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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2026

Spannendes Sci-Fi-Abenteuer für junge Entdecker mit kleinen Gruselmomenten

Erde 13
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„Erde 13 – Aufbruch ins Ungewisse“ von Andreas Langer ist ein tolles Science-Fiction-Abenteuer für Kinder ab etwa 10 Jahren. Die Idee, dass Levi und Gwendolin zu den Auserwählten gehören, die einen neuen ...

„Erde 13 – Aufbruch ins Ungewisse“ von Andreas Langer ist ein tolles Science-Fiction-Abenteuer für Kinder ab etwa 10 Jahren. Die Idee, dass Levi und Gwendolin zu den Auserwählten gehören, die einen neuen Planeten besiedeln sollen, ist zwar ein bekanntes Sci-Fi-Motiv – die Umsetzung ist hier aber richtig kindgerecht und spannend gelungen. Besonders der missglückte Start und das Stranden auf einem völlig fremden Planeten sorgen für ordentlich Nervenkitzel.

Die Geschichte wird aus Levis Ich-Perspektive erzählt. Interessant sind die fantasievollen Beschreibungen über Tier- und Pflanzenwelt von Erde 13. Gleichzeitig schwingt auch Ernsthaftes mit, etwa die zerstörte Erde oder der Abschied von Familie und Freunden.

Der Schreibstil ist bildhaft, gut verständlich und mit angenehm großer Schrift ideal für junge Leserinnen und Leser. Für mich ist „Erde 13“ ein gelungener Einstieg in die Sci-Fi-Reihe, der definitiv Lust auf die Fortsetzung macht.

Ein kleiner Minuspunkt: Einige Szenen waren mir als Erwachsene schon ziemlich gruselig – das könnte für manche Kinder vielleicht zu viel sein.

Insgesamt ein spannendes, fantasievolles Kinderbuch mit Abenteuer, Herz und einer ordentlichen Prise Gänsehaut!

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Ruhiger Roman mit feinem Humor und vielen Zwischentönen

Richtig gutes Essen
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„Richtig gutes Essen“ von Junko Takase ist schon äußerlich ein echter Hingucker: Der wunderschöne Buchumschlag hat mich sofort angesprochen und passt perfekt zur feinen, zurückhaltenden Stimmung der Geschichte.

Der ...

„Richtig gutes Essen“ von Junko Takase ist schon äußerlich ein echter Hingucker: Der wunderschöne Buchumschlag hat mich sofort angesprochen und passt perfekt zur feinen, zurückhaltenden Stimmung der Geschichte.

Der Roman zeichnet ein spannendes Bild einer starren Beziehungskultur, in der die Figuren ihre gesellschaftlich erwarteten Rollen nahezu perfekt spielen – und dabei ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse kaum äußern. Daraus folgen zum Teil passiv-aggressive, oft unangenehme Dynamiken zwischen den Figuren. Anhand der drei Büroangestellten Nitani, Ashikawa und Oshio bekommt man einen Einblick in die japanische Arbeitswelt und die Denkweisen, die Leistungsdruck und Konventionen mit sich bringen. Besonders gelungen fand ich die Darstellung des Arbeitsumfelds: streng reglementiert, aber gleichzeitig unterschwellig absurd, fast schon skurril.

Der Roman lebt von feinen Beobachtungen, schrägen Situationen und dem Kontrast zwischen Anpassung und persönlichen Bedürfnissen. Die Figuren gehen alle auf ihre Art und Weise mit Erwartungen und Druck um. Der Schreibstil ist eher distanziert mit einem trockenen, manchmal schrägen Humor, der die Schwächen im menschlichen Miteinander darstellt.

Allerdings blieb mir emotional alles etwas zu kühl: Ich konnte mit keiner Figur wirklich mitfühlen, trotz der wechselnden Perspektiven. Dafür gab es einige Passagen, die mich durchaus zum Nachdenken gebracht haben, und die vielen Dialoge haben mir zum Teil gut gefallen. Insgesamt passiert nicht besonders viel, und eine klare Entwicklung fehlt, aber man bekommt einen interessanten Einblick in den japanischen Arbeitsalltag und kann einige gesellschaftliche Aspekte reflektieren.

Unterm Strich ein ruhiger, beobachtender Roman mit subtiler Kritik und eigenem Ton – eher für Fans und Interessierte der japanischen Kultur und Arbeitsleben.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Geschichten von Arbeit, Migration und Hoffnung

Liefern
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„Liefern“ von Tomer Gardi ist ein Roman, der einen nicht mehr loslässt. Wir sehen sie jeden Tag durch die Städte fahren und doch bleiben Essenslieferanten meist unsichtbar. Gardi holt sie ins Zentrum und ...

„Liefern“ von Tomer Gardi ist ein Roman, der einen nicht mehr loslässt. Wir sehen sie jeden Tag durch die Städte fahren und doch bleiben Essenslieferanten meist unsichtbar. Gardi holt sie ins Zentrum und verknüpft ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwartsroman, der genauso politisch wie menschlich ist. Es geht um Migration, Arbeit, Kapitalismus und Macht, aber auch um Liebe, Familie und die große Sehnsucht nach Zugehörigkeit.

Im Mittelpunkt stehen Figuren wie Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist und als Lieferant unter falschem Namen arbeitet, immer in Angst, alles zu verlieren. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch in Berlin, während sich die Geschichte weiter nach Delhi, Istanbul und Buenos Aires verzweigt. Diese Erzählfäden wirken zunächst chaotisch, manchmal auch sperrig. Die Zusammenhänge, die man „irgendwie“ kennt, bekommen hier Gesichter, Namen und Leben.

Besonders beeindruckend ist der nüchterne, beobachtende Stil. Gardi lässt die Bilder des Alltags für sich sprechen. Die geschilderten Arbeitsbedingungen der Rider sind erschreckend, selbst wenn man theoretisch davon weiß. Durch die konkreten Protagonisten entsteht eine enorme Nähe, die Empathie weckt. Umso wichtiger sind die leisen Momente von Solidarität, Freundschaft und Menschlichkeit, die dem Roman trotz aller Härte Hoffnung geben.

Ein dringliches, berührendes und hochaktuelles Buch.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Absurde Ideen im Schleifenmodus

Schleifen
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Der Roman "Schleifen" von Elias Hirschl beginnt mit einem faszinierenden, intellektuell reizvollen Ansatz. Die Geschichte um Franziska Denk, die an einer eigentümlichen Krankheit leidet – sie übernimmt ...

Der Roman "Schleifen" von Elias Hirschl beginnt mit einem faszinierenden, intellektuell reizvollen Ansatz. Die Geschichte um Franziska Denk, die an einer eigentümlichen Krankheit leidet – sie übernimmt jedes Symptom, von dem sie hört oder liest –, ist originell und vielversprechend. Besonders stark ist die Idee, dass sie sich mithilfe von Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden immunisiert. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet sie einen Seelenverwandten, und gemeinsam entwickeln die beiden eine obsessive Suche nach der perfekten Sprache.

Der Autor greift zahlreiche sprachwissenschaftliche, philosophische und mathematische Theorien auf, die von seinen Figuren konsequent weitergedacht und im Streben nach absolutem Wissen oder Perfektion ins Absurde überzeichnet werden. Das ist stellenweise klug, witzig und gedanklich anregend. Gerade zu Beginn hat mir dieser spielerisch-intellektuelle Zugang sehr gefallen.

Mit fortschreitender Lektüre wurde mir das jedoch zu viel. Irgendwann verliert der Roman für mein Empfinden seinen erzählerischen Fluss und wirkt eher wie eine lose Aneinanderreihung wissenschaftlicher Texte oder theoretischer Exkurse. Die Figuren und ihre Beziehung treten zunehmend in den Hintergrund, während die Konzepte dominieren. Ein wirklicher Ausgang oder ein finales Ergebnis der vielen präsentierten Theorien bleibt aus, was den Roman am Ende etwas unbefriedigend wirken lässt.

So bleibt "Schleifen" ein gedankenreiches Buch, das interessante Fragen stellt, sich aber zunehmend in seiner eigenen Konzeptlastigkeit verliert. Und am Ende fragt man sich: Welchen Sinn verfolgt das ständige Name-Dropping eigentlich – dient es der inhaltlichen Vertiefung oder eher der intellektuellen Selbstinszenierung?

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Trauer, Freundschaft und ein dunkles Geheimnis

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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„Sternengrab“ von Kristina Ohlsson hat mich von der ersten Seite an gepackt. Im Mittelpunkt steht diesmal Alva, die seit fast tausend Tagen mit einer quälenden Frage lebt: Was ist damals wirklich passiert, ...

„Sternengrab“ von Kristina Ohlsson hat mich von der ersten Seite an gepackt. Im Mittelpunkt steht diesmal Alva, die seit fast tausend Tagen mit einer quälenden Frage lebt: Was ist damals wirklich passiert, als ihr Vater starb? Während ihre Mutter ein Café in einem neu gekauften Bootshaus eröffnen will, häufen sich merkwürdige Ereignisse – das Bootshaus scheint ein dunkles Geheimnis zu haben.

Die Atmosphäre ist durchgehend spannend und zunehmend unheimlich. Eine Katze, die Alva auf Schritt und Tritt verfolgt, nächtliche Geräusche vor ihrer Zimmertür und das Gefühl, dass ihr Vater irgendwie präsent ist, sorgen für echten Gruselfaktor. Die Auflösung wird nur Stück für Stück preisgegeben, was die Spannung konstant hoch hält. Besonders gelungen fand ich, wie Ohlsson erneut mysteriöse und leicht übernatürliche Elemente einbaut, ohne dass die Geschichte ins Absurde kippt.

Neben all der Spannung gibt es aber auch ruhige, hoffnungsvolle Momente. Themen wie Freundschaft, Verlust und Trauerbewältigung werden sensibel und nachvollziehbar aufgearbeitet, was dem Buch etwas Tiefe verleiht. Positiv ist auch, dass „Sternengrab“ zwar die Fortsetzung der Hovenäset-Reihe ist, aber problemlos ohne Kenntnis von „Flammenrad“ gelesen werden kann.

Kleine Abzüge gibt es für mich dennoch: Die Geschichte schürt stellenweise eine gewisse Angst vor Katzen, was ich nicht so gelungen fand. Außerdem ist mir das Buch für Kinder ab etwa 11 Jahren stellenweise fast schon zu gruselig geraten.

Unterm Strich ist „Sternengrab“ ein spannender Jugendroman mit Gänsehaut-Garantie und emotionaler Tiefe – absolut lesenswert, wenn man sich gern ein wenig gruselt.

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