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Veröffentlicht am 02.03.2022

Subtile Schockwirkung

Der fürsorgliche Mr Cave
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Und wieder ein neues Buch von Matt Haig, an dem ich nicht vorbeigehen konnte, zu verlockend klang die Beschreibung - und der Name des Autors spricht natürlich für sich. Diesmal die Geschichte eines Vaters, ...

Und wieder ein neues Buch von Matt Haig, an dem ich nicht vorbeigehen konnte, zu verlockend klang die Beschreibung - und der Name des Autors spricht natürlich für sich. Diesmal die Geschichte eines Vaters, der nach dem Verlust seiner Frau und jetzt auch noch seines Sohnes alles daransetzt, dass seiner Tochter nichts geschieht. Dabei greift er zu immer drastischeren Mitteln und merkt nicht, wie sich seine Liebe und Fürsorge in Besessenheit wandeln, die letztendlich alles nur schlimmer machen. Schritt für Schritt bewegt sich Terence auf den Abgrund zu, immer mehr verliert er sich in seinen Wahnvorstellungen, die ihn zu unglaublichen Taten zwingen. Dabei entgleitet ihm seine Tochter immer mehr und in dem verzweifelten Versuch sie festzuhalten hat er sie schon längst verloren.

Die Geschichte wird unsäglich, fast schon unerträglich, langsam aufgebaut und lebt vor allem von den vielen kleinen Momentan, alltäglichen Geschehnissen, die urplötzlich kippen und dabei fast schon surreale Züge annehmen. Eine gekonnte Mischung aus subtiler Spannungssteigerung und drastischen Höhepunkten treibt das Geschehen auf ein unausweichliches Ende zu. Es ist ein zumeist in leisen Tönen erzähltes Buch, das aber immer wieder auch Schmerz und Trauer über den Verlust - und die Angst vor Verlust - hinaus brüllt. Am Ende steht die Leserschaft fassungslos, wenn auch nicht so überrascht wie Terence, vor den tragischen Folgen seines obsessiven Handelns.

Zur Hörbuchfassung: die mir bislang noch unbekannte Erzählstimme konnte diesmal leider überhaupt nicht überzeugen - zu leise und gleichtönig, um nicht zu sagen langweilig, brachte sie die Geschichte vor. Für mein Gehör vermochte sie es nicht die feinen Spannungsschwankungen und -spitzen ausreichend zu betonen, so dass dramatische Momente allein aus den Worten, nicht aber deren Klang, heraus zu hören waren.

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Veröffentlicht am 28.02.2022

Plätscherte leider an mir vorbei

Bone Music
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Zwar konnte ich die Poesie und die Naturverbundenheit der Geschichte erahnen, mich aber nie wirklich ganz darin verlieren oder hinein versetzen. Die Protagonistin blieb mir bis zum Ende seltsam fremd, ...

Zwar konnte ich die Poesie und die Naturverbundenheit der Geschichte erahnen, mich aber nie wirklich ganz darin verlieren oder hinein versetzen. Die Protagonistin blieb mir bis zum Ende seltsam fremd, so dass ich das Geschehen zwar beobachten, aber nicht miterleben konnte. Teilweise war auch der Schreibstil nicht meins - manchmal zu repetitiv, manchmal zu schlicht, manchmal regelrecht nervig. Auch das Ende, das dem Erwachen aus einem unwirklichen Traum ähnelte, konnte mich in seiner allzu vorhersehbaren Klischeehaftigkeit leider nicht überzeugen. Lediglich die Sequenzen, in denen Sylvia auf ein frühzeitliches Ich (möglicherweise) trifft haben mein Interesse ansatzweise wecken können, jedoch nicht genug um den langen Rest drum herum wieder wett zu machen. Dieses Buch hat mich leider in keiner Weise packen können.

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Erfrischend und liebenswert

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar
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Nachdem ich zuletzt zwei leider sehr enttäuschende Cosy Mysteries gelesen habe, habe ich mit leichtem Unbehagen am ersten Treffen von Mrs Potts' Mordclub teilgenommen. Aber wie heißt es so schön: "Aller ...

Nachdem ich zuletzt zwei leider sehr enttäuschende Cosy Mysteries gelesen habe, habe ich mit leichtem Unbehagen am ersten Treffen von Mrs Potts' Mordclub teilgenommen. Aber wie heißt es so schön: "Aller guten Dinge sind drei". Und so konnte mich dieses witzige und überraschende Buch glücklicherweise wieder mit den Genre versöhnen...

Mrs Potts ist eine schrullige (auf liebenswerte Art) Frau, die gerne Rätsel löst. Und so kann sie gar nicht anders, als sich nach dem Tod ihres Nachbarn, der jede Menge Ungereimtheiten aufwirft, in die Ermittlungen einzumischen, der ihrer Meinung nach von der Polizei nicht gründlich genug untersucht wird. Bald schon gesellen sich die handfeste Hundesitterin Lucie und die Pfarrersfrau Becks dazu. Das ist DS Tanika Malik anfangs gar nicht recht, aber das soll sich im Laufe der Geschichte noch ändern.

