiben, neue Bilder zu schaffen, da hat mich Merit etwas an Colleen Hoover erinnert und das ist ein großes Kompliment. Denn das Spiel mit Ever und „ich geben dir ein E“, da steckt so viel Liebe drin, so viel Tiefsinnigkeit, das hat mich einfach berührt. Ich bin jetzt schon extrem gespannt, was bei den anderen beiden Bänden da noch möglich ist. Bei der Liebesgeschichte ist es nur so, dass mir die Dramatik etwas zu sehr aufgebauscht wurde. Edens Konsequenzen damals nach der Schule oder auch Averys heftige Reaktion gegenüber ihrer Familie, das ist mir einige Nuancen zu extrem. Denn gerade wenn es Geheimnisse sind, da macht man sich ja seine Gedanken, was es wohl sein könnte und ich bin definitiv jeweils bei dramatischeren Sachen ausgekommen, was mir zeigt, dass die Autorin Kleinigkeiten zu sehr aufgebauscht hat. Das ist aber ja nur eine kleine Schwäche, denn der Rest schafft wirklich eine Welt, in die ich 100% gerne zurückkehre.

Fazit: Die Mulberry Mansion ist mit „No Longer Yours“ eröffnet und es ist klar, ich kehre wieder. Ich mochte die Idee, ich mochte die geschaffene Atmosphäre, ich mochte das breite Repertoire an Figuren und besonders mochte ich den Schreibstil. Vielleicht passt es in der Dosis der Dramatik noch nicht ganz, aber ansonsten bin ich für einen Auftakt und dann so einen ungewöhnlichen Weg, Autorin zu werden, sehr beeindruckend!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2022

Genau richtig vorweihnachtlich

All I (don’t) want for Christmas
0

Eigentlich bin ich immer erst so ab November richtig im Weihnachtsfieber, aber „All I (don’t) want for Christmas“ durfte gerne schon vorher einziehen, weil ich die Geschichte drum herum ganz lustig fand, ...

Eigentlich bin ich immer erst so ab November richtig im Weihnachtsfieber, aber „All I (don’t) want for Christmas“ durfte gerne schon vorher einziehen, weil ich die Geschichte drum herum ganz lustig fand, auch weil die Fake-Beziehung zu Weihnachten oder sonstigen Familienfesten ein gern gesehenes Motiv ist, das aus vielfältigen Gründen für mich dennoch nicht alt wird. Tonia Krüger war mir bislang nicht bekannt, aber das hat mich speziell auch gereizt. Zudem habe ich es als Hörbuch gehört und Marylu Poolman hat mir wirklich gut als Erzählerin gefallen.

Aber viel entscheidender ist eben der Inhalt und ich hatte insgesamt wirklich viele tolle Gefühle beim Hören, denn es war durchaus lustig, auch wegen gewisser schrulliger und spezieller Charaktere, es war romantisch, es war tiefsinnig und schon auch schön weihnachtlich, wenn auch auf keinem übertriebenen Niveau, weil Febe auch wegen ihrer Familiengeschichte kein großer Weihnachtsfan ist. So hatte es aber genau die richtige Stimmung, die man im frühen Herbst gerne mitnimmt. Aber es gab gerade auf der charakterlichen Ebene auch ein paar Hürden, denn da waren doch einige sehr oberflächliche Menschen geladen zwischen den Seiten. Das ist nicht immer kritikwürdig, denn je nach Inhalt passt es durchaus genau richtig, aber es war eben doch eine Geschichte, wo es auch um Tiefsinnigkeit in einigen Aspekten geht. Da wirkten einige Figuren zu kontrastreich, zumal sie auch kaum andere Seiten aufzeigten. Das fiel auch so deutlich ins Auge, weil Febe durchaus als eher zurückhaltender Mensch dennoch ganz klare Prinzipien vertreten hat, selbst wenn sie sich für einen Betrug hat bezahlen lassen, aber da habe ich mich doch manchmal gefragt, warum ist da überhaupt eine Beziehung? Beispiel Joss. Auch wenn ihr Mann noch viel schrecklicher ist, so hat sie teilweise auch Dinge zu Febe gesagt, die meine Ohren haben schlackern lassen. Auch wenn man durchaus unter Freundinnen auch ehrlich sprechen kann und sollte, so geht es dann doch hoffentlich darum, das Selbstbewusstsein aufzubauen, aber doch nicht, um es abzubauen. Joss war da fürchterlich auf äußere Aspekte versessen, so dass ich sie leider überhaupt nicht als gute Freundin empfunden habe.

