Übertrieben in allen Facetten
Sex/LifeAuf Netflix startet Ende Juni 2021 eine neue Serie mit dem Titel „Sex/Life“ und wie so oft inzwischen, handelt es sich hierbei um eine Romanadaption. Da sich der Streamingdienst bis dato recht vage zu ...
Auf Netflix startet Ende Juni 2021 eine neue Serie mit dem Titel „Sex/Life“ und wie so oft inzwischen, handelt es sich hierbei um eine Romanadaption. Da sich der Streamingdienst bis dato recht vage zu dem Inhalt der geplanten Serie geäußert habe, bin ich sehr unbedarft an das Buch von B.B. Easton herangegangen, was vielleicht rückblickend keine ganz so gute Idee war.
Zunächst einmal finde ich die Prämisse von „Sex/Life“ gar nicht schlecht, denn die Autorin hat ihr eigene Erfahrungen aus ihrem Sex- und Eheleben genommen und diese mit dem Stilmittel der Übertreibung in eine Geschichte verpackt, die aus Tagebucheinträgen und E-Mail-Austausch besteht. Dabei ist eine Stilistik rausgekommen, die sich locker-flockig weglesen lässt und auch die spitze Zunge ist definitiv nicht zu unterschätzen. Stellenweise ist das Geschehen wirklich herrlich ironisch und das findet man wirklich selten. Insgesamt würde ich sagen, dass ich so ein Buch wie „Sex/Life“ noch nie gelesen habe, aber dabei wird es vermutlich auch bleiben, denn mit zunehmender Seitenzahl haben sich die Schwächen des Buchs immer weiter aufgetan.
Der zunächst wirklich interessante Schreibstil hat nämlich zunehmend seinen Reiz verloren, vermutlich weil ich mich eingewöhnt hatte und mehr auf das Drumherum achten konnte. Zunächst einmal hat mich beim Lesen ständig die Frage beschäftigt, wie viel B.B. Easton tatsächlich übertrieben hat? Natürlich war die Darstellung der Ehe alleine aufgrund der Kommentierung durch die Ich-Person schon völlig überzogen, aber es muss ein wahrer Kern dabei gewesen sein und das kann mich dann nur noch erschrecken, denn wo bitte schön war dann die Basis für eine glückliche Ehe? Alleine die Art, wie B.B. dann alles kommentiert, viel despektierlicher geht es eigentlich nicht. Was im ersten Moment noch lustig wirkte, fand ich dann so irgendwann gar nicht mehr. Zwar bekommt die Geschichte am Ende noch einen Bogen, wo ich sage, da wurde noch das Beste aus den Möglichkeiten herausgeholt, aber der Weg dorthin war definitiv steinig und schwer…
Ein zweiter Faktor ist ganz sicherlich auch, dass „Sex“ im Titel hier definitiv eine Ansage ist. Nein, natürlich ist es nicht verwunderlich, dass hier der Titel des Buchs auch erfüllt wird, doch ich hätte mir aus der Idee, dass der Ehemann auf einmal kreativer wird, als er B.B.s Tagebuch liest, doch etwas abwechslungsreicher und kniffliger dargestellt wird. Denn eigentlich lässt B.B. nur ihre vergangenen Sexualpartner Revue passieren und ich verrate wohl nichts, indem ich sage, dass auch hier eine Übertreibung die nächste jagt, dafür sind die Darstellungen auch sehr explizit. Nicht übertrieben versaut, aber zwischendurch passiert auch nicht grundlegend viel mehr. Und dann entlarvt sich B.B. stellenweise auch selbst, dass sie etwas übertrieben hat in ihrer Darstellung und dann folgt noch einmal eine Beschreibung der Sexszene, diesmal nur etwas „bodenständiger“. Insgesamt habe ich mir wirklich viel mehr Inhalt gewünscht. Hinzu kommt, dass der von Netflix veröffentliche Trailer überhaupt nichts mit dem Buch zu tun haben scheint, denn dort wurde mir gleich eine andere Botschaft übermittelt. Ob nun eine bessere, das wird sich erst noch zeigen müssen.
Fazit: „Sex/Life“ macht mir definitiv keine Lust auf die gleichnamige Serie bei Netflix, denn eine interessant klingende Idee verliert schnell ihren Reiz. Das Stilmittel der Übertreibung wirkt zudem irgendwann richtig respektlos und abseits von einer Aneinanderreihung von Sexszenen wird inhaltlich nicht viel mehr geboten. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt.