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Veröffentlicht am 28.10.2024

Toll illustriertes Einstiegswerk, das noch ausführlicher hätte sein können

Smash the Patriarchy
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Thematisch und auch vom Humor her hat mich diese Graphic Novel an die von Liv Strömquist erinnert (natürlich 😅). Sie ist wirklich unglaublich schön illustriert und von einem zugänglichen Ton geprägt.

Einordnen ...

Thematisch und auch vom Humor her hat mich diese Graphic Novel an die von Liv Strömquist erinnert (natürlich 😅). Sie ist wirklich unglaublich schön illustriert und von einem zugänglichen Ton geprägt.

Einordnen würde ich sie eher als feministisches Einstiegswerk und ich hatte mir vom Untertitel ein wenig mehr Widerstandsgeschichten sowie Tiefe erhofft. Es werden allerdings nach einem kurzen geschichtlichen Abriss rund um Misogynie und Patriarchat (der mich sehr wütend gemacht hat - was bilden sich Männer eigentlich ein?! 🤬) eher Anekdoten von einzelnen widerständigen Frauen erzählt. Das finde ich auch nicht grundsätzlich schlecht, meine Erwartung war nur eine andere.

Für Menschen mit feministischer Vorprägung wird nicht viel grundlegend Neues dabei sein, ich fand das Buch aber trotzdem interessant - denn viele der Anekdoten waren mir noch nicht bekannt. Ein wenig mehr zu allgemeinen Widerstandsbewegungen hätte ich toll gefunden und in dem Zuge auch eine noch internationalere Sicht auf die sogenannten Wellen des Feminismus, die in ihrer Sichtbarkeit ja vor allem vom Globalen Norden dominiert werden. Die im Buch dargestellten Figuren waren aber nicht alle weiß und/oder cis, das fand ich sehr wichtig.

Eine kurzweilige Graphic Novel, die wütend macht, aber auch humoristische Elemente in sich trägt und die ein Anstoß für weiterführende Lektüre sein kann.

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Veröffentlicht am 24.10.2024

Augenöffnendes Sachbuch zum Thema Degrowth mit hoffnungsmachenden Vorschlägen und zugänglicher Schreibweise

Das Ende der Erschöpfung
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Sachbücher und ich haben gerade eine Beziehungskrise. 😅 „Das Ende der Erschöpfung“ hat mich aber trotzdem überzeugt, weil es theoretisch und praktisch wirklich sehr viel im Bereich Degrowth abdeckt.

Schon ...

Sachbücher und ich haben gerade eine Beziehungskrise. 😅 „Das Ende der Erschöpfung“ hat mich aber trotzdem überzeugt, weil es theoretisch und praktisch wirklich sehr viel im Bereich Degrowth abdeckt.

Schon vor vielen Jahren habe ich meinen ersten Kontakt mit der Postwachstumsökonomie gehabt und in dem Zuge viel über den Rebound-Effekt, Suffizienz- sowie Subsistenzwirtschaft und die Grenzen des Wachstums gelernt. Dieses Buch bietet noch einmal so viel mehr und blickt gleichermaßen in die Welt wie auf die deutsche Situation.

Das Buch startet mit einem kurzen Abriss zu den Problemen unseres aktuellen kapitalistischen Wirtschaftssystems und thematisiert dabei auch die Verknüpfungen zu Patriarchat und Kolonialismus. Ich mochte es ausdrücklich sehr, dass Katharina Mau klare und scharfe Worte für die Verantwortung des Globalen Nordens findet. Besonders hängen geblieben ist mir hier, dass die kurzfristigen Nachteile eines lokaleren Wirtschaftens für den Globalen Süden durch Reparationszahlungen abgemildert werden müssen. Eine so grundsätzlich einfache wie wirksame Idee!

Im viel längeren zweiten Teil tangiert Mau unzählige Bereiche unseres aktuellen Gesellschafts- bzw. Wirtschaftssystems. Es geht um Gerechtigkeitsdiskurse aka „Darf es eigentlich noch reiche Menschen geben?“, um die Neu-Strukturierung von Arbeit (Stichwort: Vier-in-einem-Perspektive), um das gute Leben für alle und die Umsetzbarkeit einer allgemeinen Grundversorgung, die uns ein Denken losgelöst von BIP und Wachstum überhaupt ermöglichen könnte. Etliche Konzepte werden in diesem Buch angerissen, viele Initiativen vorgestellt und klare Maßnahmen vorgeschlagen, ohne unser hochkomplexes System vereinfacht darzustellen.

Die Sprache ist grundsätzlich leicht zu verstehen, die Kapitelstrukturierung mit Zusammenfassungen am Ende fand ich auch sehr zugänglich. Die Autorin umreißt Einiges an makroökonomischer Theorie und geht auch mal detaillierter auf den Finanzmarkt ein, was ich etwas zäh fand. Andererseits: Wer kann VWL schon juicy machen?! 😅
Viel mehr Raum nehmen jedoch konkrete praxisorientierte Lösungsvorschläge ein - einige davon noch theoretisch, andere bereits etabliert. Diese Aufteilung hat mir gut gefallen und wer tiefer einsteigen will, kann das dank der vielen Quellen ganz einfach tun.

