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Veröffentlicht am 07.10.2021

Gier zurück, aber leider nicht so begeisternd

Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann
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Kerstin Gier ist zurück! Das ist wirklich eine der schönsten Botschaften dieses Jahres, nachdem es hieß, sie habe eine persönliche Katastrophe zu verarbeiten. Es ist ein schöner Gedanke, dass sie inzwischen ...

Kerstin Gier ist zurück! Das ist wirklich eine der schönsten Botschaften dieses Jahres, nachdem es hieß, sie habe eine persönliche Katastrophe zu verarbeiten. Es ist ein schöner Gedanke, dass sie inzwischen wieder im Schreiben Ablenkung und Zuflucht finden kann und mit „Vergissmeinnicht“ haben wir nun das Ergebnis davon vorliegen. Ich habe ihre Jugendreihen allesamt gelesen, aber wenn ich ehrlich bin, ist das für mich verdammt lange schon her und eine gewisse Sorge hat sich deswegen doch eingeschlichen, ob ich wirklich noch die richtige Zielgruppe bin? Aber Gier ist zurück und es stand für mich außer Frage, dass ich bei ihr unbedingt mal wieder eintauchen muss!

Das Beruhigendste für mich am gesamten Leseprozess war sicherlich die Feststellung, dass Gier ihren Schreibstil wie eh und je beibehalten ist. Sie ist nicht braver geworden, sondern ist so frech, selbstreflexiv und schlichtweg humorvoll wie immer. Ich habe an vielen Stellen deswegen herzlich lachen müssen, denn die Sprüche sind stellenweise einfach zum Brüllen. Herrlich! Kommen wir nun zu der neuen Welt, in der „Vergissmeinnicht“ spielt und die mich doch etwas verwirrt zurückgelassen hat und ja irgendwie auch enttäuscht. Denn was der Saum genau ist, was das Interesse ist, wie der Einfluss auf die Erde ist, was genau für Fähigkeiten möglich sind, all das hat sich für mich nicht sinnig erschlossen. Wenn dann stellenweise auch aufgelistet wurde, was für Wesen alle im Saum leben, da habe ich wirklich dein Eindruck erhalten, dass Gier alles zusammengeschmissen hat, was sie jemals gehört hat, um es in diese Geschichte zu packen. Das ist dann insofern enttäuschend, weil ich das Gefühl habe, dass möglichst viel offengehalten werden soll, so dass sich die Geschichte in alle Richtungen entfalten kann. Aber die phantastische Welt ohne irgendwelche Grenzen nimmt mir meine Potenzial, das alles für mich sauber zu begrenzen. Besonders deutlich wurde mir diese kritische Feststellung nach Beendigung des Buchs, weil ich überhaupt keine Ahnung hatte, in welche Richtung die Reihe jetzt wohl noch will und das ist echt schade.

Zu den Figuren kann ich im Grunde nicht meckern, vieles wirkt sich hier natürlich aus, was ich im Abschnitt davor kritisiert habe, weil sie eben Teil der Welt sind, aber im Grunde wird ein wirklich breites Spektrum an Figuren angeboten, bei dem es wie bei Gier üblich ist viele Lieblinge gibt, aber auch viele, die man liebt zu hassen. Quinn und Matilda sind nun die beiden Protagonisten und tatsächlich hat sie es mir mehr angetan, wahrscheinlich weil sie nicht zum Saum gehört, weil sie damit ein ganz normaler Mensch ist, bei dem ich nicht zig Fragezeichen im Kopf habe. Und dennoch geht sie in der Geschichte nicht unter, weil sie eine natürliche Heldin ist. Vieles mag daran liegen, dass sie in Quinn rettungslos verliebt ist und alles für ihn tun würde, aber dennoch muss sie die mutigen Entscheidungen auch erstmal treffen und dann angehen und das macht sie immer auf beachtungswerte Art und Weise. Quinn ist so ein typischer halber Bad-Guy, wie wir ihn bei Gier oft bekommen, aber dennoch mag man ihn irgendwie, gerade die Gespräche mit Lasse sind immer zum Schießen. Aber er ist eben immer die Figur, die in den Saum eintritt, er müsste damit die Figur sein, die mich damit vertraut macht, aber das gelingt leider nicht so wirklich.

Das hat meiner Meinung nach aber auch ganz entscheidend mit dem Erzählstil zu tun. Vielleicht habe ich zu lange kein Gier-Buch gelesen oder sie hat es einfach geändert, aber ich hatte oft das Gefühl, dass die Geschichte zu sehr in der Zeit hin- und hergesprungen ist und dass das Geschehen oft eher in Rückblenden als wirklich im Moment erzählt wird. Sowohl in Quinn als auch in Matildas Perspektive war es ersichtlich, dass das Geschehen in der Gegenwart einsetzte, nur um wieder zurückzuspringen und zu erzählen, was passiert ist. Irritierend war es auch, wenn in Matildas Perspektive Quinn schon wieder aus dem Saum zurückkehrt, dann wechselt die Perspektive und wir erleben erst, was er doch alles so mitbekommen hat. Möglicherweise soll das Spannung erzeugen, aber ich fand es eher irritierend, was sich aber besonders als Effekt erwiesen haben kann, weil ich eben mit der dargestellten Welt nicht so vertraut geworden bin.

Fazit: „Vergissmeinnicht“ hat mich leider nur bedingt überzeugen können. Es war großartig, mal wieder Giers Erzählstil miterleben zu können, weil man bei ihr nie weiß, wann sie die nächste Spitze sitzt. Aber die entworfene Welt war mir zu halbgar, zu viele Fragen, zu wenig Antworten, so dass sich meine Vorstellungskraft schwer getan hat. Zudem gab es Holpersteine in der Erzählweise, so dass ich bei mir leider keine Begeisterung für die restliche Reihe empfinde.

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Veröffentlicht am 27.09.2021

Erfreuliche Qualitätssteigerung

Keeping Dreams
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Ich habe es gerade im NA-Bereich, wo meine liebsten Reihen üblicherweise bei Lyx erscheinen, schon öfters bemerkt. Wenn ich neue AutorInnen entdecke, dann macht es mir der Auftaktband oftmals nicht leicht, ...

Ich habe es gerade im NA-Bereich, wo meine liebsten Reihen üblicherweise bei Lyx erscheinen, schon öfters bemerkt. Wenn ich neue AutorInnen entdecke, dann macht es mir der Auftaktband oftmals nicht leicht, außer es ist Liebe auf den ersten Blick. Bei „Keeping Secrets“ von Anna Savas war mein Endfazit doch sehr verhalten, weil ich die Ausgangslage mit Hollywoodsternchen Tessa zu klischeehaft fand und insgesamt fand ich auch die Erzählung zu oberflächlich. Aber was mich trotzdem zum zweiten Band greifen lässt, ist dann meine zweite Beobachtung, dass die mich oft viel, viel mehr begeistern und das Fazit kann ich auch für „Keeping Dreams“ ziehen und hier erfahrt ihr, wieso!

Lily ist unser Neuzugang in diesem Band und es war doch eine große Erleichterung, dass sie aus ganz normalen Verhältnissen stammt. Julian, als ihr Gegenpart kannten wir bereits schon und obwohl er der klischeehafte Frauenverschleißer war, so fand ich es extrem großartig, dass damit nur gespielt wurde, dass man durch Julians Perspektive aber gleich seine wahre Persönlichkeit mitbekommen hat. Und ich fand die Privatleben beider Figuren echt genial, denn beide haben es mit mehreren Schwestern zu tun, was definitiv ein verbindendes Element war. Und ich finde die sinnvolle Einbindung der Familie sorgt stets dafür, dass alles sich einfach heimischer anfühlt und es wird effektiver verhindert, dass die Geschichte oberflächlich wirkt. Oft mache ich bei NA auch die Beobachtung, dass die Frauen bei Perspektiventeilung dennoch favorisiert werden. Hier hatte ich sogar das Gefühl, dass das Pendel leicht gen Julian ausschlägt. Das finde ich mal sehr interessant, denn ich mag die Geschichten lieber, wenn ich merke, sie sind gleichberechtigt und wenn ich Julian als sehr präsent in der Geschichte empfunden habe, dann ist das erstmal sehr, sehr positiv.

