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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Witzig und bissig

Die Unbußfertigen
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Deutschland, irgendwann in der Zukunft. Zehn Personen, darunter drei Frauen, werden ausgewählt, ein Wochenende miteinander zu verbringen in einem abgelegenen Herrenhaus. Sie alle sind in der Welt der Sozialen ...

Deutschland, irgendwann in der Zukunft. Zehn Personen, darunter drei Frauen, werden ausgewählt, ein Wochenende miteinander zu verbringen in einem abgelegenen Herrenhaus. Sie alle sind in der Welt der Sozialen Medien unterwegs, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Alle von ihnen haben Geheimnisse und um dabei sein zu dürfen, haben sie diese Geheimnisse Haimlik, einer App, anvertraut, um Rank 10 zu erreichen und eine Einladung zu bekommen. Von der Welt abgeschnitten, ohne Empfang, Likes und Herzchen, fallen bald die Masken. Plötzlich verschwindet eine Person und sie wird nicht die letzte sein.

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch beschreiben soll. Bissige Satire auf die Welt der Social Media trifft es nicht einmal annähernd, ist aber nah dran. Die Kritik ist hier so formuliert, dass hervorgehoben wird, was falsch läuft, aber auch das, was positiv am großen Ganzen zu sehen ist. Die zehn sehr unterschiedlichen Kandidatinnen und Kandidaten werden nach und nach vorgestellt, jede und jeder kommt zu Wort, darf seine Meinung äußern und auch verteidigen, was ihrer oder seiner Ansicht nach richtig ist. Ich fand es faszinierend, beide Seiten zu hören, wobei die Autorin manchmal nah an der Grenze war, jedoch nie über diese getreten ist, was den erhobenen Zeigefinger angeht. Ein Experiment, das für mich persönlich geglückt ist.

Wer sich in den letzten Jahren mit der Sprache von Teenagern und jungen Menschen auseinandergesetzt hat, wer gerne in den sozialen Medien unterwegs ist und dem dortigen Sprachgebrauch folgen sowie Grundkenntnisse der englischen Sprache vorweisen kann, der wird Spaß und Freude an dieser Geschichte haben. Der Humor ist großartig, viele Denkansätze diskussionswürdig und trotz meiner Zweifel fand ich das Ende einfach wunderbar. Dies wird nicht das letzte Buch der Autorin bleiben für mich.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Schweres Thema leicht erzählt

Das glückliche Leben
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Éric bekommt von einer früheren Klassenkameradin ein berufliches Angebot, das er annimmt. Schon länger hat er das Gefühl, dass ihn sein Beruf nicht mehr ausfüllt. Bald darauf muss er jedoch feststellen, ...

Éric bekommt von einer früheren Klassenkameradin ein berufliches Angebot, das er annimmt. Schon länger hat er das Gefühl, dass ihn sein Beruf nicht mehr ausfüllt. Bald darauf muss er jedoch feststellen, dass er vom Regen in die Traufe gekommen ist, während einer Geschäftsreise in Seoul wird ihm klar, dass es so nicht weitergehen kann. In einem koreanischen Happy Life lernt er das Self-Help-Ritual kennen, spontan lässt er sich darauf ein, die eigene Beerdigung zu erleben. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich bietet er das Ritual anderen Menschen an und das Geschäft läuft sehr gut an.

»Der Augenblick überwältigte ihn, Vergangenheit und Zukunft waren ausgelöscht, es regierte allein das Jetzt.« (Seite 113)

Die eigene Beerdigung zu planen, auszurichten und selbst daran teilzunehmen, das hört sich auf den ersten Blick völlig abwegig an. Das Konzept ist aber gar nicht so ungewöhnlich, zumindest nicht in Südkorea, wo eine Fake-Beerdigung tatsächlich ein weiterverbreiteter Anti-Stress-Trend ist. Ich gebe zu, dass dieser Trend vollkommen an mir vorbeigegangen ist, dennoch finde ich den Gedanken dahinter gar nicht so schlecht. Ob man sich selbst beerdigen muss, um zur Ruhe zu kommen, lassen wir dabei mal außer Acht, denn dies sei jedem Menschen selbst überlassen, besonders in dieser schnelllebigen Zeit.

Insgesamt ein amüsanter und leichter Roman, der das Rad nicht neu erfindet, aber dennoch viele schöne und zum Nachdenken anregende Sätze enthält. Ich habe ihn gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Phänomenal!

Wolfssommer
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In der schwedischen Stadt Haparanda wird eine tote Wölfin gefunden, in deren Magen sich menschliche Überreste befinden. Die Spuren führen die Ermittler nach Nordfinnland, wo ein Drogendeal ein blutiges ...

In der schwedischen Stadt Haparanda wird eine tote Wölfin gefunden, in deren Magen sich menschliche Überreste befinden. Die Spuren führen die Ermittler nach Nordfinnland, wo ein Drogendeal ein blutiges Ende nahm. Drogen und Geld sind verschwunden, man schickt eine Profikillerin nach Schweden, um beides zu finden und die schuldige Person zu töten.

