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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2022

Phantastisch skurril

Der Enkeltrick
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Es handelt sich hierbei um ein Buch mit elf Kurzgeschichten. Diese sind unterschiedlich lang und handeln von den alltäglichen Dingen, die man im Alltag erlebt. Ob der im Titel genannte Enkeltrick funktioniert ...

Es handelt sich hierbei um ein Buch mit elf Kurzgeschichten. Diese sind unterschiedlich lang und handeln von den alltäglichen Dingen, die man im Alltag erlebt. Ob der im Titel genannte Enkeltrick funktioniert hat, wofür ein Mann, der erst im Rentenalter den Geburtstagskalender seiner Frau entdeckt, diesen nutzt, oder woher der Gesang der Nachtigall kommt, der eine Frau in der Nacht erfreut, ist dabei zweitrangig, denn allen Geschichten liegt ein besonderer Zauber inne, der mich erfreut hat. Manche Storys erinnerten mich ein wenig an frühere Geistergeschichten, wo man fast nie eine richtige Erklärung für außergewöhnliche Phänomene bekam, die mich aber dennoch immer wieder aufs Neue begeistern konnten, weil gerade das Unerklärliche und Phantastische den ungewöhnlichen Reiz ausmachte, diese Bücher lesen zu wollen. Eine wunderbare Sammlung von Kurzgeschichten für zwischendurch, von denen mich lediglich eine nicht überzeugen konnte. Von mir gibt es vier phantastische Sterne.

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Die Entscheidung liegt bei dir

Flug 416
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Flugkapitän Bill Hoffman ist nicht im Dienst, als sein Chef ihn bittet, außerplanmäßig einen Flug zu übernehmen. Das Flugzeug hat gerade den Flughafen verlassen, als er einen Videoanruf erhält, bei dem ...

Flugkapitän Bill Hoffman ist nicht im Dienst, als sein Chef ihn bittet, außerplanmäßig einen Flug zu übernehmen. Das Flugzeug hat gerade den Flughafen verlassen, als er einen Videoanruf erhält, bei dem er sieht, dass seine Frau Carrie, sein zehnjähriger Sohn Sam und die zehn Monate alte Elsie als Geiseln genommen wurden. Der Entführer stellt klare Forderungen; entweder lässt Bill das Flugzeug mit allen 144 Passagieren plus Crew abstürzen, oder aber seine Familie stirbt. Bämm.

„Ich möchte einfach nur sehen, was ein guter Mann tut - ein guter Amerikaner-, wenn er sich in einer ausweglosen Situation befindet. Was macht ein Mann wie Sie, wenn er sich entscheiden muss? Für ein Flugzeug voller Fremder? Oder für seine Familie? Sehen Sie, Bill, es geht wirklich um die Entscheidung. Um Sie, der entscheidet, wer überleben wird. Das ist es, was ich will.“ (Seite 59)

Hier wurde jedes Klischee bedient, das mir bekannt ist; ein Held, eine große Liebe, unschuldige Kinder, böse Entführerin oder Entführer, entschlossene Menschen, unterschätzte Menschen, stolze Menschen und solche, die über sich hinauswachsen, und so weiter und so fort. Das alles und noch viel mehr ist in dieser Geschichte enthalten und dennoch hat die Autorin es geschafft, mich unglaublich gut zu unterhalten, mich ans Buch zu fesseln und mir spannende Lesestunden zu schenken. Es gab immer wieder Wendungen, die mich überraschten, die der Story eine neue Richtung gegeben haben, langweilig wurde es tatsächlich nie. Es gab zwar die ein oder andere Länge, aber vielleicht empfand ich das nur deswegen so, weil ich es einfach nicht erwarten konnte, den Ausgang zu erfahren. Je näher die Geschichte einer Lösung kam, desto ungeduldiger wurde ich und hatte große Mühe, mich selbst vom vorblättern der Seiten abzuhalten. Das war großes Kino und dieses Buch schreit auch förmlich danach, verfilmt zu werden. Die drölfzigtausendste Story über ein Drama über den Wolken und dennoch ein Highlight. Da ist es wohl klar, wieviele Sterne ich vergebe und eine Leseempfehlung versteht sich von selbst.

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Veröffentlicht am 15.05.2022

Wo willst du hin?

So nah
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Sehnsucht in 26 Miniaturen, so der Zusatz zum Titel, der für mich sehr gut passt. Es sind 26 Texte, die mehr Gedanken ähneln als einer Erzählung oder einem Gedicht. Kleine Momentaufnahmen des Lebens und ...

Sehnsucht in 26 Miniaturen, so der Zusatz zum Titel, der für mich sehr gut passt. Es sind 26 Texte, die mehr Gedanken ähneln als einer Erzählung oder einem Gedicht. Kleine Momentaufnahmen des Lebens und ich bin als Voyeur dabei, lausche, lese und beobachte, was passiert.

