Fühlen wie ein Sohn
Der Junge im Taxi»M., der deutsche Sohn von Malusci. Du weißt doch, dass dein Großvater in Deutschland einen Sohn gezeugt hat, damals, als er am Bodensee Besatzungssoldat war. Einen Sohn mit einer Deutschen, die er ein ...
»M., der deutsche Sohn von Malusci. Du weißt doch, dass dein Großvater in Deutschland einen Sohn gezeugt hat, damals, als er am Bodensee Besatzungssoldat war. Einen Sohn mit einer Deutschen, die er ein paar Wochen lang gekannt hat, das wusstest du doch, oder?« (Seite 25)
Nachdem Simons Großvater Malusci im Kreise der Familie bestattet worden ist, wird Simon von dem Mann seiner Tante zur Seite genommen und erfährt ein Geheimnis, das ungeheuerlich klingt. Einen Sohn soll sein Großvater gezeugt haben, als Besatzungssoldat in Deutschland, den niemand je erwähnt hat. Simon, selbst gerade frisch getrennt und verletzlich, macht sich auf die Suche nach dem unbekannten Mann.
Sylvain Prudhomme verarbeitete mit dem vorliegenden Buch seine eigene Geschichte, auch er erfuhr bei der Beerdigung seines Großvaters erstmals von einem Onkel in Deutschland und musste dieses Erlebnis verdauen, bevor er es niederschrieb. Dinge aus der Vergangenheit verbanden sich plötzlich mit dem neuen Wissen und einiges, das vorher nebenbei erzählt worden ist, ergab plötzlich einen Sinn. Man merkte dem autofiktionalen Roman an, wie getroffen er war, wie sehr es ihn persönlich bewegt hat, diesem Familiengeheimnis nachzuspüren.
In einer wunderschönen Sprache, stellenweise ohne Satzzeichen und nicht gekennzeichnet, wenn es um Gespräche ging, erzählte Sylvain mit der Stimme von Simon, wie es ihm erging. Eine Familiengeschichte, die manchmal spannender war wie ein Krimi, eine Suche, die oft aufregend war. Ein Roman, der mich berührt hat, ich bin dankbar, dass ich bei dieser sehr persönlichen Aufarbeitung zugegen sein durfte. Lesenswert!