Ich bin ehrlicherweise etwas pessimistisch eingestellt, was den Kampf gegen die Klimakrise und die Umgestaltung unseres Wirtschaftssystems angeht. Und doch hat Katharina Mau es mit diesem Buch geschafft, dass ich motiviert und hoffnungsvoll(er) in die Zukunft blicke. Weil es Menschen gibt, die Ideen haben und diese leben. Weil wir trotz der ein oder anderen Einschränkung so massiv von einem neuen Wirtschaftssystem profitieren würden. Weil ein solches schlicht alternativlos ist. Und so anstrengend diese Aushandlungsprozesse sein werden: Aufgeben ist halt einfach keine Option. Das macht dieses Sachbuch sehr deutlich. 💪🏻

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Interessant, aber auch herausfordernd dicht und ziemlich verwirrend

Antichristie
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Ich mochte „Identitti“ richtig gerne und habe Einiges an Polarisierungspotential auch in Mithu Sanyals neuem Roman gefunden. Das Buch ist wirklich komplex, oft verwirrend und trotzdem witzig, weshalb ich ...

Ich mochte „Identitti“ richtig gerne und habe Einiges an Polarisierungspotential auch in Mithu Sanyals neuem Roman gefunden. Das Buch ist wirklich komplex, oft verwirrend und trotzdem witzig, weshalb ich in meinem Urteil sehr ambivalent bin. 🥴

Wirklich sicher bin ich mir darin, dass dies ein Roman für wiederholtes Lesen ist. Sanyal hat hier offensichtlich ein Recherche-Mammutprojekt bewältigt, so dicht ist das Werk. Beim ersten Lesen konnte ich unmöglich auch nur annähernd alles erfassen, was hier an Auseinandersetzung mit Identität und Kolonialisierung drin steckt. Ich habe zwar Einiges über den indischen Befreiungskampf gelernt und fand die Debatte rund um bewaffneten/unbewaffneten Widerstand sowie das Auftreten so vieler realer Figuren mit ihren diversen Positionen bereichernd. Doch hat mich die Fülle auch wirklich überfordert und ich hatte irgendwann Schwierigkeiten, der Handlung noch folgen zu können.

Die Zeitreise und Verblendung der beiden Figuren Sanjeev und Durga hat die Geschichte zwar innovativ, aber für mich auch deutlich schwerer lesbar gemacht. Ich habe mir deshalb Unterstützung vom Hörbuch geholt (Kompliment an der Stelle an die Hörbuchsprecherin! ❤️), welches die Figuren durch Stimmvarianz für mich deutlicher unterscheidbar gemacht hat. Parallel gelesen habe ich aber trotzdem, denn die vielen indischen Namen haben das Verständnis erschwert - und hier liegt gleichzeitig auch eine so deutliche Gesellschafts-/Literaturkritik: Warum kennen wir in der westlichen Literaturwelt so wenige Figuren mit indischen Namen?

Ich finde es herausragend, wie die Autorin es erneut schafft, gesellschaftspolitische Themen nicht nur innerhalb des Buches abzuhandeln, sondern damit einen Bogen zu schlagen zur lesenden Person selbst. Sicherlich kann „Antichristie“ nicht gelesen werden, ohne sich mindestens 35 Fragen zur eigenen Positionierung zu stellen. Dabei verfällt die Autorin nicht in vereinfachende Dogmen, was ich sehr schätze und auf positive Art herausfordernd finde.

Thematisch ist zwar nicht zwangsläufig Vorwissen vonnöten, ich habe aber schon gemerkt, dass auf Dauer zu viele mir unbekannte popkulturelle oder historische Referenzen drin waren. Selbst wenn diese zum Verständnis nicht wichtig sind, sorgt so etwas bei mir immer für Irritationsmomente und somit für einen gestörten Lesefluss. So spannend ich die Debatten rund um Intersektionalität, Aufarbeitung, Identität und historische Verantwortung in der Gegenwartsebene auch fand, so war mir das in der Gänze doch schlicht zu viel. Und den Krimi-Aspekt mit prominentem Gastauftritt fand ich zwar irgendwie fesselnd, aber mit allem anderen zusammen auch wieder… zu viel.

Für mehr als 3 Sterne war es mir persönlich also einfach zu chaotisch, sodass manche Themen im Zeitreisen-Trubel untergegangen sind. Trotzdem empfehle ich das Buch allen, die Sanyals Humor mögen und sich nicht vor dichten, philosophischen Werken scheuen, welche mit Aufmerksamkeit und ggf. mehrfach gelesen werden sollten.

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Einfach absurd

Minihorror
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Ich glaube, ich bin schlicht mit anderen Erwartungen ins Buch gestartet und war dann so irritiert ob der Absurdität. 🙈

Die sehr kurzen Geschichten lassen sich schnell lesen und ich denke, es hilft, wenn ...

