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Veröffentlicht am 16.05.2021

Schatten zu groß, um das Licht zu genießen

Everything We Had (Love and Trust 1)
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Jennifer Bright beziehungsweise mit Klarname Jennifer Fröhlich war mir bislang kein Begriff, auch wenn ich das Cover von ihrem ersten Roman, „The Right Kind of Wrong“, natürlich häufiger gesehen habe. ...

Jennifer Bright beziehungsweise mit Klarname Jennifer Fröhlich war mir bislang kein Begriff, auch wenn ich das Cover von ihrem ersten Roman, „The Right Kind of Wrong“, natürlich häufiger gesehen habe. „Everything We Had“ war in der Präsenz jetzt noch einmal stärker vertreten, Glückwunsch also zum gelungenen Marketing, weswegen ich diesmal keinen Bogen drum machen konnte. Nachfolgend findet ihr nun einen Eindruck davon, ob ich das Zugreifen bereut oder gefeiert habe.

Tja, da macht man so Ansagen, dass man das gelesene Buch einreihen wird, und dann zeigt sich doch mal wieder, dass kaum etwas nur schwarz oder nur weiß ist, weil es zu viele Schattierungen dazwischen gibt. Hiermit sollte schon deutlich werden, dass ich „Everything We Had“ nicht so einfach für mich bewerten konnte. Zunächst einmal kann ich aber sagen, dass Cafésetting wirklich ein Highlight war. Auch wenn ich manchmal ein paar logische Prozesse hinterfragt habe, mochte ich die kreierte Atmosphäre, denn Cosy Corner war tatsächlich eine ganz hervorragende Namenswahl. Bei dem Erwähnen der ganzen Kuchen habe ich richtig Appetit bekommen, aber auch Aidans Leidenschaft für die Bücher kamen stets rüber, weswegen ich richtig glauben konnte, dass es für beide die absolute Erfüllung eines Traums ist. Dementsprechend mochte ich die Szenen dort wirklich am meisten. Deswegen gefällt mir auch der Gedanke, dass der zweite Band ebenfalls wieder in dem Café spielen wird.

Trotz dieser guten Ausgangslage war es mit Aidan und Kate nicht immer einfach; einzeln, aber auch zusammen nicht. Er kommt lange nicht sympathisch rüber und sie hat ständig Ausbrüche. Die Lautstärke, wie sie Aidan offenbar angeschrien hat, konnte man natürlich nicht hören, dennoch ist vor meinen Augen und Ohren stets etwas erstanden, wo es mich etwas geschüttelt hat. Gerade bei Kate fand ich diesen Eindruck besonders schade, denn in ihren wirklichen Tiefpunkten war sie so echt und so nah an meinem Herzen, dass mich die Diskrepanz zu ihren Ausbrüchen geschmerzt hat. Aidan wiederum hat sich so widerlich anfangs verhalten, dass sein Zweitjob wie ein Witz erscheint. Weiterhin hat es nicht unbedingt geholfen, ein Herz für die beiden zu entwickeln, weil ihre Geschichte von so vielen Klischees aufgeladen war. Der gemeinsame Zwang zu dem Café, der Wettbewerb, wo eh klar war, dass dieser wieder abgeblasen wird, die Offensichtlichkeit mit der Beratungsstelle, das hat schon mal für ein Augenrollen gesorgt. Deswegen war die Annäherung der beiden auch kein wirklicher Wow-Moment für mich. Es ging wie so häufig in Liebesromanen viel zu schnell und auch wenn die Sprache der Autorin in den intensiven Szenen wirklich stark ist, fand ich es stellenweise zu sülzig.

Aber dann kommt wieder die Darstellung von Traumata und ich dachte mir, wow, man, warum konnte das ganze Buch nicht so sein? Gerade die Rückblenden, da habe ich jetzt noch eine Gänsehaut bei dem Gedanken daran, wie eindrücklich die in ihrer Entsetzlichkeit waren. Aber auch in der Gegenwart in der Bewältigung der Momente und bei den Rückschlägen, das war großartig kreiert, da kann ich vor der Autorin nur den Hut ziehen. Aber angesichts dieses immens starken Teils fällt natürlich besonders extrem auf, wie oberflächlich andere Teile gestaltet wurden. Beim Ende kann ich auch nur sagen, dass es gut gelungen ist, denn die kurzfristige Trennung der beiden wurde völlig logisch dargestellt. Und daraus resultiert kein endloses Theater, sondern ein völlig normaler Prozess, der ebenfalls wieder ein Händchen für Traumata beweist.

Fazit: Tja, was soll ich nach dieser arg geteilten Beurteilung zu „Everything I Had“ sagen? Die Darstellung von Traumata war wirklich 1a Spitzenklasse, mit das Beste, was ich bislang gelesen habe, aber dafür war die Liebesgeschichte wahrlich kein Hit. Das macht es wirklich schwer, denn ich spüre, dass es ein Lieblingsbuch hätte sein müssen, aber dafür hat einfach zu viel gefehlt und da muss ich gerecht bleiben.

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Veröffentlicht am 11.05.2021

Braucht noch mehr Tiefe

Keeping Secrets
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Achtung, folgende Worte finde ich in meinen Einleitungen sehr oft: Ich entdecke gerne neue deutsche Autorenstimmen, vor allem in meinem bevorzugten Genre. Dabei ist oft augenscheinlich, dass die ersten ...

Achtung, folgende Worte finde ich in meinen Einleitungen sehr oft: Ich entdecke gerne neue deutsche Autorenstimmen, vor allem in meinem bevorzugten Genre. Dabei ist oft augenscheinlich, dass die ersten Bände einer Reihe oft noch sehr ausbaufähig sind, aber danach macht es häufig bäm, denn Übung macht den Meister. Obwohl ich in den letzten Jahren und vor allem Monaten diese Quintessenz sehr oft niedergeschrieben habe, ist dies keinesfalls despektierlich gemeint, denn ich wachse gerne mit diesen Autorinnen. Dementsprechend gilt das auch für Anna Savas. Diese hat zwar schon beim Impress von Carlsen veröffentlicht und dennoch ist eine Buchreihe bei Lyx doch noch einmal ein anderes Kaliber, weswegen sie es mir verzeihen wird, wenn ich sie hier eher als Neuling einstufe. Nachfolgend findet ihr also eine kritische Auseinandersetzung mit „Keeping Secrets“, dem ersten Band aus der Faerfax-Reihe.

Rein vom Klappentext hätte ich bei „Keeping Secrets“ wohl nicht zugegriffen. Je mehr man in gewissen Genres liest, desto empfindlicher wird man, wenn sich gewisse Muster erkennen lassen, die regelrecht nach Klischees schreien. Da gehört Filmstar trifft auf Normalo leider, leider zu… Aber da ich die Leseprobe zwischen hatte, habe ich schnell gemerkt, es wäre eine Schande, sich hier von Klischees abschrecken zu lassen, denn der Stil war von der ersten Seite an unglaublich angenehm. Zudem sind bei den weiteren Bänden Geschichten angeteasert, die schon wieder deutlich normaler scheinen, weswegen ich mich dann doch voller Überzeugung in „Keeping Secrets“ hineingestürzt habe.

Auch wenn die klischeehafte Ausgangssituation nun einmal nicht wegzudiskutieren ist, so war der Geschichte doch anzumerken, dass sie weiterer solcher klischeehaften Fettnäpfchen aussparen wollte. So hätte z. B. der Filmpartner von Tessa, der zudem ihr Ex ist, für deutlich mehr Eifersucht sorgen können, tut er aber nicht. Auch ansonsten sind klassische Aspekte eines öffentlichen Lebens nicht aufgegriffen worden. Das waren definitiv Pluspunkte, die mich doch recht schnell mit dem klischeehaften Touch versöhnt haben. Dennoch gab es andere Aspekte, die weniger gut geklappt haben und hier zeigen sich mir typische Anfängerfehler. Diese mache ich häufig daran fest, wie bereit die Autor
innen sind, in die Tiefe zu gehen und Savas kratzt definitiv noch an der Oberfläche. Besonders deutlich wird das daran, wie schnell Tessa Teil des Freundeskreises von Cole wurde. Ihr Leben ist eigentlich von Einsamkeit geprägt, aber sie ist nur wenige Wochen in Faerfax und wird nahezu mühelos Teil einer eng zusammengewachsenen Clique. Das ging mir definitiv zu schnell. Während Tessas Trauma dagegen sehr intensiv, vielleicht sogar zu intensiv im Vergleich zum anderen, ausgearbeitet wurde, ist Cole deutlich zu kurz gekommen. Dabei hat er mit seiner Familie ebenfalls genug Konfliktpotenzial gehabt. Am Ende ist das bei ihm aber nahezu fallen gelassen worden, weil es nur noch um Tessa ging.

Apropos Cole. Der Kerl hat es mir auch nicht gerade einfach gemacht. Während ich den Cole vom Ende wirklich, wirklich gerne mag, war er im ersten Drittel wirklich schrecklich unsympathisch. Versteht mich nicht falsch, Figuren dürfen gerne ambivalente Seiten haben, sie müssen nicht wie die Märchenprinzen oder –prinzessinnen wirken, aber der Start mit Cole war denkbar schlecht. Gerade weil ich den Kerl normalerweise schneller lieber mag als die Lady hat es mich hier doch schon sehr irritiert. Mit dieser Ausgangslage fiel es mir auch schwer, direkt ein Fan von Cole und Tessa zusammen zu sein. Es zieht sich aufgrund der ganzen Missverständnisse wie ein Kaugummi und dann ist nahezu sofort die perfekte Liebe. Auch hier zeigt sich die Oberflächlichkeit also wieder. Am Ende haben die beiden mich am Haken, aber ideal war der Weg dorthin definitiv nicht. Das möchte ich auch bewusst so kritisch ansprechen, denn gerade das Trauma von Tessa zeigt ja, dass Savas es kann, doch es wirkt nicht wie im Gleichgewicht, wenn ein Teil in allen Details und dann auch noch stellenweise mit wiederholenden Sequenzen ausgeschmückt ist, während andere Teile zu oberflächlich bleiben.

Fazit: „Keeping Secrets“ beweist mir glücklicherweise, dass Savas es drauf hat und dass sie ihren Weg definitiv gehen wird. In meinen Augen auch gerne schon mit den nächsten beiden Bänden, denn es fehlt nicht viel. Als durchgängigen Kritikpunkt sehe ich vor allem eine gewisse Oberflächlichkeit, die sich in vielen Teilaspekten zeigt, aber insgesamt ist eine nette Lektüre bei herausgekommen, die Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Tatsächlich Umarmung für die Seele

Soul Food
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Ich lese definitiv zu wenig Bücher von People of Color. Das kann man auf der einen Seite so auslegen, dass ich von der Hautfarbe unabhängig zu einem Buch greife, aber man kann es auch deutlich negativer ...

Ich lese definitiv zu wenig Bücher von People of Color. Das kann man auf der einen Seite so auslegen, dass ich von der Hautfarbe unabhängig zu einem Buch greife, aber man kann es auch deutlich negativer auslegen, dass es auf den deutschen Buchmarkt immer noch nicht genug Stimmen von People of Color schaffen. Da ich von Angie Thomas im Jugendbereich schon sehr begeistert, aber thematisch auch erschüttert werden konnte, wollte ich nun Elizabeth Acevedo eine Chance geben, die nach „Poet X“ mit „Soul Food“ zum zweiten Mal in Deutsch veröffentlicht wurde.

Bei „Soul Food“ musste ich mich definitiv erst an den Erzählstil gewöhnen, denn es gibt immer wieder sehr kurze Kapitel. Dazu werden zwischendurch Kapitel eingeschoben, die nicht die Handlung voranbringen, sondern vielmehr als Erklärung dienen. Das ist definitiv ein seltener Stil, den ich zu lesen bekomme. Auch wenn ich ihn nach Beendigung des Buchs nicht als Favorit sehen würde, so muss ich doch zumindest gestehen, dass es dem Geschehen eine eigenwillige Dynamik gegeben hat. Zudem gewöhnt man sich beim Leben definitiv an die Stilistik und findet gut hinein.

Durch die recht knappe Erzählweise ist auch eine gewisse Oberflächlichkeit nicht zu leugnen. Man kommt als Leser*in definitiv nicht so nah an die Figuren rund um Emoni dran, wie man das aus anderen Lektüren kennt, aber dafür ist mir auf der anderen Seite aufgefallen, dass es Acevedo an vielen Stellen gelungen ist, mit nur wenigen Worten eine Atmosphäre zu kreieren, die Verständnis und Mitgefühl erzeugt. Deswegen hatte ich letztlich definitiv das Gefühl, dass ich verstanden habe, wer Emoni ist und wer die ihr lieben Menschen sind. Es hat sicherlich auch geholfen, dass die aufgegriffenen Themen nahbar waren. Für mich persönlich ist Kochen ein riesiges Thema. Ich bin zwar keine so intuitive Köchin wie Emoni, aber dennoch konnte ich ihr Bedürfnis sehr gut nachvollziehen, über ihr Gekochtes etwas beim Esser zu erzeugen. Es ist auch absolut rübergekommen, dass es ihr Traum ist und das konnte berühren.

Ein wichtiges Thema war natürlich auch ihre Herkunft, als halbe Puerto Ricanerin und als Kinder einer schwarzen Mutter, die sie nie persönlich kennengelernt hat, und dass sie damit kulturell oft zwischen den Stühlen steht. Ebenso die Schwangerschaft in der Jugend, die Liebe in der Jugend. Das Buch hat definitiv vieles geboten, das nachdenklich macht. Bei all dem war es mir vor allem wichtig, dass ich Emoni verstehen kann und dass sie dabei durchweg sympathisch rübergekommen ist, war dann ein netter Bonus. Ich habe es auch genossen, dass die Handlung trotz eingestreuter schwerer Thematik nie auf übermäßige Dramatik gesetzt hat. Sei es der Vater ihrer Tochter Emma, sei es die abgehobene Oma und seien es die Geldsorgen, all das hätte dafür sorgen können, dass die Handlung in ein tiefes emotionales Loch abdriftet, aber stattdessen war die Handlung stets von Hoffnung geprägt. Deswegen war das Buch definitiv auch Nahrung für die Seele, weil es mitten in der Realität wie eine warme Umarmung war.

Fazit: Ich habe mein erstes Buch von Elizabeth Acevedo sehr genossen, weil es thematisch mit Kochen und vielem mehr meine eigene Lebenswelt getroffen hat und somit berührt hat. Es war eine Geschichte mitten aus dem Leben, die trotz des zeitweiligen Ernst der Lage stets Hoffnung versprüht hat. Einzig der Erzählstil war etwas gewöhnungsbedürftig, hat aber für Dynamik gesorgt.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Qualitativer Dämpfer

Eisige Wellen
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Die Einführung in die Welt der Grisha ist mit „Goldene Flammen“ wirklich gut gelungen und dennoch müssen sich gerade Trilogien oft den Vorwurf machen, dass der zweite Band, in diesem Falle „Eisige Wellen“, ...

Die Einführung in die Welt der Grisha ist mit „Goldene Flammen“ wirklich gut gelungen und dennoch müssen sich gerade Trilogien oft den Vorwurf machen, dass der zweite Band, in diesem Falle „Eisige Wellen“, oft ein sogenannter Zwischenband ist, in dem die Handlung eher dahin plätschert. Ist dieses Urteil auch über den zweiten Band von Leigh Bardugo zu fällen?

Die Antwort ist relativ schnell mit ‚Ja‘ zu geben, denn „Eisige Wellen“ bietet nur zu Beginn und zum Schluss einen wirklichen erzählerischen Höhepunkt, wo sich Sonnenkriegerin Alina wenig überraschend einem Kampf mit dem Dunklen stellen muss. Hier sind jeweils neue Entwicklungen zu begrüßen sowie auch wichtiger Veränderungen, die bei Alina erfolgen und den weiteren Fortgang enorm beeinflussen werden. Alles dazwischen aber ist wohl tatsächlich eher Aufbau für das, was da noch kommen wird. Aber die inhaltlichen Schwächen werden auch noch durch anstrengende zwischenmenschliche Entwicklungen ergänzt. Das in Kombination hat einen wirklich zähen Lesefluss ergeben.

Absoluter Lichtblick ist in dieser schwierigen Ausgangslage sicherlich Prinz Nikolai oder auch Sturmhond genannt, der im ersten Band keinerlei Rolle gespielt hat, aber mit seiner frechen und vor allem respektlosen Art und Weise gegenüber dem Dunklen und anderen direkt Eindruck hinterlässt. Ich bin durch sein Auftauchen wirklich überrascht worden, zumal er als möglicher Herrscher für Ravka auch eine Alternative für die Zukunft des Landes darstellt, die nicht zu unterschätzen ist. Mit ihm sind auch neu das Geschwisterpaar Tamar und Tolya, die als gebürtige Shu, die sich dem klassischen Dasein von Grisha entzogen haben, ebenfalls für eine neue Komponente stehen. Im Gegensatz zu Nikolai bleiben sie aber doch deutlich blasser und dennoch würde ich sie als sinnvolle Ergänzung des Personenkreises in diesem Band bezeichnen.

Kommen wir aber noch einmal zu den angesprochenen Schwächen. Der zwischendurch fehlende fesselnde Inhalt wird auch dadurch in seiner Präsenz befördert, weil das zwischenmenschliche Drama sehr nervig daherkommt. Im ersten Band gab es schon viel Eifersucht, aber hier wird dem Ganzen wirklich noch einmal die Krone aufgesetzt. Mal und Zoya, Mal und Alina, Alina und Nikolai, ständig werden dort unnötige Steine in den Weg gelegt, was eindeutig an den Nerven zehrt. Verbunden damit ist auch der Faktor, dass Alina in diesem Band eine fragwürdige Entwicklung durchläuft. Ich brauche wahrlich keine Sauberfrau als Protagonistin, aber ihre Reise gen Machtgier erfolgt viel zu schnell und kaum ohne nachvollziehbare Begründung. Hier setzen sich also die Schwächen des ersten Bandes fort, denn das innere Gefühlsebene verharrt erneut an der Oberflächlichkeit. Und das, obwohl wir bei Alina sogar die Ich-Perspektive erleben. Bei dieser Ausgangskonstellation ist es dann wohl verständlich, dass das ständige Eifersuchtsdrama nur noch ein zusätzliches Übel ist, durch das man irgendwie durch mit.

Gerade vor dem Hintergrund, dass ich inzwischen auch die Krähen-Dilogie gelesen habe, wird hier deutlich, dass die Grisha-Trilogie eine ganz andere hätte sein können, wenn auch hier mehrere Perspektiven eingebunden worden wären. Die Welt der Grisha ist definitiv komplex genug und vielleicht muss man sogar sagen, so komplex, dass sie schlichtweg mehrere Sichtweisen bräuchte, um sie noch viel spannender für die Leser*innen zu übertragen. Nach diesem doch eher enttäuschenden Band bleibt nur zu hoffen, dass das Finale sich wieder lohnt.

Fazit: „Eisige Wellen“ bietet Ausrufezeichen zu Beginn und zum Schluss, doch dazwischen ist überraschend viel Leere. Zwar werden neue und interessante Figuren eingeführt, aber das kann auch nicht über ein Geplätscher des Geschehens hinwegtäuschen, das leider zu sehr von Eifersuchtsdrama durchzogen ist. Zudem ist Alinas Entwicklung fraglich. Hier wird es schwer, das Ruder noch einmal rumzureißen.

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Veröffentlicht am 19.04.2021

Hat nicht an allen Stellen Klick gemacht

Back To Us
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Morgane Moncomble ist eine der Autorinnen, die bei mir noch gar nicht so lange auf der Liste der Must-Reads steht, die mich aber gerade mit „Bad At Love“ und „Never Too Late“ schwer begeistert hat. Dennoch ...

Morgane Moncomble ist eine der Autorinnen, die bei mir noch gar nicht so lange auf der Liste der Must-Reads steht, die mich aber gerade mit „Bad At Love“ und „Never Too Late“ schwer begeistert hat. Dennoch ist mir dabei schon aufgefallen, dass es schwer ist, einen Moncomble-Stil zu identifizieren. Sie schreibt stilistisch nämlich sehr unterschiedliche Geschichten, mal emotional tief drin, mal eher quirlig, mal sehr düster, dann wieder supersüß. Ihr neustes Buch, „Back To Us“, bestätigt diesen Eindruck nur wieder. Wenn die Geschichte nicht gerade in Paris spielen würde und ihren Namen auf dem Buchcover stehen hätte, ich hätte es nicht erraten können. Ist das jetzt ein Vor- oder Nachteil? Ich tendiere zu Ersterem. Auch wenn ich einen gewissen einprägsamen Stil bei Autor*innen bewundere, so ist es doch auch bewundernswert, immer wieder in eine neue Schreibe schlüpfen zu können.

Moncomble hat sich auch für „Back To Us“ wieder für ein sehr persönliches Vorwort entschieden, was mir erneut sehr gefallen hat. Damit stimmt sie immer schon in das Geschehen ein, ohne aber auch nur annähernd schon zu viel vorwegzunehmen. Stattdessen ist es ein Gefühl dafür, warum die Autorin sich speziell für diese Geschichte entschieden hat und das ist persönlich und das hebt das Lesevergnügen auf ein eigenes Level. Nun aber zu der Geschichte selbst. Ich fand sie vom Papier her direkt sehr süß, dazu auch direkt die einleitenden Briefe, die sich Aaron und Fleur als Kinder geschrieben haben. Dazu eben die Hommage an K-Drama mit Staffeln und Episoden, was ich als eigener Serienjunkie, wenn auch nicht für K-Drama, nur sehr gut finden konnten. Dennoch hat es bei mir und der Geschichte nicht durchweg Klick gemacht.

Dieses Gefühl des fehlenden Klicks wirklich auf den Punkt zu bringen, ist gar nicht so einfach, weil meine Kritikpunkte immer mit lobenden Gedanken Hand in Hand gehen. Am besten kann man das wohl an der Figur von Aaron festmachen. Er ist ein wirklich sehr ungewöhnlicher Charakter für ein NA-Buch. Auch wenn es nie thematisiert wird, hatte ich bei ihm stellenweise das Gefühl, dass er sich eigentlich auf dem Spektrum einer Asperger-Erkrankung befinden muss, denn seine sozialen Fähigkeiten tendieren wirklich gen null. Ich finde auch nicht, dass sein letztliches Geheimnis eine Erklärung dafür bietet, denn die Ansätze für meinen Eindruck waren schon vor dem Vorfall zu erkennen. Dementsprechend ist er aber keine Figur, die man sofort ins Herz schließt, weil sie dafür viel zu unnahbar ist, weil sie sich ihren Gefühlen eben nicht stellen will. Und dennoch habe ich Aaron von Anfang an sein Happy End gewünscht. Durch seine Perspektive war er auch nicht einfach nur unnahbar, sondern verständlich unnahbar.

Ein weiterer dieser Knackpunkte ist die Chemie zwischen Aaron und Lilas. Es ist für mich völlig in Ordnung, bei einer NA-Lektüre ganz ohne explizit beschriebene Sexszene auszukommen. Bei diesem Buch hätte ich sie vermutlich auch als unangenehm empfunden, denn die beiden haben für mich null sexuelle Chemie ausgestrahlt. Ist das jetzt schlecht? Ein bisschen schon, denn zu einer gesunden Beziehung gehört nun mal auch die körperliche Ebene. Nun haben die beiden ja ein gemeinsames Sexualleben, aber die entsprechenden Vibes dazu sind null bei mir angekommen. Dafür kann ich aber nicht meckern, da die Gefühlsebene wirklich gut getroffen worden ist. Ja, sogar sehr intensiv, denn Lilas fühlt so viel. Manchmal sogar fast zu viel, denn sie ist oft am Weinen. Ja, ich weiß, es gibt Menschen, die sehr nah am Wasser gebaut sind, aber ihr liefen wirklich ständig die Tränen lautlos über die Wangen. Aber das kann ich separieren, denn die Geschichte hat mich definitiv mitgenommen und das auf vielen Ebenen. Selbst mit vergleichsweise wenigen Momenten konnten nahezu alle Nebenfiguren begeistern. Es ist daher eine runde Geschichte, bei der sich Knackpunkte und Stärken die Klicke in die Hand gaben.

Fazit: „Back To Us“ ist für Moncomble eine weitere ungewöhnliche Geschichte, da sie sich stetig neu zu erfinden scheint. Mit der Widmung an K-Dramen war sicherlich schon ein seltenes Merkmal gegeben, aber auch Aaron war wahrlich nicht alltäglich für eine NA-Lektüre. Doch ungewöhnlich ist nicht immer gut. „Back To Us“ ist sicherlich wieder eine sehr unterhaltsame Geschichte geworden, aber nicht die, die mir beim Namen Moncomble noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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