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Veröffentlicht am 11.02.2022

Die Wahrheit liegt in der Mitte

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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Als im September 2019 ein Journalist den erfolglosen Videothekenbesitzer Michael Hartung besucht und behauptet, dieser sei ein Held, weil er vor Jahrzehnten 127 Menschen zu einer Massenflucht aus der DDR ...

Als im September 2019 ein Journalist den erfolglosen Videothekenbesitzer Michael Hartung besucht und behauptet, dieser sei ein Held, weil er vor Jahrzehnten 127 Menschen zu einer Massenflucht aus der DDR verholfen hätte, bestreitet Hartung das vehement. Der Journalist verweist auf seine Recherchen in Stasi-Akten, in denen alles dokumentiert sei. Nach einigen Bieren sowie der Aussicht auf ein hohes Honorar, ist Hartung damit einverstanden, den geschönten Sachverhalt zu bestätigen.

„Da brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben, Herr Hartung. Sie lügen ja nicht, Sie sagen nur nicht die ganze Wahrheit, das ist ein großer Unterschied.“ (Seite 56)

Die Geschichte verselbständigt sich, Hartung wird zum Held erklärt und findet sogar eine Frau fürs Leben. Dennoch ist er damit nicht zufrieden, will auch kein Held sein, aber ein Ausweg scheint nicht in Sicht, denn zu viele Personen sind in diesen Betrug verwickelt, zu viel steht auf dem Spiel.

Hartung war mir anfangs nicht sympathisch, aber im Laufe der Geschichte habe ich meine Meinung über ihn geändert. Ein Hochstapler wider Willen, der im Verlauf der Erzählung zu sich selbst findet. Der Humor ist großartig; ob West oder Ost, beide Seiten kriegen ihr Fett ab und das nicht zu knapp. Herrlich! Die Verwicklungen rund um die Lüge, die eigentlich nur aus einer Ausschmückung der Wahrheit resultiert, haben mich amüsiert, oft zum lachen gebracht und außergewöhnlich gut unterhalten. Ein wunderbares Buch über Freiheit und den Mut, das Richtige zu tun, das ich gerne verfilmt sehen würde. Von mir gibt es fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.02.2022

Trautes Heim, Glück allein. Nicht.

Kleine Paläste
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Hannos Mutter Sylvia ist verstorben, ermordet vom Hund. Das teilt sie mir sofort zu Beginn des Buches mit und auch, dass es nicht der erste Mordversuch des Hundes war, aber der erfolgreichste. Weil nun ...

Hannos Mutter Sylvia ist verstorben, ermordet vom Hund. Das teilt sie mir sofort zu Beginn des Buches mit und auch, dass es nicht der erste Mordversuch des Hundes war, aber der erfolgreichste. Weil nun ist sie ja tot. Da Carl, Hannos Vater, dadurch alleine ist, kehrt Hanno nach Hause zurück, fast dreißig Jahre war er weg. Aus Gründen. Susanne, die Nachbarstochter wiederum, die war nie weg. Die wohnt nach dem Tod ihrer Eltern immer noch nebenan und beobachtet. Als Hanno Hilfe bei der Pflege von Carl braucht, der dement und auf den Rollstuhl angewiesen ist, ist Susanne zur Stelle. Auch sie hat ihre Gründe, die sie seit Jahrzehnten verschweigt.

Schon der erste Satz ist grandios und zeigt die Richtung an, in die sich die Geschichte entwickelt. Sylvia ist zwar tot, aber ihre Gedanken und Gefühle bekomme ich als Leser mit. Die Story springt zwischen Sylvia, Hanno und Susanne hin und her, dazu noch zwischen den Jahren. Was damals im Jahre 1986 geschah, bleibt lange unklar. Was in 2018 passiert, das bekomme ich hautnah mit. Die Sprünge halten eine gewisse Spannung aufrecht und über allem schwebt eine unterschwellige Gefahr, die ich nicht näher benennen kann. Ich spüre, dass etwas Gewaltiges der Grund dafür ist, dass die Beteiligten zerrissen, zerstört, ja fast schon dysfunktional durch ihr Leben stolpern. Als ich den Grund dann irgendwann erfahre, bin ich entsetzt, aber endlich macht vieles einen Sinn. Die gutbürgerliche Fassade hat lange gehalten. Bis sie es nicht mehr tut.

Ein literarischer Genuss, der von mir verdiente fünf Sterne bekommt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 07.02.2022

Schöne (keine) heile Welt

Im Auftrag der Toten
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Ich liebe True Crime und so war mir schnell klar, dass ich das neue Buch von Axel Petermann unbedingt lesen möchte. In diesem Buch stellt der Profiler Petermann drei Altfälle vor, von denen zwei offen ...

Ich liebe True Crime und so war mir schnell klar, dass ich das neue Buch von Axel Petermann unbedingt lesen möchte. In diesem Buch stellt der Profiler Petermann drei Altfälle vor, von denen zwei offen sind. Der letzte vorgestellte Fall wurde bereits vor vielen Jahren durch ein rechtskräftiges Urteil abgeschlossen, allerdings beteuert der Verurteilte bis heute seine Unschuld. Ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es im Endergebnis keine bahnbrechenden Erkenntnisse gibt. Der Autor schafft es zwar, Zweifel zu säen, aber auch sein Bericht ist einseitig; etwas, das er den ermittelnden Behörden vorwirft. Ich wollte nicht enttäuscht sein, weil es keinen großen Knall gab als Fazit seiner Ermittlungen, bin es aber trotzdem, denn eine Suche nach der Wahrheit, wie es auf der Rückseite steht, stelle ich mir etwas anders vor. Dies ist natürlich meine persönliche Wahrnehmung, die ich aber trotzdem klar benennen möchte. Einen Einfluss auf meine Gesamtbewertung hat dieser Umstand aber nicht, denn ich kann mir die Welt nicht so zurechtrücken, wie es mir gefällt und das kann Axel Petermann auch nicht.

Der erste Fall im Buch hat mich unglaublich fasziniert, es war aufregend und spannend, Petermann über die Schulter zu schauen auf seinen Reisen. Was er da alles rausgefunden hat, ist unglaublich und hier würde ich es tatsächlich begrüßen, wenn seine Erkenntnisse etwas bewirken würden. Der zweite Fall hat mich nicht mehr abgeholt. Der vierzig Jahre alte Fall und die vielen ausschweifenden Erklärungen sowie permanenten Wiederholungen der immer gleichen Vorgänge sorgten dafür, dass meine Aufmerksamkeit fast gegen Null tendierte. Da war es nicht hilfreich, dass sich als Fazit keine neuen Erkenntnisse ergaben. Eine Straffung der Erzählung hätte hier Wunder gewirkt. Der dritte Fall war interessant, die wahnsinnige Spannung, wie ich sie im ersten Teil empfunden habe, wollte sich aber einfach nicht einstellen. Mir war es hier zu chaotisch und stellenweise zu wissenschaftlich.

Alles in allem ein unterhaltsames Buch für True Crime Fans. Mich hat es leider nicht gänzlich überzeugt, obwohl es einige Stellen gab, die wirklich interessant waren. Von mir gibt es drei Sterne.

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Veröffentlicht am 04.02.2022

Hochzeit mit Hindernissen

Gebrochen ist dein Herz
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Endlich ist es soweit und Laurie Morans Hochzeit mit Alex Buckley steht nichts mehr im Wege. Vor der Hochzeit wollen die Verlobten mit ihren engsten Verwandten ein paar schöne Tage am Meer erleben, als ...