Zudem muss ich auch sagen, dass Lily und Julian eine ganz hervorragende Chemie miteinander haben und das vom ersten Moment an. Das ist immer viel wert. Von Feinden werden sie schließlich zu Geliebten und die Entwicklung hat mich sehr mitgerissen, weil es eben auch in beiden Fällen wie verrückt geknistert hat. Hier sieht man also schon nach 1,5 Abschnitten, dass Savas diesmal in den entscheidenden Punkten wirklich etwas angeboten hat. Die „perfekte“ Lektüre ist es sicherlich immer noch nicht. Dafür gibt es zwischendurch noch zu viele Längen, die mit eher unwichtigen Dingen gefüllt sind, das galt aber bei Julian und Lily gleichermaßen. Das fällt dann auch besonders auf, wenn hinten raus irgendwie ein wenig die Zeit ausgeht. Gerade bei Julian hatte ich das Gefühl, dass das Buch da endet, wo es teilweise erst richtig für ihn losgeht. Mit Lily hat er den Punkt des Glücks erreicht, aber gerade im Privatleben war für mich noch zu viel offen. Das waren Baustellen, die hier offengelassen werden, die ich aber eigentlich lieber gelöst sehe, soweit es denn überhaupt eine Lösung gibt. Dennoch haben mich die Geschichten von Lily und Julian gleichermaßen berührt, auch wenn mir bei beiden gefehlt hat, wie sie wirklich in ihre Leidenschaft einsteigen. Lilys Tanzsequenzen hat man nie wirklich mit ihr erlebt, sondern immer nur, wenn etwas schief ging oder wenn die Probe schon vorbei war und auch wenn Julian mit seiner Kamera loszog, ich hätte gerne mal eine Sequenz gehabt, wo wir ihn auf der Motivsuche begleiten und verstehen, was er wie empfindet. Die Leidenschaft füreinander, die ist rübergekommen, aber die für die Hobbys ist etwas untergegangen.

Fazit: „Keeping Dreams“ von Anna Savas hat mich definitiv mehr begeistert als der Auftaktband ihrer NA-Reihe bei Lyx. Die Figuren waren mir beide sympathisch, beide Geschichten waren wichtig und zusammen hatten sie eine grandiose Chemie. Damit war für mich das wichtigste in einem solchen Genre schon bedient. Nun fehlt noch ein wenig das Gespür dafür, wo man tief gehen muss und wo man auch einfach auf Lücke schreiben kann und dennoch sind mir die Schwächen beim Leseprozess nicht offensiv ins Auge gesprungen und das sagt auch sehr viel aus.

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Veröffentlicht am 17.09.2021

Pointierter Zeitkommentar

Bad Castro
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Kevin Brooks hat meine Jugendzeit definitiv entscheidend begleitet, da ich Büche wie „Lucas“ oder „Candy“ von ihm wirklich gerne gelesen habe, da sie für dieses Alter schon sehr wichtige Themen ansprechen, ...

Kevin Brooks hat meine Jugendzeit definitiv entscheidend begleitet, da ich Büche wie „Lucas“ oder „Candy“ von ihm wirklich gerne gelesen habe, da sie für dieses Alter schon sehr wichtige Themen ansprechen, ohne aber für die Zielgruppe völlig überfordernd zu agieren. Hinterher habe ich Brooks leider etwas aus den Augen verloren, weswegen sein neuer Roman „Bad Castro“ irgendwie wie ein Zeichen war. Ich sah seinen Namen und wusste, dass es mal wieder Zeit ist, in seine Stilistik einzutauchen und herauszufinden, wofür der aktuelle Brooks so steht.

Vielleicht war „Bad Castro“ insgesamt nicht die cleverste Wahl, denn es ist ein sehr kurzer Roman, der teilweise sogar zwischen Roman und Kurzgeschichte schwankt. Das war natürlich dementsprechend kein besonders langanhaltendes Leseerlebnis, zumal Brooks nach wie vor einen sehr lebhaften Erzählstil hat, der sehr rasch durch das Geschehen begleitet. Fakt ist aber, dass er sich immer noch sehr interessanten Themen annimmt und Polizeibrutalität, Gangkriminalität, das sind alles Aspekte, die unsere aktuelle Lebenswelt konstant berühren.