„Es gibt diesen Schatz der Kindheit.
Es gibt diese Weisheit der Alten.
Es gibt diesen See der Erinnerung.
Und uns, uns gibt es auch, die dankbaren Gäste.“ (Seite 78)

Ich schaue mir die Bilder an, 26 an der Zahl, und versuche, diese in Zusammenhang mit den Wörtern zu bringen, was mir mal gut, mal weniger gut gelingt. Das ist aber nicht wichtig, denn dies steht nicht im Vordergrund. Es geht um Erinnerungen, Einsamkeit, Alleinsein und Glück, die Themen sind vielfältig und laden zum nachdenken, diskutieren, träumen und innehalten ein. Ein Kaleidoskop des Seins. Dreieinhalb Sterne gibt es von mir und eine Leseempfehlung für Liebhaber von außergewöhnlichen Texten.

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Veröffentlicht am 13.05.2022

Ausflug ins Grauen

Der Ausflug
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Die vier Freunde Amalia, ihr Bruder Gero sowie Josef und Bodo sind seit ihrer Schulzeit befreundet. Verstreut in alle Ecken wohnend, treffen sie sich seit Jahren einmal im Jahr, um zusammen einen Ausflug ...

Die vier Freunde Amalia, ihr Bruder Gero sowie Josef und Bodo sind seit ihrer Schulzeit befreundet. Verstreut in alle Ecken wohnend, treffen sie sich seit Jahren einmal im Jahr, um zusammen einen Ausflug zu machen, diesmal eine Kanutour in der tiefsten Provinz. Dort angekommen müssen sie feststellen, dass sie nicht nur unwillkommen sind, sondern dass es jemand tatsächlich auf sie abgesehen hat. Auf sich allein gestellt, wird sich zeigen, wie tief ihre Freundschaft tatsächlich ist.

Bereits früh ist klar, in welche Richtung die Erzählung geht, als beim ersten Stopp im Gasthaus das N-Wort im Raum steht, denn Josef ist dunkelhäutig und damit Zielscheibe eines Hasses, mit dem die Freunde nicht gerechnet haben. Dennoch zieht sich dies nicht durch das ganze Buch, denn während der Kanufahrt bekam ich hauptsächlich Einblick in das Leben von Amalia, die im Vordergrund steht. Anhand ihrer Gedanken und Erinnerungen konnte ich mir ein relativ gutes Bild von der kleinen Gruppe machen.

Die Gruppendynamik zu beobachten und was unter Druck passiert, fand ich interessant und stellenweise sehr spannend, denn irgendwann war eine unterschwellige Gefahr zu spüren, die nicht ohne Folgen blieb. Ein Ultimatum wird gestellt, Zweifel kommen auf und unausweichlich steuern wir dem Finale entgegen. Letztendlich war es eine kleine Horrorstory mit einem Ende, das Platz für verschiedene Interpretationen lässt. Das hat mir sehr gut gefallen. Von mir gibt es die volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 11.05.2022

Versprechen mit Folgen

Die sieben Schalen des Zorns
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Der Arzt Dr. Max Keller hat das seiner Tante gegenüber gegebene Versprechen, ihr beim sterben zu helfen, wahr gemacht. Da Maria Linz hochgradig dement und nicht mehr in der Lage war, selbst zu entscheiden, ...

Der Arzt Dr. Max Keller hat das seiner Tante gegenüber gegebene Versprechen, ihr beim sterben zu helfen, wahr gemacht. Da Maria Linz hochgradig dement und nicht mehr in der Lage war, selbst zu entscheiden, schaltet sich die Kriminalpolizei ein. Max besteht darauf, kein Unrecht begangen zu haben und behauptet, seine Tante hätte alles schriftlich festgehalten. Leider sind die angeblichen Schriftstücke nicht auffindbar, sodass Max sich an seinen Freund, den Staatsanwalt Dr. Jonas van Loon, wendet und diesen an eine alte Schuld erinnert.

Die Geschichte springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und so bekomme ich die Gelegenheit, Max besser kennenzulernen. Die Gegenwart kommt dabei anfangs etwas trocken rüber, was aber bei der ernsten Thematik gut und wichtig ist. Die Rückblicke in die Kindheit von Max indes sind so emotional und aufwühlend, das es schwer für mich ist, die Fassung zu bewahren. Auch die Freundschaft zwischen Max und Jonas wird thematisiert, desweiteren die Beziehung zu Maria und deren Tochter Agnes, der Cousine von Max. Das ist sehr spannend und erklärt vieles, was in der Gegenwart passiert.

Die Gerichte beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Frage, ob es ein Recht gibt auf einen selbstbestimmten Tod. Natürlich habe ich dazu eine eigene Meinung, wie wahrscheinlich jeder von uns, aber diese spielt hier keine Rolle. Markus Thiele hat es geschafft, Argumente für beide Seiten vorzubringen, ohne eine zu bevorzugen. Er hat ein wichtiges und aktuelles Thema so interessant und spannend umgesetzt, dass es fast ein Kriminalroman geworden ist. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart hat mir sehr gefallen, weil so die Spannung konstant oben war. Als es im letzten Drittel dann um die Frage ging, was Recht und was Unrecht ist, waren die Erklärungen und Ausführungen interessant und so verständlich dargestellt, sodass auch ein juristischer Laie alles gut verstehen kann. Ich bin beruflich vorbelastet und weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Für mich war dies erneut ein grandioses Buch des Autors, das fünf Sterne mit Sternchen verdient.

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