Das Buch lebt von den außergewöhnlichen Charakteren, die den kleinen Ort Marlowe bevölkern, und so gerät der Mord zwar nicht zur Nebensache, ist aber auch nicht länger Hauptgrund die Geschichte weiter lesen zu wollen. Während sich das Verbrechen letztendlich als bekanntes Schema entpuppt, ist es doch ziemlich ausgeklügelt aufgebaut und nicht so einfach zu durchschauen. Zudem macht es mordsmäßig Spaß mit Mrs Potts den Hinweisen nachzugehen, dabei ein ums andere Mal ins Fettnäpfchen zu treten und sich dabei auch selbst in Gefahr zu begeben.

Das ungleichliche Damen-Trio hat mich schwer begeistert und ich bin schon mächtig auf seinen nächsten Fall im vielleicht doch nicht so beschaulichen Marlowe gespannt...

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Veröffentlicht am 15.02.2022

Jonny und die Ameisen

Brummps
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Jonny Ameise ist keine Ameise. Aber das weiß Jonny nicht, und auch die Ameisen sind ahnungslos, als sie das Riesenbaby bei sich aufnehmen. Und so wird Jonny zum Außenseiter, angefangen damit dass er zu ...

Jonny Ameise ist keine Ameise. Aber das weiß Jonny nicht, und auch die Ameisen sind ahnungslos, als sie das Riesenbaby bei sich aufnehmen. Und so wird Jonny zum Außenseiter, angefangen damit dass er zu groß ist um im Ameisenbau zu wohnen. Nur seine Freundin Butz lässt den herzensguten Jonny nicht im Stich, egal wie misslich seine Lage auch ist oder wer sehr ihn die anderen Ameisen hänseln. Bis zum dem Tag, als...gesagt sei nur soviel: Jonny und Butz erleben ein großes Abenteuer, und für Jonny eröffnet sich eine völlig neue Welt jenseits des Ameisenhügels.
Das Buch ist frech und witzig und nachdenklich stimmend zugleich. Vor allem der Sprachwitz, der Grammatik-Fans allerdings die Haare sträuben lassen dürfte, macht das Buch zu einem echten Lesevergnügen. Die Illustrationen wirken sehr modern in ihrer Dreifarbigkeit und geben dem Buch gleichzeitig einen leichten Retro-Look.
Optisch und sprachlich also topp, aber inhaltlich war mir die Geschichte gerade gegen Ende zu holprig, zu "un-rund" in der Aneinanderreihung der sich immer mehr überstürzenden Ereignisse. Das Ende kam dann auch etwas abrupt und lässt viele Fragen offen, über die man natürlich diskutieren kann.
Ein Buch das äusserst positiv und erfrischend auffällt, dieser Leserin letztendlich aber nicht uneingeschränkt gefällt.

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Veröffentlicht am 10.02.2022

Schwankt zwischen herausragend und platt

The Maid
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Das Buch hat mich spontan angesprochen, konnte meine Erwartungen aber leider nicht erfüllen. Dabei wurde vieles richtig gemacht: mit Molly hat die Autorin eine ganz besondere Hauptperson geschaffen, die ...

Das Buch hat mich spontan angesprochen, konnte meine Erwartungen aber leider nicht erfüllen. Dabei wurde vieles richtig gemacht: mit Molly hat die Autorin eine ganz besondere Hauptperson geschaffen, die mir gleich sehr sympathisch war. Einerseits ist Molly naiv, gutgläubig, unsicher und kann andere Menschen überhaupt nicht einschätzen, weil sie das menschliche Verhalten nicht zu deuten versteht. Andererseits wirkt sie doch ziemlich clever und hat eine beneidenswerte Auffassungs- und fast schon fotografische Erinnerungsgabe. Zudem ist der Fall so richtig schön vertrackt und schafft den Spagat zwischen Vorhersehbarkeit und überraschenden Wendungen mit Bravour, so dass man bis zum Ende im Halbdunkel tappt.
Leider gibt es aber auch einige gravierende Punkte, die mir das Buch letztendlich verleidet haben: Mollys Person wirkt unausgeglichen, manchmal ist sie zu naiv, manchmal zu clever, so dass ihre Facetten insgesamt nicht recht zueinander passen wollen. Zudem war das Vokabular teilweise regelrecht nervtötend - das mag einerseits Mollys Andersartigkeit unterstreichen, aber ich frage mich trotzdem ob hier möglicherweise eine nicht ganz runde Übersetzung eine Mitschuld trägt. Was den Plot angeht, so waren die beteiligten Personen leider viel zu leicht durchschaubar und eindimensional - was zwar ebenfalls Mollys Unfähigkeit zu gesunder Menschenkenntnis betont, aber für mich als Leserin, die ja gemeinhin auch ein bisschen miträtseln mag, viel zu offensichtlich war. Die Auflösung des Mordes schließlich fand ich extrem enttäuschend - wo kam das denn auf einmal her? Da wollte die Autorin wohl nochmal eine große Überraschung obendrauf setzen, was meines Erachtens aber über das Ziel hinaus geschossen war.
Zur Hörbuchfassung muss ich leider sagen, dass mir die Stimme überhaupt nicht zugesagt hat. Sie hatte in meinen Ohren eine irgendwie weinerliche Tonlage, die aus Molly unnötigerweise ein noch größeres Naivchen gemacht hat als sie eigentlich war, so dass ich versucht war, permanent Mitleid zu empfinden, was aber auch nicht besser wäre als sich über Molly lustig zu machen, so wie die meisten ihrer Kolleg:innen es tun.
Fazit: ein toller Ansatz, der mich zwar in vielen Punkten begeistern konnte, letztendlich aber nicht ausgereift genug und zu durchschaubar war um wirklich zu begeistern.

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