Ich glaube, ich bin schlicht mit anderen Erwartungen ins Buch gestartet und war dann so irritiert ob der Absurdität. 🙈

Die sehr kurzen Geschichten lassen sich schnell lesen und ich denke, es hilft, wenn das Buch am Stück gelesen wird und mensch sich auf diese Weise hineinziehen lässt. Sobald ich mehr Zeit hatte und anfing, die Geschichten wirklich verstehen zu wollen, war es bei mir vorbei. Denn dann habe ich wahrgenommen, wie absurd und auch eklig Vieles in dem Buch war. Wenn ich es als Unterhaltung nebenbei akzeptieren konnte, fand ich es stellenweise sogar auch lustig und verständlich. Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass mensch entweder so einen Schreibstil wirklich mögen oder einfach in der richtigen Mood dafür sein muss. 😃

Der Klappentext ließ mich vermuten, dass es hier gesellschaftskritische Aspekte gibt und ich konnte die an manchen Stellen auch ausfindig machen. Bestimmt gibt es aber noch viel mehr, was ich aber aufgrund des (ich wiederhole mich) absurden Settings einfach nicht verstanden habe. Das fand ich schade, kann aber akzeptieren, dass das einfach nicht mein Buch war.

Vieles ist innovativ an diesem Werk und ich bin mir sicher, dass andere es richtig gut finden werden. Ich mag halt schon Ekel, Horror und creepy Elemente gar nicht und das war mir dann insgesamt zu viel. Zumal ich zu den beiden Figuren auch bis zum Ende gar kein Bild vor Augen hatte oder eine Beziehung aufbauen konnte. Das liegt am fragmentarischen Bau des Buches und muss kein grundlegender Nachteil sein, es gefiel mir nur nicht, weil ich es von einer figurengetriebenen Geschichte anders erwartet habe.

Ich gebe nicht noch weniger Sterne, weil ich es trotzdem kurzweilig fand. Nur bleibt einfach nichts bei mir hängen und ich hätte es, was das Nachwirken angeht, genauso gut auch nicht lesen können.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Ein ruhiger, sanfter und vergebungsvoller Roman

Ein menschlicher Fehler
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Ich war erst unschlüssig, ob ich den Roman lesen sollte, weil mich „Die Tochter“ nicht so ganz catchen konnte. Aber ich bin richtig froh, dass ich meinem Bauchgefühl hier gefolgt bin und dieses besondere ...

Ich war erst unschlüssig, ob ich den Roman lesen sollte, weil mich „Die Tochter“ nicht so ganz catchen konnte. Aber ich bin richtig froh, dass ich meinem Bauchgefühl hier gefolgt bin und dieses besondere und zarte Buch nicht habe an mir vorbeiziehen lassen.

Hae-Su war einst eine erfolgreiche Psychotherapeutin, verlor aber ihren Job nach einer unbedachten und folgenschweren Aussage im Fernsehen. Seit einem Jahr verbringt sie ihre Zeit allein in Seoul, ohne Kontakte zu anderen Menschen. Eines Tages trifft sie auf die zehnjährige Se-I, die ebenfalls eine Verstoßene zu sein scheint. Doch für mich viel prägender war der Kontakt zu Straßenkatze Rübe, die dringend medizinische Hilfe braucht, sich aber nicht einfangen lassen will. Es entsteht ein Band zwischen diesen drei Figuren, das mich wirklich berührt hat.

Eine große Stärke des Romans ist seine Interpretationsvielfalt. Die Autorin schreibt auch selbst im Nachwort, dass „Ein menschlicher Fehler“ hoffentlich individuell verschieden gelesen wird - je nachdem, was im Innersten der Lesenden gerade los ist. Kim Hye-jin schreibt beobachtend, wertfrei und ruhig. Der Schreibstil ist zugänglich, hat aber auch einen gewissen Anspruch. Vor allem erfordert das Lesen meiner Meinung nach Raum zum Fühlen, um die feinen Nuancen wahrnehmen zu können.

Die Protagonistin Hae-Su kämpft ihren eigenen Kampf in Bezug auf Verantwortung, Schuld und Abwehr. Deshalb schreibt sie täglich Briefe an Journalist*innen, den ehemaligen Chef, eine Kollegin oder eine enge Vertraute, von denen sie sich nach dem Fehler ungerecht behandelt fühlte. Doch sie kann nicht ausdrücken, was sie eigentlich sagen möchte und bricht alle Briefe ab. Denn was sie eigentlich sucht, ist eine Vergebung für ihren Fehler, die aus ihr selbst kommt. Dabei hilft ihr auch die fragile Beziehung zu Rübe, in dessen Schicksal als wenig beachtete bzw. verachtete Straßenkatze sie sich zu sehen scheint.

Für mich war dieser Roman ein Plädoyer für Menschlichkeit, Respekt und Sanftheit. Die Autorin webt die drei so verschiedenen Figuren auf eine unaufgeregte, liebevolle Art ineinander. Ein wirklich tolles Buch, dessen Essenz ich irgendwie nicht so ganz zufriedenstellend in Worte fassen kann. Lest es am besten selbst und nehmt euch daraus mit, was ihr gerade am meisten braucht. 🫶🏻
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Triggerwarnungen:
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Mobbing, Suiz-d, Wunden bei Tieren

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