Hans Rosenfeldt hat als Teil des Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt bereits sieben Kriminalromane der großartigen Buchreihe um Sebastian Bergman geschrieben, die mich und viele andere Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt seit Jahren begeistern. Der vorliegende Thriller ist das erste Buch des Autors, das er allein geschrieben hat, und bereits jetzt gehört der Auftakt der Reihe um die Polizistin Hannah Wester, die an der schwedisch-finnischen Grenze ermittelt, für mich zu den besten Reihenstarts, die ich gelesen habe im Genre. Der Einfallsreichtum des Autors ist unglaublich, es gab keine Sekunde im Buch, die mir Zeit zum Verschnaufen gelassen hätte. Die sehr komplexe Story ließ keine Wünsche offen und punktete mit Spannung, überraschenden Wendungen und Figuren, die unfassbar vielschichtig waren. Bis zur letzten Seite schaffte Hans Rosenfeldt, mich zu verblüffen und Dinge einzubauen, die sich perfekt einfügten in das Gesamtbild. Bevor ich vor lauter Begeisterung gleich noch eine Lobeshymne singe, schließe ich lieber mit folgenden Worten: Lest dieses Buch!

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Bin restlos begeistert!

Wer Zwietracht sät
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Der Unternehmer Michael Lobb wird ermordet aufgefunden, einige Familienmitglieder geraten in den polizeilichen Fokus, besonders seine wesentlich jüngere Frau Kayla profitiert von seinem Tod. Besonderer ...

Der Unternehmer Michael Lobb wird ermordet aufgefunden, einige Familienmitglieder geraten in den polizeilichen Fokus, besonders seine wesentlich jüngere Frau Kayla profitiert von seinem Tod. Besonderer Augenmerk liegt zusätzlich auf einem Unternehmen, das an dem Land des Toten interessiert gewesen ist, allerdings wollte Lobb unter keinen Umständen einem Verkauf zustimmen, obwohl der Miteigentümer der Firma nicht abgeneigt war. An Verdächtigen mangelt es der Polizei nicht, dennoch ist die zuständige Ermittlerin damit einverstanden, dass Detective Inspector Thomas Lynley sich hinzuschaltet, der persönliche Gründe dafür hat, zu erfahren, wer der Mörder gewesen ist.

Dies ist der zweiundzwanzigste Band der Krimiserie um den adeligen Polizisten Thomas Lynley, der zusammen mit seiner Partnerin, Detective Sergeant Barbara Havers, ermittelt. Das ungleiche Duo begeistert mich bereits seit 1989, als in Deutschland der zweite Band mit dem Titel »Gott schütze dieses Haus« erschienen ist, noch vor dem eigentlichen ersten Teil »Mein ist die Rache«, der erst zwei Jahre später veröffentlicht wurde. Seitdem stimmt die Reihenfolge und ich erwarte jede Übersetzung voller Ungeduld, denn bereits nach dem ersten Buch dachte ich, dass diese Buchreihe für mich persönlich die beste im Krimi-Genre ist - sie blieb es bis heute.

Auf über 750 Seiten die Spannung zu halten, ist schwer, aber Elizabeth George schafft dies spielend, denn es ist keine Passage im Buch vorhanden, die unnötig, geschweige denn langweilig war. Die Figuren sind perfekt ausgearbeitet, falsche Fährten gelegt und auch im privaten Bereich der ermittelnden Personen gibt es so viele aufregende Dinge, dass es mir erneut eine große Freude bereitet hat, dieses Buch zu lesen. Früh hatte ich einen Verdacht, der sich bestätigt hat, was aber wahrscheinlich Absicht war. Insgesamt ein spannender und interessanter Kriminalroman, der viel zu früh zu Ende ging. Ich bekomme einfach nicht genug und freue mich bereits jetzt auf eine Fortsetzung. Genial!

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Schön zusammengestellt

Luft zum Leben
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Im vorliegenden Buch sind Texte aus einem Lebenszeitraum von 65 Jahren versammelt, wie die Autorin im Vorwort schreibt. Darunter sind Erzählungen, Vorträge, Aufsätze und sogar WhatsApp-Nachrichten, was ...

Im vorliegenden Buch sind Texte aus einem Lebenszeitraum von 65 Jahren versammelt, wie die Autorin im Vorwort schreibt. Darunter sind Erzählungen, Vorträge, Aufsätze und sogar WhatsApp-Nachrichten, was eben so zusammenkommt in dem unglaublichen Zeitraum zwischen 1960 und 2025. Als Helga Schubert mit dem Schreiben anfing, war ich also noch nicht einmal geboren, man stelle sich das nur vor!

»Mit meinen Erzählungen wollte ich mich meiner Welt vergewissern.« (Seite 9)

Das Buch von Helga Schubert mit dem Titel »Der heutige Tag: Ein Stundenbuch der Liebe« hat mich vor ein paar Jahren begeistert und sehr berührt. Ich mochte ihre Art zu schreiben, die schöne Sprache und ihre Gedankengänge gefielen mir, sodass ich sehr gespannt war auf diese Sammlung ihrer Texte. Nicht alle konnten mich überzeugen, was bei einer solchen Fülle jedoch ganz natürlich ist, aber sprachlich ist auch dieser Band einfach toll. Meine unangefochtenen Favoriten waren das Gedicht »Lebenstopf« sowie ein Text mit dem Titel »Ein Opfer der Literatur«, weniger gefallen haben mir Texte, die so persönlich sind, dass diese für mich nicht ganz verständlich waren, weil mir da der Bezug fehlte und ein Zusammenhang sich nicht erschloss. Insgesamt aber ein schöner und lesenswerter Band. Vielen Dank.

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