Endlich ist es soweit und Laurie Morans Hochzeit mit Alex Buckley steht nichts mehr im Wege. Vor der Hochzeit wollen die Verlobten mit ihren engsten Verwandten ein paar schöne Tage am Meer erleben, als Johnny, der siebenjährige Neffe von Alex, spurlos verschwindet. Schnell ist klar, dass der Junge entführt wurde. Lauries Vater Leo ist überzeugt davon, dass ein verurteilter Mörder, der gerade alles daran setzt, aus dem Gefängnis zu kommen und behauptet, Leo hätte ihn seinerzeit mittels einer Lüge ins Gefängnis gebracht, dafür verantwortlich sein muss. Er befürchtet, durch Johnnys Entführung würde man ihn erpressen wollen, seine Aussage zu ändern.

Dies ist der siebte Teil der Reihe um Laurie Moran und im Hinblick auf den Tod der wunderbaren Autorin Mary Higgins Clark bedauerlicherweise wohl der letzte, an dem sie mitgewirkt hat. Das Buch fängt ganz gemächlich an und plätschert anfangs fast vor sich hin, bis die Geschichte dann plötzlich total packend wird. Die Spannung steigert sich immer mehr und im letzten Drittel war ich mehrmals versucht, vorzublättern, weil ich es kaum noch ausgehalten habe! Ich bin mehrfach auf falsche Fährten geschickt worden, habe versucht, zu raten, was passiert sein könnte, aber tatsächlich bin ich nicht auf diese Auflösung gekommen. Auch wenn die Story das ein oder andere mal ins kitschige abrutscht, wie es in allen Teilen der Reihe der Fall ist, mochte ich es, einfach weil es passt. Ich kann kaum glauben, dass die Reihe nun zu Ende sein soll. Danke für spannende und tolle Lesestunden. Von mir gibt es fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.02.2022

Sauber, adrett, Mord

The Maid
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Molly Gray ist Zimmermädchen im Londoner Regency Grand Hotel und liebt ihren Job. Für sie gibt es nichts schöneres, als für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen, die Zimmer in einen Zustand der Perfektion ...

Molly Gray ist Zimmermädchen im Londoner Regency Grand Hotel und liebt ihren Job. Für sie gibt es nichts schöneres, als für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen, die Zimmer in einen Zustand der Perfektion zu versetzen. Die immer gleiche Routine ist ihr dabei sehr wichtig, denn Molly ist anders, um nicht zu sagen einzigartig. Ausgeprägte autistische Züge machen ihr Leben für Außenstehende kompliziert, aber Molly selbst kennt es nicht anders. Als sie eines Tages des Multimillionär Black tot in seinem Zimmer findet, führt ihr Verhalten leider dazu, dass die Polizei sie des Mordes verdächtigt.

Cosy-Krimis (im englischen steht cosy für gemütlich, behaglich) sind eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre, sodass ich hier anfangs skeptisch war, ob das Buch mich überzeugen wird. Anfangs war ich auch recht überfordert von dem wirklich großartigen Humor, der größtenteils dem Wesen von Molly und der hieraus entstehenden Situationskomik geschuldet ist. Hierbei sind es einerseits Mollys autistische Züge, die für viele kuriose, manchmal sogar skurrile Situationen sorgen, andererseits aber der Umstand, dass Molly bei ihrer Oma aufgewachsen ist und diese ein großer Fan alter Sitten, Gebräuche sowie vieler mittlerweile veralteter Begriffe und Redewendungen war, die sie ihrer Enkelin beibrachte. Dazu kommt, dass ich mich einfach nicht damit anfreunden konnte, wie Molly behandelt wird; ich hätte am liebsten eingegriffen und die junge Frau beschützt. Es war sehr schwer auszuhalten, weil Molly so ein liebenswerter und freundlicher Charakter war. Unglaublicherweise hat die Geschichte mich dann irgendwann trotzdem so gepackt, dass ich förmlich durch die Seiten geflogen bin und das Buch nicht habe aus der Hand legen können. Der Einfallsreichtum der Autorin hat mich mehrfach überrascht und die Wendungen erfreut. Ein humorvoller, unblutiger Wohlfühlkrimi, bei dem auch die Liebe nicht zu kurz kommt. Letztendlich wurde ich sehr überrascht und vollends überzeugt, vergebe vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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