Insgesamt ist es bei „Bad Castro“ dennoch ein zwiespältiges Gefühl, was bei mir zurückgeblieben ist. In das Geschehen werde wir mit dem ersten Wort reingeworden und zwar wirklich, denn London befindet sich im Ausnahmezustand und wir sind mit Polizistin Judy und dem Jugendlichen Castro mittendrin. Es ist ein Kniff der Geschichte, dass sich nach und nach einige Puzzleteile zusammensetzen, was ich wegen des Spannungseffekts auch mittrage. Dennoch hat mir am Ende eine Ebene gefehlt. Auch wenn es wahrscheinlich nicht entscheidend war, wie es zu der Eskalation auf den Straßen gekommen ist, weil es oft nur Kleinigkeiten sind, die alles über den Haufen werfen, aber ich habe immer gerne einen vollständigen Überblick, um mich so in einem weiteren Schritt besser in die Figuren hineinversetzen zu können. Aber eigentlich geht es der Geschichte glaube ich weniger um die Gewalteskalation, sondern um die Figur Castro. Bei ihm wird bis zum Ende nicht genau geklärt, wie sein Platz in der Gesellschaft aussieht, aber er ist für sein Alter eine unheimlich weise Persönlichkeit, der sehr reflektiert ist und wirklich einige spannende Fragen stellt. Diese rechtfertigen nichts, aber sie stellen Themen in den Raum, die man eigentlich gar nicht übergehen kann, weil die Welt nicht schwarz-weiß ist, wie sie sonst so gerne gemacht wird.

Diese Sichtweise auf Castro ist natürlich nur in dem Rahmen möglich, weil wir die Geschichte aus Judys Perspektive erleben, so bleibt vieles zu Castro im Geheimen, was aber seine Faszination als Persönlichkeit definitiv steigert. Aber auch wenn wir Teil von Judys Perspektive sind, fand ich sie dennoch nicht sonderlich mitreißend. Sie hat uns als Leserschaft nicht wirklich an ihrem Inneren teilhaben lassen, es war bis zum Schluss eine Barriere da, was dann doch überraschend ist, wenn man alles aus ihrer Perspektive erlebt. Zudem wirkt sie von dem eigentlich Geschehen etwas losgelöst. Sie ist zwar mittendrin, aber es wirkt wie Erlebnisse, die eigentlich nicht zu ihrer Lebenswelt gehören. Damit mag sie ein passendes Gegenstück zu Castro sein, was sicherlich gewollt ist, aber dennoch hätte ich mir emotional sehr viel mehr gewünscht.

Insgesamt lässt sich „Bad Castro“ gut durchlesen. Die Handlung ist wirklich beängstigend an einigen Stellen, aber ich würde nicht sagen, dass es übertrieben graphisch geworden ist. Aber es beschönigt definitiv auch nichts. Dadurch ist natürlich auch Spannung gegeben, denn man hofft natürlich, dass die beiden überleben. Der Stil der Erzählung sorgt auch immer wieder für kleinere Andeutungen, die man gerne aufgeklärt haben will, das gibt eine gute Mischung ab. Aber es ist sicherlich kein tiefgehender Roman, es ist eine pointierte Momentaufnahme, die nachdenklich macht, aber die alleine schon aufgrund ihrer Länge nicht ewig in Erinnerung bleiben wird.

Fazit: „Bad Castro“ ist für mich irgendwo zwischen Roman und Kurzgeschichte angesiedelt, denn das Leseerlebnis wirkte tatsächlich eher flüchtig, was sicherlich auch an einigen Stellen den Eindruck von Oberflächlichkeit vermittelt hat. Dennoch ist es eine intensive Erzählung, die nichts beschönigt und mit Castro eine faszinierende Persönlichkeit in den Fokus nimmt. Ich habe „Bad Castro“ nachdenklich verlassen und doch ist es nicht das Buch, wofür ich Brooks in Zukunft vor allem im Kopf behalten werde.

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Veröffentlicht am 13.09.2021

Herrlich leicht und doch oberflächlich

Boston College - Nothing but You
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Nachdem ich gerade ein Buch aus dem Genre High Fantasy besorgt habe, was mich wirklich an meine Grenzen getrieben hat, habe ich gerne zum Auftaktband von „Boston College – Nothing But You“ gegriffen, weil ...