Auch Protagonist Liam hat lange mit der Oberflächlichkeit zu kämpfen, weswegen er wahrlich nicht als toller Book Boyfriend in Erinnerung bleiben wird. Eigentlich könnte man nach diesem Satz nun fragen, warum der Inhalt für mich überhaupt funktionier hat, aber Liam hatte auch ganz viele tolle Momente und das war immer dann, wenn es null um Oberflächlichkeiten ging. Ich fand besonders die Momente toll, als sie über seinen Job bei den Videospielen sprachen und sich Febe in seine Welt eingedacht, sie mit Shakespeare in Verbindung gebracht und sie dann ganz tolle Gespräche führen konnten, die auch zeigten, dass Menschen mit völlig unterschiedlichen Leidenschaften auch füreinander da sein können. In diesen Momenten hat man deutlich gemerkt, dass er sich quasi dadurch in sie verliebt hat, weil sie für ihn bedingungslos da war. Sicherlich hat er sich aber auch darin verliebt, wie Febe mit seiner Familie umgegangen ist und wie schnell sie von den unterschiedlichen Familienmitgliedern ins Herz geschlossen wurde. Deswegen waren die ganzen Familienszenen auch sehr schön und generell dieses Zusammensein, das Hochkochen von Emotionen etc., was man alles genießen konnte, obwohl Charlotte dabei war. Sie war natürlich aus Prinzip oberflächlich durch und durch und das war hier auch in Ordnung, denn es war sofort klar, sie ist die Antagonistin und das nicht ohne Grund. Dennoch ist Charlotte nicht völlig eindimensional dargestellt wurden, aber spätestens am Ende eine Frau mit einem Ziel, die keine Freunde kennt.

Sicherlich hätte man sich von Liam früher eine klare Positionierung gewünscht, aber alles in allem mochte ich die Liebesgeschichte schon sehr. Auch die Szenenauswahl mit dem ersten Aufeinandertreffen, das völlig eskalierte, dann seine Art zu Kreuze zu kriechen, das gemeinsame Shoppen für die Geschenke und dann eben all die Familienmomente und dann doch auch immer wieder die Soloszenen der beiden. Das hat eine gute Stimmung kreiert, die am Ende etwas übertrieben zusammengeführt wurde, aber dafür war das Ende wieder genau richtig goldig. Denn die Art und Weise, wie auch das Computerspiel für die Versöhnung eingebunden war, war herrlich, dazu auch, dass das Happy End vor einer räumlichen Trennung stehen darf, ohne dass man gleich Jahre in die Zukunft springen muss. Das wirkte dann wieder sehr erwachsen und in sich überzeugt, dass der Schlusspunkt sitzt.

Fazit: „All I (don’t) want for Christmas” war im genau rechten Maße weihnachtlich, um es bereits im Herbst zu lesen, denn es war gemütlich und die Stimmung aufsaugend, aber auch nicht übertrieben klischeehaft. Zwar ist die Oberflächlichkeit ein etwas kritisches Thema hier, zwar nicht in der Gestaltung selbst, sondern bei den Figuren, aber dennoch konnte ich mich gut auf die Liebesgeschichte einlassen und habe dort vieles verschiedene erlebt, was mich gut unterhalten hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2022

Qualitativ sinnbildlich für gesamte Reihe

Sunrise Full Of Wonder
0

Mit „Sunrise Full of Wonder“ beendet Mounia Jayawanth ihre bei Lyx veröffentlichte One-Night-Trilogie. Insgesamt war die Reise für mich nicht immer einfach, denn man merkt Mounia an, dass sie es auf wichtige ...

Mit „Sunrise Full of Wonder“ beendet Mounia Jayawanth ihre bei Lyx veröffentlichte One-Night-Trilogie. Insgesamt war die Reise für mich nicht immer einfach, denn man merkt Mounia an, dass sie es auf wichtige Themen abgesehen hat. Dazu hat sie einen humorvollen Grundton, aber manchmal ist es erzählerisch etwas holprig und auch die Charaktergestaltung ist nicht immer in sich konsequent. Natürlich ist mir das Buchuniversum dennoch ans Herz gewachsen, denn gerade die drei Freundinnen sind ein Anker gewesen, der definitiv dieser Reihe etwas Besonderes gegeben hat.

Bei „Sunrise Full of Wonder“ ist diese Kritik ziemlich genau auf den Punkt wieder anzubringen, man merkt also ein starkes Muster, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ob es nun nur Geschmackssache ist, dass es bei mir noch nicht völlig ankommt, oder ob doch noch eine gewisse Übung an der einen oder anderen Stelle fehlt. Maya und Lenny waren uns in den anderen beiden Bänden als Freunde präsentiert worden, weswegen ich im Vorfeld auch von einer klassischen Entwicklung ausging, dass aus besten Freunden eben zusätzlich noch ein Liebespaar wird. Deswegen fand ich es in der Tradition des fünfjährigen Zeitsprungs überraschend, dass eigentlich damals bereits die perfekte Liebesgeschichte angelegt wurde. Es ist auch okay, dass manche nicht auf Anhieb zueinanderfinden, aber gerade im ersten Band war Lenny regelrecht treudoof in Sydney verliebt, was mein Bild zu ihm auch durchaus geprägt hat. Nun präsentiert uns der dritte Band aber irgendwie auch eine ganz andere Version von Lenny. Es ist nicht so, als ob man diese nicht übereinander bringen könnte, aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass vieles zu seiner Person angelegt war, als der Plot von Band 3 noch nicht vollständig stand. Denn gerade angesichts seiner stets präsenten Gefühle für Maya war das doch etwas seltsam, denn er war sich dessen ja immer bewusst, während Maya es ja doch eher sich selbst nicht eingestehen konnte.

Weiterhin kann man sagen, dass es eindeutig eine Maya-Geschichte ist. Das ist insgesamt auch eine Tendenz bei der Reihe, dass es zwar beide Perspektiven gibt, dass es aber dennoch eine deutlichere Gewichtung auf die Frau gibt. Hier ist es nun besonders extrem, denn es geht vor allem darum, was Maya als Kind und Jugendliche durchmachen musste und was sie so verbissen nach Freiheit sehnen lässt. Bei Lenny war aber durchaus genauso viel Potenzial vorhanden, das hat sich immer wieder überall angedeutet, aber es wurde nicht mal ansatzweise so detailliert ausgearbeitet. Hier spielt dann auch herein, dass der interessanteste Faktor an ihm, sein christlicher Glaube, offensichtlich Mittel zum Zweck war. Aber eins nach dem anderen. Denn ich fand das Buch auch lange sehr ereignislos. Natürlich ging es um die Zusammenführung zweier bester Freunde, aber es war sehr langatmig gemacht und als es dann endlich soweit war, ging es erstmal genauso behäbig weiter. Zwar wurde auch das Geheimnis aus Mayas Vergangenheit noch entlarvt, aber man merkte deutlich, dass der eigentliche inhaltliche Knall erst ganz zum Schluss kam.

Ich hatte mit der Schwangerschaft ehrlich gesagt nicht gerechnet, auch wenn mir beim ersten Geschlechtsverkehr schon auffiel, dass über Verhütung nicht gesprochen worden war. Das wurde zwar später nachgeholt, aber dennoch war es da schon seltsam, aber dennoch habe ich das Thema lange nicht mehr in diesem Genre gehabt. Die Themenauswahl lobe ich auch ausdrücklich, auch weil mich der abschließende Abschnitt zum Mom Shaming sehr beeindruckt hat, denn so konsequent aufgearbeitet findet man das Thema leider selten, deswegen fand ich es spannend. Dennoch gab es eben auch Stolperstellen, denn es war eben sehr spät im Buch und spätestens da war klar, dass Lenny nur so gläubig inszeniert worden ist, um ein Konfliktpotenzial zu erzeugen. Grundsätzlich nicht falsch, weil es ein passender Ansatzpunkt ist, aber es war zu oberflächlich alles. Weder über Lenny selbst noch über seine Familie ist der Diskurs gut angegangen worden. Immer mal wieder wurde der Glaube ins Spiel gebracht, dennoch hat Lenny so nicht argumentiert, das war etwas schade. Aber grundsätzlich bleibt die Stärke des Themas und dass es für Maya wirklich durchgezogen wird. Da hat mir dann auch der Zeitsprung gefallen, weil man eben auch die Auswirkungen noch erleben durfte. Das sind ganz klar die für mich so starken Momente, bei denen ich Mounia richtig feiere, aber es macht es auch bedauerlich, dass im Kontext dann oft die Schwächen lauern.

Fazit: Mounia Jayawanth hat vor allem thematisch eine wertvolle Reihe entwickelt, die auch mit dem dritten Band mit einem kleinen Highlight (weil eben so selten und doch so wichtig!) zu Ende geht. Dennoch sind die erzählerischen Schwächen leider nicht zu ignorieren, denn es ist nicht immer alles konsequent genug und dann bleibt manches auch an der Oberfläche, das ist insgesamt schade, weil das Potenzial riesig da ist. Aber vielleicht ist es wirklich nur Geschmackssache und Mounias ganz eigener Stil ist zu respektieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2022

Schöner Bonus hinten drauf

Nick und Charlie
0

Nick und Charlie gab es bislang nur in Graphic Novel-Format und in Serienform. Jetzt ist auch in ausgeschriebener Form ein Roman erschienen, der sich mit der räumlichen Trennung der beiden durch das College ...

Nick und Charlie gab es bislang nur in Graphic Novel-Format und in Serienform. Jetzt ist auch in ausgeschriebener Form ein Roman erschienen, der sich mit der räumlichen Trennung der beiden durch das College beschäftigt. Ich habe die Neuerscheinung als Hörbuch konsumiert und dafür wurden die deutschen Stimmen aus der Netflix-Serie „Heartstopper“ gewonnen, da die Geschichte abwechselnd aus Nick und Charlies Perspektive erzählt ist. Auch wenn ich die Serie im Original gesehen habe, so muss man doch sagen, dass das ein echter Bonus ist, der auch zeigt, dass hier wirklich ein verdienter Hype entstanden ist.

Kommen wir aber nun zum Inhaltlichen. Wir erleben Nick und Charlie, als sie zwei Jahre in einer stabilen Beziehung stecken. Doch bald werden sie sich nicht mehr täglich in persona sehen können, denn Nick, der ein Jahr älter ist, wird ans College gehen. Ich fand es sehr nachvollziehbar dargestellt, was das besonders in Charlie für Ängste ausgelöst hat, zumal bei diesem ohnehin sehr viel schon mit sozialen Phobien gearbeitet wurde, die durch eine bevorstehende Trennung nachvollziehbar verstärkt werden. Nick ist da der Optimistischere und vielleicht auch der, die Problematik besser ausblenden kann, weil für ihn ein neues Kapitel in seinem Leben ansteht, was ihn erfreut. Die Gegensätze sind also groß und dieser Unterschied wird zwischen den beiden Jugendlichen sehr gut transportiert, denn die anfängliche Innigkeit schaukelt sich immer mehr zu etwas anderem hoch, bis es zum großen Knall und zur Trennung kommt.

Auch wenn es von einer Graphic Novel hin zu einem ausgeschriebenen Text natürlich noch ein großer Schritt ist, so finde ich es doch eindeutig, wie hier Osemans Stil durchblitzt, weil sie beide Charaktere weiterhin genauso einfängt, wie es auch bei der Graphic Novel der Fall war. So gelingt ein besserer Einblick ins Innenleben der Figuren und es ist schön dann mitzuerleben, wie sie wieder zueinander finden. Inhaltlich ist es dann auch ein Punkt, wo eine wirklich große Krise überwunden wird und wo man sich anschließend sicher sein kann, die beiden schaffen wirklich so einiges und die Liebe ist tief genug. In dem Sinne ist es wirklich ein passender Schlusspunkt für die beiden, auch wenn natürlich nicht auszuschließen ist, dass Oseman die beiden gerne noch länger begleitet.

Fazit: „Nick & Charlie“ ist durch die Romanform noch einmal eine neue Facette für die Welt und deren Charaktere. Sie setzt an einem wichtigen Punkt an in einem Leben zweier so junger Menschen und beleuchtet die Sorgen der baldigen räumlichen Trennung einfühlsam. Gerade für Fans ist die eher knapp gehaltene Erzählung dann ein echter Gewinn.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere