Wie führt man ein Leben im Sog der Sucht? Wie fühlt es sich an, am Totenbett der eigenen Mutter besoffen sein zu müssen, weil nichts wichtiger ist als der nächste Schluck? Wie ist es, wenn sich jeder Tag und jede Nacht um die Sucht dreht und man bereit ist, alles zu vernichten, um ihr zu dienen?
In gnadenloser Offenheit schreibt Daniel Wagner von der Hölle und den Monstern, die jahrelang sein Leben definierten. Er gibt einen ungeschönten Einblick in das Innenleben einer Suchterkrankung und wie sie nach außen hin explodiert.
Ein bewegendes Buch, das aufdeckt und wachrüttelt: Betroffene, Nahestehende und Antwortsuchende.
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Dass Alkohol in unserer Gesellschaft ziemlich verharmlost wird, wissen wir tief in unseren Herzen wahrscheinlich alle. Was es mit jemandem macht, der tatsächlich abhängig ist und wie extrem das Verlangen ...
Dass Alkohol in unserer Gesellschaft ziemlich verharmlost wird, wissen wir tief in unseren Herzen wahrscheinlich alle. Was es mit jemandem macht, der tatsächlich abhängig ist und wie extrem das Verlangen nach Alkohol in jede Faser unseres Seins eindringen kann, ist aber nochmal ein ganz anderes Thema.
In „Trocken“ setzt sich Daniel Wagner mit seiner eigenen Sucht auseinander und hat es nicht nur geschafft "trocken" zu werden, sondern auch noch ein echtes Meisterwerk geschrieben.
Ich hatte beim Lesen immer einen Stift in der Hand, um wichtige Aussagen zu unterstreichen und letztendlich hätte ich das gesamte Buch anmalen und kommentieren können.
Er schreibt kompromisslos, ehrlich, voller Feingefühl und trotzdem gnadenlos, ohne etwas zu beschönigen oder ambivalente Gefühle aus Gründen der sozialen Erwünschtheit zu verzerren.
Er schreibt von Höhen und Tiefen, von Depressionen, Ängsten, verpassten Chancen und dem Wunsch zu leben.
Für mich war das Buch eine absolute Überraschung!
„Alkoholsucht ist ein Muster und ich bin nicht der Künstler.“
Zum Glück ist "Trocken", ein außergewöhnlich berührendes, ehrliches Memoir des Autoren und trockenen Alkoholikers Daniel Wagner, auf der "Longlist Debüt" des Österreichischen Buchpreises gelandet. Denn ...
Zum Glück ist "Trocken", ein außergewöhnlich berührendes, ehrliches Memoir des Autoren und trockenen Alkoholikers Daniel Wagner, auf der "Longlist Debüt" des Österreichischen Buchpreises gelandet. Denn so bin ich auf dieses außergewöhnliche Buch aufmerksam geworden. Aus beruflichem und privatem Interesse habe ich schon viele Bücher Betroffener über Suchterkrankungen und andere psychische Probleme gelesen, doch lange hat mich keines mehr so berührt wie dieses.
Basierend auf Tagebucheinträgen und Rückblicken nimmt der Autor uns mit auf seine Reise durch die Hölle der Alkoholabhängigkeit. Wir erleben, wie auf den hochintelligenten, aber schüchternen, mit Depressionen und Ängsten kämpfenden Teenager an jeder Ecke in Österreich die Verführung zum Saufen lauert. Ja, leider ist Saufen nicht nur normalisiert in diesem Land, es besteht ein regelrechter Druck, mitzumachen, dem nur wenige unter guten Bedingungen standhalten können. Denn wer nicht trinkt, der macht sich zum Außenseiter und wird immer und immer wieder aufgefordert, mitzumachen und doch nicht so langweilig zu sein (das kenne ich als lebenslange Alkoholverweigerin in Österreich nur zu gut aus eigener Erfahrung).
Bei Daniel Wagner braucht es nicht viel, um ihn zum regelmäßigen Saufen zu verleiten: zu wohltuend ist das angenehme Gefühl der Entspannung und Erleichterung, der Enthemmung und Beruhigung, das damit einhergeht. Nur betrunken fühlt er sich wohl, sicher und kommunikativ. So kommt es schnell zu einer Gewöhnung, bis ein dauerhafter Alkoholspiegel von 2 bis 4 Promille im Blut für ihn völlig normal ist. Wozu es hingegen sehr lange braucht, ist das Eingeständnis, ein Alkoholproblem zu haben: viel zu lange verleugnet er dieses, sieht nur seine Depressionen und Angststörungen sowie die Traumata, die er erlebt hat, als seine Probleme an.
Denn zu lange fügt sich auch ein sehr problematisches Trinkverhalten immer noch recht harmonisch in die bestehende Suchtkultur in diesem Land ein: bis ihm sein Leben immer mehr entgleitet: nicht nur ist seine Mutter tragisch viel zu früh an Krebs verstorben, auch wenden sich Freundinnen und Freunde immer mehr von ihm ab, seine Leberwerte sind jenseits von gut und böse, er wandelt am Rande des Suizids und ist am schnellsten Weg zu einem sehr verfrühten Ende. Bis langsam in ihm Einsicht zu wachsen beginnt und er versucht, sich seinem "Monster", dem Alkoholproblem, zu stellen. Aber der Weg zurück wird lange und steinig sein, von Rückschlägen und Schwierigkeiten gepflastert... doch am Ende steht ein Mensch, der es geschafft hat, trocken zu werden und dieses Buch darüber zu verfassen.
Hier noch ein paar eindringliche Zitate aus dem Buch. Es sind außergewöhnlich viele für eine Rezension von mir, und ich habe mir beim Lesen noch viel mehr davon notiert, weil der Autor einfach über eine so eindringliche Sprache verfügt, die seine Gefühle und seinen inneren Kampf, aber auch seine Wut über die gesellschaftlichen Umstände in Österreich, die regelrecht zum Saufen verleiten, so treffend auf den Punkt bringt:
"Ich war betrunken, als du gestorben bist, und ich war betrunken, als du beerdigt wurdest. Es tut mir unendlich leid, Mama. Dei Bua ist jetzt trocken." (S. 5)
"Irgendwann haben wir in Österreich still und heimlich Alkohol als Kulturgut ausgerufen und beschlossen, dass wir uns gemeinschaftlich einfach so lange ansaufen, bis wir kritische Stimmen als kulturfeindlich wahrnehmen. Und wir brauchen dafür nicht einmal eine Lobby, wie die Tabak- oder Waffenindustrie. Überall, in jedem Gasthaus, auf jeder Feier, bei jeder noch so beliebigen Veranstaltung findet man sie, die ehrenamtlichen Lobbyisten..." (S. 12)
"Die Sehnsucht nach einem nüchternen Leben kämpft gegen die Sucht nach Alkohol. Die zerrende Angst und die unendliche Leere in mir kämpfen gegen den anhaltenden Rausch. Der Gewinner steht wie immer schon vorher fest. Aus meiner Trauer wird Aggression." (S. 16)
"Depression - Wenn du da bist, machst du alles andere nichtig. Du trittst meine Türen ein und verbarrikadierst dich in mir, bis ich mich dir ergebe. Bis ich dir gehöre. Bereit, von dir zerbröckelt zu werden. Alle Scheinwerfer sind auf dich gerichtet und dann beginnst du dein scheußliches Lied zu singen. Du singst vom Tod und von der Dunkelheit. Du singst all die Dämonen aus ihren Löchern hervor, die in den dunkelsten Ecken meiner Gedanken auf ihren Einsatz warten." (S. 58)
"ICH WILL LEBEN, durchführt es meinen gesamten Organismus, implodiert in mir und exlodiert aus mir heraus. Ich bekomme Gänsehaut am ganzen Körper und bebe, als würde mich diese Erkenntnis mit aller Kraft wachrütteln." (S. 61)
"Visiten, Therapien, Verlaufsgespräche. Ich fühle mich überlegen und lasse mich nicht wirklich behandeln. Ich stelle dem medizinischen Personal nur eine meiner Masken zur Verfügung, an mein Inneres lasse ich sie nicht ran." (S. 64)
"Na ja, und irgendwann steht man dann beim Billa an der Kassa. Unter Schweißausbrüchen beim Weinregal und pochendem Suchtdruck bei der Bierabteilung hat man es irgendwie dorthin geschafft und ist am Limit des Zumutbaren. Man kann weder vor noch zurück und ist verdammt, an einem Ort zu stehen, der vollgesogen ist mit Scham, Stress und Druck. Und dann stellt's ihr geldgierigen Arschlöcher da allen Ernstes Schnapsflascherln hin? WOFÜR?! Falls man für die Bratensauce am Sonntag seine 0,1 Liter Underberg vergessen hat? Bullshit." (S. 115)
Ich wünsche diesem besonderen und mutigen Buch aus tiefstem Herzen, dass es den Österreichischen Buchpreis, Kategorie Debüt, gewinnt, und damit verbunden viel Aufmerksamkeit erregt, die hoffentlich endlich zu dem längst überfälligen Umdenken führt, das einen Wandel in der österreichischen Gesellschaft bewirkt, wenn es um die Einstellung zu Alkohol geht und dem, was wir Jugendlichen damit antun, wenn wir sie regelrecht in die Arme dieser gefährlichen Sucht, dieses tückischen Monsters, drängen.
Vielleicht kann dadurch eine Bewegung entstehen, die dafür eintritt, dass keinen Alkohol zu trinken als mindestens genauso normal angesehen wird wie zu saufen, dass sich eine Kultur des Feierns, der Gemeinsamkeit und der Freude jenseits der Sauferei entwickelt und dass auch die kleinen Alkoholflaschen an den Supermarktkassen, die offensichtlich so eine Gefahr für viele trockene ehemalige Alkoholikerinnen und Alkoholiker sind, endgültig der Vergangenheit angehören. Möge es so sein!
INHALT
Das Buch ist kein klassischer Suchtbericht. Dieses Buch ist so viel mehr. Es geht um den Autor selbst, Wegner schreibt von seiner eigenen Alkoholsucht und der schlimmsten Zeit seines Lebens. Wir ...
INHALT
Das Buch ist kein klassischer Suchtbericht. Dieses Buch ist so viel mehr. Es geht um den Autor selbst, Wegner schreibt von seiner eigenen Alkoholsucht und der schlimmsten Zeit seines Lebens. Wir begleiten ihn nicht nur in seinem typischen Alltag, sondern auch beim zerbrechen seiner Beziehung.
EINDRUCK UND FAZIT
Sucht ist und bleibt mein Thema! Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, es kommt recht unscheinbar daher - das Cover trügt. Es geht um Selbsthass und 3 Promille Pegel. Wegner schreibt ehrlich, authentisch unf ungeschönt. Genau das macht es so lesenswert. Wegner und ich sind etwa im selben Alter, dieser Aspekt lässt mich immer noch mehr innehalten.
Er ist mittlerweile seit 8 Jahren trocken, meinen größten Respekt!
Mittlerweile habe ich einige autobiografische Bücher zum Thema Alkoholismus gelesen, erst vor kurzem „Rausch und Klarheit“ von Mia Gatow.
Auch in „Trocken“ erzählt der Autor Daniel Wagner von seiner Sucht, ...
Mittlerweile habe ich einige autobiografische Bücher zum Thema Alkoholismus gelesen, erst vor kurzem „Rausch und Klarheit“ von Mia Gatow.
Auch in „Trocken“ erzählt der Autor Daniel Wagner von seiner Sucht, aber es ist ein bisschen anders. Wagner verzichtet auf eine gesellschaftliche, soziale und/oder eine geschichtliche Einordnung von Alkoholismus. Auch zum Thema Alkoholkonsum und Gender wirst du hier keine Einlassungen finden.
Wagner erzählt kompromisslos und ehrlich von seinem Erleben der Sucht und von seinem Kampf gegen die Krankheit. Er beschreibt einen typischen Tag am Tiefpunkt seiner jahrelangen schweren Alkoholsucht und dieser Tag macht mich tief betroffen und traurig. zu diesem Zeitpunkt hat Wagner längst den Punkt erreicht, an dem er Alkohol schon gleich nach dem Aufstehen und zum klar denken und funktionieren braucht.
Aber von klar denken und funktionieren, wie wir es uns vorstellen, kann keine Rede mehr sein. Wagner braucht einen Pegel von 3 Promille um seinen Suchtdruck zu befriedigen.
Wagner ist der taumelnde und ungepflegte Alkoholiker, der dich auf der Strasse anpöbelt oder der betrunken in einer Hecke liegt.
Sein Selbsthass und seine Verachtung sind grenzenlos und dagegen hilft nur wieder noch mehr Alkohol.
“Mehrmals täglich bringt mich die Diskrepanz zwischen Sucht und Sehnsucht an meine Grenzen. Die Sehnsucht nach einem nüchternen Leben kämpft gegen die Sucht nach Alkohol. Die zerrende Angst und die unendliche Leere in mir kämpfen gegen den anhaltenden Rausch. Der Gewinner steht wie immer schon vorher fest. Aus meiner Trauer wird Aggression.”
Lange sieht es so aus, als würde Wagner den Kampf gegen die Sucht verlieren. Er ist suizidal. Jeder Lebenswille wurde von dem „Monster“, wie seine Krankheit auch nennt, aufgezehrt.
Schonungslos und erschreckend beschreibt Wagner, was er alles an die Sucht verloren hat. Ihm fehlen ganze Lebensjahre, die er der Sucht geopfert hat, Freundschaften und Beziehungen hat er dadurch zerstört, dass immer der Alkohol an erster Stelle stand. Und am allermeisten hat er sich selbst geopfert und zerstört.
“Aber das war es mir wert.
Und im Wesentlichen beschreibt, was ich da erlebt habe, das Wesen einer Sucht.
Sich selbst zu opfern, um sich lebendig zu fühlen.”
Im Kapitel „Dieses Buch“ schreibt Wagner wieviel ihm das Schreiben abverlangt hat. Er beschreibt seine Bemühungen und Schwierigkeiten, mental in diese dunkle Zeit seines Lebens zurückzukehren. Von seinem Wunsch, wahrhaftig und echt zu schreiben. Und ich kann das beim Lesen fühlen. Es fühlt sich echt an und auch unendlich traurig. Mein Mitgefühl für den Erzähler am Tiefpunkt seiner Krankheit ist grenzenlos.
Und obwohl Wagner sicher keine pädagogische oder politische Agenda verfolgt, prangert er das Selbstverständnis an, mit dem die Droge Alkohol in unserer Gesellschaft kulturell verankert ist und selbst starker Konsum aus Profitgier normalisiert und gefördert wird. Das gilt für Österreich genauso wie für Deutschland. In dem Bundesland, in dem ich wohne, ist betreutes Trinken ab 14 Jahren legal erlaubt.
Daniel Wagner hat für mich in seinem intimen ersten Buch „Trocken“ seine Alkoholsucht und seinen Kampf erlebbar gemacht und mich damit sehr berührt. Auch literarisch zeigt Wagner mit seinem authentischen Text in seiner Verletzlichkeit und Direktheit eine große Qualität. Das Buch war für mich ein Highlight.
Ich hoffe sehr, dass Wagner seine schriftstellerische Arbeit fortsetzt und ich noch weitere Bücher aus seiner Hand lesen kann.
Ein schonungslos ehrliches Buch, das zeigt, wie leicht es ist, in die Alkoholabhängigkeit zu rutschen, und wie viel Kraft es kostet, sich diesem Dämon zu stellen. Während andere Drogen gesellschaftlich ...
Ein schonungslos ehrliches Buch, das zeigt, wie leicht es ist, in die Alkoholabhängigkeit zu rutschen, und wie viel Kraft es kostet, sich diesem Dämon zu stellen. Während andere Drogen gesellschaftlich stigmatisiert werden, gehört Alkoholkonsum ganz selbstverständlich dazu, und wer nicht mittrinkt, steht unter Rechtfertigungsdruck oder kassiert einen dummen Spruch. Da ich selbst keinen Alkohol trinke (mein Großvater war Alkoholiker, und ich habe daher von klein auf eine starke Abneigung gegen Alkohol), kenne ich das selbst zur Genüge. Ich habe sehr großen Respekt vor dem Autor Daniel Wagner, der seine Alkoholsucht und seinen Weg zum trockenen Alkoholiker offen und sehr reflektiert beschreibt. Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen, und hoffe, dass es zu einem Umdenken in Bezug auf den Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft beitragen kann.