Nachdem ich gerade ein Buch aus dem Genre High Fantasy besorgt habe, was mich wirklich an meine Grenzen getrieben hat, habe ich gerne zum Auftaktband von „Boston College – Nothing But You“ gegriffen, weil mir klar war, dass es eine leichte Lektüre werden würde. Das ist es auch geworden, was ich als Abwechslung wirklich sehr genossen habe, aber dennoch konnte auch mein Bedürfnis nach Abwechslung nicht darüber hinwegtäuschen, dass es insgesamt doch eine eher knappe und damit auch oberflächliche Erzählung geworden ist.

Auch wenn ich Lyla und Beck beide sehr gemocht habe, so hatte ich doch den Eindruck, dass ein großes Ungleichgewicht bei der Darstellung ihrer Privatleben geherrscht hat. Während Beck sicherlich nicht die Perspektive war, die richtig tief gegangen ist, so war er doch derjenige, der mit dem Verlust seiner Eltern ein schweres Schicksal hat und nun vor der Aufgabe steht, das Familienunternehmen zu führen. Mit seiner kleinen Schwester, die bei der ungeliebten Tante lebt, war also genug Konfliktpotenzial gegeben, das auch voll ausgeschöpft wurde. Einzig seine Leidenschaft für das Eishockey erschien mir vor allem auf dem Papier zu bestehen, ich hätte mir doch gewünscht, dass das deutlich mitreißender gestaltet worden wäre, denn schließlich besteht für Beck eigentlich kein Zweifel, dass er eine Profikarriere anstrebt statt eine als Geschäftsmann.

Bei Lyla wiederum war es völlig umgekehrt. In ihren Gedanken waren wir viel näher an den Gefühlsthemen dran, man konnte mit ihr deutlich mehr mitleiden. Doch ihre Familie hat nur namentlich eine Rolle gespielt, ansonsten nicht. Das ist definitiv eine Verschwendung, da viele von Lylas Komplexen schließlich aus ihrem Elternhaus kamen, wie beispielsweise die Verdeckung ihrer Kurven. Da war es doch sehr seltsam, dass es nicht eine Begegnung mit den Eltern gab. Insgesamt fand ich es so auch schade, dass Lyla kein Konfliktpotenzial in die Geschichte mitbrachte. Sie ist die Beständige und Beck wird so ein wenig zum Buhmann gemacht, was aber völlig ungerechtfertigt ist. Zumal ich es bei Lyla schade fand, dass ihre ständige Betonung, eine Feministin zu sein, aber überhaupt nicht der Realität entsprach. Das ändert nichts an meinen Sympathien für sie, doch was sie da immer betont hat, hatte nichts damit zu tun, was sie dann mit ihrer Liste erreichen wollte. Denn letztlich hat sie sich doch zum Opfer von gesellschaftlichen Zwängen gemacht, Selbstbehauptung im positiven Sinn war das gewiss nicht.

Abseits von den Charakteren ist es definitiv so, dass das Erzähltempo angenehm schnell war. In der Konsequenz hat das natürlich wiederum bedeutet, dass nicht jeder innige Moment auch tatsächlich so rübergekommen ist. Das hat man besonders an den intimen Szenen bemerkt, die regelrecht überhastet geschildert wurden. Da es ein ‚überwältigendes‘ Erlebnis für Lyla werden sollte, musste ich doch schmunzeln, denn überwältigend stelle ich mir doch anders vor. An sich war es einfach eine eher oberflächliche Liebesgeschichte, die aber wirklich süß war. Auch wenn das Gleichgewicht nicht immer stimmte, würde ich zudem insgesamt urteilen, dass die Geschichte rund erzählt ist.

Fazit: Der Auftakt zur Reihe „Boston College“ war für mich wirklich die dringende benötigte ‚leichte‘ Lektüre, was beweist, dass ‚leichte Lektüre‘ nicht immer ein vernichtendes Urteil an sich sein muss. Natürlich sagt man das nicht zu einem Buch, das überall dorthin geht, wo es wehtun muss, so ist es eben eine eher oberflächliche Erzählung, die aber in einem Rutsch unheimlich unterhält. Man sieht die Defizite, aber man kann sie gut verzeihen, weil es insgesamt einfach wirklich angenehm ist.

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Veröffentlicht am 10.09.2021

Für mich zu komplex geworden

Das Reich der Asche - Realm Breaker 1
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Auch wenn ich von Victoria Aveyard die Reihe zu „Die Farben des Blutes“ noch nicht vollständig beendet habe, musste ich bei ihrer neu veröffentlichten Reihe „Realm Breaker“ einfach zugreifen. Das Cover ...

Auch wenn ich von Victoria Aveyard die Reihe zu „Die Farben des Blutes“ noch nicht vollständig beendet habe, musste ich bei ihrer neu veröffentlichten Reihe „Realm Breaker“ einfach zugreifen. Das Cover sah schon sehr cool aus, dazu die Beschreibung, die von einem großen spannenden Abenteuer deutete. Aber leider – dafür wahrscheinlich für die Autorin völlig beabsichtigt – habe ich kaum Parallelen zwischen den beiden Reihen gefunden, weil der Auftakt zu „Realm Breaker“ für mich schlichtweg zu hoch war.

Ich bin sicherlich nicht die erfahrenste Leserin von High Fantasy, das gebe ich zu, aber die Welt, die Aveyard hier geschaffen hat, hat sich mir in keiner Weise erschlossen. Alleine schon der Prolog hat mich so verwirrt, weil die Fülle der genannten Charaktere und Orte viel zu viel war. Dass ich an der Stelle schon nicht überfordert abgebrochen habe, ist wohl nur der Tatsache geschuldet, dass ich einfach keine Abbrecherin bin. Natürlich hat sich vieles nach hinten heraus gebessert, weil ich dann auch intensiv in der Geschichte drin war und tatsächlich leicht mitgefiebert habe. Aber müsste ich jetzt einen Aufsatz über die Welt von Allwacht schreiben, ich würde kläglich versagen.

Bereits in der ganzen Umschlaggestaltung wurde deutlich, dass die Reihe aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden wird. Und die Art und Weise, wie die unterschiedlichen Charaktere angepriesen wurden, hat mich doch sehr an die Krähen-Dilogie von Leigh Bardago erinnert. Nur hier geht es nicht um eine Gruppierung von Jugendlichen, sondern um alle möglichen Altersklassen, was wirklich eine wichtige Mischung ergeben hat. Corayne ist sicherlich das Herzstück der Erzählung und sie habe ich auch schnell lieb gewonnen, ebenso wie Andry, den man als tapferen Knappen nur bewundern kann. Aber bei den anderen war es verdammt schwierig, sich wirklich auf sie einzulassen. Gerade weil es schon ältere Figuren mit einer sehr langen Geschichte sind, hatte ich den Eindruck, dass mir viel zu viel von ihnen verwehrt wurde, um sie wirklich zu verstehen.

Da es für mich schon schwer war, die dargestellte Welt richtig zu verstehen, muss ich auch sagen, dass die Handlung mich vor extreme Herausforderungen gestellt hat. Die Dinge, die abseits der Spindel stattgefunden haben, die habe ich für mich verarbeiten können, aber spätestens, wenn sich nach und nach alle zusammenfinden, dann wird es schon sehr kompliziert und komplex. Hinzukommt, dass das Buch aus unendlich vielen beschreibenden Passagen besteht und wenn man da als Leserin nicht wirklich den Packan bekommt, dann ist es auch schwierig, mit Begeisterung dabei zu sein. Ich hätte gerne deutlich mehr Dialoge gehabt, damit auch eine gewisse Dynamik in der Handlung entsteht. Dem war aber nicht so, weswegen die 600 Seiten für mich die größte Herausforderung seit Jahren war. Ich mag zwar nicht gerne einzelne Bücher abbrechen, aber bei Reihen bin ich da weniger zimperlich, weswegen das Abenteuer „Realm Breaker“ auch schon wieder beendet ist, denn es ist einfach nicht meine Welt. Nichtsdestotrotz ziehe ich meinen Hut vor der Autorin, denn so eine Welt zu erschaffen und den Überblick zu behalten, da muss eine Fantasie am Werk sein, die ihresgleichen sucht.

Fazit: Mich hat der erste Band von „Realm Breaker“ leider völlig überfordert, was für mich eher heißt, dass ich definitiv nicht die angepeilte Zielgruppe bin, denn das Buch ist technisch definitiv hochkomplex, als von einem wahren Fantasy-Mastermind geschrieben worden. Aber für mich war es aufgrund der Komplexität definitiv kein Vergnügen, weswegen die Reihe für mich mit dem Auftakt auch gleich wieder beendet ist.

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