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Veröffentlicht am 26.04.2026

Fühlen wie ein Sohn

Der Junge im Taxi
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»M., der deutsche Sohn von Malusci. Du weißt doch, dass dein Großvater in Deutschland einen Sohn gezeugt hat, damals, als er am Bodensee Besatzungssoldat war. Einen Sohn mit einer Deutschen, die er ein ...

»M., der deutsche Sohn von Malusci. Du weißt doch, dass dein Großvater in Deutschland einen Sohn gezeugt hat, damals, als er am Bodensee Besatzungssoldat war. Einen Sohn mit einer Deutschen, die er ein paar Wochen lang gekannt hat, das wusstest du doch, oder?« (Seite 25)

Nachdem Simons Großvater Malusci im Kreise der Familie bestattet worden ist, wird Simon von dem Mann seiner Tante zur Seite genommen und erfährt ein Geheimnis, das ungeheuerlich klingt. Einen Sohn soll sein Großvater gezeugt haben, als Besatzungssoldat in Deutschland, den niemand je erwähnt hat. Simon, selbst gerade frisch getrennt und verletzlich, macht sich auf die Suche nach dem unbekannten Mann.

Sylvain Prudhomme verarbeitete mit dem vorliegenden Buch seine eigene Geschichte, auch er erfuhr bei der Beerdigung seines Großvaters erstmals von einem Onkel in Deutschland und musste dieses Erlebnis verdauen, bevor er es niederschrieb. Dinge aus der Vergangenheit verbanden sich plötzlich mit dem neuen Wissen und einiges, das vorher nebenbei erzählt worden ist, ergab plötzlich einen Sinn. Man merkte dem autofiktionalen Roman an, wie getroffen er war, wie sehr es ihn persönlich bewegt hat, diesem Familiengeheimnis nachzuspüren.

In einer wunderschönen Sprache, stellenweise ohne Satzzeichen und nicht gekennzeichnet, wenn es um Gespräche ging, erzählte Sylvain mit der Stimme von Simon, wie es ihm erging. Eine Familiengeschichte, die manchmal spannender war wie ein Krimi, eine Suche, die oft aufregend war. Ein Roman, der mich berührt hat, ich bin dankbar, dass ich bei dieser sehr persönlichen Aufarbeitung zugegen sein durfte. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Am Ende der Vernunft

Trocken
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»Im Grunde kann ich mich an das Gefühl, betrunken zu sein, nur noch erinnern. Meine zum Standard gewordenen drei Promille sind jetzt meine Nüchternheit. Alles, was darüber hinausgeht, vergesse oder verdränge ...

»Im Grunde kann ich mich an das Gefühl, betrunken zu sein, nur noch erinnern. Meine zum Standard gewordenen drei Promille sind jetzt meine Nüchternheit. Alles, was darüber hinausgeht, vergesse oder verdränge ich.« (Seite 36)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich dem Pressetext des Verlages zufolge um das zutiefst persönliche Debüt eines trockenen Alkoholikers. Mit entwaffnender Ehrlichkeit, brutaler Offenheit und in mal kurzen, mal längeren Abschnitten schildert Daniel Wagner seinen Weg, schreibt bewegend darüber, wie er es nach dreißigjähriger Alkoholabhängigkeit geschafft hat, trocken zu werden und bis heute zu bleiben.

»Auch wenn ich trocken bin, das Leben, das ich führe, führe ich auf der Basis von Alkohol. Ohne es zu merken habe ich mein Leben in seine Hände gegeben und er wird es mir nie wieder vollständig zurückgeben. Hand in Hand in eine gemeinsame Zukunft. Und ich hasse das.« (Seite 12)

Dieses Buch hat mir nicht die Augen geöffnet, ich weiß selbst ganz genau um die Gefahren von Alkohol und Drogen. Dennoch hat es mich erschreckt, wie oft ich mich wiedererkannt habe in manchen Beschreibungen, obwohl ich sicherlich kein Alkoholproblem habe. Daniel Wagner zieht sich vor den Leserinnen und Lesern förmlich aus, kehrt sein Innerstes nach außen, und schildert auch Situationen, die absolut beschämend gewesen sein müssen und dies auch im Nachhinein sind. Dies ist richtig und wichtig, um zu verstehen, wie es soweit gekommen ist und wie es passieren konnte, dass er fast gestorben ist. Nicht, dass dies zur Einsicht geführt hätte, die länger auf sich warten ließ. Ein großartiger und mutiger Bericht von einem, der gesundet ist und doch für immer krank bleiben wird. Respekt, Daniel, ich ziehe meinen imaginären Hut vor dir!

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Traf leider nicht meinen Geschmack

Das Gehöft
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Lara ist Biologin und erfüllt sich zusammen mit ihrem Freund Henry, einem weiteren Paar sowie ihrem Bruder den Traum, ein Gehöft auf der menschenleeren Hallig Westeroog ökologisch zu bewirtschaften. Bereits ...

Lara ist Biologin und erfüllt sich zusammen mit ihrem Freund Henry, einem weiteren Paar sowie ihrem Bruder den Traum, ein Gehöft auf der menschenleeren Hallig Westeroog ökologisch zu bewirtschaften. Bereits kurz nach der Ankunft verschwindet Laras Bruder Malte, danach reißt die Funkverbindung zur Außenwelt ab und die kleine Gruppe ist auf sich alleingestellt. Seltsame Dinge geschehen, Lara ist überzeugt davon, dass sich eine weitere unbekannte Person auf der Insel befindet und dann fängt auch noch Henry an, ihr Misstrauen zu wecken. Als eine weitere Person verschwindet, eskaliert die Situation.

Der Autor Leo Brandt veröffentlichte unter dem Namen Richard Brandes eine Kriminalreihe, die sich um die Kriminalhauptkommissarin Carla Stach und ihr Team dreht. Diese beinhaltet mittlerweile vier Bände und konnte mich von Band zu Band immer mehr begeistern, sodass ich umso neugieriger war, als ich erfuhr, dass der Autor nun seinen ersten Thriller geschrieben hat. Bereits auf den ersten Seiten war ich etwas ernüchtert, denn die Naturbeschreibungen nahmen überhand; statt einer bedrohlichen Atmosphäre hatte ich das Gefühl, in einer Naturdokumentation gelandet zu sein. Die Story selbst konnte mich leider auch nicht mitreißen, die widersprüchlichen Handlungen der Figuren sowie die abrupten Übergänge führten bei mir zu Irritationen, es kam keine richtige Stimmung bei mir auf, zudem fand ich die Gespräche der Akteure miteinander seltsam. Einige Fehler in der Story vervollständigten mein negatives Bild und letztendlich blieb ich nur am Ball, um zu erfahren, wie es ausgeht. Schade, aber das Buch und ich ergab einfach kein Match. Da warte ich doch lieber darauf, dass es mit Carla Stach hoffentlich irgendwann weitergeht.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Wir vergessen nicht

Die Kinder von Izieu
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Am 06. April 1944 ist die Welt im Kinderheim von Izieu noch in Ordnung, die 44 dort untergebrachten jüdischen Kinder sowie deren Betreuer rechnen nicht mit der Unmenschlichkeit, die ihnen unerwartet widerfährt, ...

Am 06. April 1944 ist die Welt im Kinderheim von Izieu noch in Ordnung, die 44 dort untergebrachten jüdischen Kinder sowie deren Betreuer rechnen nicht mit der Unmenschlichkeit, die ihnen unerwartet widerfährt, als während der Frühstückszeit draußen Wehrmachtsangehörige nebst drei Gestapo-Offizieren auftauchen. Die Kinder und die anwesenden Erwachsenen werden in Lastwagen verfrachtet, einzig Léon Reifman rettet sich mit einem Sprung aus dem Fenster, und ins Gefängnis Montluc gebracht, von wo aus sie am nächsten Tag nach Drancy überführt werden. Eine Woche nach der Razzia deportiert man die meisten von ihnen nach Auschwitz-Birkenau, der Rest folgt einige Zeit später. Nur die Erzieherin Léa Feldblum kehrt lebend zurück.

Nikolaus »Klaus« Barbie war ein deutscher Kriegsverbrecher, der wegen seiner Grausamkeit unter der Bezeichnung »Der Schlächter von Lyon« zu zweifelhaftem Ruhm gelangte. Von 1942 bis 1944 war er Chef der Gestapo in Lyon, mit einem seiner schlimmsten und niederträchtigsten Verbrechen beschäftigt sich die vorliegende Graphic Novel.

Vor einiger Zeit las ich eine Graphic Novel über Klaus Barbie, bei dem es mir sehr schwer fällt, ihn Mensch zu nennen, solch grausame Verbrechen hat er begangen. Eines davon haben Pascal Bresson und Giulio Salvadori thematisch verarbeitet, mich damit beeindruckt und sehr bewegt. Einem Denunzianten war es zu verdanken, dass unschuldige Kinder und deren Betreuer damals abgeholt und in den sicheren Tod geschickt worden sind. Einen Verdacht gab es zwar, aber an Beweisen hat es leider gefehlt, um diesen Menschen dafür zur Verantwortung zu ziehen. Das vorliegende Werk beleuchtet die Umstände, beschäftigt sich mit dem Gerichtsprozess und lässt Überlebende zu Wort kommen. Die Geschichte hat mich berührt und ich finde es großartig, dass eine Erinnerung an die vielen Toten weiterhin besteht. Gegen das Vergessen.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Perfekt analysiert

Das Ende der Wahrheit?
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Die Straf- und Verfassungsrichterin Elisa Hoven begeistert mich mit ihren Büchern immer wieder aufs Neue, was ich zu Beginn besonders hervorheben möchte, da ich Sachbücher selten bis gar nicht lese, ihre ...

Die Straf- und Verfassungsrichterin Elisa Hoven begeistert mich mit ihren Büchern immer wieder aufs Neue, was ich zu Beginn besonders hervorheben möchte, da ich Sachbücher selten bis gar nicht lese, ihre Werke allerdings förmlich verschlinge, weil ich nicht genug davon bekommen kann. Die Autorin ist Professorin für Strafrecht und Direktorin für Medienrecht an der Universität Leipzig sowie Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof. Ihre fachliche Kompetenz merkt man ihren Texten an, die so geschrieben sind, dass sogar sehr komplizierte und komplexe Sachverhalte plötzlich leicht, einfach und für Laien verständlich sind. Dieses Talent ist nicht vielen Juristen in die Wiege gelegt worden, wie ich aus jahrelanger Erfahrung sagen kann.

Das vorliegende Buch befasst sich unter anderem mit Fake News, Deepfakes, der Nutzung der Künstlichen Intelligenz sowie den Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Lebens. Was ist die Wahrheit und wie erkennt man die Lüge? Dürfen Politiker lügen und wie erkennt man, ob Journalisten ehrlich sind? Gibt es eine Wahrheit im Krieg und welchen Preis zahlen wir für Lügen? Diesen und vielen anderen Fragen geht Elisa Hoven nach und nicht nur das, denn sie liefert gleichzeitig Vorschläge und skizziert Ansätze, was man anders machen kann, zeigt auf, wo Handlungsbedarf besteht. Die von ihr genannten Beispiele kommentiert sie erfrischend wertfrei, niemals ist etwas nur Schwarz oder Weiß, die vielen Nuancen dazwischen werden angesprochen, benannt und auch mal kritisiert. Aktueller und informativer geht es kaum, denn dieses Buch trifft den Nerv der Zeit im perfekten Augenblick. Große Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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